Walibi Holland (2019)

Ein wildes und ungezähmtes Biest


Bislang hat Rocky Mountain Construction  (kurz RMC) meist nur ältere Holzachterbahnen mit einem miesen Ruf ein neues Leben beschert, doch dass es auch grundsolide und absolut großartige Holzachterbahnen betreffen würde, das war neu. Robin Hood war seit meiner ersten Fahrt im Jahr 2009 eine meiner Lieblingsachterbahnen, zeitweise durch die ungewisse Zukunft der Holzachterbahn Colossos aus dem Heide Park in Soltau war sie sogar auf dem ersten Platz meiner Holzachterbahn-Favoriten – warum also baut man sie um? Versteht mich nicht falsch, ich bin auf eurer Seite. Für den Park hat der Umbau ja auch Vorteile, die man nicht leugnen sollte, sei es nun der geringere Wartungsaufwand oder die große Werbewirkung einer solchen Achterbahn. Untamed ist in aller Munde und das hat durchaus seine Berechtigung.

Mit dem Einzug von Untamed hat sich auch der Themenbereich Sherwood Forest grundliegend verändert und sich somit vorheriger Anpassungen in diesem Bereich angepasst. Der Themenbereich Wilderness greift das Festival-Leitmotiv des Freizeitparks auf und ergänzt es durch eine neue, hippe Bepflanzung und bunt lackierten Fahrgeschäfte. Aus dem schnieken Top Spin Excalibur wurde Blast und die ehemals dezent wirkende Burg von Merlin’s Magic Castle wirkt nun durch seine Wall Art wie aus einem Drogentrip entsprungen. Außer diesen Anpassungen gibt es jedoch keine Änderungen, was gerade bei der Fahrt auf dem Vekoma Mad House ein wenig befremdlich wirkt. 

Doch kommen wir jetzt zur Fahrt auf der neuen Achterbahn. Nachdem man die nun wunderschön gestaltete Warteschlange hinter sich gelassen hat, oder aber als Single Rider ein wenig auf der Treppe vor der Station gewartet hat, wird man einem Sitz eingeteilt. Kurz darauf drücken einem die Mitarbeiter den Bügel fachmännisch zu, woraufhin sich die Fahrt effektvoll in Gange setzt. Nach der Station folgt dann sogleich eine zur falschen Seite geneigte Wende, woraufhin der Lifthügel der Achterbahn erreicht wird. Dieser bringt einen dann auf die Ausgangshöhe von 36,5m und somit 4m höher als es zuvor der Fall war.

Mit einer maximalen Neigung von 80° stürzen wir uns sogleich zu Boden. Hier rasen wir dann über einen sehr winzigen Speedbump, ehe wir uns absolut gekonnt in die Höhe schrauben. Sehr ähnlich einer Banana Roll erleben wir auf dem 270° Double Inverting Stall ein absolut brillantes Inversionsspiel, bei dem wir uns zu erst in die eine Richtung und dann in die andere Richtung wegrollen und zwischendrin auch noch etwas seitliche Airtime erleben. Wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen erleben wir sogleich ein airtimereiche Double-Up Element, wobei wir dann in eine Linkskurve übergehen. Zwei weitere Hügel später stehen wir ein weiteres Mal Kopf, wenn wir uns dem aus Sicht des Besuchers vorderen Wendepunkts der Fahrt nähern. Nach einem druckreichen Wendemanöver widmen wir uns nun dem Rückweg, wobei es nun in schneller Taktung über zahlreiche Hügel mit einer gehörigen Prise Ejector-Airtime geht. Hierbei schlägt man dann immer wieder an den Bügel, der ein Hinausfallen aus dem Zug effizient verhindert. Über einen verdrehten Hügel wird dann das Finale der Fahrt eingeleitet. Nun geht es im immer schneller werdenden Wechsel über Stock und Stein, ehe dann eine weitere Rolle (knapp oberhalb des Bodens) eingeleitet wird. Nach dieser fulminanten Orgie geht es dann noch einmal relativ plötzlich hinab, ehe die Bremsstrecke der Anlage erreicht wird.

Untamed ist ein würdevoller Nachfolger der Holzachterbahn Robin Hood. Die Fahrt ist schlichtweg atemberaubend und kann viele einzigartige Elemente aufweisen, die in ihrer Art einfach nur abgefahren und absolut großartig sind. Dementsprechend hat man mit Untamed einfach alles richtig gemacht. Auch wäre ich gerne öfters als nur zwei Runden gefahren, aber auch das wird sich sicherlich noch ergeben, sofern der erste Ansturm irgendwann mal gelegt haben wird. Bis dahin bleibe ich gespannt auf meine nächste Fahrt und freue mich wie immer auf einen weiteren Besuch in Walibi Holland. 

O du fröhliche, o du seelige…


Es ist mal wieder soweit. Seit Anfang November befinden sich die meisten saisonal geöffneten Freizeitparks in der wohlverdienten Winterpause. Alle Freizeitparks? Nein! Einige ausgewählte starten nun noch einmal durch und präsentieren ihren Parkbesuchern eine weihnachtlich gestaltete Wunderwelt. Neben den bekannten Klassikern gibt es in diesem Jahr erstaunlich viele neue Events zu entdecken. Darüber hinaus gibt es immer mehr Joint Ventures aus Weihnachtsmarkt und Kirmes, die bereits heute mit ihrer Beschickung den Veranstaltungen im Sommer die Show stehlen können. 

Deutschland

In Deutschland konnten sich der Europa Park und das Phantasialand mit ihren Winteröffnungen durchsetzen. Während es in den ersten Jahren doch eher ruhig zu ging, so sind beide Parks mittlerweile recht gut besucht. Der Wintertraum im Phantasialand bietet mit seinen aufwändigen Shows und der dichten Beleuchtung eine hervorragende Möglichkeit den Park neu für sich zu entdecken. Darüber hinaus sind – mit Ausnahme der Wasserbahn River Quest – alle Fahrgeschäfte im Betrieb. Ähnlich sieht es seit diesem Jahr mit dem Europa Park aus.

Nach dem Erfolg des ersten Weihnachtsmarktes im Fort Fun Abenteuerland im letzten Jahr, findet auch in diesem Jahr der Fort Fun Xmas Market statt. Für einen geringen Eintrittspreis erwarten den Besucher ausgewählte Fahrgeschäfte, sowie eine winterlich geschmückte Westernstadt. Freunde rasanter Rundfahrgeschäfte kommen derweil beim ersten Cranger Weihnachtszauber voll auf ihre Kosten. Die Mischung aus Kirmes und Weihnachtsmarkt ist ein Novum im Ruhrgebiet. Zuvor gab es bereits in Berlin den Wintertraum am Alexa, der in diesem Jahr auf Grund von Bauarbeiten jedoch nicht stattfinden kann.

Für Freunde klassischer Weihnachtsmärkte empfiehlt sich in diesem Jahr der Weg nach Kassel, denn in der berühmten Treppenstraße baute in diesem Jahr der Schausteller Ruppert die erste Eisrutsche des Hersteller Wiegand Maelzer auf. Mit Schwung geht es – ganz ähnlich den Russischen Bergen (dem Vorgänger der Achterbahn) – über mehrere Wellen hinab.

Frankreich

Zu Weihnachten lockt in Frankreich vor allem Disney die Besucher in einen Freizeitpark. Ebenfalls ganzjährig geöffnet ist der Jardin d’Acclimatation im Bois de Boulogne, der in diesem Jahr massiv erweitert wurde und allerhand neue Fahrgeschäfte vorweisen kann. Wer jedoch nicht nach Paris reisen möchte, der kann in diesem Jahr erstmalig zur Winteröffnung im Cigoland vorbeischauen. Zu finden ist der sympathische Familienfreizeitpark im Elsass, nur wenige Kilometer vom Europa Park entfernt. 

Niederlande

In diesem Jahr feiert der Winter Efteling sein 20. Jubiläum. Die schönste Zeit des Jahres hat in Efteling eine ganz besondere Atmosphäre, die man keinesfalls missen sollte. Wen die eine oder andere Nachtfahrt auf Joris en de Draak nicht genug ist, der kann auch während der magischen Winterwochen im Toverland vorbei schauen. Die Holzachterbahn Troy steht während dieser Zeit den Parkbesuchern zur Verfügung, danach reduziert sich das Angebot wieder auf die beiden Hallen des Freizeitparks. 

Belgien

An der belgischen Küste zeigt sich das Winter Plopsaland auch in diesem Jahr von seiner besten Seite. Das Event, welches nun bereits zum zwölften Mal stattfindet, lädt geradezu zu unzähligen Fahrten auf den Achterbahnen Anubis und Heidi – The Ride ein. Gerade in Kombination mit dem Schwimmbad Plopsaqua lohnt sich ein Besuch zu dieser Jahreszeit. 

Dänemark

So traditionell wie der Freizeitpark Tivoli Gardens in der Nähe des Kopenhagener Hauptbahnhofs, so traditionell ist auch der Winter Tivoli. Interessanterweise gab es im Zeitraum von 2008 – 2013 mit Jul Expressen sogar eine eigene Achterbahn, die nur in diesem Zeitraum aufgebaut wurde. Aber auch ohne dieses Gimmick ist der Tivoli immer ein Besuch wert. In diesem Jahr wird es auch erstmals eine weitere Sonderöffnung im Februar geben. 

Schweden

Der Freizeitpark Liseberg in der schwedischen Stadt Göteburg öffnet auch in diesem Jahr seine Pforten zu Weihnachten. Eine ideale Gelegenheit sich das weihnachtliche Treiben der Stadt anzusehen und danach die ein oder andere Runde auf den Achterbahnen des Parks zu drehen. 

Italien

Auch in Italien laden gleich mehrere große Parks zu ihrer Winteröffnung ein. Der bekannteste dieser dürfte für viele das Gardaland direkt am Gardasee sein. Doch auch in der Nähe von Rom gibt es einiges zu bestaunen. Hier sticht vor allem der Filmpark Cinecittà World hervor, der mit seinen qualitativ sehr hochwertigen Filmkulissen, wie auch Fahrgeschäften absolut zu überzeugen weiß. Nur wenige Kilometer entfernt, unterhalten Seelöwen und Delphine, wie auch ein alter Looping Star aus dem Hause Schwarzkopf die Parkgäste des Tier- und Freizeitparks Zoomarine. Wer jedoch mit kleinen Kindern unterwegs ist, der sollte beim Freizeitpark Leolandia bei Mailand unbedingt vorbeischauen.

Spanien

Auch in Spanien dürften die Temperaturen ähnlich angenehm sein wie in Italien. Zum Winter zeigen sich die beiden größten Freizeitparks des Landes in ihrer vollen Pracht. Sowohl im Parque Warner bei Madrid, wie auch in den Freizeitparks der Port Aventura World bei Tarragona überzeugt das Event vor allem durch die groß angelegten Shows. Bis auf die Wasserattraktionen stehen in den Parks alle Fahrgeschäfte zur Verfügung. 

Vereinigtes Königreich

Der Winter auf der Insel ist vor allem durch die Winter Wonderland genannten Veranstaltungen geprägt. Die Fahrgeschäfte der Schausteller werden in dieser Zeit festlich geschmückt, teilweise sogar ganz neu gestaltet und eingehaust. Viele der Schausteller kommen aus Deutschland. Dabei ist das Winter Wonderland im Londoner Hyde Park zur wohl bekanntesten Kirmes in England herangewachsen, was unter anderem an dem regelmäßigen Gastspiel des München Loopings (oftmals jedoch Munich Looping genannt) – also unserem Olympia Looping – liegt. Eine weitere große Veranstaltungen befinden sich in Stoke-on-Trent. Wer hingegen auf Kirmes verzichten kann, jedoch von Weihnachtsmärkten absolut nicht genug bekommen kann, der darf auch gerne mal auf dem größten deutschen Weihnachtsmarkt in der Stadt Birmingham vorbeischauen. 

Zum February Half Term öffnen dann fast alle großen Freizeitparks im Vereinigten Königreich ihre Pforten. Dabei hat der Parkbesucher das Vergnügen bei zumeist eher unangenehmen Temperaturen die eine oder mehrere Runden auf ausgewählten Attraktionen zu drehen. Besonders wagemutige können dann eine Fahrt auf der Wildwasserbahn Valhalla im Blackpool Pleasure Beach wagen, von der man sich mit Sicherheit erst einmal mehrere Tage erholen muss.