O du fröhliche, o du seelige…


Es ist mal wieder soweit. Seit Anfang November befinden sich die meisten saisonal geöffneten Freizeitparks in der wohlverdienten Winterpause. Alle Freizeitparks? Nein! Einige ausgewählte starten nun noch einmal durch und präsentieren ihren Parkbesuchern eine weihnachtlich gestaltete Wunderwelt. Neben den bekannten Klassikern gibt es in diesem Jahr erstaunlich viele neue Events zu entdecken. Darüber hinaus gibt es immer mehr Joint Ventures aus Weihnachtsmarkt und Kirmes, die bereits heute mit ihrer Beschickung den Veranstaltungen im Sommer die Show stehlen können. 

Deutschland

In Deutschland konnten sich der Europa Park und das Phantasialand mit ihren Winteröffnungen durchsetzen. Während es in den ersten Jahren doch eher ruhig zu ging, so sind beide Parks mittlerweile recht gut besucht. Der Wintertraum im Phantasialand bietet mit seinen aufwändigen Shows und der dichten Beleuchtung eine hervorragende Möglichkeit den Park neu für sich zu entdecken. Darüber hinaus sind – mit Ausnahme der Wasserbahn River Quest – alle Fahrgeschäfte im Betrieb. Ähnlich sieht es seit diesem Jahr mit dem Europa Park aus.

Nach dem Erfolg des ersten Weihnachtsmarktes im Fort Fun Abenteuerland im letzten Jahr, findet auch in diesem Jahr der Fort Fun Xmas Market statt. Für einen geringen Eintrittspreis erwarten den Besucher ausgewählte Fahrgeschäfte, sowie eine winterlich geschmückte Westernstadt. Freunde rasanter Rundfahrgeschäfte kommen derweil beim ersten Cranger Weihnachtszauber voll auf ihre Kosten. Die Mischung aus Kirmes und Weihnachtsmarkt ist ein Novum im Ruhrgebiet. Zuvor gab es bereits in Berlin den Wintertraum am Alexa, der in diesem Jahr auf Grund von Bauarbeiten jedoch nicht stattfinden kann.

Für Freunde klassischer Weihnachtsmärkte empfiehlt sich in diesem Jahr der Weg nach Kassel, denn in der berühmten Treppenstraße baute in diesem Jahr der Schausteller Ruppert die erste Eisrutsche des Hersteller Wiegand Maelzer auf. Mit Schwung geht es – ganz ähnlich den Russischen Bergen (dem Vorgänger der Achterbahn) – über mehrere Wellen hinab.

Frankreich

Zu Weihnachten lockt in Frankreich vor allem Disney die Besucher in einen Freizeitpark. Ebenfalls ganzjährig geöffnet ist der Jardin d’Acclimatation im Bois de Boulogne, der in diesem Jahr massiv erweitert wurde und allerhand neue Fahrgeschäfte vorweisen kann. Wer jedoch nicht nach Paris reisen möchte, der kann in diesem Jahr erstmalig zur Winteröffnung im Cigoland vorbeischauen. Zu finden ist der sympathische Familienfreizeitpark im Elsass, nur wenige Kilometer vom Europa Park entfernt. 

Niederlande

In diesem Jahr feiert der Winter Efteling sein 20. Jubiläum. Die schönste Zeit des Jahres hat in Efteling eine ganz besondere Atmosphäre, die man keinesfalls missen sollte. Wen die eine oder andere Nachtfahrt auf Joris en de Draak nicht genug ist, der kann auch während der magischen Winterwochen im Toverland vorbei schauen. Die Holzachterbahn Troy steht während dieser Zeit den Parkbesuchern zur Verfügung, danach reduziert sich das Angebot wieder auf die beiden Hallen des Freizeitparks. 

Belgien

An der belgischen Küste zeigt sich das Winter Plopsaland auch in diesem Jahr von seiner besten Seite. Das Event, welches nun bereits zum zwölften Mal stattfindet, lädt geradezu zu unzähligen Fahrten auf den Achterbahnen Anubis und Heidi – The Ride ein. Gerade in Kombination mit dem Schwimmbad Plopsaqua lohnt sich ein Besuch zu dieser Jahreszeit. 

Dänemark

So traditionell wie der Freizeitpark Tivoli Gardens in der Nähe des Kopenhagener Hauptbahnhofs, so traditionell ist auch der Winter Tivoli. Interessanterweise gab es im Zeitraum von 2008 – 2013 mit Jul Expressen sogar eine eigene Achterbahn, die nur in diesem Zeitraum aufgebaut wurde. Aber auch ohne dieses Gimmick ist der Tivoli immer ein Besuch wert. In diesem Jahr wird es auch erstmals eine weitere Sonderöffnung im Februar geben. 

Schweden

Der Freizeitpark Liseberg in der schwedischen Stadt Göteburg öffnet auch in diesem Jahr seine Pforten zu Weihnachten. Eine ideale Gelegenheit sich das weihnachtliche Treiben der Stadt anzusehen und danach die ein oder andere Runde auf den Achterbahnen des Parks zu drehen. 

Italien

Auch in Italien laden gleich mehrere große Parks zu ihrer Winteröffnung ein. Der bekannteste dieser dürfte für viele das Gardaland direkt am Gardasee sein. Doch auch in der Nähe von Rom gibt es einiges zu bestaunen. Hier sticht vor allem der Filmpark Cinecittà World hervor, der mit seinen qualitativ sehr hochwertigen Filmkulissen, wie auch Fahrgeschäften absolut zu überzeugen weiß. Nur wenige Kilometer entfernt, unterhalten Seelöwen und Delphine, wie auch ein alter Looping Star aus dem Hause Schwarzkopf die Parkgäste des Tier- und Freizeitparks Zoomarine. Wer jedoch mit kleinen Kindern unterwegs ist, der sollte beim Freizeitpark Leolandia bei Mailand unbedingt vorbeischauen.

Spanien

Auch in Spanien dürften die Temperaturen ähnlich angenehm sein wie in Italien. Zum Winter zeigen sich die beiden größten Freizeitparks des Landes in ihrer vollen Pracht. Sowohl im Parque Warner bei Madrid, wie auch in den Freizeitparks der Port Aventura World bei Tarragona überzeugt das Event vor allem durch die groß angelegten Shows. Bis auf die Wasserattraktionen stehen in den Parks alle Fahrgeschäfte zur Verfügung. 

Vereinigtes Königreich

Der Winter auf der Insel ist vor allem durch die Winter Wonderland genannten Veranstaltungen geprägt. Die Fahrgeschäfte der Schausteller werden in dieser Zeit festlich geschmückt, teilweise sogar ganz neu gestaltet und eingehaust. Viele der Schausteller kommen aus Deutschland. Dabei ist das Winter Wonderland im Londoner Hyde Park zur wohl bekanntesten Kirmes in England herangewachsen, was unter anderem an dem regelmäßigen Gastspiel des München Loopings (oftmals jedoch Munich Looping genannt) – also unserem Olympia Looping – liegt. Eine weitere große Veranstaltungen befinden sich in Stoke-on-Trent. Wer hingegen auf Kirmes verzichten kann, jedoch von Weihnachtsmärkten absolut nicht genug bekommen kann, der darf auch gerne mal auf dem größten deutschen Weihnachtsmarkt in der Stadt Birmingham vorbeischauen. 

Zum February Half Term öffnen dann fast alle großen Freizeitparks im Vereinigten Königreich ihre Pforten. Dabei hat der Parkbesucher das Vergnügen bei zumeist eher unangenehmen Temperaturen die eine oder mehrere Runden auf ausgewählten Attraktionen zu drehen. Besonders wagemutige können dann eine Fahrt auf der Wildwasserbahn Valhalla im Blackpool Pleasure Beach wagen, von der man sich mit Sicherheit erst einmal mehrere Tage erholen muss. 

Flash-Revue der Piscine Olympique


Die etwas mehr als zwei weitere Fahrstunden weiter nördlich und eine Ortschaft vom Walygator entfernt gelegene Zone Touristique von Amnéville ist eine wahrlich eigenartige und irgendwie höchst französische Konstruktion. Der Zoo d’Amnévile, der Thermalbadekomplex Thermapolis, eine Skihalle, ein Casino, verschiedene Kinos, das Aquarium, diverse Indoor-Freizeiteinrichtungen und eben die für mich zur zweiten Fahrpause angedachte Schwimm- und Eislaufanlage teilen sich hier einen riiiesig langen Parkplatz, der einfach als breite Schneise in die Landschaft unter gigantischen, dafür aber hübsch dekorierten Strommasten gehauen wurde. Seht euch das ganze mal aus der Luft an und versucht, die Augenbrauen an Ort und Stelle zu halten.

Die Piscine Olympique & Patinoire liegt ungefähr mittig an der erwähnten Schneise und ein gutes Stück südlich. Direkt vor dem gemeinsamen Eingang zu Schwimmbad und Eislaufbahn gibt es weitere Parkplätze.

Eigentlicher Hauptgrund, hier einen Zwischenstopp auf dem Weg nach Belgien einzulegen, wäre die rote Van-Egdom-Rutsche gewesen – ein ca. drei Meter hoher und ansehnlich steiler Jump direkt in einen engen Rechtsknick hinein hätte sicher für einen gewissen Adrenalinkick während der Fahrpause sorgen können. Leider machte ein extrem schmuckloses Schild neben der Kasse (mit drei peinlichen Orthographie-Fehlern, die selbst mir als Nicht-Muttersprachler auffallen) darauf aufmerksam, dass die Rutschen aufgrund Renovierungsarbeiten bis Samstag zu sind. Einen Hinweis auf der Website darüber gab es nicht (ich hatte vor der Abfahrt nochmals nachgeschaut), eine Reduktion auf den Eintrittspreis auch nicht. So wurden die 4€ Eintritt quasi als Trotz mit Kreditkarte bezahlt und es blieb beim sowieso angedachten Längenschwimmen im 50-Meter-Bassin, was zum Freistrampeln der Beine auf so einer langen Fahrstrecke ja durchaus ein angenehmer Plan gewesen wäre.

Unglücklicherweise ging das halt mit den typisch französischen Eigenheiten wie schon damals in Paris einher: Pflicht zu peinlichen, eng anliegenden Badeshorts, Duschen auf dem Gang, keine Trennung zwischen Längenschwimm- und Spielbereich; fiese französische Filous, die den Bahnenziehern ohne Rücksicht immer direkt vor die Nase sprangen, tauchten und sonstiges Mühsal verbreiteten; Eltern und Bademeister, die das ohne auch nur ein Sterbenswörtchen zuliessen… Und zu allem heran dann noch total beschränkte Mitschwimmer, welche die internationale Längenschwimm-Etikette (Rechtsverkehr im Gegenuhrzeigersinn um die markierten Längen am Beckenboden herum, in Blickrichtung rechts an der Wand pausieren und links wenden) entweder nicht kannten oder einfach zu asi waren, um sie auch anzuwenden. In meinem Stamm-Hallenbad wären die mit dem da gezeigten Verhalten genau eine Länge weit gekommen, bevor sie die Bademeister zur Rücksichtnahme gemahnt hätten. Und ja, man macht dies ab drei Schwimmern auf derselben Länge auch im nicht mit Wavekillern abgetrennten Bereich, wenn die drei abgeseilten Längen von Kursen besetzt sind, wie hier der Fall.

So wurde das Ganze halt mehr zu einer baldmöglichst wieder beendeten Pflichtübung. Für die Rutschen muss man nach dem ohnehin mal zu besuchenden Walygator wohl mal separat herkommen. Finale Randnotiz: Die im Tuberides-Bericht erwähnte Badekappen-Pflicht gibt es wohl nicht mehr. Auch wenn sich das meine armen Finger zumindest für Träger von Frisuren ab einer gewissen Haarlänge gewünscht hätten.

Zum Trost gab es dafür die Einstandsmahlzeit im nahe gelegenen Buffalo Grill (bis dahin tatsächlich noch nie ausprobiert) und weiter ging die Fahrt in Richtung Luxembourg. Wo ich wegen einer dank unhöflichen Dränglern nicht erwischten Abfahrt auf dem Autobahnkreuz noch unfreiwillig die Grand Tour über einen horrormässigen dreispurigen Kreisel und sogar hinter dem Hauptbahnhof durch mitgemacht habe, jedoch bei einer Shell auch günstig tanken konnte.

Sowohl Google Maps als auch unser Navi machten mich auf einen 25-minütigen Zeitverlust durch eine Baustelle an der Grenze zu Belgien aufmerksam, wo für zwölf Kilometer zwei Spuren zu einer vereinigt werden. Das habe ich halt im Kauf genommen, um mal behaupten zu können, wenigstens einmal im Grossherzogtum mit seinen berühmten günstigen Tankmöglichkeiten gewesen zu sein. Dumm nur, dass ausgerechnet bei meinem Da-Durchwollen auch noch ein Lastwagen eine Panne auf dieser einen Spur haben musste, so dass eine halbe Stunde lang einfach gar nichts mehr ging. An einer Stelle mit lieblicher Güllenote in der Luft. Nach qualvollen eineinhalb Stunden Stop & Go war das Hindernis dann aber endlich via Pannenstreifen-Umleitung überwunden und relativ flüssig ging es daraufhin durch halb Belgien, um dann gegen 21.00 Uhr schliesslich den Grossraum Brüssel zu erreichen und wo ich nach einer ersten fassungslos zur Kenntnis genommenen Begegnung mit dem Brüsseler Autobahnring endlich an meinem für zwei Nächte reservierten Campanile in Vilvoorde nahe des Flughafens ankam.

Auch dies eine trotz vielmaligen Antreffens noch nie geschlossene Bildungslücke, die sich für meine Bedürfnisse und Unternehmungen aber als absolut ideal erwiesen hat – kann ich nur weiterempfehlen, durch die Laufnähe zum nebenan liegenden S-Bahnhof gerade auch für etwas ÖV-konzentriertere Trips. Der Teppichboden im Vestibule (Chandler lässt grüssen!) zwischen Badezimmer und Hauptteil des Zimmers sah zwar etwas eklig aus, da hier wohl jemand mal etwas verschüttet hatte, aber das ist hoffentlich ein Einzelfall und verschmerzbar.

Um mal richtiges belgisches Fernsehen zu erleben liess ich neben dem Auspacken, Einrichten und Chatten über meinen Verbleib 2001 – Odyssee im Weltraum auf Französisch laufen. HAL heisst dort CARL.

Parc du Bocasse (2018)