Auf Entdeckungstour durch Kyōto


Der fünfte Tag unserer Reise zog uns nach Kyōto. Die einstige kaiserliche Haupt- und Residenzstadt war bis zum Jahr 1868 die Hauptstadt des Landes, ehe man sich dazu entschloss – auch auf Druck der Europäer, die kurz zuvor das Land für sich entdeckten und nun versuchten mit aller Macht den Markt des Landes für sich zu bestimmen – in die Hafenstadt Tokyo zu ziehen. Kurz zuvor entdeckten die Engländer nämlich China für sich und setzen das Land kurzerhand auf Opium; nach dem Fall des chinesischen Reiches blieb den Japanern schlichtweg keine andere Wahl. Man hat sich also geöffnet und musste allerhand Wucherzölle über sich ergehen lassen, grundsätzlich aber hat es sich sehr schnell ausgezahlt. Japan wurde in kürzester Zeit zu einer Weltmacht. Auch wenn es den Reichsbürgern hierzulande nicht gefallen wird, Deutschland hat eine Verfassung und Japan hat interessanterweise dieselbe.

Hach, ich habe meinen Geschichts-LK auf französisch gemocht. Endlich mal keinen Weltkrieg als Thema, sondern die Geschichte Chinas und Japans im 19. und 20. Jahrhundert. Damit haben wir jetzt auch die jüngeren Epochen dieser Stadt abgedeckt, was jedoch fehlt sind die alten Epochen. Kyōto bietet einen sehr große Anzahl an Tempeln und Schreinen. Um alle interessanten zu sehen, müsste man hier mindestens zwei oder mehr Tage unterwegs sein, doch wir hatten keine Zeit. Körperlich halbwegs fit entschieden wir uns dazu zwei der, in zahlreichen Stadtführern, empfohlene Routen an einem Tag zu machen. Mehr als 20 km bei fast 40°C, man gönnt sich ja sonst nichts.

Da ich bei bestem Willen nicht jede Route wiedergeben kann, nutze ich eine Funktion von Google Maps um halbwegs akkurat den Tagesablauf zu schildern. Besagte Funktion ist die Timeline, anhand derer und dem eigenen Handy man seine Routen nach verfolgen kann. Gott sei Dank ist das Ganze manchmal nicht sonderlich akkurat, ansonsten müsste man sich manchmal echt Gedanken darüber machen, was Google so alles von einem weiß. In diesem Fall ist es ein nützliches Feature, bei anderen Gelegenheiten sollte man es anders bewerten.

Vom Hauptbahnhof in Kyōto aus fuhren wir zuerst zur Station Inari, an der sich direkt der Fushimi Inari-Taisha befindet. Dieser Schrein ist dem Kami Inari, dem Gott der Fruchtbarkeit, des Reises und der Füchse gewidmet, aber auch des Sakes, dem Trank der Götter. Auch die Japaner verstehen ihr Handwerk und besaufen sich seit jeher. Irgendwie sind wir doch alle gleich. Der Inari Schrein selbst zeichnet sich durch seine große Anzahl an scharlachroten Holzportalen, den sogenannten Torii, aus, die die Wege am Hang zieren. Das Gelände ist recht weitläufig, aber auch mitten in einem Wald gelegen, so dass man es hier auch an sehr heißen Tagen länger aushält. Da der Schrein jedoch sehr beliebt ist, muss man mit größeren Menschenmengen rechnen.

Wieder am Hauptbahnhof begannen wir dann die eigentliche Wanderung durch die Altstadt von Kyōto, in der sich die meisten Tempel und Schreine befinden. Das erste Ziel dieser Route war der buddhistische Tempel Sanjūsangen-dō. Dieser zeichnet sich vor allem durch den Inhalt seiner 125 m langen Haupthalle aus. In je 10 Reihen à 50 Figuren stehen zu beiden Seiten des sitzenden Bodhisattva Kannon insgesamt 1000 handgeschnitzte und aus Zypressenholz gefertigte Kannon-Standbilder, die Soldaten des Mitgefühls symbolisieren sollten. Das Ganze ist schlichtweg überwältigend, weswegen man wirklich eine ganz schön lange Zeit braucht um aus dem Staunen wieder raus zu kommen. Obgleich ein Heiligtum der Buddhisten, sah man unzählige buddhistische Mönche Selfies mit den Statuen machen. Ich kann es auf jedem Fall verstehen, doch das Handy unsererseits blieb selbstverständlich aus.

Weiter geht die Reise in Richtung des Kiyomizu-dera Tempels, vorher bogen wir jedoch unbewusst ins Otani Mausoleum ab. Das passiert Touristen wohl ständig, so gab es Flyer aus denen verdeutlicht wurde, dass man das Otani Mausoleum sei und man sich hier in einer Sackgasse befindet. Jedoch ist auch das Otani Mausoleum durchaus einen Blick wert. Parallel zu diesem hieß es danach den Berg zum Kiyomizu-dera zu erklimmen. Oben angekommen hat man eine beeindruckende Sicht auf die Stadt und die aufgeständerte Haupthalle. Auf dem zugehörigen Gelände suchen junge Japaner derweil zwischen den beiden Liebessteinen ihr Liebesglück. Generell ist Glück bei den Japanern ganz hoch im Trend und so kann man sich überall Horoskope und Glücksbringer kaufen oder aber man hält sich an die Rituale, dann klappt das auch mit dem Studium.

Der weitere Weg führte uns zum Glück bergabwärts, doch es brauchte einige Zeit bis wir das Hanamachi-Viertel Gion erreichten. Dieses ist berühmt für seine exklusiven Teehäuser und Restaurants, in denen die Geishas auftreten. Geishas sind Personen der Künste und im wahrsten Sinne Unterhalterinnen. Man setzt auf die alten japanischen Traditionen und unterhält so gut es geht seine Gäste. Das ganze ist jedoch nicht gerade günstig, was gerade mit dem Irrglauben (Geisha = Prostituierte) in Kontrast steht.

Durch den Maruyama Park erreichten wir dann den Chion-in Sanmon. Diesen betrachteten wir jedoch nur von außen. Vorbei am Chion-in und Ryoshoin bahnten wir uns den Weg in Richtung des Tempels Nanzen-ji. Dieser ist vor allem durch seine Gartenanlage bekannt und schlichtweg wunderschön. Besonders das Haupttor des Tempels ist wahrlich beeindruckend und erinnert ein wenig an einen Triumphbogen aus Holz.

Mittlerweile war es schon spät und es wurde langsam kühler. Unser letztes Ziel sollte der Ginkaku-ji Tempel werden, auf dessen Weg noch der Honen-in Tempel lag. Entlang des Philosophenweges wanderten wir nun einige Kilometer bis wir besagte Tempel erreichten. Während wir uns am Honen-in immerhin noch die Außenanlagen ansehen konnten, so waren wir beim Ginkaku-ji eindeutig zu spät dran. Leicht erschöpft machten wir uns auf dem Weg zum Kaiserpalast, den wir nach einer Busfahrt erreichten. Hier schlenderten wir einmal quer durch den Park, schauten uns den Palast von außen an und stiegen am Ende in die Metro zurück zum Hauptbahnhof. Gegen halb neun erreichten wir dann auch wieder das Hotel in Osaka.

Kyōto (2017)