Ein Leitfaden zu (S)Oakwood ohne Ersatz-T-Shirt


„Kommst du mich dann mal in England besuchen? Da stünde doch noch geiles CCI-Holz in Wales.“ – „Hmmm…“. Die Rede ist vom Oakwood Theme Park, der als Spätfolge dieses Chatverlaufs angefahren wurde.

Da ein verlängertes Wochenende immer etwas schwierig mit meiner Arbeit zu vereinen ist, kam es uns beiden natürlich sehr entgegen, dass Oakwood anlässlich Halloween noch mit ein paar zusätzlichen offenen Werktagen zu den sonst üblichen Wochenendöffnungen im Oktober aufgewartet hat. Hinzu kamen dann noch etwas ungewöhnliche Flugverbindungen und ein absolutes Hotel-Schnäppchen, und schon hatte das Mini-Trippchen tief in die walisische Pampa Gestalt angenommen.

Ziemlich pünktlich landete ich dann in Bristol, wo ich ruckzuck durch die Passkontrolle war und auch gleich meine Reisetasche entgegennehmen konnte. Tobias kam exakt zeitgleich durch die Flughafen-Eingangstür wie ich durch die Schleusen bei der Ankunft – Timing! Nur wenige Minuten später und entsprechend auch nur um den Minimal-Parkgebührenbetrag ärmer tummelten wir also schon wieder durch den Linksverkehr, den ich als Beifahrer dieses Mal wesentlich unausgefreakter ertrug. Nach ersten Besorgungen und einer Tankfüllung bei Tesco Extra fuhren wir dann eine, ähem, nicht gerade kreiselarme Strecke durch Bristol, bis wir schliesslich die lange und recht Tampa-Bay-hafte Brücke über die Severn-Mündung nach Wales rüber passierten. Schon kurz nach der Mautstelle lag dann bereits unser Hampton Inn, wo wir nach einem schmackhaften Essen bei Sawyers Bar & Grill gegenüber nur noch in die bequemen Betten plumpsten.

Tags darauf nahmen wir nach einem fantastischen Frühstück am hoteleigenen Buffet mit englischen und kontinentalen Zugeständnissen schon bald die noch verbleibenden 110 Meilen bis nach Canaston Bridge in Angriff. Klingt in diesem Satz jetzt so dahingesagt, aber es sei hier nochmals versichert: das zieht und zieht und zieht sich. Der Park liegt nicht nur am sprichwörtlichen Arsch der Welt, sondern vielmehr an einer Haarspitze auf einem Pickel an eben diesem. Zwar durchquert man unterwegs wunderschönste Landschaften, aber man muss schon ein ganz verbissener CCI-Pilgerer sein, damit sich das auch lohnt. Vom ÖV ist der Park – auch laut Eigenaussage auf seiner Website – so gut wie abgeschnitten. Den Running Gag, dass nicht mal ein gewisser Ingo ohne zweistündige Wanderung hierhin finden dürfte, geben wir an dieser Stelle gern als Anstoss zu einem stinson-mässigen „Herausforderung angenommen!“ frei. Und ein nettes Detail: je näher man auf den ungewöhnlich gut ausgebauten Landstrassen zum Park gelangt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die braunen Hinweisschilder wieder die ursprüngliche Bezeichnung Oakwoood Leisure und nicht Theme Park tragen.

Aber irgendwann – man glaubt es kaum – ist nach Passieren der für die Bahnensuchtis wohl geilsten Kreiseldekoration überhaupt der Parkplatz unseres heutigen Ziels erreicht! Am Eingang zückte ich mein zu Hause in der Schweiz für £20,25 erstandenes und ausgedrucktes Online-Ticket, Tobias brachte es mit seiner englischen Studenten-Legi sogar nur auf £18. Da kann man weiss Gott nicht meckern! 

Ein kleiner Zug bringt die soeben eingetroffenen Parkgäste von den Tickethäuschen zum eigentlichen Attraktionenbereich. Da der nur jede Viertelstunde fährt und wir ihn gerade verpasst hatten, liefen wir die kurze damit absolvierte Strecke zu Fuss. En route zeigte sich dann eine faszinierende Nebenwirkung des bescheidenen Wetters: einen mehr als 30 Meter hohen Intamin Mega Splash sieht man ja auch nicht alle Tage so herbstlich in Nebel eingehüllt. Aus rein ausrüstungstechnischen Gründen und auch aufgrund des Umstands, dass die Bahn erst um 14.00 Uhr ihren Betrieb aufnehmen würde, verschoben wir eine Fahrt damit erstmal.

An der Aussteigestation des Parkzugs vorbeimarschiert hätten wir hierauf eigentlich die diesjährige Neuheit, den Schottland-Import Flight of the Giant Peach, ansteuern wollen. Da die Schlange dort aber bereits auf ein respektables Ausmass angewachsen war und es auch nur sehr harzig vorwärts ging, turnten wir unter den Geländern hindurch wieder hinaus und begaben uns im Laufschritt zum schon von weitem hör-, aber im Nebel und hinter den Bäumen noch nicht so sichtbaren Hauptbesuchsgrund unseres Wales-Abstechers: direkt zum CCI-Ungetüm Megafobia!

Schon der Anblick und die Geräusche lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen! Mit etwa 26 Metern Höhe, deren 900 in der Länge und einer Spitzengeschwindigkeit von ca. 77 km/h ist das hiesige Exemplar zwar rein von den Werten her nicht überbordend spektakulär, auch innerhalb der von mir ja so heiss geliebten CCI-Familie nicht. Während die ersten paar Fahrten des Tages schon richtig, richtig gut waren, steigerte sich die Performance dieses Spassholzes bei Wiederholungsritten in den späten Nachmittagsstunden sogar noch derart markant, dass es sich nun einen Platz weit oben in der persönlichen Woodie-Hitliste gesichert hat. Doch schön von vorn:

Vom Zugangsweg auf die Gates im Stationsgebäude blickend sah es hier den ganzen Tag über nach Walk-on aus. Allerdings muss man doch präzisieren, dass das bei den ersten Fahrten gleich nach Ankunft nur so ausgesehen hat, und zwar aus einem höchst britischen Grund: Wie auf dem Bild zu erkennen wendeten die Besucher hier nämlich das Prinzip der leeren Station an – und dies gänzlich selbstständig!  Komplett ohne Sixflag’sche Einweisegören wartete man an der Linie nach der Treppe, bis die vorangegangenen Fahrgäste durch die Gates waren, dann schlossen die nächsten 24 Personen (oder zumindest annähernd so viele) zu den Gates auf. Und das ohne dass das Stationspersonal per Lautsprecher oder so darum gebeten hätte, sondern einfach als selbstverständliche Folge britischer Schlangenstehkultur. Das habe ich so echt noch nie gesehen!

Einmal im klassischen PTC-Zug Platz genommen, kriegt man es bereits mit einem der lustigsten Aspekte der Bahn zu tun: dem etwas älteren und vor allem charmant nonchalanten Ride-OP mit Gnombart und Späthipster-Dutt!  Bei den meisten unserer Fahrten im Tagesverlauf unterhielt er die Gäste – und vor allem auch sich selbst!- mit Durchsagen und Aktionen, die vor Flachwitz nur so strotzten. Beispiele, die uns besonders geblieben sind: 

– Jedes Mal vorm unmittelbaren Losfahren: „All right, folks. You know what to do. Try not to fall out.”

– Nach Ankunft: „After opening your searbelt push down on your lapbar to open it and exit to your left. Come on, do it. What’s keepin‘ ya? Go on, you too. Yeeeah, you can’t, can you? Seems like I’ve got to push that button over here first. You know, the one that goes swsssh. Whole other noise than the green one over here, which I push to open the gates for the next guests. That one kinda goes like fmmmp.“ 

– Beim Kontrollieren der Bügel, als eine junge Dame in der soeben kontrollierten Reihe ihr Smartphone zückt: „Oh, you naughty girl, you. What do you have there? Puppy pictures? Let me see! Aaaw, isn’t he cute? How old is he?“ usw.

– Nachdem er am späteren Nachmittag zum Sitzenbleiben einlud, einige aber bewusst einen weiteren Zyklus für die Front warten wollten: „Typical. All right. Wait it out if you must.“

– Auf die Frage eines kleinen Jungen im vorderen Zugteil, wie steil die Bahn denn sei: „Oh, you know, 78.5°. It’s steep, okay? Beyond vertical even.“ 

Ob nun simple Verarsche, flapsige Sprüche, schrullige Lautmalerei von Bedienpult-Geräuschen oder beissender Sarkasmus – der Typ hat echt den halben Charme der eh schon grandiosen Attraktion ausgemacht! Für den regelmässigen Berichtleser und dabei Helvetismen-Aufschnapper wiederhole ich mich an der Stelle zwar, aber dennoch: geile Siäch!

Begleitet uns nun auf eine Fahrt mit diesem sprichwörtlichen hölzernen Kleinod! Sind die letzten Kapriolen des Ulknudel-OPs überstanden, die Gurte zugemacht und die Bügel bei einigen Sitzen aufgrund vorstehender Schrauben am Gewinde nur merkwürdig hoch eingerastet, geht es bald auch schon los! Der Lifthill bringt einen ins walisische Herbstwetter eingelullt und vom woodie-typischen Chaindog-Konzert begleitet nun flott auf die Ausgangshöhe – mit tollen Ausblicken auf die sogleich zu durchratternde Strecke wird man da ganz kribbelig!

Oben angelangt klinkt man sich aus der Liftkette und absolviert bereits jetzt lateral-g-reich den ersten gedippten CCI-Umschwung, daraufhin donnert man den ziemlich knapp bekuppten und im Tal elegant leicht nach links wegkurvenden First Drop hinunter. Vor allem natürlich hinten im Zug und bei den Fahrten im späteren Tagesverlauf ist man hier nur so hochgespickt! In Kombination mit dem engen Headchopper durch die Folgestrecke und dem wirklich rabiat polterigen Tal danach – die einzige Stelle der Bahn, die man als rappelig bezeichnen darf – ein wirklich unsagbar abgefahrener Auftakt! Ich würde glatt behaupten, so einen markanten Airtime-Moment auf einem klassischen Woodie gibt oder gab es so nur noch ein weiteres Mal: auf der berühmt-berüchtigten Schussfahrt in der Ü18-Backrow auf Cyclops in Mt. Olympus.

Daraufhin rast man über einen parabelmässig viel grosszügigeren Hügel, gleich danach ins nächste Zwischental, über die nachfolgende Kuppe und zum zweiten CCI-Umschwung, hier selbstredend etwas bankingfreudiger ausgeführt. Die sich gleich hierauf anschliessende Kuppe ist meines Erachtens die beste Stelle der Bahn. Beinahe so prägnant wie beim First Drop wird man aus dem Sitz geschleudert, auf der recht steilen Abfahrt im Sturzflug fotografiert – selten bringt eine Fotostelle so witzige und geile Schnappschüsse wie hier zustande! – und in der dann folgenden Talsohle aufgrund des irgendwie viel zu engen „Wieder-Aufwärts-Radius“ derart zerquetscht, dass man bei jeder einzelnen Fahrt Bügelprügel in den Bauch kassiert! Klingt so formuliert vielleicht etwas brutaler als es in Wirklichkeit tatsächlich ist – in erster Linie ist die Abfolge und das Pacing dieser Elemente einfach bloss wahnwitzig und sorgt auch beim sechsten Mal für unwiederbringliche Lachflashes!

Und ist ja nicht so, dass man sich davon nicht erholen könnte, denn nun schliessen sich zwei etwas flachere Rampenhügel zurück zum Lifthill-Rondell an, wo man zum Kuscheln mit dem Seitenpolster oder dem links neben einem Sitzenden gezwungen wird. Oder etwas trockener ausgedrückt: ein herrlich bankingloses, im zweiten Teil von Stützen eingefasstes und insgesamt etwa um 180° kehrendes Kurvengebilde wird absolviert. Auf den nun wieder zurück führenden und, weil oben auf dem Abhang absolviert, sogar eher kleinen Hügelkuppen wird in allen Sitzreihen fantastische floating Airtime produziert, die am längsten anhaltende naturgemäss ganz hinten im Zug. Einfach ausserirdisch schön und ein wahres Freudenfest!

Nach einer engen 180°-Umkehr und sich anschliessendem Sturz folgt ein ausgesprochen eigenartiger Bunnyhop, der beim Darauf-Zufahren völlig gerade ausgeführt wirkt, in völlig kurioser Manier aber dennoch scharf links abknickt. Irgendwie hat dieser abrupte Rechtsrutsch bei jeder Fahrt aufs Neue überrascht und war einfach saustark! Aus dem davon gebildeten Tal auftauchend folgt jetzt wieder eine Art CCI-Umschwung, dessen zweite Kuppe aber wesentlich höher als die zu Beginn verläuft und der mit dem damit einhergehenden Tempoverlust tatsächlich mal so etwas wie eine Verschnaufpause zulässt. Lange hält die aber nicht an, denn nun folgt hangsäumend wieder eine überraschend tiefe Schussfahrt, die direkt in einen wieder reichlich querneigungsfreien Rechtsschwenker mündet. Irgendwie die einzige Stelle der Bahn, die mich explizit an eine andere CCI-Bahn erinnert: Rampage im Alabama Splash Adventure. Von da überwindet man dann noch zwei finale Bunnyhops und schon ist die Schlussbremse erreicht, die dem wahrlich wilden Ritt schliesslich ein Ende setzt.

Megafobia war schlicht und ergreifend… mega. Das abwechslungsreiche, mit den topographischen Begebenheiten spielende und für die eigentlich eher geringen Ausmessungsdimensionen überraschend vielseitige Layout kann mit einem Fahrerlebnis aufwarten, von dem sich noch so mancher Woodie eine dicke Scheibe abschneiden könnte! Mag sein, dass ich als fanatischer CCI-Liebhaber da etwas zu voreingenommen oder vernebelt (Kicher!) bin, aber besonders die erwähnten und in ihrer Intensität um ein Vielfaches gesteigerten Fahrten im späteren Tagesverlauf haben Megafobia direkt auf eine Top-Position in den persönlichen Woodie-Charts gehievt. Zusammen mit Shivering Timbers, den Hershey-GCIs und Joris in Efteling kommt die Bahn definitiv in den Lacrontschen Club der Lieblingswoodies, die warmgefahren noch einmal so richtig krass einen obendrauf setzen! Aber ganz abgesehen davon: attraktive Attribute hat dieser so sorgfältig in der tiefsten Pampa platzierte und versteckte Goldschatz eh zuhauf. Zwei mörderische Ejector-Airtime-Stellen, unzählige zahmere noch dazu. Einen zahlenmässig nicht unbedingt ausgeprägten, punkto Prägnanz aber äusserst effektiven Einsatz von seitlichen Gs. Grandiose Headchopper und Near-Misses mit Stützwerk und Vegetation. Sowie eine schlicht vollkommene und genau das richtige Mass an Durchrütteln bietende Holzachterbahn-Fahrdynamik, mit Ausnahme vom ersten Tal vielleicht.

Was mich darüber hinaus total begeistert hat: Obgleich ich nun doch einige CCI-Bahnen überall in den USA gefahren bin und die dafür typischen Elemente wie z.B. die gedippten Umschwünge hier natürlich schon auch vorhanden sind, hat mich die Strecke als Gesamtes irgendwie nicht auf Anhieb an irgendetwas anderes aus West Chester Feder erinnert. Lediglich die Abfahrt in eine reichlich ungebankte Rechtskurve nach der letzten 180°-Kehre hat, v.a. dann bei den ja etwas intensiveren Nachmittagsfahrten, ein Stück weit an Rampage in Alabama erinnert, aber dabei bleibt es auch. Man hat sich hier offensichtlich Mühe und Gedanken gemacht, hier etwas total Einzigartiges zu erschaffen, das für den Park und die Platzverhältnisse – Achtung, C-in-CCI-Humor – geradezu massgeschneidert ist. Jedenfalls kann ich nicht genug betonen, dass sich jede noch so beknackte Linksverkehr-Fahrmeile allein dafür voll und ganz lohnt! Und dem UK-erfahrenen Tobias, der das Prachtstück nach unserem kleinen Fahrmarathon samt hart erkämpfter Frontrow-Fahrt nun auch zu den besten Woodies im Vereinigten Königreich zählt, kann gar nicht genug Dank dafür ausgesprochen werden, den Oakwood-Vorschlag überhaupt gemacht und die mühsam lange Strecke hier raus tatsächlich gefahren zu haben.

Nach den ersten paar Fahrten auf Megafobia führte uns die Erkundungstour durch den Park am Pedaloverleih vorbei. Am Nachmittag hat man hier trotz weiterhin bescheidenen Wetters doch einige Boote auf dem Wasser gesehen. Den ganzen Tag über geschlossen dagegen blieb das Pirate Ship. Darauf hatte man uns bereits an der Kasse aufmerksam gemacht.

Zumindest bis am frühen Nachmittag geöffnet war ein Teil des Bötchenrutschen-Quartetts Snake River Falls. Soweit ich das in Erinnerung habe waren die beiden offenen Wellenrutschen in der Mitte und die Cobra-Röhre in Betrieb, absolviert haben wir dann eine lustige Fahrt auf der in Rutschrichtung gesehen rechten der beiden Wellenrutschen. Am nassesten wurde ich dabei am Ellbogen und an den Ärmeln meiner Jacke, da das Gros des eingeleiteten Wassers mit ziemlich viel Schuss etwa aus dieser Höhe der Rutschkanalwand kam.

Vom irgendwie adrett und wohl zwecks Höhenvorschriften-Einhaltung in eine Senke platzierten Huss Shot ’n‘ Drop namens Bounce wurde zwar schon letztes Jahr bekannt gegeben, dass er geschlossen wird. Noch steht er allerdings, samt eingepackter Fahrgastgondel und anscheinend betriebsbereitem Kontrollhäuschen. Eine gewisse Schwermuts-Romantik in all dem herbstlichen Laub bei unserem Besuch ist da nicht von der Hand zu weisen.

Gleich nebenan befindet sich eine Attraktion mit einer etwas längeren Lebensdauer: die älteste Achterbahn des Parks, Treetops. Einen so schön in Wald und Bäume eingebetteten Tivoli Large sieht man echt nicht alle Tage! Mag sein, dass er zu seiner Eröffnung 1989 tatsächlich noch namensgemäss über die Baumwipfel ragte, aber davon kann heute definitiv nicht mehr die Rede sein. Irgendwie schaurig schön, wie man hier wohl selbst an Besuchstagen mit gutem Wetter so ein bisschen in der Finsternis des Waldes und in der Vegetation verschwindet.

Zur Fahrt an sich muss und kann nicht viel Neues gesagt werden. Macht durch die langen Züge, die sanfte Fahrweise und die hier natürlich zahlreich vorhandenen Near-Misses mit knappen Schienenkreuzungen, Baumstämmen und Ästen Jung und Alt gleichermassen grossen Spass. Erwähnenswert ist noch die Tatsache, dass immer nur die hintere Hälfte des Zugs besetzt wurde, obwohl es durchaus Zeitpunkte gab, zu denen genügend Leute in der Schlange waren, um ihn ganz vollzukriegen. Wir vermuten, dass das weniger mit Einhaltung von Beladevorschriften physikalischer oder mechanischer Natur seitens des Parks zu tun hatte, sondern vielmehr damit, dass die Sitze und Böden bis zum sechsten oder siebten Wagen total mit Regenwasser, Laub und Zweigen zugekleistert waren.

Darüber hinaus zu erwähnen: der eine Ride-OP hat hier passend zum Waldsetting recht knöbelig blöd getan, als ich am Einsteigeperron in der Station ein paar Fotos von der Bahn gemacht habe. Er hat wohl angenommen, dass ich ein POV aufnehmen will, da er u.a. erwähnte, dass ich sowas mit Guest Relations abklären muss. Wird im Zeitalter von Smartphones und doofen Parkgästen selbstredend seine Berichtigung haben, hier noch einmal klar auf die Vorschriften aufmerksam zu machen. Dennoch sollten motivbedachte „Stations-/Zugangswegeknipser“ wie ich, die die Kamera während der Fahrt selbstverständlich in den Shorttaschen verstauen und die angebrachten Vorschriften damit gar nicht verletzen, hier etwas diskret vorgehen.

Da der neben Treetops gelegene Eurofighter Speed erst um 13.00 Uhr den Betrieb aufnehmen würde, erkundeten wir noch ein wenig die Kinderbereiche des Parks. Der Pinfari Circus Clown namens Circus Clown ist Teil eines Rondells von Kinder-Rides mit Zirkusthematisierung, dessen Attraktionen wohl ein einziger Ride-OP im Rotationsprinzip betreut, wie man es z.B. in Conneaut Lake oder anderen amerikanischen Kleinparks gesehen hat. Da war es uns dann etwas zu blöd, Count-Bettelei zu betreiben.

Der zweite grössere Kinderbereich des Parks ist das Neverland, welches man durch die Walkthrough-Attraktion Journey to Neverland erreicht. Im Neverland angekommen befindet man sich direkt in einem kleinen Hook-/Piraten-Bereich. Vorranging setzt er sich aus dem Dragon Wagon Crocodile Coaster, der Wildwasserbahn Skull Rock und dem Indoor-Spielplatz Hook’s House of Havoc zusammen.

Die aus Camelot übernommene Mimafab-Wildwasserbahn ist überaus nett, hat für einen Park dieser Grösse einen beachtlichen Piratenhöhlen-Part und der einzige Drop erzeugt ganz hübsche Fontänen. Da ich ganz vorn im Baumstamm gesessen bin war ich durch die Front-Aushöhlung wohl zu gut geschützt, um richtig nass zu werden; der ganz hinten sitzende Tobias sah da hinterher schon um einiges gesprenkelter aus.

Aber macht ja nix! Gleich hinterher wendeten wir die bewährte blackpool’sche Fahrtwind-Trocknungs-Methode auf Tink’s Jelly, äh, Flying School an, ganz nebenbei Tobias‘ Flyer-Premiere. Speziell lustig fand ich hier die am Kontrollhäuschen angelehnten übergrossen Besteck-Repliken – ich hab mir da Runde um Runde einen Spass draus gemacht, die Flugkiste genauso darauf zuzusteuern, dass da wahrscheinlich kein halber Meter mehr gefehlt hätte, um die jeweiligen Spitzen wegzuradieren. Wie immer sehr geil und innerhalb Europas auch mit Seltenheitswert!

Der Zugang zum irgendwann im Verlauf des Nachmittags in Betrieb genommenen Crocodile Coaster befindet sich direkt neben demjenigen zur Wildwasserbahn – man durchquert dann einen Tunnel durch den Totenschädel und hinter dem Drop der Wildwasserbahn durch. Ausser dem Umstand, dass die Instruktionen vor der Abfahrt eine gewisse Glenwood-Caverns-AC-Tendenz hatten („Thumbs up if you understood.“), kann ich hierzu nicht viel mehr schreiben als: wackelige Angelegenheit.

Da nun gerade halbwegs in der Nähe, unternahmen wir einen zweiten Versuch bei der diesjährigen Neuheit. Herzstück des neuen Dahlands (nach den Geschichten des walisischen Schriftstellers Roald Dahl thematisiert und gestaltet) ist der aus M&Ds Scotland’s Theme Park importierte Pinfari RC40. Ebenda als Cobra, Express und schliesslich Space Coaster bekannt – laut den alten RCDB-Einträgen jeweils einige Saisons langen Reisepausen über die Kirmesplätze geschuldet – wurde das gute Stück hier in Oakwood nun nach Dahls Kinderbuch James und der Riesenpfirsich gestaltet und heisst demgemäss Flight of the Giant Peach.

Beim jetzigen Vorbeischneien in der in ziemlich effektvollem Orange ausgeleuchteten Holzhütten-Queue war zum Glück fast niemand mehr da. Nicht nur Tobias hatte an dem Tag eine Premiere: nach einigermassen gründlichem RCDB-Abgleich dürfte dies tatsächlich mein erster Pinfari überhaupt gewesen sein. Der Kommentar unseres Expats dann auch so voll herb: „Was für ein Ersteindruck für dich!“ Irgendwie bringt dies so geäusserte Statement auch meine ganzen Eindrücke der Bahn voll auf den Punkt. Ist halt ein Kirmescoaster. Trotz nicht vorhandener Überschläge mit (sich automatisch senkenden!) Schulterbügeln ausgestattet. Vom einen Quetschtal abgesehen fährt er sich als Gesamtes betrachtet eigentlich ganz okay, bietet rein streckenmässig halt aber auch nichts exzessiv Aufregendes. Zweimal gemacht und irgendwie schon wieder vergessen.

Randnotiz: Das Abstellgleis wurde gar nicht mit aufgebaut und liegt, wie Tobias richtigerweise bemerkt hat, im Innenhof der Bahn. Dadurch gibt es zumindest zurzeit wohl nur einen Zug und damit auch Einzugbetrieb – trotz separierter Aussteigestation, wo die armen Ride-OPs bei jedem Zyklus über den nassen Boden hinlatschen mussten.

Beim gleich nebenan liegenden und Spooky 3D heissenden Grusel-Walkthrough (so nehmen wir an) haben wir zwar eine Weile beim Einlass abgewartet, aber da schien gerade Pause zu sein. Direkt daneben befindet sich eins der Halloween-Mazes, wo irgendwann im Verlauf des Nachmittags auch tatsächlich Leute dafür angestanden sind. Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass diese Mazes nur zur etwas längeren Samstagabendöffnung in Betrieb sind; auch an den anderen Halloween-Sondertagen schloss der Park nämlich bereits um 17.00 Uhr.

Wie angekündigt, nahm um 13.00 Uhr der Riesen-Eurofighter Speed: No Limits in seiner höchsteigenen kleinen Sackgasse gut hörbar den Betrieb auf. Also gesellten wir uns direkt mal für ein paar Fährtchen dazu. Eins kann ich ja schon vorwegnehmen: die Bahn war der absolute Überraschungshit unseres Wales-Abstechers! Zwar erwartete ich aufgrund der für einen Eurofighter irgendwie ziemlich „grosszügig“ angelegten Streckenführung und nicht zuletzt auch aufgrund der stattlichen Kennzahlen schon eine Fahrt, die sich vom üblichen Eurofighter-Standard etwas abhebt. Dennoch hat das indiskutabel schicke Teil uns beide dann schlicht und ergreifend umgehauen! Bei Megafobia hat man ja irgendwie schon im Vornherein vorausahnen können, dass die Fahrt richtig gut sein wird – hier konnte man dann einfach nur noch staunen und darüber lachen, wie viel Power und Pfiff auf den 610 Streckenmetern geboten werden!

Da erwartungsgemäss nur einer der vier möglichen Achterwagen im Einsatz war, verschlangen unsere insgesamt drei Fahrten im parkinternen Vergleich ein nicht unerhebliches Ausmass an Wartezeit. Aber ich hätte jetzt im Nachhinein geschätzt, dass das maximal eine Viertelstunde oder so für die erste Fahrt war; bei den beiden Wiederholungsfahrten waren wir sogar noch schneller dran. Und wie wir ja eindrucksvoll demonstriert bekommen sollten, lohnte sich hier jede einzelne Minute davon! Dank der wie immer äusserst bequemen Gerstlauer-Schulterbügel dauerte die Abfertigung als solches ja auch nie wirklich lange – grossteils verbrachte man das Warten tatsächlich fast immer mit gespanntem Beobachten, wie der Zug den kompakten Parcours abspult und wie die Insassen so darauf reagieren.

Sind alle acht Schulterbügel vom recht verrenkungsfähigen Ride-OP durchkontrolliert, setzt sich das Gefährt in Bewegung und über eine 90°-Kurve aus der Station hinaus gelangt man auch schon zum Fusse des bei jeder Fahrt aufs Neue durch seine schiere Gestalt einschüchternden Vertikallifts. Unter unerträglicher Anspannung setzt sich bald einmal die Kette in Bewegung, in die man sich schliesslich einhakt und die einen nunmehr in den für die Erzwingung dieser Liftart erforderlichen 90°-Winkel dreht. Dabei werden selbst den sonst so beherrschten Briten und Walisern höchst yankeehafte Laute der Ungläubigkeit, Verzückung und Angst entlockt – „I don’t like this at all!“ oder „Oh my God, why did I let you talk me into this?!“ gehörten zum an dieser Stelle öfters mitgehörten Repertoire.

Rücklings in den Sitzschalen liegend geht es jetzt also 35 Höhenmeter dem Nebel entgegen – auch nach mehrmaligem Bezwingen anderer Eurofighter einfach jedes Mal wieder aufs Neue mulmig, beklemmend und fucking weird! Freaks wie Tobias und ich drehen unsere Köpfe nach rechts oder links, um ein unwirklich gekipptes Panorama auf den Park und Megafobia zu geniessen, resp. um zu erkennen, was genau da für Metallzeugs im Feld neben der Bahn liegt. Doch irgendwann ist die Spitze erreicht und man kippt aus der Rückenlage nun in einem Guss zuerst in eine aufrecht sitzende und schliesslich eine vornüberhängende Position. Mit wahrlich beängstigendem Blick auf die so unwirklich übergeneigte 97°-Schussfahrt vor einem verliert man unter allgemeinem Aufschrei nun den Sitzkontakt und donnert in die Schulterbügel hochkatapultiert in die gähnende Tiefe – was für ein Auftakt! Nach dem vornübergeneigten Wahnsinnsfall legt man sich im Tal allmählich wieder gerade und erreicht die Höchstgeschwindigkeit von grandiosen, fahrtwindstränenauslösenden und hier sogar Benennungsinspiration liefernden 90 km/h.

Gleich darauf steigt man in die Höhe und überfliegt auch schon die beste Stelle der Bahn: den Airtimehügel. Nicht nur, dass die Bahn dadurch im internen Vergleich der „klassischen“ Eurofighter ein tolles Alleinstellungsmerkmal besitzt – der haut auch richtig, richtig, richtig krass zu!  Laut Wikipedia wirken hier -1.3 g, aber es würde mich ehrlich nicht erstaunen, wenn es in Tat und Wahrheit noch ein bisschen mehr sind. Jedenfalls wird man hier unfassbar geil gen Himmel geschleudert und im anschliessenden Sturzflug fotografiert. Und wie Tobias lachend festgestellt hat, habe ich hier bei jeder einzelnen Fahrt den gleichen ungläubigen Gesichtsausdruck voller Begeisterung und Überraschung über diesen total unverhofften Kick draufgehabt – weil meiner Reaktionsnatur auf solche Momente gemäss einfach nichts anderes möglich war! Was für ein Powerhügelchen!

Nun gleitet man elegant durch eine riesenhafte übergeneigte Kurve und saust daraufhin durch einen ordentlich druckreichen Vertikallooping, wo aufgrund der schieren Freude über die wirklich eben unerwartet geile Fahrdynamik dieses Kalibers bei mindestens zwei Fahrten ein unweigerlicher Alvey-Aufschrei entwich – „Loop-de-Loop!!!“ Daraufhin erklimmt man die Auffahrt zur Zwischenbremse, wo leichter Kontakt mit den Schulterbügeln meist nicht gut vermeidbar, aber aufgrund der ja grosszügigen Breite der Schulterteile auch nicht wirklich schmerzhaft ist. Nach einem kleinen Dip aus der nicht allzu fest greifenden Bremse durchrollt man nun laaangsam und hangtimig einen Inline-Twist, dessen Schräglage am Ausgang gleich für einen nahtlosen Übergang in eine flotte Steilkurve übernommen wird. Einen ziemlich rabiaten Richtungswechsel später rast man durch eine insgesamt um 540° drehende und mit abwechselnd weiten Kurvenradien ausgestattete Abwärtshelix, wo man so richtig schön fest und lange in den Sitz gepresst wird. Daraufhin ist dann die Schlussbremse erreicht und ein weiterer genialer Ritt leider zu Ende.

Ich schätze mal, man hat es anhand des schieren Textumfangs für einen Eurofighter (!) wohl schon leicht gemerkt: wir mochten das Ding wirklich unheimlich! Ob nun die wie immer extrem gut einfahrende 97°-Abfahrt, der Power-Airtime-Hügel, die übergeneigte Kurve, der druckvolle Looping, die Rolle oder die quetschfreudige Finalhelix – die Bahn bietet schlicht ein Gesamtpaket, das einen komplett aus den Socken haut! Wie erwähnt definitiv eine Anlage, wo ein dermassen starkes Überraschungspotential ausgeschöpft wird, dass man hinterher nur noch baff ist! Am Ende des Tages ist Speed: No Limits ja immer noch ein Eurofighter, der streckenmässig hier ja zwar schon etwas spezieller als seine Artgenossen daherkommt, von dem man aber rein von aussen betrachtet trotzdem niemals mit so einer Kraft und Inbrunst rechnen würde. Und genau das ist irgendwie der Knackpunkt und ja auch das Schöne an solchen Touren: der Schein kann trügen und es gilt, sich da mal selbst reinzusetzen und sich eben ein ganz eigenes Bild zu machen. Kommt auch vorbei – grosses Kino!

Ganz ehrlich: wir hatten schon vor, die Surfrutschen-Attraktion Waterfall zu machen. Zumal ich in Wasserparks und in Badehosen grosser Fan von diesem Rutschentypus bin und mir schon allein aufgrund des Seltenheitsgrads so ein Teil vergleichshalber mal in einem Freizeitpark geben wollte. Aber als wir dann gesehen haben, wie das Wasser nur so von den Hintern der soeben eine Fahrt absolviert habenden und sich im Auslauf gerade wieder von ihren Brettchen erhebenden Passagiere getropft ist, haben wir das lieber erst einmal auf später verschoben. Und da wir wegen gewissen, öhm, Gear-Handicaps den ultimativen Waterride in Oakwood erst so gegen Parkschluss machen konnten, war Waterfall dann schlicht nicht mehr am Weg. Aber ein guter Grund für eine baldige Rückkehr.

Die Schlange an der parkeigenen Mini-Sommerrodelbahn mit Rollbandlift namens Bobsleigh war eigentlich den ganzen Tag über ziemlich ausschweifend, da nur fünf oder sechs Bobs auf dem Rundkurs im Einsatz waren. Das würde ich nach unserem Besuch denn auch als einer der dringlichsten Verbesserungspunkte im Park aufführen: mit dem Flight of the Giant Peach im Zwangs-Einzugbetrieb und einer Sommerrodelbahn mit nur so wenig Schlitten im Einsatz befinden sich gleich zwei Hauptattraktionen mit extrem niedriger stündlicher Kapazität direkt am Anfang des Hauptrundlaufs durch den Park, wodurch die Wartezeit da wohl bereits kurz nach Parköffnung auf jeweils eine geschätzte Dreiviertelstunde anschwoll. Was bei einem sonst total leeren Park dann ja schon etwas bitter ist. Ich hoffe sehr, dass da zur nächsten Saison oder zumindest auf die Hauptbesuchsperioden hin die Kapazitäten noch etwas hochgefahren werden.

Jedenfalls war die Schlange beim etwa dritten Vorbeilaufen auf ein zumindest optisch viel erträglicheres Mass zurück geschrumpft, so dass wir uns dann doch noch reinwagten und schlussendlich glaube ich 15-20 Minuten gewartet haben. Tobias aber trotzdem noch ein erhebliches Zusatzweilchen länger als ich, da ich gerade den letzten Schlitten des „Sechserverbunds“, wenn man das so nennen kann, erwischt habe. Zu unserer beider Überraschung war die bloss 275 Meter und lediglich aus sechs Kurven bestehende Wiegand-Anlage dann aber trotzdem erstaunlich gut! Vor allem wegen der vierten Kurve, die einen durch die niedrige Seitenwand und die Enge des Radius wirklich überrascht – ich zumindest bin da genau gleich ins Schwenkern gekommen wie der Filmer des POVs. Und überhaupt – ist doch geil, dass man sich hier so gedacht hat: „Hey, wir haben einen kleinen Abhang zur Verfügung! Stocken wir den noch etwas auf und bauen uns eine Sommerrodelbahn hin!“ Nicht viele Freizeitparks im herkömmlichen Sinne wären hier so vorgegangen, das steht fest.

Es musste sein. Auch wenn man sich als Festlandeuropäer schon irgendwie kopfkratzend fragt, wieso um Himmels Willen sich ein Park wie Oakwood in dem Klima eine Attraktion wie einen   Intamin Mega Splash holt: auch in Mini-Urlauben hat man sich gefälligst vorbehaltslos der lokalen Mentalität anzupassen. Und hier beinhaltet das nun einmal, sich bei herbstlichen 14°C bis auf die Unterwäsche soaken zu lassen! Ernsthaft: so richtig zur Gänze kapieren kann ich den Entscheid des Parks zwar nicht, und ich hätte als Betreiber wahrscheinlich anders gehandelt – aber ich kann auch nicht leugnen, dass dieses fabelhaft krank aussehende Teil neben Megafobia mit ein Hauptgrund war, den walisischen Abstecher in Angriff nehmen zu wollen. Und diese kognitive Dissonanz ist echt der halbe Spass an dieser wahnsinnigen Attraktion!

Dass wir uns Drenched bis zum Schluss aufhoben, hatte v.a. zwei Gründe. Erstens: da taktisch geschickt in Parkplatz- und Umkleidekabinennähe aufgestellt, kann man hinterher rasch und relativ unkompliziert in trockene Ersatzkleidung wechseln, damit man sich nicht erkältet. Dafür muss aber – und das ist jetzt das wirklich dämliche Zweitens meinerseits – die parat gelegte Wäsche zu Hause in der Schweiz auch in die Reisetasche gelangen!!!

Ich packe für solche Trips normalerweise nach dem Prinzip: alles Benötigte auf einem grossen Haufen auslegen und dann fächeroptimiert in der Tasche verteilen. Was meistens prima funktioniert. Aber dieses Mal irgendwie schlicht nicht. Die drei angedachten T-Shirts – eines speziell für die Fahrt nach Drenched einkalkuliert! – sind wahrhaftig einfach rotzfrech daheim geblieben. Alles vom Haufen ist mitgekommen – darunter auch voll unwichtiges Zeugs, das ich wegen des inkludierten Aufgabegepäckstücks beim Hinflug eben auch nicht aussortiert hatte. Nur eben die T-Shirts nicht. Blieb also nicht viel anderes übrig, als vor der Fahrt hier den Souvenirshop bei Megafobia zu stürmen und sich dort ein nettes Oakwood-T-Shirt zu kaufen. Welches auf der Kreditkartenabrechnung so in Franken umgerechnet schon etwas weh tut. Das aber von der Fertigungsqualität her einen sehr guten Eindruck macht und verflucht noch eins auch der aller-aller-wirksamste Reminder dafür ist, nächstes Mal vielleicht doch wieder eine Checkliste zum Packen anzufertigen.

Wie dem auch immer sei: um den T-Shirt-Obulus erleichtert ging es nunmehr also schnurstracks zur Station der tatsächlich laufenden Wasserbahn. Bei Fotografierstopps zwischendurch hatte sie nämlich gerne mal ein paar Aussetzer gehabt. Da ersatzwäschemässig nichts anderes möglich war, musste ich mir sie mir in bester Valhalla-Tradition des Vorjahrs wieder ganz britisch-puristisch geben – in Jeans und T-Shirt bei 14°C!

Bis zuletzt hab ich ja heimlich noch gehofft, dass ich gar nicht in die Boote reinpasse und mir den Blödsinn nicht antun muss. Die Schulterbügel, die wegen der tödlichen Unfälle auf der Schwesterbahn Perilous Plunge in Knott’s Berry Farm und dem hiesigen Exemplar nachgerüstet werden mussten, haben ja nicht gerade einen Ruf dafür, besonders grosszügige Sitzplatzverhältnisse zu bieten. Zu meinem Erstaunen (und Verdruss) hab ich reingepasst, und zwar mit völlig ungekehrter Problemzonenverteilung als erwartet: beim Beckengurt und dem entsprechenden Bügelteil wäre noch viiiel Platz vorhanden gewesen, aber mein Oberkörper wurde aufgrund des seltsamen „Winkels“ der oberen Metallstangen des Schulterbügels brutal eingequetscht. Dergestalt, dass ich mit jedem Einatmer teilweise ziemlich Platznot bekam und sich die kalten Metallstangen nur so ins Brustfleisch bohrten. Schon irgendwie suboptimal gelöst, aber nach den Unfällen halt leider notwendig geworden. Ich hab zwar einen schon etwas ausgeprägteren, aber auch nicht so grossen Brustmuskelumfang, dass mir das auf anderen Schulterbügel-Bahnen je Probleme bereitet hätte. Ich gelange daher zur Vermutung, dass hier wohl eher Personen mit grosser Oberweite als welche mit kräftigem Hintern- oder Schenkelumfang Probleme haben könnten, aber das ist halt von Körper zu Körper komplett verschieden…

Aber nunja, um wieder mal einen auf Federal Heights und Pfäffikon zu machen: Was tut man sich für geile Wasserbahnen nicht alles an? Irgendwann sassen wir also drin – stilecht natürlich in der Frontrow! – und wurden den irrsinnig bescheuerten, etwa 30 Meter hohen Lifthill emporgezogen. Die mit jedem Meter stärker werdenden Verteufelungstiraden des Vorhabens werden durch die Schulterbügelstangen ein Stück weit alle im Keim erstickt, aber irgendwann ist dann doch die Spitze erreicht, wo man um 180° kehrtmacht und nunmehr dem Verderben entgegen sieht. Mit einem für eine Wasserbahn doch aussergewöhnlich beachtlichen und beinah schon RMC-mässigen Airtimeschub wird schliesslich der einzige und ca. 78° steile Sturz absolviert. Das muss man dem Ding trotz aller Unzulänglichkeiten wirklich lassen: das ist nicht nur aufgrund der verschiedenartigen Kälteeinflüsse ein unglaublich gänsehautverursachender und grandioser Adrenalinschub – der absolute Wahnsinn, dieser Drop!

Mit knapp 80 erreichten Stundenkilometern donnert man schliesslich in die Auffangzone, wo dann ein sowohl für die Insassen als auch für die Zuschauer irgendwie geringer als erwarteter Splash einsetzt. Nicht falsch verstehen: auch so wird man als Passagier nass bis auf die Unterwäsche und hat absolut null Chancen, irgendwie trocken zu bleiben. Bereits auf der Abfahrt kriegt man in der Frontrow zielgerichtet Sturzwasser ins Gesicht. Und sogar meine Schuhe wurden bei der ersten Fahrt trotz ausgeklügeltem Ableitsystem am Bootboden wieder valhallagleich von hinten getränkt! Aber dennoch hat mich die Gischtattacke rein von der „Druckintensität“ her weniger intensiv gedünkt als z.B. eine auf einem typischen US-Spillwater. Da kommt es einem je nach Exemplar schon so vor, als ob man kübelweise Wasser aufs Mal in die Fresse geklatscht kriegt – hier auf Drenched fühlte es sich jedoch eher so an, als ob man unter eine Batterie von saukalten Aquaclic-Hallenbad-Duschdüsen geriete: stechend, konstant nässend, aber irgendwie ohne „Ohrfeige“ des Wassers. Ich hoffe, ihr könnt mir folgen. Mag sein, dass das seit der Umrüstung der Boote halt einfach so ist, oder dass es sich hierbei um eine bewusste Modifikation zur kühleren Nebensaison seitens des Parks handelt. Aber die erzeugten Fontänen bei unserem Besuch wirkten einfach ein wenig Worlds-of-Fun-mässig – teilweise kamen die Wassermassen nicht einmal über die Höhe des Brückengeländers raus. Dieser Umstand und die Tatsache, dass wir hinterher einfach doch zu nass waren, um noch die Kameras gescheit zu bedienen, erklärt weshalb wir tatsächlich beide kein brauchbares Foto vom Eintauchvorgang hingekriegt haben. Aber da wir tatsächlich noch ein zweites Mal in der zweiten Reihe gefahren sind – when in Wales and wet anyway! – und dies ja sonst auch zur Genüge in der ganzen Internetsphäre dokumentiert ist, hoffe ich mal, ihr könnt da grosszügig überblicken, dass wir unserem journalistischen Auftrag nicht so gründlich wie üblich nachgekommen sind.

Und mit diesem abschliessenden Bild von Hydro verabschieden wir uns nun langsam vom Oakwood Leisure Park! Ja, die beiden alten Taufnahmen sind mit voller Absicht so gewählt worden! Jedenfalls begaben wir uns nach unseren Drenched-Fahrten wieder zurück zum ja nicht so weit entfernt gelegenen Parkplatz und wechselten am Auto wieder in trockene Kleidung und Schuhe. Besorgnis, dass man sich damit ein bisschen amistylig der indecent exposure schuldig macht sind völig unbegründet, denn an den meisten Fahrzeugen in unserem Arealteil wurde es uns gleichgetan. Ursprünglich hatten wir noch mit dem Gedanken gespielt, das nahegelegene und auf einem Hügel hinter dem Park thronende Plauschbad Blue Lagoon mit seinem imposanten Kuppelbau anzusteuern, da sich dort sicher gute Gelegenheiten bieten würden, sich komfortabel umzuziehen und warm zu duschen. Schlussendlich war dann aber schlicht die ja noch am gleichen Tag von Tobias zu meisternde Rückfahrstrecke nach Portsmouth zu lang. So kommen wir nun zum Fazit:

Oakwood als Gesamtes ist ein total sympathischer und lohnenswerter Kleinpark, der absolut jede noch so abenteuerliche Anreise und Fahrmeile in die walisische Pampa hinaus wert ist. Das Attraktionenportfolio ist erstaunlich abwechslungsreich und wartet mit einigen absolut brillanten Attraktionsperlen auf. Während die Freudenfest-Fahrten auf dem eingefahrenen CCI-Schatz Megafobia ja irgendwie vorauszusehen waren, haben v.a. Bahnen wie Speed und Drenched total unverhofft und damit doppelt schön geflasht. Und dann sind da noch schlicht die ganzen parkspezifischen Zusatzkinks, die das Besuchserlebnis selbst bei eigentlichem Standard-Stuff enorm bereichern. Dass Treetops so genial mit dem dunklen Wald verwoben ist. Die europaweit ziemlich einmaligen Flyer im Kinderland. Dass eine kurze aber durch die eine Kurve unvermittelt schnittige Sommerrodelbahn hier mitten im Park den Hang runterschlängelt. Lustige und mehrheitlich auch recht einzigartige Wasserrides, die für einen Park dieser Grössenordnung und in dem Klima doch eine Hausnummer sind… All dies macht den Park irgendwie einfach liebenswert. Gerade angesichts des vergleichsweise geringen und wirklich überaus fairen Eintrittspreises schneidet der Park wirklich toll ab. Merch könnte etwas günstiger sein, aber das würde ich ja nun echt nicht ernsthaft erwähnen, wenn ich etwas mehr Hirn beim Packen gehabt hätte und nicht genau wüsste, dass ich mich in dem Punkt an die eigene Nase nehmen muss. Denjenigen, die noch am werweissen sind, ob sie den Park und den dahin nötigen Umweg in eine Tour aufnehmen sollen, sage ich, textilthematisch leider hochironisch passend ganz Outfittery-gemäss: Machen, einfach machen! Wird sich lohnen! Yr wyf yn addo!