Flash-Revue der Piscine Olympique


Die etwas mehr als zwei weitere Fahrstunden weiter nördlich und eine Ortschaft vom Walygator entfernt gelegene Zone Touristique von Amnéville ist eine wahrlich eigenartige und irgendwie höchst französische Konstruktion. Der Zoo d’Amnévile, der Thermalbadekomplex Thermapolis, eine Skihalle, ein Casino, verschiedene Kinos, das Aquarium, diverse Indoor-Freizeiteinrichtungen und eben die für mich zur zweiten Fahrpause angedachte Schwimm- und Eislaufanlage teilen sich hier einen riiiesig langen Parkplatz, der einfach als breite Schneise in die Landschaft unter gigantischen, dafür aber hübsch dekorierten Strommasten gehauen wurde. Seht euch das ganze mal aus der Luft an und versucht, die Augenbrauen an Ort und Stelle zu halten.

Die Piscine Olympique & Patinoire liegt ungefähr mittig an der erwähnten Schneise und ein gutes Stück südlich. Direkt vor dem gemeinsamen Eingang zu Schwimmbad und Eislaufbahn gibt es weitere Parkplätze.

Eigentlicher Hauptgrund, hier einen Zwischenstopp auf dem Weg nach Belgien einzulegen, wäre die rote Van-Egdom-Rutsche gewesen – ein ca. drei Meter hoher und ansehnlich steiler Jump direkt in einen engen Rechtsknick hinein hätte sicher für einen gewissen Adrenalinkick während der Fahrpause sorgen können. Leider machte ein extrem schmuckloses Schild neben der Kasse (mit drei peinlichen Orthographie-Fehlern, die selbst mir als Nicht-Muttersprachler auffallen) darauf aufmerksam, dass die Rutschen aufgrund Renovierungsarbeiten bis Samstag zu sind. Einen Hinweis auf der Website darüber gab es nicht (ich hatte vor der Abfahrt nochmals nachgeschaut), eine Reduktion auf den Eintrittspreis auch nicht. So wurden die 4€ Eintritt quasi als Trotz mit Kreditkarte bezahlt und es blieb beim sowieso angedachten Längenschwimmen im 50-Meter-Bassin, was zum Freistrampeln der Beine auf so einer langen Fahrstrecke ja durchaus ein angenehmer Plan gewesen wäre.

Unglücklicherweise ging das halt mit den typisch französischen Eigenheiten wie schon damals in Paris einher: Pflicht zu peinlichen, eng anliegenden Badeshorts, Duschen auf dem Gang, keine Trennung zwischen Längenschwimm- und Spielbereich; fiese französische Filous, die den Bahnenziehern ohne Rücksicht immer direkt vor die Nase sprangen, tauchten und sonstiges Mühsal verbreiteten; Eltern und Bademeister, die das ohne auch nur ein Sterbenswörtchen zuliessen… Und zu allem heran dann noch total beschränkte Mitschwimmer, welche die internationale Längenschwimm-Etikette (Rechtsverkehr im Gegenuhrzeigersinn um die markierten Längen am Beckenboden herum, in Blickrichtung rechts an der Wand pausieren und links wenden) entweder nicht kannten oder einfach zu asi waren, um sie auch anzuwenden. In meinem Stamm-Hallenbad wären die mit dem da gezeigten Verhalten genau eine Länge weit gekommen, bevor sie die Bademeister zur Rücksichtnahme gemahnt hätten. Und ja, man macht dies ab drei Schwimmern auf derselben Länge auch im nicht mit Wavekillern abgetrennten Bereich, wenn die drei abgeseilten Längen von Kursen besetzt sind, wie hier der Fall.

So wurde das Ganze halt mehr zu einer baldmöglichst wieder beendeten Pflichtübung. Für die Rutschen muss man nach dem ohnehin mal zu besuchenden Walygator wohl mal separat herkommen. Finale Randnotiz: Die im Tuberides-Bericht erwähnte Badekappen-Pflicht gibt es wohl nicht mehr. Auch wenn sich das meine armen Finger zumindest für Träger von Frisuren ab einer gewissen Haarlänge gewünscht hätten.

Zum Trost gab es dafür die Einstandsmahlzeit im nahe gelegenen Buffalo Grill (bis dahin tatsächlich noch nie ausprobiert) und weiter ging die Fahrt in Richtung Luxembourg. Wo ich wegen einer dank unhöflichen Dränglern nicht erwischten Abfahrt auf dem Autobahnkreuz noch unfreiwillig die Grand Tour über einen horrormässigen dreispurigen Kreisel und sogar hinter dem Hauptbahnhof durch mitgemacht habe, jedoch bei einer Shell auch günstig tanken konnte.

Sowohl Google Maps als auch unser Navi machten mich auf einen 25-minütigen Zeitverlust durch eine Baustelle an der Grenze zu Belgien aufmerksam, wo für zwölf Kilometer zwei Spuren zu einer vereinigt werden. Das habe ich halt im Kauf genommen, um mal behaupten zu können, wenigstens einmal im Grossherzogtum mit seinen berühmten günstigen Tankmöglichkeiten gewesen zu sein. Dumm nur, dass ausgerechnet bei meinem Da-Durchwollen auch noch ein Lastwagen eine Panne auf dieser einen Spur haben musste, so dass eine halbe Stunde lang einfach gar nichts mehr ging. An einer Stelle mit lieblicher Güllenote in der Luft. Nach qualvollen eineinhalb Stunden Stop & Go war das Hindernis dann aber endlich via Pannenstreifen-Umleitung überwunden und relativ flüssig ging es daraufhin durch halb Belgien, um dann gegen 21.00 Uhr schliesslich den Grossraum Brüssel zu erreichen und wo ich nach einer ersten fassungslos zur Kenntnis genommenen Begegnung mit dem Brüsseler Autobahnring endlich an meinem für zwei Nächte reservierten Campanile in Vilvoorde nahe des Flughafens ankam.

Auch dies eine trotz vielmaligen Antreffens noch nie geschlossene Bildungslücke, die sich für meine Bedürfnisse und Unternehmungen aber als absolut ideal erwiesen hat – kann ich nur weiterempfehlen, durch die Laufnähe zum nebenan liegenden S-Bahnhof gerade auch für etwas ÖV-konzentriertere Trips. Der Teppichboden im Vestibule (Chandler lässt grüssen!) zwischen Badezimmer und Hauptteil des Zimmers sah zwar etwas eklig aus, da hier wohl jemand mal etwas verschüttet hatte, aber das ist hoffentlich ein Einzelfall und verschmerzbar.

Um mal richtiges belgisches Fernsehen zu erleben liess ich neben dem Auspacken, Einrichten und Chatten über meinen Verbleib 2001 – Odyssee im Weltraum auf Französisch laufen. HAL heisst dort CARL.