Die Qual der Wahl auf Fury


Mein letzter Besuch im Bobbejaanland war schon einige Jahre her. In der Zwischenzeit hat sich einiges verändert. Unter anderem gab es eine Namensänderung der Achterbahn Dizz zu Naga Bay im Jahr 2017, um dem Thema des Immersive Tunnels Forbidden Caves nebenan besser gerecht zu werden. Eine interessante Wahl, wenn man bedenkt, dass Forbidden Caves bereits kurz nach der Eröffnung im Jahr 2015 veraltet war – mit der diesjährigen Neuheit Fury und dem Themenbereich Land of Legends dient Naga Bay als Verbindung zwischen den beiden Gebieten, was durchaus in Ordnung ist. Darüber hinaus verkaufte das Bobbejaanland seinen HUSS Fly Away an einen kleinen französischen Freizeitpark und bestückte seine Achterbahn Revolution mit VR-Technik von Samsung. Die nun auch als Mount Mara betriebene Achterbahn wurde dadurch noch ein gutes Stück besser. Blöderweise wurde auch die Windkraftanlage neben dem Park entfernt, wodurch die altbewährten Witze wohl leider ausgedient haben.

Land of Legends klingt wirklich legendärer, als es ist. Der Themenbereich besteht aus einer unattraktiven langen Warteschlange für die Achterbahn Typhoon – die einen neuen Lackauftrag erhielt -, einer neuen Warteschlange für den HUSS Giant Frisbee Slegdehammer – deren Fahrt durch den Blick auf die unter einem auftauchende Neuheit deutlich aufgewertet wurde –, einem Wasserspielplatz und der Achterbahn Fury. Abgesehen von Fury, das ein noch nie dagewesenes Feature auf einer Achterbahn bietet, fällt nichts besonders auf. Meiner Meinung nach sieht das Land of Legends billig und plastisch aus. Natürlich gibt es auch die obligatorische Musik von IMAsore, wie bei allen anderen europäischen Themenparks auch.

Fury selbst ist eine ziemlich grosse Achterbahn mit einigen aufregenden und interessanten Elementen, die vorwärts oder rückwärts befahren werden können. Die Bahn gibt dir die Wahl, wenn du möchtest. Wenn du Fury unbedingt vorwärts fahren musst, hast du auch die Wahl, etwas länger in der Schlange zu warten und die Schlange links im Bahnhof zu benutzen. Wenn du dich von der Wahl aller anderen Personen im Zug überraschen lassen willst und an einer kleinen Umfrage teilnehmen möchtest, bleibst du auf der rechten Seite. Nach dem Einsteigen kannst du den gewünschten Knopf drücken. Das Ergebnis der Umfrage wird dann auf der Drehscheibe (des Schicksals) kurz nachdem Verlassen der Station gelüftet.

In die richtige Position gedreht, beginnt die Fahrt mit dem ersten Abschuss in Richtung des Top Hat. Anschließend passiert der Zug in umgekehrter Reihenfolge die gleiche Abschussstrecke, woraufhin das Scorpion Tail Jr. Element folgt. Dabei handelt es sich im Grunde genommen um einen leicht überhöhten Vertikalhang, bei dem der Zug an Dynamik verliert, während die Mitfahrer für einen Moment auf dem Kopf stehen. Nach dem dritten Abschuss fährt der Zug mit einer sehr kleinen Prise Airtime über den Top Hat und fällt plötzlich in einer verdrehten Wendung herunter. Mit voller Geschwindigkeit steigt der Zug einen riesigen Korkenzieher hinauf, wo der Ausgang des Elements an eine Banana Roll erinnert. Man verlässt das Element praktisch mit einer Richtungsänderung. Über einen Hügel stürzt sich der Zug dann in den Eingang eines recht intensiven Loopings. Nach der Schleife fährt der Zug weiter in das letzte Tal der Fahrt. Ähnlich wie zu Beginn der Fahrt ändert der Zug die Geschwindigkeit in drei Stufen. In der ersten klettern wir das zweite Scorpion Tail Jr. Element hinauf und ändern dabei die Richtung. Mit reduzierter Geschwindigkeit fahren wir nun über die Bremsstrecke und erklimmen den Ausgang des Loops für einige Meter. Beim dritten Einfahren in das Bremsgleis hält der Zug auf der angrenzenden Drehscheibe an. Zurück in der Ausgangsposition betritt der Zug den Bahnhof und die Fahrt ist zu Ende.

Fury ist definitiv ein schöner Gerstlauer Infinity Coaster. Es passt gut in das Angebot des Bobbejaanlands und ergänzt es. Die Fahrt selbst ist sehr familienfreundlich, obwohl sie am Ende der Fahrt eine ziemlich intensive Schleife aufweist. Die Rückwärtsfahroption wird gut angenommen und bietet eine aufregende Fahrt für die Thrill-Suchenden da draußen. Für alle anderen ist die Vorwärts-Option eine permanent verfügbare Alternative, was eine gute Sache für alle ist, die nicht sicher (oder bereit) sind, eine Achterbahn rückwärts zu fahren. Obwohl Fury nicht der aufregendste Coaster Europas ist, sollte man ihn schon ausprobieren, wenn man in der Nähe ist.

Auf ein Neues in Pottenstein


Ich kann verstehen, wenn du deine Sommerrodelbahn wegen der Nässe nicht laufen lässt. Ich kann auch verstehen, dass man nichts öffnet, wo sich jemand wegen des rutschigen Untergrundes verletzen könnte oder sogar noch zu Boden fällt. Aber Wiegand, warum hast du deinen kleinen Suspended Coaster Hexenbesen nicht betrieben? Nur deshalb habe ich auf dem Rückweg von München nach Hamburg beim Erlebnisfelsen Pottenstein Halt gemacht. Und obwohl deine Website den Betrieb eigentlich garantiert hat, hast du die Anlage nicht betrieben.

Versteh mich nicht falsch. Die Route über Pottenstein ist einfach wunderschön und ich brauchte sowieso eine Pause von all den Baustellen. Es war sehr interessant, all deine neuen Einrichtungen zu sehen, aber es wäre schöner gewesen, wenn ich das gekaufte Ticket für mehr als nur für eines deiner Fahrgeschäfte verwenden hätte können. Der Frankenbob ist ein wunderschön aussehender Alpine Coaster, aber leider auch ein recht öder noch dazu. Der Frankenrodel hingegen ist eine wirklich tolle Sommerrodelbahn und dein Hexenbesen sieht zumindest toll und interessant aus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Erweiterung des Rodelmekka Pottensteins die richtige Wahl war. Ich kann es nur einfach nicht sehen, wenn du deine Anlagen auf dem Erlebnisfelsen Pottenstein am späten Nachmittag an einem eher ruhigen Montag einfach nicht betreibst. 

Rasant hinab auf dem Alpsee Coaster


Der Alpsee Coaster ist für mich als norddeutscher Achterbahnfan eine überaus exotische Alpine-Coaster-Anlage des Herstellers Wiegand, da er recht weit von jeglichen (für mich relevanten) touristischen Zielen entfernt gelegen ist; sprich: Er liegt am Arsch der Heide oder wie es die Süddeutschen gerne sagen in Buxtehude. Ohne einen weiteren Grund wäre ich so schnell auch gar nicht in der Nähe von Kempten (Allgäu) vorbeigekommen, weswegen der Besuch auch erst durch eine erfrischenden Runde Wildwasser-Rafting auf der Iller beim Anbieter MAP-Erlebnis Zustande kam. Mit von der Partie war mein englischer Kumpel William mit dem es allein auf dem Hinweg – ausgelöst durch das Ende der Schulferien in Bayern – durch 5-6 Stunden Stau und unzählige Baustellen ging.  

Nach einer Nacht im Hotel ging es dann ausgeruht zum Alpine Coaster, der bereits durch seine Lage – direkt am Alpsee gelegen – überzeugen kann. Es war ein kalter, verregneter Tag und bis auf ein paar mutige Wanderer waren keine Besucher vorhanden; auf der 2700m langen Strecke zumindest war niemand zu sehen. Die Temperatur wurde mit jedem Meter des Aufstiegs immer geringer. Oben angekommen setzte dann auch noch ein Regenschauer ein. Statt einer Fahrt zog es uns also erst einmal in die Berghütte Bärenfalle, wo wir eine warme Mahlzeit zu uns nahmen. 

Gut gestärkt konnte es nun also auf die – durch den Regen – gut geschmierte Fahrt gehen. Da es schwierig ist den erlebten Irrsinn der Fahrt in Worte zu fassen, habe ich für euch ein POV aufgenommen:

Direkt nach den ersten drei Serpentinen rasen wir bereits über den ersten größeren Jump, welcher den Schlitten schnell auf seine Maximalgeschwindigkeit befördert. Kurze Zeit später fliegen wir ein weiteres Mal über einen Schussfahrt. Nach einer äußerst flotten Passage durch den Wald geht es über mehrere Wellen, die einen gekonnt aus der Sitzschale reizen und einen dabei ein wenig durchschütteln. Mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht folgen mehrere steilere Kurvenpassagen, die zwischendurch immer wieder durch Wellen und Jumps unterbrochen werden. Nach einigen ruhigeren Passagen (die bei anderen Anlagen bereits ein Highlight darstellen) geht es dann ab 1:01 wieder ordentlich zur Sache. Auf einem Jump folgen im schnellen Wechsel einige sehr enge und steile Kurven. Hat man sich auch davon erholt wird ab 1:25 eine sechs sekündige Airtime-Orgie eingeleitet. Nach einer Vielzahl an Serpentinen fügt sich nach 2:15 eine weitere Wellenpassage an. Auch hiernach geht es weiterhin in Serpentinen den Berg hinunter, ehe dann gegen Ende noch eine Helix auf die Mitfahrer wartet.

Der Alpsee Coaster der Alpsee Bergwelt bietet eine absolut wilde und atemberaubende Fahrt, die so kaum eine andere Achterbahn in Deutschland aufweisen kann. Er ist ohne Zweifel jedem anderen Alpine Coaster in Deutschland überlegen; zumal neuere Anlage heutzutage mit Magnetbremsen ausgestattet sind, die meist zu sehr in das Geschehen eingreifen (auch ältere Anlagen, wie z.B. der Hasenhorn Coaster in Todtnau, wurden durch ein Upgrade zu diesem System leider verschlimmbessert). Wie immer bleibt jedoch das Risiko, dass ihr auf eurer Fahrt einen Schleicher vor euch habt und spätestens dann kann die 2700m lange Fahrt zu einer ziemlichen Geduldsprobe werden. Ungebremst jedoch ist sie eine Mordgaudi und sollte von jedem Achterbahnfan mal gefahren werden (zumindest solange bis auch hier ein neues Sicherheitssystem installiert wird),