Chronik einer Sozialstudie


Eins vorweg: Ich mochte Franzosen-Kids noch nie besonders gern. Und ich schreibe das beileibe nicht, um irgendwie witzig wirken zu wollen oder um mit einem besonders drolligen Einstiegssatz für die folgende Revue aufwarten zu können. Nein, dies ist nach Jahren eindringlicher und fassungslos zur Kenntnis genommener Sozialbeobachtungen im Europa-Park, in Paris, bei den Grosseltern, in den Mulhouser Einkaufstempeln und schlicht irgendwie überall in Frankreich oder Grenznähe festzustellendes Negativbild, das sich mit jedem Mal aufs Neue zementiert und verschärft. So ziemlich überall dort, wo etwas steht was die schreckliche Jeunesse unseres Nachbarlands potentiell in Horden zu etwas Amusement lockt, herrscht eine Ausflugs-Verderbe-Gefahr vor, die mindestens auf derselben Stufe wie Six-Flags-Zwangs-Einzugbetrieb oder VR-Plagerei anzusiedeln ist. Um den noch vor der Berichteinleitung erfolgten Disclaimer auf einen Punkt zu bringen: Wer beruflich, weltanschaulich oder sonstwie darauf angewiesen ist, ein möglichst unbeflecktes Bild von französischen oder auch nur französisch sprechenden Jungspunden zu haben, möge diesen Bericht bitte, bitte, bitte überspringen! Er wird kein Stück dabei helfen, nicht zur Erkenntnis zu gelangen, dass Franz-Kids und -Teens keine asozialen kleinen Amöben sind.

Zum eigentlichen Kernthema: Ich hatte nach einem recht anstrengenden Monat mit Prüfungen und Dauereinspringen auf der Arbeit für kranke Kollegen wieder mal ein paar freie Tage und dazu noch einen bis Ende Monat gültigen Voucher für eine vergünstigte und zu Fahrten auf dem gesamten Schweizer Schienennetz berechtigende SBB-Tageskarte. Ich weiss nicht mehr genau, woher der Einfall kam, mal das schon seit Kindheitstagen angedachte Brigerbad – Gegenstand des vorliegenden Erfahrungsberichts – im schönen Wallis zu besuchen. Wahrscheinlich wieder mal eine Youtube-Frenzy mit Wasserrutschen-Videos. Dabei sind mir das Bad und seine Hauptattraktion eigentlich schon viel länger bekannt als ich Internet zu Hause hab. Ihr erinnert euch an die Nachbarskinder mit den Blackpool-Broschüren? Mit denen waren wir zu verschiedenen Anlässen schon öfters im Wallis und haben das Bad und vor allem den Startpunkt seiner grössten Attraktion von der alten Zugstrecke aus stets gesehen – und immer haben wir uns geschworen, es mal bis dahin zu schaffen. Da ich auch noch nie durch den nun doch schon seit einigen Jahren bestehenden neuen Lötschbergtunnel gefahren bin, der die Reisezeit ins Wallis massiv verkürzt, war es vorletzten Dienstag also recht spontan beschlossene Sache, dies Versäumnis einmal nachzuholen. Und sei es auch nur zum Zugfahren um des Zugfahrens willen.

Die eigentlich näher an Visp als am namensgebenden Brig gelegene Kurgemeinde Brigerbad hat sich vor allem bei campenden Sommertouristen einen Namen gemacht, mir war da natürlich eher die grosse Thermalbadeanlage vor Ort ein Begriff. Die doch recht lange Anreise aus dem Raum Zürich gestaltete sich absolut entspannt, etwas mehr als drei Stunden hatte ich von Tür zu Tür. In Bern blieb unser Intercity aufgrund eines Lok-Zwischenfalls zwar längere Zeit stehen, aber die dadurch angehäuften elf Minuten Verspätung konnten dank ohrendruckinduzierendem Vollspeed-Durchbrausen des Lötschbergtunnels auf fünf Minuten runtergeshavet werden. So konnte ich in Visp dann doch noch meinen Anschluss aufs Postauto 511 erwischen, das mich direkt bis vor die Tür des Bads brachte.

Vor einigen Jahren wurde die Anlage so umgebaut, dass die meisten Bereiche nun das ganze Jahr über in Betrieb sein können. Wie so oft nach solchen Renovierungen ist das Bad nun grob in einen Sport-, einen Plausch- und einen Spabereich unterteilt, was die Tarifstruktur für Ortsunkundige etwas unübersichtlich macht. Dem hat man auf der Website aber, wie ich finde, recht clever Abhilfe geschaffen: anhand einer Übersichtskarte, wo die Farben der jeweiligen Eintritts-Chiparmbänder jeweils die damit nutzbaren Bereiche und Attraktionen farblich hervorheben. Da mein Hauptanziehepunkt im Freiluft-Bereich des Bads liegt, kam für mich also nur das blaue Armband in Frage. Drei Stunden kosten dabei 18 Franken, für Studenten, Lehrlinge und Familien gibt es sogar noch einen anständigen Rabatt – gemessen am Dargebotenen und dass man sich in der Schweiz befindet, kann man da eigentlich nicht gross motzen.

Bei den Umkleidebereichen hat man zu meinem Erstaunen einen auf Skandinavien gemacht: man muss sich schon vor den doppeltürigen Einzelkabinen, die in den Barfussbereich führen, seiner Schuhe entledigen. Es stehen dazu auch entsprechende Regale zur Verfügung, die bei meiner Ankunft aber alle schon belegt waren – und das trotz eigentlich vernachlässigbaren Andrangs im Bad an einem der ersten etwas kühleren Tage nach der zweiwöchigen Hitzewelle. So blieb mir an sich nicht viel anderes übrig, als meine Schuhe beim Umziehvorgang halt schön brav immer vom Boden fernzuhalten und danach mit der Sporttasche in den Spind zu stellen.

Fertig umgezogen und zum Wasserspass bereit im Bad angelangt, wollte ich ja eigentlich sofort den Hauptbesuchsgrund ansteuern. Allerdings würde dieser entgegen der Beschilderung am Eingang erst um 13.00 und nicht um 10.30 Uhr öffnen – bis dahin musste ich noch etwas Zeit totschlagen. Also erkundete ich nach erstem Annetzen erst einmal die recht adrett wirkende Beckenlandschaft. Im Innenbereich besteht diese aus einem Kinderbecken und einem mit diversen Sprudelattraktionen ausgestatteten Erlebnisbecken, das über einen durch eine Schleuse führenden Kanal direkt mit dem oben abgebildeten Aussenbecken verbunden ist. Dort gibt es eine nahtlose Fortsetzung der Sprudelbespassung. Davon separiert hats benachbart noch ein etwas tieferes Bassin, in das man von einem Felsen hineinspringen kann; direkt daneben findet sich überdies ein kleines Kaltwasserbecken, in dem die Temperatur an diesem Tag geschätzt aber auch etwa 23-25°C betrug und damit nicht so wirklich abkühlend war.

Nebenan wäre dann noch eine der Hauptattraktionen im Aussenbereich, das Strömungsbad. Hier herrscht kontinuierlich eine v.a. durch etwas grössere Massagedüsen erzeugte Dauerströmung, zu jeder halben Stunde werden dann noch die richtig grossen Jets eingeschaltet, die je nachdem beachtliche Power haben. Alleinstellungsmerkmale im helvetischen Strömungsbadvergleich sind eine stille kleine Sprudelbucht, ein sich aufteilender Part durch eine so gestaltete Felsschlucht im hinteren Drittel, sowie ein kleiner Seitenarm, der bei voller Strömung zum Gegenschwimmen einlädt. Zwar ist das Becken durch diese Gimmicks durchaus interessant, aber irgendwie will keine richtig „flüssige“ Strömung aufkommen wie z.B. im Rio Mare in Pfäffikon oder im Bad Zurzach. Kann natürlich auch daran liegen, dass man ständig Franzosenbalgenhorden in seichtere Bereiche ausweichen muss.

Was mich nochmal die Vorworts-Warnung aufgreifen lässt: oh Gott! Was für ein asoziales Franzosenhonk-Publikum das an diesem Tag war! Keine Ahnung, ob das Schulklassen auf einem Abschlussausflug vor den Sommerferien aus dem französischsprachigen Teil des Wallis oder aber „richtige“ Franzosen vom Genferseeufer waren, die meines Wissens da schon Ferien hatten. Aber Scheisse noch eins, war das mühsam. Überall traten sie in lauten, zudringlichen und scheussliche, widerwärtigste Dinge schreienden Mobs auf – und „Nique ta mère“ gehörte dabei noch zum harmloseren, was immer wieder ihren abscheulichen Kehlen entwich. Sie kickten mehrmals betagte Damen beim Schwimmen im Strömungsbad in den Bauch – ohne sich zu entschuldigen oder dass die wahrscheinlich irgendwo auf der Liegewiese rauchenden Lehr-/Aufsichtspersonen auch nur in der Nähe gewesen wären. Bei allen Bassins sprangen sie ohne Rücksicht von überall her ins Becken, oft ohne auch nur einmal zu gucken voll auf die sich bereits darin befindlichen anderen Badegäste drauf. Ausserhalb des Wassers rannten sie unentwegt überall hin, polterten und stolperten dabei in Unbeteiligte, Auf-dem-Boden-Liegende und Kleinkinder, die dann flennend ihr Glacé fallen liessen. Auf der Liegewiese spielten sie rücksichtslos Fussball und plagten damit die Sonnenanbeter. Im 50-Meter-Schwimmbecken verliessen sie immer wieder den für sie mit Blasio-Spielgeräten reservierten Bereich, kletterten über die Wavekiller in die abgesteckten Bahnen und damit direkt den Bahnenziehern und Aquajoggerinnen vor die Nase… Und als ich im Aussenbecken eine angenehm solitäre Sprudelbank-Ecke entdeckt hab und die eigentlich etwas geniessen wollte, kesselte mich eine absolut widerlich stinkende und ebensolche Geräusche machende solche Asigruppe regelrecht ein; die eine kleine wüste Schnepfe kletterte gar fast über meinen Schoss drüber und sie alle nervten schlicht unendlich durch ihre blosse Anwesenheit, ihren dummen Krach und ihr offensichtlich minderentwickeltes Abstandsbewusstsein. Igitt. Die Bademeister-Truppe konnte entweder gar nichts ausrichten, oder liess es einfach ganz bleiben. Aber für alle Gäste an diesem Tag, die nicht zu diesen kleinen Arschlöchern gehörten, war es schlicht unerträglich. Ich hab mehrere englisch- und italienischsprachige Touristenstimmen vernommen, die sich wie ich über diese furchtbaren kleinen Ungeheuer genervt haben.

Schliesslich wurde es 13.00 Uhr und mein Hauptbesuchsgrund öffnete endlich doch noch. Dabei handelt es sich – und die Bezeichnung muss man sich werbetextlich wirklich auf der Zunge zergehen lassen – um die „längste alpine Thermalwasserrutschbahn Europas“. Die 182 Meter lange und komplett hangverlegte Rutschstrecke wurde 1996 errichtet überwindet einen Höhenunterschied von 23.3 Metern – entsprechend kann man sich schon denken, dass es hier ziemlich heftig zu- und hergeht.

Aus Ermangelung eigenen Bild- oder Filmmaterials verweise ich hier auf ein Slide-POV der Profis von Rutscherlebnis.de. Gut gemeinter Rat: auf Mute stellen und lieber The Sun von Black Sun Empire und Concord Dawn parallel dazu aufdrehen, denn dies an gewisse rohstofflagerige Tuerien erinnernde Stück wird dem hier nun vorgestellten Prachtskaliber von Rutsche sowohl in Bezug auf das doch recht anspruchsvolle Dauer-Hangerklimmen als auch auf das anschliessende Runterrasen um einiges gerechter.

Ich weiss gar nicht recht, wo ich zu einer ausreichend treffenden Beschreibung dieser Rutschpartie ansetzen soll… So viel sei vorab aber verraten: nach den ersten paar Haarnadelkurven waren die Nachwirkungen der langen Anreise hierhin und der alle Sinne schändenden Franzosenbalgen-Attacken schlicht und ergreifend mit so viel Schmackes ins Nirvana befördert worden wie man in den superengen Turns hier auch aufschaukelt. Es gibt seit dieser Saison zwar eine etwa 15-20 Sekunden Intervall anzeigende Ampel am Start, die im Video noch nicht zu sehen ist, aber an die sich auch niemand so richtig hält. Das muss man dem Publikum trotz aller Anstrengungen hier aber wirklich zugute halten: dadurch, dass der verschlungene Streckenverlauf am Hang ja gut einsehbar ist, können die Vorausrutschenden immer hervorragend eingeschätzt und der eigene Startzeitpunkt dementsprechend angeglichen werden, so dass sowohl langsame als auch schnelle Rutscher das absolute Maximum aus der langen Anlage herausholen können. Brenzlige Zusammenstoss-Situationen waren da tatsächlich nie zu beobachten.

Nach der unverhofft respektablen Anfangsschub liefernden Speedrampe zu Beginn flitzt man nach kurzem Rechtsknick auch schon durch die erste von insgesamt sechs 180°-Kurven und schaukelt dabei bereits so weit auf, dass man froh um den Spritzwasserrand ist. Kein Wunder, ist dieser in den nachfolgenden und wirklich rabiat durchdonnerten Turns bei 1:11 und 1:16 im Video doppelt aufgestockt, wie bei der Aquaglisse im Pariser Aquaboulevard – denn wenn schon das Fliesswasser über die eigentliche Rutschhalbschalengrenze ganz von sich aus da drüber rauscht, sollte das aus Common Sense wohl schlicht auch so sein. Spontan kann ich mich wirklich an keine heftigeren Kurven auf einer klassischen Bodyslide erinnern. Sei es bei aufrecht sitzend rutschenden Kindern mit der Badehose in der Poritze zur Beschleunigung, bei Profis in Drei-Punkt-Stellung, bei sogar noch etwas an den Seitenwänden abbremsenden Rutschern fortgeschrittenen Alters oder bei mir selbst in klassischer Rückenlage – bei jeder dieser Kurven wurde man gewaltsam abrupt und mit beängstigend dumpfem Begleitgeräusch in die Gleitfläche gezwungen! Spritzwasser fliegt zu allen Seiten, bei sitzend Rutschenden wird beinah hörbar fast der Nacken justiert und man schaukelt wirklich so weit auf, dass man sich fragt ob sich die Designer dieses wahnsinnigen Dings Inspiration etwas weiter unten im Wallis auf B&Ms Oblique Loops oder Overbanked Turns geholt haben. Ab-so-lu-ter Irrsinn!!!

Dabei folgt das eigentliche Highlight der Rutschpartie ja erst noch. Bei 2:46 – das wird beim zweiten gefilmten Rutschdurchgang irgendwie besser gezeigt – sorgt die Kombi aus Rechts-Haarnadelkurve, Jump und Links-Haarnadelkurve ausnahmslos immer dafür, dass das Fliesswasser mit der Schaukeldynamik der Rutscher einfach nicht mehr mitkommt. Es ist furchtbar schwierig zu beschreiben oder gar zu begreifen, aber tatsächlich ist der „Hauptstrom“ des Wasserflusses im kleinen Minital nach dem Jump einfach irgendwo anders als der Badegast selbst. :mrgrin: Die Folge: man holt durch die hier vorteilhaft geringere Reibung zusätzlich zum kleinen Jump noch Extraschwung, der zuverlässig dafür sorgt, dass man den oberen der beiden Spritzwasserränder zuverlässig jedes Mal erreicht. Da gefriert einem wirklich das Blut in den Adern! Aber so richtig Zeit, um das zu realisieren bleibt gar nicht, denn schon überfliegt man einen weiteren Drop, schwingt gewaltsam durch den nächsten Rechtsknick (wobei sich ein Grossteil des Fliesswassers über den hier nicht aufgestockten Rand verabschiedet – sehr schön und erschreckend zu sehen, wenn ihr bei 2:05 kurz pausiert) und gleich darauf über eine etwa fünf Meter hohe und beachtlich steile Schussfahrt runter. Ähnlich wie bei der Cresta Canyon im Alpamare wird einem wirklich angst und bange, wenn man dabei auf das blickt, was unmittelbar danach folgt: eine irgendwie viel zu eng und klein wirkende Tunneleinfahrt in eine grausam brutale Linkskurve.

Ist man da einmal reingerast und wiederum heftig weit hochgeschaukelt, kriegt man vom Rest der Fahrt dann wirklich nur noch was mit, wenn man sitzend rutscht. In Rückenlage hat man auf diesem hirnrissigen Sturz nämlich ein solches Tempo angesammelt, dass man mit den Beinen unweigerlich das gesamte Fliesswasser zur Nase hoch befördert. Und dabei entsteht kein „in die Höhe“ schiessendes Gischtspektakel wie z.B. auf Turborutschen, sondern eine regelrechte Sintflut in horizontaler Ausrichtung, die wirklich genau auf die Nasenlöcher abzielt. Spart euch Luftanhalte-Contests oder Tauchkurse – hierhin müsst ihr reisen, um eure Lungenkraft zu trainieren! Aber wenn man ehrlich ist: die letzte Streckenkombination aus Rechtsknick, der letzten 180°-Kurve, einer finalen S-Kurven-Kombi und Abschlussjump ins Endbassin ist im rutschstreckeninternen Vergleich ja eh vergleichsweise weit und zahm ausgeführt. Irgendwas musste hier ja noch kommen, um diesem Abschnitt den sportlichen Anspruch zu verleihen, der ihn auch als gebührliches Finale zählen lässt.

Im Endbecken aufgefangen setzt dann unweigerlich der Lachflash ein. Was hat man da beim Planen denn bitte geraucht?! Einfach fantastisch, wie grenzwertig heftig und vollkommen krank diese Rutsche hier ist. Das erste Mal seit langem, dass ich auf einer Wasserrutsche wieder mal richtig Schiss hatte! In fact: im Abschnitt nach der grossen 5-Meter-Schussfahrt hab ich mich genau zweimal getraut, die ganze Zeit liegen zu bleiben und nicht irgendwie zu bremsen oder der Dauer-Nasenspülung auszuweichen – beim ersten Mal, als ichs noch nicht besser wusste und dann als Mutprobe noch einmal zum Abschluss meines Aufenthalts im Bad. Ein einfach sensationell heftiger Nervenkitzel an der Schwelle zur Todesangst mit unfassbarem Suchtpotential. Nachdem der anfängliche Ansturm nach der Eröffnung um 13.00 Uhr erstmal vorüber war und die ganzen Balgenscharen ins Fliessbad migrierten, konnte ich gar nicht anders als die schlauchenden Treppen und Rampen zum Startpunkt immer und immer wieder zu bezwingen. Der Muskelkater folgte mit zwei Tagen Verzögerung, aber verflucht nochmal, wars das wert! Allen wasserliebenden Adrenalinjunkies mit Grobziel Südwestschweiz sei dieser fabelhaft brutale Lindwurm am Brigerbader Hang allerwärmstens ans Herz gelegt!

Die meisten werden inzwischen wohl erkannt haben, dass das Fazit zu meinem Besuch im Brigerbad eine leichte Mt.-Olympus-Tendenz haben wird. Erst recht, wenn ich darauf hinweise, dass ich nach knapp zwei Stunden trotz deren bezahlten drei dieses Publikum einfach nicht mehr ertragen hab. Besonderes nachdem ich beim abschliessenden Duschen den schönen Bereich zunächst für mich alleine hatte, dann aber auf einen Schlag von einer lauten Schulklasse regelrecht da eingekesselt wurde, die nicht ein-, nicht zwei-, nicht drei-, sondern viermal den Vorhang meines Duschkubikels aufgerissen haben. Während eine vom Leben wohl ziemlich gebeutelte Lehrperson direkt tatenlos vor dem Raum stand und sich einen Blank-Staring-Contest mit einer von Jahrzehnten Tabakkonsum gezeichneten Raumpflegerin daneben lieferte. Schien sie auch nicht zu kümmern, dass sich Mädchen im Herrenbereich duschten, diese dann von ihren männlichen Klassenkameraden genau wie ich durch den Vorhang ausspioniert wurden und dabei die Grundfesten des Gebäudes mit klirrendem Gekreische zum Erbeben brachten. Verständlicherweise wollte ich da einfach nur noch raus und hab dabei wohl einen meiner sonst üblichen „Kontrollpatscher“ vergessen – meine heissgeliebte und so schön meinem unförmigen Kopf schmeichelnde Sonnenbrille ist jedenfalls irgendwo da liegen geblieben und ein Anruf tags darauf bei der Fundsachenstelle blieb leider fruchtlos.

Alles in allem: unfassbar mühsame Rahmenbedingungen, aber die Rutsche leider geil. Kann und sollte man unbedingt machen, wenn man als Wasserratte und Rutschencrack da mal unterwegs ist. Aber nicht ohne sich vorab telefonisch versichern lassen, dass man die Einlasspolitik gegenüber Franzosenkindern nochmals überdacht hat oder schlicht Gewissheit hat, einen speziell leeren Tag zu erwischen. Und hoffentlich in sympathischem, aber auch für andere Schweizer schwierig verständlichem Walliserdeutsch.