Bei Osiris und Apis, schau mich ganz fest an…


Nachdem ich im Anschluss an meinen Besuch im tollen Nigloland also die Region Paris erreicht und wiederum in einem Première Classe-Zimmerchen genächtigt hatte, sollte heute nun der Parc Astérix auf dem Programm stehen!

Die derzeit überall anzutreffenden Werbeplakate zum 25-jährigen Jubiläum des Parks gibt es in verschiedenen Varianten und zeigen gänzlich unterschiedliche Fans aller Altersklassen mit einem charakteristischen Astérix-Schnauz im Gesicht. Die Resultate sind je nach Visage dahinter teilweise etwas verstörend, aber diese Kampagne bleibt definitiv im Gedächtnis haften!

Nach frühem Aufstehen, einem schmackhaften kleinen Frühstück, Zusammenpacken und Auschecken steuerte ich meinen Honda in Richtung des nahe gelegenen RER-Bahnhofs Torcy. Da mein Quartier für die nächsten Tage in Bry-sur-Marne und damit in ÖV-Zone 4 lag, hatte ich sowieso vor, ein fünftägiges «Paris Visite»-Ticket für sämtliche Verkehrsmittel in der Stadt und allen Aussenzonen zu lösen. Im Vorfeld hatte ich recherchiert, dass es beim Bahnhof Torcy ein riesiges und offenbar auch kostenloses Pendler-Parkhaus gibt – also hielt ich es für einen klugen Einfall, meinen Wagen dort stehen zu lassen und dann gleich das erwähnte Ticket zu lösen, damit ich mit der RER zunächst in die Stadt, wieder raus zum Flughafen Charles de Gaulle und ab dort dann mit den parkeigenen Shuttlebussen zum Parc Astérix fahren kann. Um den vollen Wert aus dem «Paris Visite»-Ticket rauszuholen und um mal zu sehen, wie die Anfahrt mit den Shuttlebussen genau funktioniert. Es gab nur einen Haken: bis auf die Behinderten-Stellplätze war jeder der 1100 Parkplätze besetzt. Ich bin auf sämtlichen Ebenen alle Gänge abgefahren und musste feststellen, dass selbst in vermeintlichen Kleinstlücken noch Smarts und Motorräder stationiert waren. Toll. Also habe ich auf den etwas unschönen Plan B zurückgreifen wollen: beim ganz in der Nähe liegenden und gestern ja schon besuchten Carrefour Collégien parkieren. Leider konnte man auch das vergessen, da das riesige Zentrum erst gegen 10.00 Uhr öffnet und das Parkareal auch erst kurz davor freigegeben wird. Und irgendwann war dann der Punkt überschritten, wo ich es mit den ÖV noch pünktlich zur Parköffnung rausgeschafft hätte. Demnach blieb unterm Strich also nur noch die Anfahrt mit dem Auto zum Parc Astérix – womit die ganze Früh-Aufstehen-Nummer für die Katz war. So kanns manchmal gehen.

Bei einem nahe gelegenen und bereits geöffneten Supermarkt holte ich mir was zu Trinken und noch etwas Schlaf im Auto nach, daraufhin nahm ich die gut halbstündige Fahrt nach Saint-Witz zum Parc Astérix in Angriff. Da ich im Vorfeld ja genügend Zeit hatte, suchte ich die Parkgebühr in Kleinstmünzen zusammen, um mein Portemonnaie mal wieder richtig schliessen zu können. Am Ort des Geschehens angekommen hiess es dann aber «Pas de pièces rouges!» – also keine 1-, 2- und 5-Cent-Münzen. Und ich sass mit meinen fein säuberlich geordneten Münzhäufchen dann ziemlich dumm da, musste schliesslich doch eine Note zücken.

Tant pis! Am schönen Eingangsbereich konnte ich einen Teil des Kleingelds dann immerhin für meine Eintrittskarte verwenden und eine knappe Viertelstunde später öffneten dann auch schon die Ticketgates. Worum ich ehrlich gesagt sehr froh war, denn die französischen Balgenscharen neben und vor mir wartender Familien haben mal wieder – wie drücke ich das jetzt galant aus? – ihre besteinstudierteste Europa-Park-Choreographie zum Besten gegeben. Inklusive Fangen spielen, lautstark um Plüschtiere und Rucksäcke zanken, Rumturnen und Runterfallen, Prügeln bis einer weint sowie Unbeteiligten auf die Füsse stampfen und Ellbogenstosserei in den Rücken. Von den Eltern bestenfalls ab und an mal mit einem gesäuselten «Arrêt, les enfants.» kommentiert. Drum wehe man sagt was. Ich hab daher ’ne Zen-Haltung eingenommen und mich am laut abgespielten Tageseinstimmungs-Soundtrack, einer Mischung aus 70er-Jahre-Synthpop mit Cartoon-Sounds und allerhand keltisch-nordischem Folklore-Gedudel, erfreut. NOT!

An den Gates vorbei und in der Mainstreet Via Antiqua angekommen sieht man bereits, was für ein toll thematisierter Park das ist! Überall lassen sich lustige Details erkennen, die von grossem Humor zeugen und natürlich oft auch Passagen aus den Astérix-Comicbüchern aufgreifen.

Die letzten Minuten vor 10.00 Uhr wurde man am Fusse des Bergs zurückgehalten, auf dem Astérix höchstpersönlich drauf hockt und der grossteils den Spillwater Le Grand Splatch beherbergt. Auch hier sah es wieder mal nach einem etwas volleren Tag aus, aber mit etwas Geschick liessen sich längere Schlangen fast immer umgehen. Dann wurde das Band fallen gelassen und die Meute durfte den Park erstürmen!

Mein erstes Ziel war natürlich die vermeintliche Kapazitätsgurke Trace du Hourra, eine riesige Bobbahn von Mack.

Zu den ersten Gästen des Tages gehörend konnte ich bis zur Station durchmarschieren und war über die Anzahl der jetzt bereits die Strecke absolvierenden Züge erstaunt. Ich habe leider nicht genau rausfinden können, wie viele Züge die Bahn hat, aber bei meinem Besuch muss das mindestens Vier- oder Fünfzugbetrieb gewesen sein. Nicht schlecht, Herr Specht! Ausserdem arbeitete die äusserst flotte Crew jetzt schon im Akkordtempo, um die wenigen vorhandenen Gäste in atemberaubendem Tempo abzufertigen. Definitiv die effizientesten Ride-OPs auf meiner Reise – pouces!

Schon bald sass ich also im hintersten Wagen und der Zug hat den für Bobbahn-Verhältnisse riesenhaften, 31 Meter hohen Lifthill erklommen. Da in unmittelbarer Nähe zur Bahn viele grosse Birken wachsen, deren Stämme in der Morgensonne geradezu wunderbar mit den weissen Stützen der Bahn harmonieren, nimmt man die enorme Höhe irgendwie recht deutlich wahr – was mit der relativ offenen Sitzposition in den typischen Mack-Bobs ein kribbeliges Gefühl ergibt und einen wunderbar auf die nun bevorstehende Fahrt einstimmt.

Schon die erste Steilhelix hat in der letzten Reihe alles in den Schatten gestellt, was ich je auf Bobbahnen erlebt habe! Da wurde man mit einem deutlichen Ansatz von Airtime und einer deftigen Portion anschliessendem Druck nur so durchgezogen – ein sensationeller kleiner Adrenalinschub und einfach irrsinnig geil in dieser Höhe! Danach verläuft die Strecke etwas gemächlicher durch den schönen Birkenwald – je länger desto bodennaher dann natürlich und durch eine stolze Vielzahl an leckeren Kurven, Spiralen und Tunneln. Trotz einiger Zwischenbremsen wunderbar rasant, schaukelig und einfach ein Genuss! Ich weiss nicht, ob das jetzt speziell daran gelegen hat, dass ich hier im hinersten Wagen mitgefahren bin, aber ich hatte hier wirklich einen genialen und überraschend einfahrenden Tageseinstieg. Ganz klar meine neue Nr. 1 unter den Bobbahnen! Fairerweise muss man aber anmerken, dass dies kein sonderlich schwer zu erreichender Titel ist, da ich nur je zwei weitere von Mack und Intamin kenne – und eine von letzteren existiert nicht mal mehr. Néanmoins: cooles Ding! Nicht zuletzt auch dank der einzigartigen Thematisierung.

Gleich als nächstes ging es dann schnurstracks zum Hauptanziehungspunkt des Parks: zum genialen und wunderschönen B&M Inverter OzIris!

Wie sie leuchtet! Wie sie strahlt! Und wie sie tönt! In der Morgensonne schon zum blossen Betrachten wahres Labsal für Augen und Ohren eines jeden Coasterfreaks! Als ob eine Mini-Montu den Weg aufs europäische Festland gefunden hat! Und einfach perfekt in den wunderschön umgesetzten ägyptischen Themenbereich integriert. Die wirklich sensationell schön gemachte Tempelanlage, der See mit den grossen Springbrunnen und dem Unterwassertunnel, echte Palmen sowie verblüffend authentische Hieroglyphen und sonstige altägyptische Artefakte bilden einen idealen Rahmen für das nun bevorstehende Coaster-Highlight. Ich konnte es kaum fassen – heute steht nach langer Pause tatsächlich wieder einmal B&M-Inverter-Goodness auf dem Programm! Also bin ich ganz kribbelig vor Vorfreude durch die Single Rider Line gerast, konnte sofort einen leeren Platz in der Backrow füllen und schon wenige Sekunden später tuckerten wir wahrhaftig den imposanten Lifthill hoch! Geilo!

An der Spitze des 35 Meter hohen Lifthills angekommen zeigt einem die Bahn auch gleich wos langgeht! Der Pre-Drop-befreite und überraschend steile gekurvte First Drop schickt die im letzten Wagen mitfahrenden Passagiere zünftig in die Schulterbügel hoch und lässt im Tal angekommen eine geballte Ladung schicker positiver G-Kräfte wirken! Was für ein fantastischer Start! Es folgt eine Premiere: ein Dive Loop auf einem B&M Inverter! Yay! Wie auf B&Ms anderen Coastertypen wird dieses tolle Element auch hier mit einer unbeschreiblichen Grazie und richtig tollem Fluggefühl ausgeführt – einfach sexy! Es schliesst sich eine überraschend enge Overbanked Turn an, die bizarre Sichtperspektiven und wiederum recht leckeren Druck auf die Insassen bietet. Erst jetzt folgt der obligatorische klassische Vertikallooping, der mit einem interessanten Gimmick aufwartet: nahtlos an die Steillage des abwärts führenden Loopingteils anknüpfend gibt es eine flache Rampe durch einen Tunnel, um etwas Power für den nachfolgenden Immelmann zu holen. Und auf eine ganz kuriose Weise hat man dort bei all meinen Fahrten in den hinteren Reihen einen kurzen Airtime-Moment gehabt! Wie ist das möglich? Durch die hier vorhandene Trimbrake vielleicht? Mir sollte es recht sein, denn ich fand den kurzen Ruck nämlich unfassbar lustig!

Im Anschluss an den zwischenzeitlich absolvierten Immelmann durchflitzt man erneut eine Overbanked Turn, wiederum mit unvermutet engem Radius und delikatem Druck! Jetzt saust man ein stolzes Stück abwärts und direkt durch den mit Dampf gefüllten Unterwassertunnel hindurch – taktgenau von den grossen Fontänen um einen herum begleitet und wieder am Tageslicht mit einem Affenzahn in die erste Zero-G-Rolle hoch. Einfach grandios, wie elegant dieses Manöver hier abgespult wird! Als nächstes macht man in einer 270°-Helix kehrt und eine recht unverhofft um weitere 90° gedrehte Schussfahrt führt dann in einen Graben direkt hinter der Station. Hier folgt dann die zweite Zero-G-Rolle – obwohl ich gewusst hatte, dass noch eine Inversion folgt, hat sie mich beim Durchfahren irgendwie total überrascht und geflasht. Einfach super! Als Finale legt man sich noch einmal in ein paar bodennahe Kurven, die wiederum recht eng ausgelegt sind und entsprechend Druck ausüben, daraufhin steigt man dann in die Schlussbremse hoch und kehrt wieder in die Station zurück.

Kaum ausgestiegen gibt es nur noch eins: so schnell die Füsse einen tragen können zurück durch die Single Rider Line und gleich den nächsten Zug erwischen! Und nochmal, und nochmal, und nochmal…! Flotter Zweizugbetrieb und die Viererreihen nie ganz auffüllende Parkgäste haben mir an diesem Tag einen unvergesslichen Fahrmarathon beschert. Gezählt habe ich irgendwann nicht mehr, aber es werden insgesamt so um die zwölf Fahrten rum gewesen sein. Hammer, klasse, stark, schoggi, bäumig, geil und abgefahren!

OzIris war wie erwartet das absolute Highlight im Park und natürlich auch eins der ganzen Reise! Der total fetzige First Drop, die ungewöhnliche Streckenabfolge, der Dive Loop als Alleinstellungsmerkmal unter B&M Invertern, Airtime wo es eigentlich keine geben sollte, die sagenhafte Inszenierung samt Unterwassertunnel und Springbrunnen, aussergewöhnlich enge Kurven, fast schon B&M-Oldschool-artige Druckpassagen… All dies und noch viel mehr kam hier in einem total spassigen Knallerpaket zusammen und hat das Coasterfreak-Herz wieder einmal höher schlagen lassen! Diese wahrlich fotogene, überraschend kraftvolle und den Park schlicht prima ergänzende Anlage hat sich nicht zuletzt auch durch die per Single Rider Line ermöglichten Dauerfahrten einen ganz speziellen Platz bei mir erobert und ist sehr weit oben in meinem persönlichen Inverter-Ranking anzusiedeln. Einer der absoluten Höhepunkte meiner diesjährigen Frankreich-Reise und absolute Spitzenklasse!

Ich hätte OzIris zwar fahren mögen bis mir das Petit Déjeuner wieder hochkommt, aber irgendwann hat mich dann doch noch die Neugier auf andere Bereiche des Parks gepackt. Daher ging es nach den ersten paar Fährtchen daraufhin an der Rafting-Rutsche Oxygénarium, sowie am Kettenflieger Les Chaises Volantes vorbei durch einen überdachten Shopping- und Gastronomiebereich, der das nächtliche alte Paris darstellen soll.

Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich das nächste Achterbahnziel: der berühmt-berüchtigte Vekoma-Looper Goudurix, seit Urzeiten ein wackerer Bottom-Ten-Verfechter bei Mitch Hawker. Auf Fotos und Videos hat er eigentlich immer ganz lecker ausgesehen – umso gespannter war ich deshalb, mir hier mal ein eigenes Bild machen zu können, und begab mich in die Warteschlange.

Leider war hier den ganzen Tag über Einzugbetrieb angesagt, wodurch eine zirka 40-minütige Wartezeit entstand. Da musste ich jetzt halt durch – und war ziemlich bald recht froh darüber, am Morgen noch die Kopfhörer in die Cargo-Taschen eingepackt zu haben. Ich stand nämlich inmitten einer grösseren Gruppe pubertierender französischer Jungs an, die in markerschütternder Manier ihre frisch gebrochenen Stimmchen ausprobieren wollten und dabei eine entsetzlich nervtötende Geräuschkulisse aus verschluckten Vokalen und unzähligen enervierenden «Ouais» und «Euhs» erzeugten. Erinnerungen wurden wach – auch im Europa-Park hab ich mich schon oft darüber entsetzt, wie die schöne französische Sprache durch die Kehle eines schnoddrigen Heranwachsenden vergewaltigt werden kann. So hab ich dann gezwungenermassen die Stöpsel reintun müssen und habe überaus passend Alison Moyets Hoodoo und Voyage Voyage von Desireless aufgedreht, um die Wartezeit etwas erträglicher zu machen.

Endlich habe ich nach einer kleinen Ewigkeit die Station erreicht und wieder einmal bloss noch den Kopf schütteln können. Wie im Bericht zu Nigloland bereits erwähnt sind Franzosen eingefleischte «Zusammenfahrer» – und zwar dergestalt, dass selbst bei Einzugbetrieb manchmal bis zu sieben Plätze und einmal sogar drei volle Zweierreihen (!) leer blieben. Die zackig arbeitenden Ride-OPs versuchten oft vergeblich auf die leeren Plätze aufmerksam zu machen. Durch die enge Anstehsituation sind Auffüllwillige oft nicht durchgekommen und die den Stau verursachenden Grüppchen haben die Situation entweder nicht erkannt oder hatten gar nicht die Möglichkeit, Platz zum Vorlassen zu schaffen. Ich habe jedenfalls gesunden Menschenverstand walten lassen, windete mich sobald möglich zu den etwas weniger betriebsamen hinteren Gates durch und sprach dort eine sympathisch erscheinende weibliche Dreiergruppe darauf an, ob ich mit ihnen zusammenfahren dürfe. Ich hatte anfangs grosse Angst davor, in ein sprachliches Fettnäpfchen zu treten, da mir das französische Wort für «fahren» im Sinne von «Achterbahn fahren» nicht geläufig war, aber anhand der Hinweistafeln reimte ich mir zusammen, dass es wohl «monter» sein muss. Ein mit einem freundlichen Lächeln ausgesprochenes «Puis-je monter avec vous?» (wortwörtlich «Dürfte ich mit Ihnen einsteigen?») schien zu klappen und so sass ich wenig später dann abfahrbereit im zweithintersten Wagen. Glück gehabt.

Auf los gehts los und recht behäbig befördert der laute Lifthill einen auf die Starthöhe von 36 Metern. Im zweithintersten Wagen wird man ziemlich zackig über den Pre-Drop und die folgende 180°-Kurve gezogen, dann rauscht man mit einem durchaus hübschen Airtime-Schub über den relativ flachen und kerzengeraden ersten Sturz ins vermeintliche Verderben. Jetzt setzen die so viel beklagten Vibrationen so richtig ein – und dünken mich ehrlich gesagt nicht einmal besonders schlimm! Da ich die Schulterbügel exakt ausfülle, sitze ich hier zwar in einer ziemlich «eingequetschten» und «angespannten» Position, aber irgendwie scheint das genau richtig zu sein, um die im Gesässbereich überdeutlich spürbaren Vibrationen nicht zum Kopf dringen zu lassen und um dadurch allfällig ausgelöstes Rumpoltern gekonnt «abzufangen». Darüber hinaus sagen mir die innere Stimme und Erfahrungen auf ähnlichen alten Loopern, dass man hier ja eh selber Schuld ist, wenn man seinen Kopf anleitungsgemäss in die beinah halbkreisförmig gewölbte, pickelharte Stütze zurücklehnt.

Diese Kombination aus idealer Ausnutzung des Schulterbügels und gut einstudierter, zur Strecke mitwippender Vekoma-Position ergibt – man mag es kaum glauben – eine durchaus erträgliche Fahrt durch das eigentlich ja ganz tolle und einzigartige Layout! Zu Beginn ein Butterfly, dann ein Batwing und erst jetzt noch eine in anderen Parks eine vollwertige Bahn ausmachende Loopscrew-Abfolge mit Looping, doppeltem Korkenzieher und abschliessender Helix. Mit grossem Erstaunen erreiche ich die Schlussbremse und versuche, mir das soeben Erlebte irgendwie innerlich zu erklären.

Ich erkenne zwar, wie man Goudurix ganz leicht zum coastermässigen Schlusslicht der Erde erklären kann – die Vibrationen, welche die Wagen von sich geben sind ja echt nicht mehr normal und sorgen bei vielen Mitfahrenden bestimmt für höllische Schmerzen. Allerdings muss ich nach meiner Fahrt schlicht zugeben: bei mir wars bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet und auf meinem letzten Platz ist sie dadurch definitiv nicht! Mag sein, dass es schlicht enormes Glück war, offenbar genau die korrekte Schulterhöhe vorzuweisen, um die sonst sicherlich zu bösen Schlägen fähigen Vibrationen abfangen zu können, aber irgendwie hab ichs hingekriegt und eine durchaus beachtliche Fahrt spendiert bekommen – alleine das Layout ist doch wohl auch super-einzigartig und nun kann ich auch mit Stolz behaupten, schon beide Coaster dieser Erde mit einem Butterfly gefahren zu sein. Einmal hat hier beim Erstbesuch dann zwar doch gereicht, aber bei einer allfälligen Rückkehr würde ich mich glaube ich sofort wieder anstellen. Mais oui! Wieder einmal bin ich also zur Erkenntnis gelangt, dass man Erfahrungsberichten nicht immer voll trauen kann – live erleben ist ja zum Glück nicht nur aufregender, sondern je nachdem auch durchaus mal mit der einen oder anderen Überraschung verbunden.

Der Einzugbetrieb bei Goudurix hatte einen entscheidenden Vorteil: Als ich nach meiner Fahrt dann den nahegelegenen CCI-Woodie Tonnerre de Zeus ansteuerte, wurde da gerade der zweite Zug auf die Schiene geholt, so dass ich dann mehrere Fahrten mit je etwa fünf Minuten Wartezeit absolvieren konnte. Party time, excellent!

Leider ist er etwas kamerascheu, der Gute, aber trotzdem hat er sich schon nach einer ersten Fahrt im letzten Wagen weit nach oben zu meinen Woodie-Favoriten gesellt! Schon auf dem Lifthill erkennt man, dass man es hier ganz grob mit einem gespiegelten und etwas aufgepeppten Timberwolf «in gut» zu tun hat, aber die hier natürlich wesentlich besseren und richtig herrlichen Woodie-Fahreigenschaften lassen das Vorbild in Kansas City selbstredend weit hinter sich! Ein richtig fantastischer First Drop in einen engen Tunnel, leckere seitliche Gs, absolute Spitzen-Airtime und ein durchgehend flottes Tempo machen diesen gar nicht mehr aufhören wollenden Woodie zu einem bombastischen Knüller! Ein einfach nur sensationell geiles Teil!

Ich weiss nicht, ob es am langen Woodie-Entzug, an der Freude über ein Wiedersehen mit den klassischen PTC-Zügen oder an meiner allgemeinen Begeisterung für CCI, die sich für viele meiner All-Time-Woodie-Favoriten verantwortlich zeichnen, gelegen hat – aber meine Fahrten hier haben mir wirklich ausgesprochen viel Spass bereitet und mich wieder einmal so richtig im Woodie-Himmel ankommen lassen. Alle Daumen rauf für dieses Schmuckstück, das mir das sonst nur in den USA geglaubte Woodie-Zelebrierungs-Wesen ins Nachbarland geholt hat. Warum nur hab ich das erst jetzt entdeckt?

Im Anschluss an meine Zeus-Fahrten bin ich noch ein wenig durch den griechischen Themenbereich flaniert. Hier gibt es auch ein Delfinarium mit einer Show namens «Révérence». War bei meinem Vorbeigehen aber gerade vorbei.

Den Zierer Hornet Vol d’Icare bin ich aufgrund langer Schlange nicht gefahren. Heb ich mir für einen späteren Besuch zu zweit oder so auf – so ganz alleine habe ich lieber noch etwas Zeit in weitere Zeus- und OzIris-Fahrten investiert. Etwas später habe ich dann das Gallierdorf in der Parkmitte erkundet. Hier sieht man auch ein Boot der im Wesentlichen einmal rundherum führenden Flossfahrt Épidemaïs Croisière.

Auch das Gallierdorf ist – wie sämtliche restlichen Themenbereiche im Park – wirklich schön gemacht und lässt die Astérix-Fans zahlreiche lustige und verblüffende Details entdecken. Mehrmals täglich findet hier auch ein «Meet & Greet» mit den bekanntesten Figuren statt. Troubadix will das Ganze jeweils musikalisch ankündigen, wird dann aber von den anderen Figuren verjagt, so dass er schmollend davonstampft und jeden seiner Schritte mit Hieben auf sein Tamburin quittiert.

Ein kurzes Stück geht es daraufhin einen kleinen Hügel hinauf und wir landen im auf diese Saison hin umgestalteten Kinderbereich La Forêt d’Idéfix, vormals als Forêt des Druides bekannt.

Nebst dem bereits vorgestellten Oxygénarium gibt es noch drei weitere Wasserbahnen im Park. Bei dem kühlen Wetter an diesem Tag habe ich aber lieber nur zugesehen und bin wie gesagt noch ein paarmal mit Zeus und OzIris gefahren. Hier zu sehen ist die genial als Hinkelstein-Bach thematisierte Wildwasserbahn Menhir Express.

Der Rafting-Fluss Romus et Rapids. Wobei ich schwören konnte, dass ich den im Park einmal auch als «Romulus et Rapidus» angeschrieben gesehen habe – was einem um einiges genialer erscheint, wenn man jahrelang Lateinunterricht zu ertragen hatte.

Irgendwann zwischen meinen Fotorundgängen und OzIris-Wiederholungsfahrten habe ich dann noch eine Runde mit dem Madhouse Défi de César gedreht. Nach der Gruppeneinteilung sollte man im ersten Warteräumchen unbedingt in einen der Guckkästen links und rechts in der Wand schauen und dabei ein möglichst doofes Gesicht machen. Im nächsten Preshow-Raum werden die abfotografierten Gesichter dann nämlich auf die Köpfe der einmarschierenden Cartoon-Soldaten auf dem Preshow-Screen eingefügt. Die Resultate sind ebenso bestürzend wie genial! Besonders der Kopf eines archetypischen Franzosen-Opas mit Chapeau auf einem Baby-Soldaten verfolgt mich heute noch in unruhigen Träumen. Einfach klasse, dieses Feature!

Im nächsten Raum findet dann ein wässeriger Gottheiten-Showdown à la Poseidon in den Islands of Adventure statt. Die Kamera bleibt hier aus gutem Grund im Etui. Und bald ist dann das eigentliche Madhouse erreicht, das im Wesentlichen als Soldaten-Galere thematisiert ist. Astérix und Obélix hüpfen als klobige 3D-Figuren ab und zu mal vor deren Fenstern rum und bringen sie zum Schaukeln, aber wie das Ganze storymässig erklärt wird vermochte ich mit meinen Französischkenntnissen nicht zu verstehen. Alles, was ich dialogmässig noch im Kopf habe, lautet ganz frei paraphrasiert in etwa: «Hon-hon-hooon! Salut les amis! Nous sommes ici pour faire des bêtises!» – dass die beiden also nur dort sind, um etwas Schabernack zu treiben.

Nach ein paar weiteren Wiederholungsfahrten auf OzIris und abschliessenden Fotorundgängen verliess ich den Park nach viereinhalb Stunden dann auch schon wieder, um noch ein wenig im unweit entfernten Mega-Carrefour Claye-Souilly wandern zu gehen und um rechtzeitig zur Check-in-Zeit mein Quartier für die nächsten Ferientage zu beziehen.

Parc Astérix war ein weiteres Highlight meiner diesjährigen Ferienreise! Was man hier gezaubert hat ist wahrlich etwas ganz Eigenes und nicht bloss einfach «Disney-Stirnbieten». Die liebevoll gepflegten, unfassbar schönen und detailreich inszenierten Themenbereiche können sich wirklich sehen lassen und begeistern Astérix-Fans und das Restpublikum gleichermassen. Eine stolze Anzahl an einzigartigen, sensationellen Fahrgeschäften und Achterbahnen sorgen für einen unglaublich spassigen Tag – allen voran natürlich OzIris und Zeus, welche die Coasterfreaks viel mehr als bloss zufriedenstellen, ganz besonders wenn sie zum Dauerfahren einladen wie an meinem Besuchstag. Ich komme definitiv wieder – dann hoffentlich auch mit Begleitung.

Am frühen Abend habe ich nach etwas zäher Rushhour-Durchkämpfung der Pariser Agglomeration schlussendlich meine Unterkunft für die nächsten Tage erreicht, für die an dieser Stelle eine volle Empfehlung ausgesprochen werden kann: das Aparthotel City Résidence, 80 Avenue Georges Clemenceau. Knappe 150 Meter und nicht einmal fünf Gehminuten vom Zugang zum RER-Bahnhof Bry-sur-Marne entfernt – damit also ein absolut idealer Ausgangspunkt für sämtliche Unternehmungen in und um Paris. Die Linie A zum Disneyland führt hier durch und in die andere Richtung ist man in einer knappen Viertelstunde auch in der Innenstadt. Ein sogar sonntagmorgens geöffneter und sehr gut sortierter Intermarché befindet sich ebenfalls in Laufdistanz – unterm Strich findet man die besten Vorzüge von Stadt und Land an dieser ruhigen Lage für die Touristenbedürfnisse ganz wunderbar vereint. Ein tolles und recht geräumiges Studio für zwei Personen mit Schlafzimmer, Bad und Kitchenette ist selbst in den Ferienmonaten für faire 40 € pro Nacht zu haben.

Parkieren kann man in einer gross angelegten, aber leider doch etwas engen Tiefgarage für 5 € pro Tag. Ohne allzu gross auf den Feriendämpfer eingehen zu wollen: Ich habe die dichteste Pariser Agglo-Rushhour, engste Wohnsträsschen, die breitesten unmarkierten Kreisel, sämtliche unberechenbare Manöver von frechen französischen Verkehrsrowdys überlebt; dachte mir dabei noch so, wie sich die Fahr-Erfahrung meiner USA-Reisen hier doch auszahlt – um am Ende eine Wand hier unten zu streifen. Was hab ich mich geärgert, ey. Aber die Ersatzteile sind zwischenzeitlich bestellt und das Leben geht weiter.

Auch in der kleinen Küche war alles vorhanden, was man für ein paar Ferientage zwecks sporadischer Zwischenverpflegung so braucht. Ein Kühlschrank mit Eisfach, zwei Herdplatten, eine Mikrowelle, ein Spülbecken und natürlich die wichtigsten Utensilien. Gläser sollte man sich allenfalls in Plastikform noch ein paar dazukaufen, denn davon gab es exakt zwei Stück.