Ein wildes und ungezähmtes Biest


Bislang hat Rocky Mountain Construction  (kurz RMC) meist nur ältere Holzachterbahnen mit einem miesen Ruf ein neues Leben beschert, doch dass es auch grundsolide und absolut großartige Holzachterbahnen betreffen würde, das war neu. Robin Hood war seit meiner ersten Fahrt im Jahr 2009 eine meiner Lieblingsachterbahnen, zeitweise durch die ungewisse Zukunft der Holzachterbahn Colossos aus dem Heide Park in Soltau war sie sogar auf dem ersten Platz meiner Holzachterbahn-Favoriten – warum also baut man sie um? Versteht mich nicht falsch, ich bin auf eurer Seite. Für den Park hat der Umbau ja auch Vorteile, die man nicht leugnen sollte, sei es nun der geringere Wartungsaufwand oder die große Werbewirkung einer solchen Achterbahn. Untamed ist in aller Munde und das hat durchaus seine Berechtigung.

Mit dem Einzug von Untamed hat sich auch der Themenbereich Sherwood Forest grundliegend verändert und sich somit vorheriger Anpassungen in diesem Bereich angepasst. Der Themenbereich Wilderness greift das Festival-Leitmotiv des Freizeitparks auf und ergänzt es durch eine neue, hippe Bepflanzung und bunt lackierten Fahrgeschäfte. Aus dem schnieken Top Spin Excalibur wurde Blast und die ehemals dezent wirkende Burg von Merlin’s Magic Castle wirkt nun durch seine Wall Art wie aus einem Drogentrip entsprungen. Außer diesen Anpassungen gibt es jedoch keine Änderungen, was gerade bei der Fahrt auf dem Vekoma Mad House ein wenig befremdlich wirkt. 

Doch kommen wir jetzt zur Fahrt auf der neuen Achterbahn. Nachdem man die nun wunderschön gestaltete Warteschlange hinter sich gelassen hat, oder aber als Single Rider ein wenig auf der Treppe vor der Station gewartet hat, wird man einem Sitz eingeteilt. Kurz darauf drücken einem die Mitarbeiter den Bügel fachmännisch zu, woraufhin sich die Fahrt effektvoll in Gange setzt. Nach der Station folgt dann sogleich eine zur falschen Seite geneigte Wende, woraufhin der Lifthügel der Achterbahn erreicht wird. Dieser bringt einen dann auf die Ausgangshöhe von 36,5m und somit 4m höher als es zuvor der Fall war.

Mit einer maximalen Neigung von 80° stürzen wir uns sogleich zu Boden. Hier rasen wir dann über einen sehr winzigen Speedbump, ehe wir uns absolut gekonnt in die Höhe schrauben. Sehr ähnlich einer Banana Roll erleben wir auf dem 270° Double Inverting Stall ein absolut brillantes Inversionsspiel, bei dem wir uns zu erst in die eine Richtung und dann in die andere Richtung wegrollen und zwischendrin auch noch etwas seitliche Airtime erleben. Wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen erleben wir sogleich ein airtimereiche Double-Up Element, wobei wir dann in eine Linkskurve übergehen. Zwei weitere Hügel später stehen wir ein weiteres Mal Kopf, wenn wir uns dem aus Sicht des Besuchers vorderen Wendepunkts der Fahrt nähern. Nach einem druckreichen Wendemanöver widmen wir uns nun dem Rückweg, wobei es nun in schneller Taktung über zahlreiche Hügel mit einer gehörigen Prise Ejector-Airtime geht. Hierbei schlägt man dann immer wieder an den Bügel, der ein Hinausfallen aus dem Zug effizient verhindert. Über einen verdrehten Hügel wird dann das Finale der Fahrt eingeleitet. Nun geht es im immer schneller werdenden Wechsel über Stock und Stein, ehe dann eine weitere Rolle (knapp oberhalb des Bodens) eingeleitet wird. Nach dieser fulminanten Orgie geht es dann noch einmal relativ plötzlich hinab, ehe die Bremsstrecke der Anlage erreicht wird.

Untamed ist ein würdevoller Nachfolger der Holzachterbahn Robin Hood. Die Fahrt ist schlichtweg atemberaubend und kann viele einzigartige Elemente aufweisen, die in ihrer Art einfach nur abgefahren und absolut großartig sind. Dementsprechend hat man mit Untamed einfach alles richtig gemacht. Auch wäre ich gerne öfters als nur zwei Runden gefahren, aber auch das wird sich sicherlich noch ergeben, sofern der erste Ansturm irgendwann mal gelegt haben wird. Bis dahin bleibe ich gespannt auf meine nächste Fahrt und freue mich wie immer auf einen weiteren Besuch in Walibi Holland. 

Spaß auf Tiki-Waka


Nach diesem furchtbar anstrengenden Schlauch von Anreise sah die Welt nach einem erholsamen tiefen Schlaf und einem wirklich sehr guten Frühstück tags darauf dann zum Glück wieder etwas rosiger aus, so dass ich nach dem Frischmachen nun das erste Ziel für heute und den ersten Hauptgegenstand des Berichts ansteuerte: Walibi Belgium.

Die Fahrt dahin war von Vilvoorde aus zwar nicht mehr sehr lang, aber für einen ortsunkundigen Touristen dennoch eine kleine Herausforderung. Auf dem Papier sieht die zu fahrende Strecke absolut machbar aus, beinhaltet aber zwei Manöver, wo man auf der Ringautobahn innert kurzer Distanz über mehrere Spuren nach links wechseln muss – wobei aber zu jeder Tages- und Nachtzeit ein krasser Kontrast zwischen den rechten und linken zwei Spuren herrscht, da auf der einen Seite praktisch alles still steht und auf der anderen mit 120 bedrohlich gedrängelt wird. Wundert mich echt, dass da überhaupt die Höchstgeschwindigkeit zugelassen ist – solche Stellen wären in unserem Sprachraum eher auf 100 oder gar 80 reguliert.

Und selbst wenn man es dann mal rüber geschafft hat, war es furchtbar unangenehm, am letztmöglichen Punkt praktisch im Stillstand mit Blinker nach links zu stehen und zu hoffen, dass sich irgendein Fahrer da mal erbarmt und einen reinlässt, während mit beängstigendem Tempo sich von hinten nähernde Nachkommer hupten und superknapp rechts an einem vorbeidüsten – nur um dann noch weiter vorn dasselbe wie ich zu machen, aber schon weit über die gestrichelte Linie hinaus. Da hab ich leider wahrlich kein gutes Bild von Belgien mitgenommen – das Anwenden des Reissverschluss-Verfahrens oder eine gewisse Toleranz gegenüber offensichtlichen Touristen mit ausländischem Nummernschild war irgendwie in der ganzen Stadt Fehlanzeige. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass im Grossraum Brüssel immer und überall irgendwo Verkehrsüberlastung und Stau vorherrscht, so dass die Fahrer entweder stehen oder dann dadurch verlorene Zeit rasend wieder aufholen, wenn sich die Lage etwas lichtet. Aufs Gesamte betrachtet sollte man sich entweder nach ÖV-Alternativen umsehen oder dann ein dickes Nervenkostüm für die grauenhaft hektische Fahrweise der Bälgier™ (Patent auf den Begriff beantragt 😉) mitbringen.

Irgendwann war dann endlich der Ort des Geschehens erreicht, wo sich trotz zeitiger Ankunft vor der Öffnung um 10.00 Uhr bereits eine beachtliche Menschen- und Fahrzeugmenge auf dem Parkplatz eingefunden hatte. Anlässlich des Feiertags der französischen Gemeinschaft Belgiens war der Park ausnahmsweise mal an einem Donnerstag geöffnet, wo man ansonsten bereits zu Weekend-only-Operations übergegangen war. Klar wollten dies viele Wallonier nicht ungenutzt lassen – trotz noch kühlen 12°C herrschte ja allerschönstes Sonnenscheinwetter vor.

Da ich mein Ticket vorab bereits online gekauft und aufs Smartphone geladen hatte, brauchte ich dies am Eingang nur noch zu zücken und abzuscannen – und schon stand ich in der einladenden Mainstreet des Parks.

An deren Ende wurde man bis punkt 10.00 Uhr noch zurück gehalten, dann wurde das Tor aufgesperrt und die aufgestaute Meute in den Park gelassen. Disclaimer vorab: Da das ebenfalls noch am gleichen Tag zu absolvierende Océade bloss bis 18.00 Uhr geöffnet hatte, konnte ich dem Park nicht die Zeit einräumen, die er eigentlich verdienen und angesichts der heutigen Fülle schlicht auch benötigen würde. Ich hatte mich im Vorfeld darauf eingestellt, nach dem Tor erst einmal nach links zu marschieren und den Park entgegen des gemeinhin üblichen Kundenstroms also im Uhrzeigersinn um den See herum zu erkundigen und zu sehen, was sich auf diese Weise alles schaffen lässt. Zwischen 14.30 und 15.00 Uhr musste ich spätestens weiter, um noch rechtzeitig beim Océade zu sein – daher rechnete ich mit maximal einer Fahrt auf den sieben Coastern und notfalls noch mit erkauften Bonus-Fahrten, da der Park für 15€ eine recht faire Light-Speedy-Pass-Variante anbietet, die viermaliges Vordrängeln erlaubt. Diese etwas gehetzte Besuchsweise mit Tendenz zum Abfrühstücken wird sich im Bericht leider zwangsläufig ein bisschen widerspiegeln. Seid euch aber bewusst, dass das von der Planung her einfach nicht anders ging und ich angesichts des vorgestellten Masterplans für die nächsten paar Jahre eh in Bälde vorhabe, für eine ausführlichere Visite zurück zu kehren.

Nach dem Aufsperren der Tore ging es also schnurstracks nach links, an den Rutschen des dem Park zugehörigen Plauschbads Aqualibi und der Seefront vorbei. Dann landet man als erstes beim Vekoma Boomerang Cobra, der als Tageseinstieg komplett schlangenlos – kicher! – mitgenommen werden durfte.

Zur ausreichend bekannten Fahrt eines Boomerangs muss glaube ich nicht mehr viel geschrieben werden. Wenn so ein Ding ohne Wartezeit mitgenommen werden kann und es darüber hinaus noch ein so smoothes Exemplar wie das hiesige ist, dann machen mir die Dinger unglaublich viel Spass! Besonders der immer wieder unterschätze Druck im Looping während der Rückwärtsrunde machte nach so langer Pause – den letzten richtigen Boomerang bin ich meine ich vor zwei Jahren in Darien Lake gefahren – so richtig Laune!

Randnotiz: Obwohl gleich zwei Ride-OPs während der Bügelkontrolle nichts beanstandet haben, wies mich ein offenbar zu einem kurzen Check vorbeigekommener und am Ausgang der Bahn stehender Parkaufseher an, ich solle meine Sonnenbrille absetzen und während der Fahrt in die Hand nehmen. Wieder mal helvetisch paraphrasiert: Der hat wohl auch nur was gesagt, damit er heute auch tatsächlich was zu sagen hatte.

Als nächstes an der Reihe war eine sehr geschichtsträchtige Bahn mit Seltenheitswert! Der heute als Psyké Underground auftretende Schwarzkopf Shuttle Loop wurde 1982 quasi als Hand-me-down von einem seine Bestellung storniert habenden japanischen Park gekauft und eröffnete als Sirocco hier im Park. Spätestens 1997 hat sich die Anlage ins öffentliche Gedächtnis, öhm, katapultiert, da ein Zusammenspiel von Faktoren mit sehr unwahrscheinlicher Auftretungswahrscheinlichkeit tatsächlich dafür sorgte, dass der Zug präzise im Scheitelpunkt des Loopings stecken blieb. Um den Imageschaden in Grenzen zu halten, wurde der Looping zwei Jahre später eingehaust und die Anlage fortan Turbine genannt – und so wird sie wohl den meisten RCT-Fans und Onridern nicht zuletzt auch aufgrund eines prominenten hiernach benannten Forenmitglieds in erster Linie bekannt sein.

In der Saison 2008 häuften sich die Probleme mit der Bahn, so dass zuletzt nur noch alle fünf Minuten ein Zug abgeschossen werden konnte und daraufhin schliesslich die Reissleine gezogen wurde. Fast vier Jahre lang stand die Bahn still, bevor in Zusammenarbeit mit Gerstlauer das Launchsystem von Flywheel auf LIM umgerüstet wurde und die Anlage mit neuen Schwarzkopf-Replik-Zügen gleichen Hauses, nunmehr beidseitig eingehausten Spikes zur Lärmreduzierung für die Anwohner und natürlich neuem Thema 2013 eben als Psyké Underground neu eröffnete.

Die Thematisierung der Bahn ist heute im 2011 ge-revampten oder hier vielleicht passender ausgedrückt relaunchten Walibi-Comic-Universum angesiedelt und dreht sich um eine Stadt im Untergrund, „wo die Musik noch frei ist“… Ähm, ja. Ich muss mich da ganz ehrlich gesagt zur Fraktion zählen, die das alte knuffige Walibi vermissen und die neuen etwas älter gewordenen 3D-Figuren und insbesondere das ganze Band-Battle-Gedöhns einfach nur blöd findet. Aber das ist wohl der Geschmack der Zeit. Die Aufwertung und Umthematisierung begrüße ich zwar, kann mich mit dem Konzept aber nicht 100%ig anfreunden.

Gewiss zähle ich natürlich überhaupt nicht zur anvisierten Zielgruppe und habe auch nicht den Vergleich zu vorher, da der im Bericht geschilderte ja mein Erstbesuch in einem Walibi-Park überhaupt war. Man muss aber zweifellos – wie obig ja auch zitiert – anerkennen, dass der mit dem Rebranding einhergehende Investitionsschub den Walibi-Parks ganz allgemein wohl sehr gut getan hat, und man den Shuttle Loop ohne diesen womöglich gar nicht fahren könnte in der heutigen Form.

Trotz inzwischen jahrzehntelanger Coaster-Nachpilgerei und v.a. vollkommen massloser Anwendung dieses Coastertypus in der RCT-Franchise – gerne auch mit Interlocking Loops um noch mehr Geld zu scheffeln – war dies tatsächlich mein allererster Shuttle Loop! Und er hat definitiv alles gehalten, was ich mir davon versprochen habe. In der verschiedenfarbig ausgeleuchteten Station gab es erst einmal ein Wiedersehen mit den mir schon aus Hershey von Sooperdooperlooper her bekannten Gerstlauer-Repliken der alten Schwarzkopf-Züge mit den super-bequemen Sitzen und Bügeln, die auch rasch durchkontrolliert sind.

Nachdem die Psyké Tante auf den Screens mit dem Vorlauf-Jingle ihr Tantrum von wegen das System endlich zu starten beendet hat, rollt man ein kleines Stück weit in Schritttempo aus der Station in den Launchtunnel hinein. Erst dort wird nach einem weiteren kurzen Countdown dann der eigentliche Hauptschub eingeleitet. Damit hab ich ganz ehrlich gar nicht gerechnet – von der alten Turbine hatte ich noch Videos im Hinterkopf, wonach man dort aus dem Stillstand in der Station direkt voll beschleunigt wurde; und ich hab wohl einfach ohne mich grossartig vorab über Psyké Underground zu informieren angenommen, dass das auch bei der Umrüstung so gehandhabt wird. Aber rein grundsätzlich ist das ja gar nichts Schlechtes, da der Launch auf diese Art womöglich sogar etwas knackiger ist, da das gleiche Tempo innert kürzerer Distanz erreicht werden muss? Vielleicht ist das halt eine Frage des Erstkontakts, da man doch von einigen Stimmen liest, die den alten Schwungrad-Abschuss etwas thrilliger fanden. Aber da ich persönlich den Vergleich hierzu halt nicht habe, kann ich nur sagen: Bombensache und ein überaus hübsches Trittchen, dieser Launch!

Danach rast man in völliger Dunkelheit durch den gewohnt druckvollen, kreisrunden Schwarzkopf-Looping – wobei man durch den konstanten Pressdruck ganz Flight-of-Fear-mässig nicht so recht weiss, wo oben und unten ist. Anschliessend pendelt man auf dem bis zu 42 Meter Höhe erreichenden Vorwärtsspike aus und absolviert mit dem so gewonnenen Tempo dies Plaisirchen von Loop nun bekanntlich noch einmal rückwärts – einfach klasse! In der Station greifen dann einige ziemlich entschleunigende Bremsen zu, so dass man auf dem hinteren Turm nicht ansatzweise die Höhe gewinnt wie in der Vorwärtsrichtung. Aber da ist die auch so richtig tolle und geniale kurze Fahrt eh schon bald zu Ende.

Was für ein Ritt! Meine Shuttle-Loop-Premiere hat jedenfalls nicht enttäuscht und bei einem leeren Park wäre ich hier wohl kaum mehr wegzukriegen gewesen. Gerstlauer hat hier wirklich eine tolle Leistung erbracht, das alte Goldstück erfolgreich für die 2010er- und hoffentlich auch noch viele weitere Jahre wieder fahrtüchtig zu machen. Alle Daumen rauf!

Sorry, liebes Belgien, für unseren EDM-Export Quentin Mosimann. Aber warum entscheidet ihr euch als Land von Bonzaï und mehreren jonesigen Wiedergeburten denn ausgerechnet für ein Romandie-Outsourcing aus grausamem Elternhause?

Nun war der See in der Parkmitte zur Hälfte umrundet und die nächste Station daher der Exoten-Themenbereich, wo sich die Neuheit dieses Jahres befindet: der Gerstlauer Bobsled Tiki-Waka. Der Themenbereich und die Anlage selbst machen einiges her, erinnern durch die Gestaltungselemente tatsächlich ein wenig an die Busch Gardens Tampa Bay und werden vom Publikum auch sehr gut angenommen. Also nichts wie rein in die zu dieser Uhrzeit noch überschaubar aussehende Schlange!

Leider hatte ich hier so richtig Pech. Die Schlange reichte zu meinem Eintreffen ein kleines Stück über die Tiki-Statue mit den drehbaren Gesichtsteilen im letzten Drittel der Schlange hinaus. Ich hätte geschätzt, dass man ab da bei Normalbetrieb noch allerhöchstens 20-25 Minuten steht. Unglücklicherweise gab es ganz kurz nach meinem Eintreffen etwa einen zehnminütigen Komplettstillstand. Da ging absolut gar nichts mehr, alle fünf Wagen standen in der Station und den Bremsbereichen. Nachdem wahrscheinlich dann irgendwann die Techniker kamen und die Bahn irgendwie wieder kurzzeitig zum Laufen brachten – reine Vermutung von mir, da ich zu dieser Zeit ja an einer Stelle weit unterhalb stand, wo man nicht sieht, was in der Station gerade passiert – fanden dann vier oder fünf Fahrten mit Passagieren statt und kurz danach gab es wieder etwa fünf bis sieben Minuten Stillstand. Nach den daraufhin folgenden Leerfahrten schien dann alles wieder klar zu sein und die Wagen konnten wieder normal Passagiere aufnehmen.

Bis ich dann Platz nehmen konnte dauerte es dennoch etwas – insgesamt habe ich mit allen Pannen einberechnet eine Dreiviertelstunde gewartet. Vom oberen Deck beim Einsteigebereich sah man, dass sich die Warteschlange aufgrund der Downtimes nun einmal quer über den ganzen Vorplatz erstreckte und dann vom Personal auch der letzte Zickzack-Abschnitt der Queue geöffnet wurde. Nach absolvierter Fahrt war die Wartezeit auf den Bildschirmen im Park konstant mit 65-75 Min. beziffert.

Was halt auch nicht half: Speedy-Pass-Inhaber wurden beim Einteilen seeehr bevorzugt behandelt (ich meine, es sassen in jedem zweiten Wagen vier Speedy-Pass-Inhaber) und ironischerweise eben auch beim Einlass an sich mit nicht zu verachtendem zusätzlichem Zeitaufwand. Da aufgrund des Novitätsfaktors und der im Vergleich mit anderen Anlagen im Park schon eher niedrigen Kapazität von 600 pph beim Unlimited Pass nur eine Fahrt mit Tiki-Waka inklusive ist, wird dieser mit so einer Schaffner-mässigen Kontrollzange abgeknipst. Und bei der Variante mit 4x Vordrängeln wo man nach dem Kauf einfach vier Zettelchen erhält, die man an den entsprechenden Zugängen dem Personal aushändigen muss, müsste theoretisch auch ein gesamter allfälliger Restbestand noch abgeknipst werden, um sicherzustellen, dass die Inhaber während ihres Parkbesuchs auch wirklich nur einmal mit Tiki-Waka fahren. Dass das dauert versteht sich ja von selbst. Kurios erscheint zudem auch, dass immer nur ein Viererwagen beladen wird, während zwei mit noch geschlossenen Bügeln dahinter warten. Gerade bei diesem Bahnentypus mit so einer langen Station und Fastpass-Handling verwundert es doch sehr, dass man nicht einen separaten Aussteigebereich einrichtet oder zwei Wagen simultan belädt…

Nunja, einmal drin ist die Fahrt an sich dann aber wirklich spassig! Besonders die kleine Slalomstrecke direkt nach dem First Drop sieht so nach nichts aus, kommt aber unverhofft richtig gut! Und auch der Rest der mit guter Laufruhe, dezenter Airtime und geschmeidger Kurvenfahr-Dynamik daherkommenden Strecke weiss wirklich zu gefallen – die Bahn füllt gekonnt die Lücke zwischen den Kinderbahnen und den grösseren Thrillrides im Park. Passt absolut super hierhin, ist liebevoll thematisiert und wird vom Publikum wie ja zu sehen auch sehr gut angenommen. Die sich zuvor hier befunden habende Marienkäferbahn ist zurzeit noch eingelagert und kommt erst 2019 auf den alten Standort des Riesenrads vor Loup-Garou.

Bautechnisches Gimmick: Die Strecke kommt nach dem Lifthill bis auf einzelne Ausnahmen in Blockbremsen und Tälern grossteils mit Dreipunkt-Schienen daher und wechselt kurz vor der dritten Blockbremse dann komplett zu einem flachen Profil. Also voll anti-Galaxy-Orbiter in der West Edmonton Mall.

Zwischenzeitlich am Westernbereich angekommen war es nun an der Zeit für eine weitere Vekoma-Perle: Calamity Mine. Angeschrieben waren hier noch überschaubare 35 Minuten Wartezeit, effektiv waren es dann aber knappe 20 oder so. Flotter Dreizugbetrieb sorgt auf solchen Minetrains für eine Mordskapazität. Absolut herrlich ist die dezente Verschiebung im Höflichkeitsgrad auf einem Hinweisschild in der Warteschlange. Auf Französisch in etwa: Ayez l’amabilité de ne pas polluer l’environnement de notre parc.Haben Sie bitte die Freundlichkeit, unsere Parkanlagen nicht zu verschmutzen. Und auf Englisch: Don’t throw trash into the scenery. Hahaha!

Ich fand es auf Videos der Bahn schon immer toll, dass sich die Züge hier bei den parallelen Lifthills und noch zwei weitere Male auf der Strecke begegnen – das ist frei nach RCT der Erregungsrate ja leidlich zuträglich. Allerdings sieht man hier auch wieder die Auswirkungen eines höchst französischen Problems, das der enge Aufbau der Station mit sich bringt: Auch bei einer gut halbstündigen Warteschlange schaffen es die Parkgäste nicht, sich gleichmässig an alle verfügbaren Gates zu verteilen, so dass etliche Plätze und ganze Zweierreihen in den insgesamt 26 Personen fassenden Zügen einfach leer blieben. Aber nun ja, so direkt auf Tiki-Waka ist das nun wirklich Jammern auf sehr hohem Niveau. Genauso wie das Klagelied meines linken Ohrs, das sich in der Station angelangt direkt im Einzugsfeld einer laut schreienden Ride-Opse befand, welche die Fahrwilligen (oft leider vergeblich) auf die noch freien Plätze aufmerksam machte.

Ist einfach eine Augenweide, diese Anlage! Mit den Felsen, den Holztunnels, dem See, dem Wasserfall und hunderten liebevoll platzierter Details schlicht ein Paradebeispiel dafür, dass auch ein später mehrfach repliziertes Standardlayout echt toll thematisiert werden kann. Ein richtiger „Sehr hoch, Hoch, Mittel“-Minetrain eben. Zwar hat es mich bei dieser Aufnahme zuerst gewurmt, dass ich etwas zu spät abgedrückt hab, um die Fontäne die der vorbeirasselnde Zug auslöst noch rechtzeitig einzufangen. Als ich dann aber erkannt hab, dass ich dadurch unverhofft einen Gischt-Regenbogen festhielt, hab ich es trotzdem nicht aussortiert.

Zur Fahrt an sich kann ich auch nur in den Grundtenor mit einstimmen: einfach schick und spassig zu fahren. Und zudem genau richtig für das Hauptpublikum an diesem Tag – im Gegensatz zu Tiki-Waka aber mit anständigem Throughput.

Mit etwas nervösem Blick auf die Uhr, die Wartezeitanzeigen und den mir unablässig vom Eingang her immer noch entgegen kommenden Kundenstrom wurde der Fall leider klar: Wenn ich die grossen Attraktionen und das Océade – den eigentlichen Hauptaufhänger der ganzen Reise – noch schaffen will, dann muss unglücklicherweise eine Drängelhilfe her. Was aber grundsätzlich nicht am Park lag – mit Ausnahme von Tiki-Waka vielleicht wurde überall das absolute Optimum aus den Operations rausgeholt – sondern einfach an der schieren Fülle an diesem ausnahmsweise geöffneten Feiertag und dem leider nur kurzen Zeitfenster, das ich dem Park einberaumen konnte. Alle grösseren Bahnen hatten zu dem Zeitpunkt bereits über 50 Minuten Wartezeit angeschrieben, einzige Ausnahme war eigentlich nur Pulsar mit stetig 35 Minuten. Daher ging ich also in einen Souvenirshop in der Mainstreet und kaufte neben dem sowieso noch zu erstehenden Parkplatz-Ticket eben auch einen 4x Speedy Pass für 15€, der viermaliges Vordrängeln erlaubte. Ich fühlte mich zwar schon wie Daria, die für den Kaffeetreff der Schule keine Schokoriegel mehr an Menschen verkaufen wollte, denen sie offensichtlich nicht gut tun („the bad kind of dirty.“), aber zum Glück bloss viermal.

Die erste der beim Kauf ausgehändigten Quittungen wurde kurz darauf beim Vekoma SLC Vampire eingelöst, der mit seiner beeindruckenden Erscheinung ein eigenes kleines Parkeck samt da hinüberführender Brücke spendiert bekommen hat.

Durch den Ausgang also rein in den Bahnhof und sofort durfte ich zum Auffüllen in Reihe vier Platz nehmen, wo nur eine Single Riderin sass – prima, so fühlte ich mich ein Stück weniger schuldig. Sie fragte mich, ob ich schon mal mit der Bahn gefahren sei. Ich verneinte, merkte aber an, dass ich schon mehrfach auf ähnlichen Anlagen war und über dieses Exemplar hier eigentlich nur Gutes gehört habe. Ich war froh als es dann endlich losging und dass der Plan für die zweite Tageshälfte den Besuch eines Plauschbads samt vorangehendem Abduschen vorsah – die „Ohrenschoner“ an den SLC-typischen Kappenbügeln haben auf meinem Platz zumindest so gestunken, dass mir fast das Frühstück hochgekommen wär. Und tatsächlich hab ich den zwangsweise so nah am Kopf auftretenden Gestank irgendwie noch eine Stunde nach der Fahrt nicht mehr aus der Nase gekriegt.

Aber davon ab: Einmal den First Drop runtergedüst war ich trotz aller positiven Vorwarnungen komplett baff darüber, wie sanft sich dieser SLC gefahren ist. An der Spitze des Rollovers angelangt dachte ich mir so: „Der Mind Eraser in den Elitch Gardens war bis hierhin auch smooth – abwarten!“ Nach Vollstreckung des Sidewinders schoss es mir in den Sinn: „Infusion in Blackpool fuhr bis zu diesem Punkt im Layout ebenfalls sanft – da kommt doch sicher noch was!“ Aber es kam – man höre und staune – schlicht und ergreifend nichts Gravierendes mehr. Es war wirklich kaum zu glauben – bis zur kompletten Vollendung der ja hinreichend bekannten Strecke wartete dieseser SLC wahrhaftig mit einer „schon rein grundsätzlich“ geschmeidigeren Fahrdynamik auf als sämtliche andere von mir getestete Exemplare. Da war absolut kein übermässiges Mit- und Gegenarbeiten nötig. Teufel, man hätte sich sogar gemäss Anleitung in die Kopfstütze zurücklehnen können und die Fahrt wäre immer noch absolut erträglich gewesen!

Nicht falsch verstehen: Selbstredend ist man hier immer noch ein respektables Stück davon entfernt, von einer butterweichen Fahrt sprechen zu können. Aber so rein im gattungsinternen Vergleich nimmt dieser SLC fahrkomfortmässig einen absoluten Spitzenplatz ein. Vampire ist quasi der Tennessee Tornado unter den SLCs. Die geographische Nähe zum Fertigungswerk scheint allen Vekoma-Anlagen im Park richtig gut zu tun. Auf die Art ergab lernt man das eigentlich ja ganz lustige Layout wieder zu schätzen und kommt zum Schluss: Hier würde man sich bei einem Wiederholungsbesuch in der Tat gerne wieder hineinsetzen. Mais oui!

Als nächstes war der zweite Fabelwesen-Coaster gleich nebenan an der Reihe: der Vekoma-Woodie Loup-Garou!

Ich muss zugeben, dass diese mit Seltenheitswert beschenkte Anlage mit ausschlaggebend dafür war, Walibi Belgium unbedingt auch noch in die Tour mit einzubauen. Aufgrund der reduzierten Spätsaisons-Öffnungszeiten, der in frühen Planungsstadien noch nicht definitiv bestätigten Freitagen auf der Arbeit sowie der Tatsache, dass man Walibi Belgium notfalls immer noch nachholen könnte, Océade aber nicht, spielte ich durchaus mit dem Gedanken, ihn ganz zu kippen und allenfalls eine reine Rutschentour aus dem Reisli zu machen. Loup-Garous Zukunft im jetzigen Erscheinungsbild steht allerdings auf wackeligen Beinen, da die Bahn laut erwähntem Masterplan auf die Saison 2021 hin ein „neues Thema“ erhalten soll. Was wohl heisst, dass die Bahn im Rahmen der angedachten Umgestaltung einen neuen Namen, neue Deko und neue Züge erhalten wird. Da die originalen Woodie-Züge der Firma auf den anderen beiden Vekoma-Woodies bereits Geschichte sind, ist es also allerhöchste Zeit, sich hiervon unbedingt noch ein eigenes Bild zu machen, solange es noch geht.

Und gerade von den Zügen war ich aufs Positivste überrascht, als ich via separierten Speedy-Pass-Aufgang dann mit einem tapferen jungen Single Rider in die Backrow zugeteilt wurde und einen ersten genaueren Blick darauf werfen konnte. Rein von der weichen Kunstleder-Polsterung und dem Sitztrenner her erinnerte das Design grundsätzlich an eine Mixtur aus Millennium Flyern (auch durch die durchgehenden Stangen hinter den Sitzbankwänden) und PTC-Zügen, allerdings mit gewissen Gerstlauer-Woodie-Zug-Elementen aufgemotzt, wie z.B. den Gitterfronten vorn an allen Sechserwaggons.

Die allergrösste Überraschung waren dann aber die mir super-komfortabel aufliegenden Hydraulik-T-Bügel. Ich habe zwar schon einmal Fotos und Filmaufnahmen davon gesehen, konnte mir anhand dessen aber schlicht nicht vorstellen, wie sowas überhaupt ansatzweise praktisch oder schmerzfrei sein kann. Allerdings hat auf dieser Erstvisierung der Winkel total getäuscht. Nur der untere Teil der „ovalen Bügelelipse“ (aus Ermangelung eines treffenderen Begriffs) dient nämlich der Fahrgastsicherung – der vordere steht leicht nach oben gewinkelt hervor und ist als Haltestange gedacht. So simpel, genial und bequem. In einer Chat-Schilderung meiner Reiseerlebnisse hab ich Sitze und Bügel als „wie PTCs, wenn sich PTC mal an T-Bügeln oder Hydraulik versuchen würde“ geschildert – und nach den positiven Erfahrungen auf Loup-Garou damit hätte ich wirklich nichts dagegen, wenn PTC oder andere Hersteller sich hier mal was abschauen. Bleibt eigentlich fast nur zu hoffen, dass sich meine Theorie nicht bewahrheitet und uns die tollen Züge mit der Umthematisierung doch erhalten bleiben.

Die Wiese vor der Bahn, auf der sich früher das Riesenrad befand, ist in dieser Saison eine Loungezone, bevor zur nächsten dann die Marienkäferbahn hierher kommt. Ohne die Aussichten aus dem Riesenrad ist das schöne Holzungetüm mitunter etwas schwierig vor die Linse zu kriegen.

Einmal den gemächlich seinen Dienst tuenden Lifthill hochgekraxelt und aus den so erreichten 28 Höhenmetern wieder runter gedonnert, entfährt mir im ersten Tal tatsächlich ein „Auweia!“ – wenn der Rest der Strecke so polterig absolviert wird wie hier, dann gute Nacht. Allerdings stellte sich diese eine rappelige Stelle voll als Megafobia-Syndrom heraus: Bereits in der folgenden hochgelagerten Kehre stellt sich eine Woodie-Fahrdynamik ein, die einfach genau richtig ist und für den gesamten Rest der aufregenden Strecke auch erhalten bleibt.

Und die weiss schlicht zu begeistern! Tolle Kurven und Kehren, ein paar besonders im hinteren Zugteil richtig grandiose Airtime-Momente, schniek zu fahrende charakteristische S-Kurven-Schwenker, fantastische Near-Misses mit dem massiv verbauten Stützwerk… Ein total fulminantes Action-Feuerwerk, das irgendwie gar nicht mehr aufhören will und mein absolutes Highlight im Park! Auch hier hatte ich im Vorfeld ja eigentlich nur Gutes gehört, war dann aber doch überrascht darüber, wie geil und spassig diese interessante und seltene Holzachterbahn fährt. Meine Lieblingsstelle ist die kleine Mini-Kuppe nach dem relativ sanft überquerten Double Down, die so darauf zurasend irgendwie nach nichts aussieht, aber besonders in den hinteren Sitzreihen nochmals einen richtig knackigen Zusatzhüpfer generiert. :mrgrin: Wenn ich mir das jetzt im Nachhinein auf POVs so ansehe, könnte man da glatt von einem Quasi-Double-Up sprechen – auf jeden Fall bereitet sie dem Woodie-Fan immense Freude.

Der Werwolf hat nicht nur alles gehalten, was ich mir davon versprochen habe, sondern hat auch noch mit ein paar tollen Zusatz-Gimmicks aufgewartet, die diesen schönen Vekoma-Woodie im Ranking nun auf einen Platz weit oben in den persönlichen Holzcharts gehievt haben! Interessant fand ich ja herauszufinden, dass die Stand Company hier irgendwie im Designprozess involviert war – ihres Zeichens auch treibende Kraft hinter Bahnen wie dem Dania Beach Hurricane, den zwei japanischen Intamin-Woodies Regina und White Cyclone (RIP), Vekoma-Kollege Robin Hood in Walibi Holland und auch dem grandiosen Cyclone-Klon Viper in Six Flags Great America. Im Hinblick auf gewisse verbaute Streckenparts und eine Vorliebe für Sechserwaggons im ursprünglichen Auftritt war das voll das Aha-Erlebnis.

In jedem Falle glänzt Loup-Garou mit einer richtig schicken langen Strecke, einer vom ersten Tal mal abgesehen durchgehend leckeren Woodie-Fahrweise, schmissiger Airtime, tollen Zügen und einem einfach genialen Gesamterlebnis mit Seltenheitswert. Für mich die beste Bahn im Park – wohl absolut nicht verwunderlich, dass ich mein noch übriges Vordrängelticket dann für eine zweite Fahrt hierauf verwendet hab. Hoffentlich werden sich die 2021 kommenden Veränderungen am einmaligen Spirit dieser beachtlichen Holzachterbahn orientieren.

Das Madhouse Palais du Génie hab ich zwischendurch auch noch rasch mitgenommen, da dies an dem Tag eine der wenigen Attraktionen im Park war, die nicht 45 Minuten und mehr Wartezeit angeschrieben hatten. Die Pre-Show ist irgendwie schräg, da sie bilingue abgehalten wird und zweimal hintereinander eigentlich das Gleiche gesagt wird. Übersetzungs-Szene in der Synchronfassung vom Urteil von Nürnberg ahoi? Auch irgendwie gruselig waren die Augen des den Flaschengeist spielenden Schauspielers – da kamen sofort gewisse Stummfilm-Schmink-Traumata vom Bachelor-Studium wieder hoch. Das Madhouse an sich war dann wie gewohnt sehr verwirrend und witzig – einfach ein toller Attraktionstypus, den ich nach Möglichkeit immer gern mitnehme.

Trotz den immer noch etwas frischen 14°C hab ich mich dann doch dazu entschlossen, eine Fahrt mit dem Mack Power Splash Pulsar zu wagen.

Die Drehplattform ist wirklich ein kleines Wunder an Ingenieurskunst und eine Ausgeburt an Erfindergeist – da hab ich mich fast nicht dran sattsehen können! Im Prinzip kann man sich dabei ein veritables Karussell vorstellen, wo in einer Hälfte jeweils ein Boot drauf steht. Ist das eine fertig beladen und hat das andere den Schaukelparcours im Halfpipe-Teil auf dem See vollendet, dreht sich das Ganze einfach um 180°. Dann ist das zurückgekehrte Boot zum Entladen in der Station bereit, während sich auf der anderen Seite des Karussells die Schienensegmente wo das zweite Boot drauf steht mit den denjenigen des zu absolvierenden Kurses vereinen – und schon gehts los! Marvellous!

Kurios: Auf dieser Aufnahme vom frühen Morgen sieht man noch zwei Fahrgäste in der Frontrow sitzen. Bei allen im weiteren Tagesverlauf beobachteten Fahrten und auf allen anderen geschossenen Fotos erkennbar wurde die erste Reihe danach wohl nicht mehr beladen – die war immer leer. Da man das auf den Fotos in Ingos Bericht vom letzten Herbst auch immer so sieht, handelt es sich dabei wohl um eine Herbstmassnahme. Die frühmorgens bei noch kühleren Temperaturen als am Nachmittag wohl einfach noch keine Anwendung fand.

Auch hier nutzte ich ein Speedy-Pass-Ticket. Die Wartezeit war zwar mit durchgängig 35 Minuten angegeben und auch mit der überschaubar aussehenden Single Rider Line hätte man wohl eine Fahrt ohne grosse Wartezeit schaffen können, aber da der Abfahrtszeitpunkt gen Océade immer näher rückte, wollte ich dann doch lieber nichts riskieren. Zugeteilt wurde ich auf dem Aussensitz von Reihe 3 und war auch hier wieder sehr von den Bügeln angetan. Solche hab ich auf einer Mack-Bahn glaube ich noch nie gesehen. Im Prinzip kann man sich dabei einen normalen U-Bügel vorstellen, dessen Seitenstangen aber leicht „nach oben geschwungen“ angebracht sind und damit überhaupt nicht an den Beinen scheuern, da sie gar nicht mit ihnen in Kontakt kommen. Wunderbar, und dank Hydraulik auch wieder äusserst komfortabel aufliegend.

Auf los geht es also los und man wird über die Drehplattform also in den Parcours hinein rotiert. Aus dem Stillstand beschleunigt man zunächst gemächlich rückwärts, überquert dabei den flachen Hump, durchsaust das noch leere Schleusenbecken und pendelt am hinteren Spike aus. Mit dem neu gewonnenen Schwung durch die senkrechte Schussfahrt absolviert man das Ganze nun noch einmal vorwärts, wird unmittelbar vor dem Hügelchen aber noch einmal merklich beschleunigt. Dieser Zusatzkick sorgt für unerwartet schnittige Schwebezeit über die flache Kuppe hinweg – da man von aussen zusehend überhaupt nicht mit sowas rechnet, geht einem mit grossen Augen unweigerlich ein Bugs-Bunny-mässiges „Meiner Treu!“ durch den Kopf. Oder in Counter-Lingo vielleicht näher an der Originalaussprache des Englischen: Miner Troy.

Nunmehr am vorderen Senkrechtturm angelangt erreicht man dort eine stattliche Höhe und pendelt auch da mit herrlichem Druck gegens Bügelchen wieder thrillig aus. Jetzt wird der Hump zum dritten Mal überflogen – rückwärts und nun auch mit einem Maximum an Schmackes und Airtime. Anschliessend durchflitzt man erneut den Schleusenbereich und erklimmt den hinteren Spike zum zweiten Mal. Auch in den vorderen Reihen kriegt man die Auswirkungen des „Knicks nach hinten“ ganz oben recht deutlich zu spüren und kann auch erkennen, dass sich das Bassin am Fusse der Schussfahrt nun mit Seewasser flutet. Schliesslich donnert man auch hier airtimereich talwärts und schlittert endlich ins Wasser wo dann eine gigantische Fontäne ausgelöst wird, die sämtliche Passagiere anständig nass macht. War für mich bei der Temperatur schon eher an der Grenze, ging aber gerade noch so – ein Riesenspass! Mit nun zwangsläufig gedrosseltem Tempo überrollt man ein letztes Mal den flachen Hügel, kommt im Tal dahinter zu stehen und dreht dann übers Karussell wieder in die Station zurück.

Was für ein Technikwunder, was für eine Konstruktion, was für ein genialer Einfall und was für ein Spass! Pulsar passt absolut hervorragend nach Walibi Belgium, setzt ganz neue Thrill-Massstäbe was Wasserrides angeht und auch das per Drehplattform gelöste und Zweizugbetrieb erlaubende Shuttle-Prinzip ist einfach nur brutal genial. Ich hoffe sehr, dass solche Dinger noch in vielen anderen Parks zum Stehen kommen – hoffentlich auch in welchem mit dafür geeignetem Klima. Absolut top!

Tja, und da ab hier nur noch die zweite Fahrt auf Loup-Garou absolviert und noch eine höchst belgische Spezialität zum Lunch ausprobiert wurde, bevor es dann weiter in Richtung Zweit-Tagesziel ging.

Weil jede Reise in ein unbekanntes Land sein Poutine braucht: la Mitraillette. Ein Baguette-Sandwich mit wahlweise zwei kleinen Hacksteaks, einer Frikandel oder einer Art Chili-Schweinsbratwurst, echten belgischen Fritten im Brot und einem dicken Spritzer Ketchup, Mayo oder Sauce Andalouse obendrauf.

Walibi Belgium wäre zwar grundsätzlich ein sehr toller und lohnenswerter Freizeitpark, aber wie man aus dem Bericht ja rauslesen kann, konnte ich ihm einfach nicht die Zeit und Aufmerksamkeit widmen, die er eigentlich verdient und angesichts des Füllegrads an dem Tag ja auch gebraucht hätte. Aufgrund der zeitlichen Knappheit musste ich etliche Must-Dos wie z.B. die potentiell ja sehr tollen Wasserbahnen auslassen und schaffte nur mit Speedy-Pass-Hilfe gerade so die grossen Coaster. Aber grundsätzlich hab ich das im Voraus eigentlich schon so erwartet und trug da wegen der ab einem gewissen Punkt halt nicht mehr flexiblen Reiseplanung ja selber eine Mitschuld – denn an den Operations im Park gab es wie gesagt nicht viel auszusetzen und viele der Attraktionen hier haben halt von Natur aus einen eingeschränkten stündlichen Throughput. Dennoch war ich froh, den Park auch im etwas gehetzten Schnelldurchlaufverfahren mal kennengelernt zu haben und bin schon gespannt darauf, wie sich die Lage durch den vielversprechenden Masterplan in den nächsten Jahren hier so entwickeln wird. Schon alleine um den während meines Besuchs geschlossenen Challenge of Tutankhamon mal nachzuholen und des interessanten Mega-Coaster-Projekts wegen ist eine baldige Rückkehr wohl schon in naher Zeit mal vorgesehen.

 

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The Chip Oil Gambling Experience – Part I


Warum of all the gin joints spielen sich die Geschehnisse des vorliegenden Erfahrungsberichts in Merry Old England ausgerechnet in Drayton Manor ab? Nun, auf einen Park neben einem Birmingham (Alabama Splash Adventure) muss konsequenterweise halt noch ein zweiter solcher folgen. Tatsächlich verhält es sich jedoch etwas ausgefeilter: Tobias hat seine Cousine auf der Hinreise zu einem einwöchigen Sprach- und Schulkulturaustausch nahe Birmingham begleitet und hat in diesem Rahmen natürlich gleifch einen Wochenendtrip nach Blackpool draus gesponnen, zu dem er mich freundlicherweise eingeladen hat. Dieses wohl zweifellos merkwürdigste der englischen Seebäder steht bereits seit 1996 – das war noch vor RCT, werte Leserschaft – auf der Lacront’schen Bucket List. Nachbarskinder haben mir damals unendlich faszinierende Broschüren und die wildesten Erzählungen vom Pleasure Beach mitgebracht – und ich wusste einfach, dass ich da eines Tages unbedingt einmal hin muss! Wo sonst gibt es eine fast 70 Meter hohe Achterbahn direkt am Meer, die mit ihrem Sausewind beinah die teure Casio-Uhr vom Papa der Nachbarskinder auf dem Gewissen gehabt hätte? Doppeldecker-Trams, uralte Woodie- und Arrow-Schätze, unmöglich verschachtelte Darkride-Klassiker und überhaupt ein weltweit wohl kein zweites Mal in dieser Form anzutreffendes Gesamtflair?

Klare Sache, dass ich da mit an Bord sein wollte und alles daran setzte, an diesem Wochenende auch freizukriegen. Hat schliesslich durch gezieltes Schichten-Vorholen super geklappt und beim Planen der Anreise musste ich feststellen, dass ich mit dem Direktflug von Helvetic Airways ab Zürich nicht nur wesentlich zeitsparender, sondern auch um einiges günstiger nach Birmingham kommen würde als in allen anderen Anreisevarianten, drum schlug ich da sogleich zu. Der Haken: damit landete ich am ausgemachten Freitag, dem 7. Oktober bereits um 08.00 Uhr morgens – beinah sieben Stunden vor Tobias und seiner Cousine – in Old Blighty. Was also tun bis dahin? Birmingham als solches bot sich auf den ersten Blick nicht wirklich für ausschweifendes und tagesfüllendes Sightseeing an. Aber wie Tobias richtigerweise bemerkte: da war doch noch was im erweiterten Speckgürtel der Stadt, wofür er durch die nachmittägliche Ankunft und die bereits nebensaisonsgeprägte Schliessungszeit um 17.00 Uhr nicht genug Zeit hatte, mir jedoch als ideal passendes Zeittotschlage- und Horizonterweiterungsprogramm erschien – Drayton Manor. Nachdem die Anreise mit den ÖV und passende Gepäckdeponieroptionen recherchiert waren stand also fest: 2016 würde bei mir als das Jahr aller drei (ja, drei) Intamin Stand-ups in die Geschichte eingehen! Und Tobias würde mich nach der Landung und der Übergabe der Cousine an die Gasteltern vor Ort mit dem Mietwagen abholen, mit dem es danach nach Blackpool gehen sollte. Jolly good! Und da habt ihr ihn nun, den Grund, hier ein Drayton-Manor-Review vorzufinden.

Nach der Landung am Birmingham Airport ging es per Zug zunächst in die Innenstadt – für kostengünstige und seit dem Brexit-Beschluss wechselkursmässig erst recht geschenkte £3.60. Die Tatsache, sich nach dem letzten Besuch 2004 wahrhaftig wieder einmal im Land der grenzenlosen Höflichkeit aufzuhalten, wurde vor allem dadurch augenscheinlich, dass sich der Zugführer per Lautsprecher etwa viermal für die vielleicht achtminütige Verspätung per Lautsprecher entschuldigte. Weil es ein „prublöm“ mit den Türen beim Vorgängerzug gab. In der New Street Station angelangt fand ich durch die minutiöse Vorbereitung mit Google Streetview sofort den richtigen Ausgang und begab mich per Fussmarsch über die Corporation Street zum etwa zehn Gehminuten entfernten Square Peg. Dort würde der alle 15 Minuten verkehrende 110er-Bus der Arriva-Gesellschaft abfahren, der einen in einer runden Fahrstunde in den Vorort Fazeley bringt. Klappte super, zeigte mir ein etwas anderes Birmingham als es die meisten Touris wohl zu sehen kriegen und kostete schlappe £3.70 – absolut zu empfehlen! Vor Ort um zirka 10.00 Uhr angekommen schloss sich noch eine Viertelstunde Fussmarsch in südlicher Richtung entlang der A4091 an, dann stand ich bereits an der Zugangsstrasse zum Park. Nur wenig später war ich am Südeingang angelangt und zückte mein vorab erstandenes und ausgedrucktes Online-Ticket.

Die Reisetasche wollte ich in einem der grossen Gepäckfächer hinter The Burger Kitchen verstauen, die ich ebenfalls mit der eigenartigerweise nur in die Park-Website eingebetteten, nicht aber über Google Maps zugänglichen Streetview-Ansicht des Parks vorausrecherchiert hatte. Pro-Tipp für allfällige Interessenten: für die Tagesmiete vorab unbedingt sechs 1-Pfund-Münzen wechseln, denn entgegen der Angaben auf dem Münzschlitz fallen kleinere Münzen unten einfach immer wieder raus, und wenn eine gewisse Dauer beim Einwerfen überschritten wird aktiviert sich trotz der gewünschten Mietdauer-Eingabe zu Beginn plötzlich die Stundenmiete und irgendein Schliessfach springt dann auf. Nach zwei Fehlversuchen musste ich schliesslich zu Guest Relations gehen, damit mir ein herbeigefunkter und typisch englisch überaus zuvorkommender Locker Attendant schliesslich das zunächst fehlerhaft eingezogene Geld wieder rausfischen und mir schliesslich mit der korrekten Schliessfachgrösse und -mietdauer helfen konnte – Thumbs up for the kind chap!

Dergestalt vom Ballast befreit stand (höhö) einem Ersterstürmen vom eigentlichen Hauptbesuchsgrund für mich, Shockwave, nun nichts mehr im Wege! Und hier zeigt sie sich nun in ihrer ganzen Pracht: die weltweit einzige Zero-G-Rolle auf einer Stand-up-Achterbahn! Ich war unheimlich gespannt darauf, wie sich so eine denn stehend fahren würde!

Schon beim Durchschreiten des Wartebereichs zeigte sich: richtig voll würde es heute wohl eher nicht werden. Es waren zwar ein paar Schulklassen im Park, aber die zogen gegen 15.00 Uhr wieder ab.

Daher reichte es auch völlig aus, dass den gesamten Tag über nur einer der beiden Züge im Einsatz war. Voici donc, La Ronde, le niveau d’affluence approprié d’utiliser qu’un seul train! (Die verstehens da drüben wohl nur so.) Höchst erfreut darüber, heute also keine Aufwärm-Anzeichen eines gewissen frankokanadischen Traumas vorzufinden stellte ich mich in eine der Reihen und war schon ganz gespannt auf die Fahrt! Durch die Schlange in Montréal routiniert zog ich die Konstruktion also so weit runter, dass der Velosattel unter den Hintern passte, danach fädelt man sich mit dem einen Arm in einen feststehenden Schlaufenteil, über die andere Körperhälfte klappt dann ein „L“ runter, das den Schulterbügel schliesslich komplettiert. Ich find irgendwie gar keine Worte dafür, wie scheps und doch raffiniert dieses Sicherungssystem daherkommt.

Layoutmässig ist die Fahrt rasch nacherzählt. Nach einer längeren Gerade und diesem sonderbaren „Stauchungsknick“, den auch Cobra direkt nach der Station aufweist, geht es behäbig den etwa 37 Meter hohen Lifthill hoch. Dort klinkt man sich mittels First-Generation-Pre-Drop aus der Kette aus und saust danach über einen ultraschrullig zweigeteilten First Drop, der aus einer Art Steilkurve, einer flachen Fortsetzung ebenjener auf halber Sturzhöhe und einer anschliessenden flachen Rampe bis ganz nach unten zusammengesetzt ist. Spontan kann ich mich nicht dran erinnern, etwas in so einer Form jemals auf einer anderen Achterbahn angetroffen zu haben – gerade durch die Kehre auf halber Strecke, die das Blut der Fahrgäste nur so in die Beine stösst, ein einzigartiger und abstruser Spass!

Mit den so erreichten 85 km/h schiesst man danach durch einen intensiven Vertikallooping und nimmt auf dessen Einfahrt den einzigen seitlichen Ruckler der ansonsten anständig smooth fahrenden Anlage wahr – merkwürdig auf einer an sich geraden Strecke, aber auch voll nicht schmerzhaft oder so. Im Anschluss wird dann die berühmt-berüchtigte In-Line Spiral durchrollt, die echt alles gehalten hat, was ich mir davon versprochen hatte. Je nachdem ob man links oder rechts in den Viererreihen steht ein komplett unterschiedliches Drehwurm-Erlebnis, das durch die Stehposition einen unfassbar lustigen Zugewinn erfährt – einfach grandios! Hierauf folgt eine ausgedehnte Auslaufgerade entlang der Attraktionsfront, daraufhin wird man überaus flott durch zwei Korkenzieher geschleudert. Wie auch auf anderen damit ausgestatteten Stand-ups einfach herrlich kribbelig zu fahren – hier aber insofern einzigartig, dass gleich zwei hintereinander folgen. Darüber hinaus witzig: der Knick aus der Gerade in den ersten der Corkscrews ist relativ knapp bemessen – kräftemässig wird da erneut ordentlich zugehauen!  Nach einer abschliessenden 180°-Kurve sind dann bereits Schlussbremse und Station erreicht. Wo die sehr freundlichen Ride-OPs jedes Begehren, bei einem leeren Gate für eine Wiederholungsfahrt stehen bleiben zu dürfen aufgrund ihrer Vorschriften jedoch ausschlagen müssen. Was einen aber trotzdem nicht daran hindert, sich mit entsprechender Treppensteige-Ausdauer sofort wieder zurück in die Station zu begeben und womöglich gleich noch beim nächsten Zyklus dabei zu sein.

Shockwave war nicht gross verwunderlich das absolute Highlight im Park und die von mir am meisten frequentierte Zwischenstation an diesem Tag – acht Fahrten dürften es gesamthaft wohl schon geworden sein. Klar könnte man monieren, dass das gute Stück layoutmässig alles andere als einfallsreich ist, aber irgendwie fand ich die kurze und mit gleich vier Inversionen vollgepackte Strecke einfach perfekt so wie sie ist – in einer gewissen Weise bildet diese Intamin-Rarität gleich eine für sich alleinstehende (Das schreibt sich mitunter schon wie von selbst…) Kategorie irgendwo zwischen Riesen-Stand-ups wie Riddler’s Revenge und dem Georgia Scorcher, den ich ja auch schon einmal als Lückenfüller zwischen den grossen und den ganz kleinen Stand-ups bezeichnet hab. Der Hauptanreiz, Drayton Manor als tagesfüllendes Programm vor Tobias‘ Eintreffen anzusteuern, hat jedenfalls nicht enttäuscht und im Prinzip genau das geboten, was ich mir davon erhofft hatte – einen knackigen und durchaus etwas „raueren“ Spitzenrausch! Wobei mit „rau“ hier eben nicht Headbanging oder gar Schläge gemeint sind, sondern diese herrliche oldschoolige Intamin’sche „Metallhärte“, wie sie z.B. auch auf den First Generation Freefalls auftritt. Ich hoffe, ihr könnt mir folgen.

Kurioserweise erhöhte sich hier die effektive Wartezeit bis zur jeweiligen Zugabfahrt mit dem Abziehen der Schulklassen um ca. 15.00 Uhr. Man wartete oft gefühlte zehn Minuten, bis der Zug mal wieder auf die Strecke geschickt wurde. Da spürte man irgendwann doch den Fahrradsattel im Schritt und einen gewissen Nachteil der Stehposition. Da der Zug streng von vorn nach hinten aufgefüllt wurde, bin ich ab da auch nicht mehr über die zweite Reihe hinausgekommen – auf einer der ersten Fahrten nach meinem Eintreffen hab ich es immerhin mal in die fünfte geschafft, was wohl auch Tagesrekord an Mitfahrenden dargestellt haben dürfte. Ich hoffe jedenfalls, dass Drayton Manor diesen einzigartigen Schatz noch lange pflegt und man hier nicht dem Trend der Umstellung (Okay, das war jetzt wirklich der letzte.) auf ein anderes Zugformat folgt.

Der nebenan liegende Maurer X-Car-Coaster G-Force war an dem Tag von 12.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Glücklicherweise hab ich mich kurz vor Mittag zu den ersten in der Warteschlange begeben können, denn hier war die ganze Betriebsdauer über nur ein zwölf Parkgäste fassender Zug im Einsatz, wodurch wohl eine der längsten Wartezeiten im ganzen Park entstanden ist. Nach dem Abzug der Schulklassen allerdings war dann aufs Mal Walk-on angesagt, so dass ich doch noch zu einigen schönen Wiederholungsfahrten kam.

Alles andere wär ja auch schade gewesen, denn wie eine Katze konnte ich gar nicht genug von diesem Knäuel kriegen! Über einen überraschend knackigen Kurvensturz aus der Station hinaus geht es auch schon direkt zur kranksten Stelle der Bahn: einem Looping, dessen erste Hälfte man laaangsam und entsprechend hangtimig per Kettenlift absolviert. Was sonst eher nicht so mein Fall ist, fuhr sich insbesondere durch die wie immer sehr bequemen X-Car-Klappbügel wunderbar verrückt und trotzdem äusserst komfortabel – grandios und vor allem durch die schräge „Schussfahrt in Kopflage“ am Scheitelpunkt noch zusätzlich einzigartig und eindrucksvoll! Es schliessen sich ein ziemlich knapp bekuppter Hügel mit saftiger Airtime an und hierauf eine sogenannte Bent Cuban Eight – im Prinzip aber auch nur zwei sich bezüglich Ein- und Ausfahrten leicht unterscheidende Immelmanns (Immelmänner? Immelmame? Immelmannse? Ich hatte dieselbe Pluraldiskussion schon einmal mit „Kaufland“.), welche direkt aufeinander folgen. Zum Abschluss noch etwas Rumgekurve und schon ist die Schlussbremse wieder erreicht.

Definitiv ein ausserordentlich lustiges Teil und nach Shockwave meine zweitliebste Fahrt im Park! Praktisch, dass die so nah beieinander liegen, so dass ich in den letzten eineinhalb Stunden vor Tobias‘ Eintreffen nach Herzenslust zwischen den Dingern hin- und herwechseln konnte. Wie auch bei der blauen Intamin-Nachbarin stellte das Abwarten von Mitfahrern dann allerdings das grösste Problem dar – hier musste glaube ich zwingend mit mindestens zehn Personen im Zug gefahren werden. Allerdings konnte man hier ja immerhin in den sehr bequemen X-Car-Sitzschalen loungend auf diese warten.

Irgendwann zwischendurch hab ich mal noch den an einer Stelle hübsch über den zentralen See verlaufenden Buffalo Mountain Coaster angesteuert, einen Powered Coaster von Zamperla mit einer Art Indianer-Thema. Witzig und auch etwas eklig: in den Ruhephasen, wo kein Zug über die Schienen gepoltert ist, wurden die Streckenabschnitte in Seenähe oft von Vögeln belagert und ausgiebig zugekackt. Die haben darin wohl bloss einen abenteuerlich geschwungen verlaufenden Dachüberstand oder einen Steg gesehen.

Die punktuellen weissen Sprenkeleien sind dann aber irgendwie auch das Lustigste an der Bahn. Obwohl streckenmässig ja eigentlich nicht einmal wenig geboten wird für einen Powered – die Seehelix, der supereng nebeneinander verlaufende Parallelabschnitt bis dahin, wo überaus klar wird, weshalb hier nur mit einem Zug gefahren werden kann, sowie auch die hinter einer Tujahecke versteckte Zusatzspirale kurz vor der Station – werden die zwei Runden hier mit so einer Schnarchdynamik absolviert, dass es leider einfach heissen muss: einmal fahren und abhaken. Detailnotiz aus dem Tourtagebuch: zusätzlich zum Doppelbügel kommen punkto Sicherung an den Zugseiten noch schwarze „Gummisperrbänder“ zum Einsatz, die gewisse Ähnlichkeiten mit den Gurten an den Zügen von High Roller in Valleyfair bergen.

Schon etwas besser hat mir dann die Premiere auf dem Vekoma Family Boomerang Ben 10 – Ultimate Mission gefallen, der auch das Erstexemplar seiner Gattung ist. Der Anstehbereich ist ziemlich ausladend, düster und man wird mit lauten Soundeffekten nur so bombardiert. Für die Zielgruppe vielleicht etwas einschüchternd? Allerdings hat man bei meinem Besuch eh nicht allzu viel Zeit drin verbringen müssen.

Die Fahrt an sich bleibt zwar durchgängig familienfreundlich, jedoch nicht gerade auf so einem Lahmheits-Level wie beim Büffel-Nachbarn nebenan – besonders in der ersten Kurve war ich vom da auftretenden Druck sogar sehr positiv überrascht! Und die per Raketenexplosions-Effekt eingeleitete Rückwärtsfahrt hat definitiv auch Laune gemacht. Diese Dinger rocken! Von der „Welle“ auf dem Kehrspike hat man zwar nur in den vorderen Reihen etwas mitgekriegt, aber dort mal zum Vergleich Platz zu nehmen war dank durchgängigem Walk-on ja kein Problem. Die recht bequemen Bügel sind rasch zugemacht und durchkontrolliert, was der Kapazität der Anlage sicherlich zugute kommt. Und ausserdem haben die Ride-OPs hier Wiederholungsfahrten und/oder Umsetzen in noch nicht belegte Reihen erlaubt. Da bleibt eigentlich nur ein begeistertes Daumen-Rauf übrig!

Als letztes im parkinternen Coaster-Verbunde wäre dann noch der Gerstlauer Junior-Coaster Troublesome Trucks Runaway Coaster im Thomas Land zu erwähnen, wo ich irgendwann am frühen Nachmittag ebenfalls noch mit Walk-on Platz nehmen konnte. Es werden zwei Runden gefahren; erwähnenswert sind die durchgängig überaus smoothe Fahrweise, die schön ins Terrain eingebettete Schlängelstrecke vor dem Reibrad-Lifthill sowie die nicht zu verachtende bodennahe Kurve im Anschluss an eben selbigen. Jung wie Alt hatten hier einen Heidenspass drauf – abgesehen vom einen weinenden Mädchen in der Zugladung vor uns vielleicht, das wohl doch noch ein Stück zu jung war für sowas.

Allgemein erschien mir das Thomas Land hier als einer der stimmigeren Kinderbereiche, die ich im Rahmen meiner Parkbesuche bislang angetroffen hab. Die Bücher und die TV-Serie sind im englischsprachigen Raum halt auch wesentlich bekannter und erfolgreicher als hierzulande – Drayton Manor hat hier offensichtlich einen Volltreffer gelandet.

Diese ulkige Feuerlösch-Attraktion hätte doch wunderbar nach Silver Dollar City in die dortige Geyser Gulch gepasst. Allerdings bin ich nicht ganz sicher, ob man dort überhaupt noch dieses Stadt-/Feuerwehrthema hat – ich meine mich zu erinnern, bei Screamscape mal was von einer Umgestaltung gelesen zu haben.

Auch die Intamin Freifall-Attraktion Apocalypse wollte zwischendurch mal noch bezwungen sein.

Hier war aber erst einmal etwas Geduld gefragt, weil nur zwei der fünf Spuren überhaupt in Betrieb waren – Sitdown und Stand-up mit Boden. Selbstredend stellten sich fast alle Fahrwilligen für die spannendere Stand-up-Spur an, trotzdem bediente der alleinige Ride-OP die beiden Spuren abwechselnd, auch wenn bei der Sitdown-Variante oft nur eine Einzelperson oder gar niemand anstand. Das hatte doch tatsächlich eine gut 25-minütige Wartezeit für die Stand-up-Spur zur Folge, die mich im Endeffekt dann gar nicht sooo begeistert hat. Selbstverständlich fährt der freie Fall – wie auf allen Intamin-Türmen eigentlich – durchaus lecker ein, allerdings hab ich mir vom Tilt-Effekt irgendwie mehr versprochen und da ich mit den Schultern genau das obere Ende der Bügel berührte, erlebte ich ein recht „eingekesseltes“ Fallerlebnis. Hier muss ich definitiv mal noch für die Floorless-Spur zurückkehren, die wohl bereits für die Winterpause in Planen eingepackt war.

Erwähnenswert ist aber noch der Ablauf des Beladevorgangs auf der Stand-up-Spur: alle Sattel sinken nach dem Verlassen der Vorgänger zunächst in die tiefstmögliche Position, so dass man, wenn man dann selbst dran ist, ziemlich ungemütlich kauernd auf dem Fahrradsattel Platz nehmen muss. Erst nach dem in dieser Stellung erfolgten Schliessen des Bügels und der Gurtkontrolle werden die Konstruktionen schliesslich nochmals entriegelt, so dass man die Beine dann langstrecken und schlussendlich korrekt stehen kann. Das erfordert aber durchaus etwas Stemmkraft von Schultern und Beinen.

Noch ein Intamin-Ride im Park ist ein bisschen an meinen wohl zu hohen Erwartungen gescheitert, und zwar der Gyro Swing Maelstrom. Generell bin ich eh nicht so der Fan von solchen Dingern, so dass ich auch nur begrenzt Vergleiche ziehen kann, aber irgendwie hat mir hier einfach ein wenig die Power und vor allem Drehung gefehlt. Der Druck im „Pendeltal“, wenn man so will, ist zwar überaus anständig, aber durch die nur langsam erfolgende Eigenrotation per Durchgang variierten die Visuals je Schwungvorgang nur ganz minim. Man hat im Verlaufe des durchaus ausgiebigen Zyklus zwar jede „relevante“ Position einmal eingenommen, aber trotzdem hab ich da Anlagen anderer Hersteller insgesamt betrachtet schlicht etwas interessanter und mit mehr Pfiff in Erinnerung. Aber noch einmal: das heisst aus meinem Munde auch nicht unbedingt viel.

Etwas rufgerechter verhielt sich die berüchtigte Wildwasserbahn direkt gegenüber, Stormforce 10. Wobei diese ja eigentlich keine reine Intamin-Kreation, sondern eine von Bear Rides darstellt. Faktisch sind die jedoch auch irgendwie so halbwegs in Intamin aufgegangen – von den Booten und der ganzen Aufmachung der Anlage her hätte ich keinen grossen Unterschied erkannt, wenn ich nicht nochmals nachrecherchiert hätte.

Hier bin ich auch erst mitgefahren, als die ganzen Schulklassen schon wieder weg waren, daher hatte ich ein Boot ganz für mich allein. Der Ride-OP wies mich an, zwecks bester Balance in die Mitte der dritten Reihe zu sitzen, wodurch ich dann eigentlich nur beim Rückwärts-Drop etwas nasser wurde – bei den anderen beiden blieb es bei ein paar Spritzern auf die Arme. Aber ehrlich gesagt war mir das auch ganz recht, denn noch mehr vom eklig schwarzen und ungesund schäumenden Seewasser hätte ich wohl eh nicht abbekommen wollen. Durch die Nähe zum Schliessfach hab ich danach das Sweatshirt gegen die Jacke getauscht, wodurch ich auch schon fast wieder trocken war – ein Haystack-Dryer würde dann erst am Folgetag nötig werden.

So oder so aber eine beeindruckende Anlage, schon alleine vom Layout her – definitiv eine der besseren Vertreterinnen ihrer Art!

Das Rafting Splash Canyon hab ich dann aber doch lieber ausgelassen. Man soll sein Glück ja nicht herausfordern. Das Tollste sind hier eh die fetten Stützen für die darüber verlaufende Shockwave!

Durch den überraschend weitläufigen zugehörigen Zoo bin ich auch noch rasch spaziert.

Bei der Madhouse-Attraktion The Haunting gab es die zweitlängste Wartezeit des Tages, da nur ein Mitarbeiter sämtliche Besuchswillige durch die beiden Pre-Show-Räume und alle Gänge des Pfarrhauses dazwischen führte. Und auch nach der eigentlichen Schaukel führte er einen wieder raus – alles in allem wohl ein zirka 20-minütiger Zyklus, zumal der eine Pre-Show-Film gar nicht mehr aufhören will. Die eigentliche Illusionsschaukel ist für einen Park dieser Grössenordnung aber ganz ordentlich aufgezogen – v.a. die Musikuntermalung ist herrlich schaurig und passend. Wenn man also übers ganze Vorgeplänkel wegsehen kann: nettes Ding, das man nicht verpassen sollte.

Den 4D-Film mit Yogi Bear nebenan hab ich auch noch rasch mitgenommen, da ich gerade zu einer Spielzeit dazu gestossen bin. Bis auf die Popcorn-Spuck-Sequenz und die Wasserfall-„Schreiszene“ fand ich sowohl den Streifen als auch die Effekte einfach nur platt und grottenschlecht. Da half auch das Staraufgebot nichts mehr – Yogi und Boo Boo werden wie im Spielfilm von 2010 von Dan Aykroyd und Justin Timberlake gesprochen. Aber zum Glück wechseln diese Filme hier ja offenbar regelmässig.

Aus einer beschaulichen Eisenbahn-Fahrt während der einen Regenphase wurde leider auch nichts da der Zug in der Kehrschlaufe hinter Shockwave einfach stehen geblieben ist und die Passagiere dann irgendwann zu Fuss über die Gleise in den Park zurück geführt wurden. Ein Walkback sozusagen.

Und damit wäre der Bericht über Drayton Manor auch schon an seinem Ende angelangt. Kurz darauf erreichte mich die SMS von Tobias, dass er nun unterwegs sei und mich bald am Park abholen würde. Irgendwie ist es gar nicht so leicht, über Drayton Manor ein aussagekräftiges Urteil zu fällen. Einerseits stehen hier zweifellos einige tolle Attraktionsperlen – Shockwave, G-Force, das Thomas Land, Apocalypse, Ben 10 oder auch Stormforce 10. Andererseits trifft man auch viel Mittelmässiges oder aber gewisse „Nebensaisons-Erscheinungen“ an, was sich dann in unvorteilhaften Betriebsweisen und Pflegezuständen der Attraktionen bemerkbar macht. Für mich persönlich aber war der Besuch hier gleichwohl ein ideal passender Tagesfüller vor Tobias‘ Ankunft – alleine die tollen Fahrten auf Shockwave werde ich in allerbester Erinnerung behalten. Insofern: kann man machen, wenn man eh in der Gegend ist, muss man aber auch nicht zwingend. Denn die ganz grossen Kracher stehen in England schon eher woanders.

Gegen 17.00 Uhr rollte Tobias mit unserem fahrbaren Untersatz für die nächsten Tage am Parkhotel vor – einem für England farblich natürlich unglaublich passenden Fiat 500 in Minzgrün! Ich taufte ihn direkt mal auf die liebevolle Bezeichnung „rollender Kaugummi“, denn nicht nur legten dies Form und Farbe ja nahe, sondern auch das Nummernschild begann zu allem Überfluss noch mit „WRI6“. Wiedersehens-Freude und eine gewisse Skepsis hielten sich nach meinen Erlebnissen mit diesem Fahrzeugtypus im Sommer ’15 natürlich die Waage. Allerdings hatte ich hier ja den Vorteil, nur als Beifahrer fungieren zu müssen – Tobias hat durch sein Austauschjahr in Portsmouth zum Glück ja einiges an Erfahrung im Linksverkehr mitgebracht und hat die ja eh nicht übermässig vielen Streckenkilometer nach Blackpool und weiter zum Manchester Airport souverän alleine gemeistert – an dieser Stelle noch einmal vielen Dank dafür!

Nun fuhren wir also in Richtung Blackpool, in gut gelauntem Fachsprech über Coaster, Reisen, Serien und soziale Beobachtungen plappernd. Und natürlich von diesem aufregenden Flair begleitet, jemanden den man bislang nur aus dem Internet kannte mal live reden zu hören. Nach runden zwei Stunden Fahrt erreichten wir bald unser vorreserviertes B&B, das Windsor House Hotel in der Nähe des Bahnhofs Blackpool North. Im Anschluss ans Abladen unserer Sachen ging es zunächst ins The Albert and the Lion zu einem längst nötigen und leckeren Abendessen und danach noch auf einen ausgiebigen Spaziergang entlang der berühmten Blackpool Promenade, fast bis zum Pleasure Beach runter. Die berühmten Illuminations waren bereits in vollem Gange. Dieser Umstand erklärte auch die anständige Touristenfülle während unserem Wochenende im Ort – was den eigenartigen Charme und die merkwürdige Anziehungskraft dieses Orts gleich noch mehr unterstrich.

Mehr dazu dann im zweiten Teil, der sich um unsere Abenteuer am Amüsierstrand, im Sandcastle Waterpark und an allerhand anderen Schauplätzen in diesem britischen Atlantic City drehen wird. Bis dahin: vielen Dank fürs Lesen!