Blitzmarathon durch die Alpen


Was unternimmt man, wenn man zweimal hintereinander relativ kurzfristig Ferien aufgebrummt bekommt, einen wieder einmal die Coaster-Sehnsucht packt und man aufgrund erwähnter Kurzfristigkeit auf die Schnelle keine achterbahnsüchtigen Mitreisenden findet? Zwei Ego-Trips ins schöne Paris! Obwohl meine Grosseltern in Frankreich wohnen und ich entsprechend nicht unvertraut mit der Grande Nation bin, hatte ich es nach Paris bislang noch nie geschafft. Aus einem optimal eingesetzten Jokertag-Bezug, einer preislich wie routentechnisch unfassbar günstigen TGV-Verbindung ab Zürich sowie einem ideal beim Gare de Lyon gelegenen und vom elterlichen Ferienclub punktemässig fast hinterhergeworfenen kleinen Studio ergaben sich im letzten September daher dreieinhalb Tage Erstkontakt mit der französischen Hauptstadt.

Obwohl ich in diesen knappen Zeitraum ein alles andere als erholsames Pflichtprogramm reinquetschen musste – Disney, Eiffelturm, Versailles, Louvre, Sacré-Cœur, Montmartre, Champs-Élysées, Tuileries, Triumphbogen, Tour Montparnasse und unzählige obligatorische Aussichts- und Fotopunkte, um wirklich nur gerade die wichtigsten zu nennen – habe ich mich auf Anhieb in diese Stadt verliebt. Die vielfältige Architektur, die Prunkbauten, das ÖV-System, die Freizeiteinrichtungen, die Parkanlagen, das Essen, die grenzenlosen Einkaufsmöglichkeiten und sogar die Franzosen haben mich absolut verzaubert. Die Tatsache alleine zu reisen hat sich nach anfänglicher Skepsis sogar oft als Vorteil für eine derartige Reise entpuppt: Bei Disney konnte man natürlich die Single Rider Lines nutzen, aber auch sonst allerlei Schlangen und Menschenansammlungen bei anderen Touristenattraktionen umgehen und überspringen. Die Platzsuche in den ÖV-Stosszeiten verlief natürlich ebenfalls unproblematischer, Aspekte wie Ticketkäufe, Mahlzeiten, Toilettenpausen, Fotografier-Stopps und dergleichen mehr genauso. Wenn nur die Bedürfnisse einer Person zu berücksichtigen sind, kann man das eigene Tempo selbstredend so bestimmen, wie es einem halt in dem Kram passt. Auf diese Art und Weise konnte ich in diesen ersten dreieinhalb Tagen schon ein beachtliches Sightseeing-Programm durchziehen, aber zweifellos war nach so einer kurzen Stippvisite natürlich klar: je reviendrai. Aus purer Liebe zu dieser schillernden Stadt, sans doute, aber selbstverständlich auch aufgrund des Umstands, dass nicht annähernd alles von meiner To-Do-Liste abgehakt war – weil sie im Verlaufe des Aufenthalts natürlich auch angewachsen ist.

Womit wir dann bei der eigentlichen Einleitung zum nun folgenden Bericht wären. Vor ein paar Wochen bin ich also zum zweiten Mal ins schöne Paris gereist – diesmal aber etwas ami-styliger als im Herbst zuvor. Kurz gesagt war es der in diesem Jahr neu eröffnete Alpina-Blitz, der mich überhaupt auf die Idee brachte, Paris mal roadtripmässig mit dem Auto anzusteuern – das Nigloland liegt wirklich voll im Nirgendwo und ist mit Öffis so gut wie nicht zu erreichen. Ein geeigneter Reisezeitraum war aufgrund des erwähnten Zwangsbeziehens meiner Ferientage und der ungnädigen Öffnungszeiten vom ebenfalls auf dem Programm stehenden Parc Astérix schnell ausgemacht. Eine mich an meine USA-Roadtrips erinnernde Rechereche- und Planungssession später hatte ich dann den Markennamen gefunden, der in Frankreich die sprichwörtliche Wonne fürs Übernachtungsbudget eines Alleinreisenden ist: Première Classe. Die Billig-Sparte der Louvre Hotels bietet mit ihren Mini-Zimmerchen eine saubere, zweckmässige Unterkunft und hat durch ihre Ableger in Buchères und Torcy im Osten von Paris den ersten Teil meiner diesjährigen Ferienreise praktisch mit ein paar Mausklicks von heute auf morgen ermöglicht. Und so fuhr ich eines schönen Sonntags dann in viereinhalb entspannten Fahrstunden von Zürich nach Buchères im Süden von Troyes, von wo aus es nicht mehr weit ist bis zum Nigloland – wovon der erste Erfahrungsbericht meiner diesjährigen Serie auch handeln soll.

Ich musste irgendwie loskichern beim Anblick meines Mini-Kämmerchens im Première Classe Buchères – alles ist auf gefühlten acht Quadratmetern untergebracht, aber doch ist für eine kurze Übernachtung alles da, was man braucht. Wie gesagt war das Zimmer tadellos sauber, es gab genügend Steckdosen für sämtliche wichtigen Elektrogeräte, das Doppelbett hat einen guten Schlaf ermöglicht und WLAN hat auch prima funktioniert, so dass ich den Daheimgebliebenen die traditionellen Verbleibszeilen hinterlassen konnte. Das Duschen wird für einen 182 Zentimeter hoch gewachsenen Mann im noch kleiner als bei Ibis geratenen Nasszellen-Fertig-Bauteil zwar gelinde gesagt zur Herausforderung, aber für eine Nacht war das gut auszuhalten. Bemerkenswert natürlich auch die Platznutzung in diesem Mini-Badezimmerchen: Der Klopapier-Spender ist z.B. dermassen unter dem Lavabo installiert, dass er gleichzeitig auch als Handtuchspender durchgeht (was aber auch heisst, dass er das Klopapier nur «blattweise» hergibt). Dasselbe Spiel mit dem Seifenspender, der an der einzigen freien Stelle an der Wand schon wieder so nah am Duscheckchen angebracht ist, dass er gleichermassen als Duschgel-Spender herhalten kann. Und um die verhältnismässig grosse Spiegelfläche ebenfalls noch gewinnbringend auszulasten, prangt darauf ein überdeutlicher Sticker, der Werbung für das separat bezahlbare morgendliche Continental Breakfast macht.

Zufrieden und erleichtert habe ich also erst einmal meine Sachen abgeladen und danach ausgesprochen gut im direkt nebenan liegenden Campanile-Restaurant zu Abend gegessen. Hierbei ist zu erwähnen, dass die Campanile-Hotels und -Restaurants ebenfalls zur Louvre Groupe gehören und sich die Première Classe-Motels oft gleich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. Bei den beiden auf dieser Reise besuchten Ablegern war das der Fall und auch bei meiner Vorrecherche habe ich herausgefunden, dass die in einem sehr grossen Teil der Fälle gleich beieinanderliegen. Die raketenschnelle Zubereitung meines Gerichts und die wirklich zuckersüsse und geradezu amilandmässig freundliche Bedienung haben nach einigen nicht so schmeichelhaften Erlebnissen im Wohnort meiner Grosseltern den Glauben an die französische Gastronomie- und Servicekultur im Nu wieder hergestellt und mich wohl gesättigt in mein Mini-Zellchen zurückkehren lassen. Tags darauf habe ich dann in der klitzekleinen Mini-Lobby das erwähnte Frühstücksangebot in Anspruch genommen und mich dabei an der auf einer Gepäckablage direkt neben der Reception schlummernden Kartäuser-Katze erfreut, die sich weder durch die laut laufenden Radiosender noch durch die mampfenden und quasselnden Hotelgäste stören liess. Trop énorme, wie es drüben so schön heisst! Unterm Strich: absolut zu empfehlen und eine gute Wahl für alle Nigloland-Interessierten. Beide Daumen rauf.

Ausgeschlafen und gestärkt steuerte ich nach dem Auschecken dann auf einer landschaftlich umwerfenden Route durch das schöne Naturschutzgebiet Forêt d’Orient das Nigloland an, wo ich eine knappe Dreiviertelstunde später dann auch auf einem der vorderen Parkplätze eintraf. Zunächst sah es nach einem eher vollen Tag aus, aber insgesamt gesehen waren Andrang und Wartezeiten erträglich – in Anbetracht der Tatsache, dass in einigen Départements von Frankreich ja Frühlingsferien waren. Kurios: Bei den Ticketstellen gibt es eine Art Schnellkasse – ein Schild weist darauf hin, dass dort nur Einzeltransaktionen durchgeführt werden. Trotzdem hat sich die dortige Schlange am langsamsten fortbewegt, da die zahlreichen Familien und Gruppen, die dort anstanden, per definitionem jedes Billet einzeln bezahlen mussten.

Kurze Zeit später stand ich dann also am Ende der kleinen Mainstreet, wo man noch bis 10.30 Uhr zurückgehalten wurde. Dabei konnte ich schon einmal einen ersten Eindruck davon gewinnen, was für ein schmucker, hübsch angelegter Park das Nigloland ist! Auf der Parkkarte waren vier Themenbereiche auszumachen: Kanada, USA/Rock ’n‘ Roll, Schweiz (wo sich auch der Alpina-Blitz befindet) und Wunderland. Laut Beschilderung würde der Alpina-Blitz erst etwas später als die anderen Attraktionen, um 11.00 Uhr nämlich, aufmachen.

Nachdem sich die Schranken geöffnet hatten, steuerte ich gemäss sämtlicher Coasterfreak-Erfahrung also zuerst die Kapazitätsgurken an. Der Auftakt in die Coaster-Saison 2014 sollte demnach auf der gespiegelten Mack-Maus Schlitt’Express erfolgen!

Als einer der ersten Fahrgäste eingetroffen, ohne Wartezeit Platz genommen und ab ging die wilde Fahrt! Tatsächlich sind die Wagen hier wie im Vorfeld recherchiert nahezu kontakt- und geräuschlos über die Schienen geschwebt. Auch etwas, was eine Standard-Maus mal zu etwas ganz Besonderem machen kann. Leider haben hier einige der Bremsen etwas gar stark gegriffen, so dass man vor allem in einigen Kurven im unteren Teil etwas Lateral-G-Vergnügen vermisste. Allerdings wurde das durch irgendwie ungewöhnlich knappe Headchopper im Stützgerüst wieder wettgemacht – im klein bemessenen Rahmen nach dem ersten grossen Drop habe ich die Hände unweigerlich wieder einziehen müssen. Insgesamt also ganz nett und ein schöner Auftakt in den ersten Coastertag des Jahres!

Auch hier konnte ich ohne Wartezeit noch auf einen leeren Sitzplatz in einem der Bobs hopsen, dann brachte der Spirallift die Fahrzeuge auch schon geräuschvoll auf die Starthöhe. In einer rasanten und herrlich durch eine Höhle führenden Schussfahrt holt man äusserst schicken Schwung und mit dem gewonnen Tempo absolviert man danach einen kurvigen Parcours um den Spirallift, durch Tunnel und immer relativ knapp an Felsen, Tannen, Wänden und Zäunen vorbei, dabei stets auch mit leckerem, anständigem Druck auf die Fahrgäste. Durch die auch nach all den Dienstjahren immer noch katalogfrische Smoothness und die offene Sitzposition in den Bobchaisen wäre das Ganze ja ausgesprochen vielversprechend, aber leider kann ich meinen Vorberichtern nur zustimmen: sobald ein Richtungswechsel erfolgt, wird einem die offene Sitzposition im Bob nämlich in der Form zum Verhängnis, als dass man ziemlich schmerzhaft in die recht harten Seitenpolster der Fahrzeuge gepfeffert wird. Obwohl sämtliche Täler und Kurvenlagen im gewohnten Schwarzkopf’schen Sanftheitsgrad ausgeführt werden, sind die Richtungswechsel hier leider echt nicht schön und sogar ziemlich schmerzhaft. Schade, denn so verliert dieses eigentliche Raritäten-Schmuckstück einiges an Punkten im Gesamtklassement. Trotzdem bereitet die Fahrt natürlich Freude und bleibt ein Must-Do im Nigloland.

Gut zwei Jahre nach meinem Besuch im Nickelodeon Universe in Minneapolis sollte ich nun endlich das nachholen können, was mir aufgrund früher Sonntags-Schliesszeit und entsprechendem Vorzug des «Musik-Express with a twist» Brain Surge verwehrt blieb: eine Fahrt auf einem Gerstlauer Sky Fly! Also verlassen wir die Schweiz und marschieren in den USA/Rock ’n‘ Roll-Bereich, wo das hiesige als Flugschau thematisierte Exemplar Air Meeting schon auf Fahrgäste wartet!

Nach zwei Durchgängen konnte ich auf einem der Pilotsitze Platz nehmen, staunte über die ulkige wie einfach gehaltene Flügelbewegungs-Apparatur und wurde mit dem schon von Eurofightern her bekannten und mir sehr bequem anliegenden Gerstlauer Schulterbügel-Modell gesichert. Nach eingehender Kontrolle ziehen sich die Ride-OPs zurück, der Fahrgondelarm erhebt sich daraufhin langsam in die Höhe und jetzt schon in extremer Schräglage steigt die Vorfreude der Insassen auf den Schwung, den man sich mit gezielten Bewegungen der Flügel jetzt dann bald holen kann. Dachte ich zumindest. Denn bei der ersten Fahrt gelang es mir zwar, meine Gondel jeweils etwa drei- bis viermal hintereinander zu überschlagen, aber die richtige Technik für den endlosen Drehwurm habe ich offensichtlich noch nicht gemeistert. Auch bei einer gleich anschliessenden zweiten Fahrt mit sogar etwas weniger Wartezeit war dies jeweils das Maximum, das ich da rausholen konnte. Irgendwie habe ich im Vorfeld gedacht, dass man das als Passagier bestimmt «spüren» wird, wie man die Flügel ausrichten muss, um dies zu bewerkstelligen. War dann aber doch nicht so einfach.

Aber auch ohne Drehwurm-Meisterung ist das Air Meeting natürlich eine absolute Top-Attraktion und wahrlich einer der genialsten interaktiven Flatrides der jüngeren Zeitgeschichte. Die frische Frühlingsluft um einen herum, die bizarren Blickwinkel, unmögliche Verweilpositionen an krassen Stellen im Fahrzyklus, damit einhergehender Mega-Druck gegen die komfortablen Schulterbügel und die schlichte Kontrolle über den Thrillgrad, auf den man am jeweiligen Besuchstag gerade Lust hat, machen diese Anlage zu einem absoluten Knüller! Zuschauer und Fahrgäste haben ganz offensichtlich einen Heidenspass an dem Teil und es scheint hier in der schönen Aube einen absolut geeigneten Spitzen-Standort gefunden zu haben. Es war eine wahre Freude zu sehen, wie das Teil von den Franzosen angenommen wird und wie sich selbst zuschauende Omas kichernd und staunend über diejenigen zwei Passagiere in jedem Fahrzyklus amüsiert haben, die den Drehwurm profimässig raushatten. Absolut top und hoffentlich bald einmal mit fachkundiger Begleitung erlebbar, welche mir die Drehwurm-Anleitung besser erläutern kann.

Zwischenzeitlich ist es 11.00 Uhr geworden und alle haben nur noch ein Ziel: die Neuheit dieses Jahres, den Mack Megacoaster Alpina-Blitz! Auch bekannt als «Blue Fire meets Piraten».

Tatsächlich musste ich mir im Vorfeld meines Besuchs die beiden Onride-Videos nebeneinander angucken, um den Unterschied im Layout überhaupt zu erkennen, da ich während der Bauphase nie ein Bild aus der Totalen entdeckt habe. Plusminus ist der gesamte «zurückführende» Streckenpart bei Alpina-Blitz spiegelverkehrt. Die grosse Kehrtwende nach dem zweiten Airtime-Hügel verläuft also nach rechts statt nach links wie bei Piraten, die beiden gekurvten Hügel danach verlaufen ebenfalls andersrum und die zweite grosse Umkehr unter dem First Drop und dem ersten Airtime-Hügel verläuft entsprechend nach links statt nach rechts. Ab da mündet die Strecke dann in die finalen Bunnyhops und die abschliessende Linkskurve – und ist damit wieder gleich wie beim dänischen Vorbild.

Hier herrschte während meiner gesamten Besuchszeit Einzugbetrieb vor, etwas anderes habe ich beim vorhandenen Andrang aber auch nicht wirklich erwartet. Dank des in der Bauphase ja schon vielbeachteten «Stegs» in der Station kann die Bahn tatsächlich nur von einem Ride-OP alleine betrieben werden. Für diesen Kleinpark sicher eine gute Lösung, aber trotzdem hat es vor allem aufgrund des Publikums etwas Geduld gebraucht hier. Das Drehkreuz am Warteschlangenende lässt nach der Freigabe exakt 16 Passagiere an die Gates, was der Sitzanzahl im Zug entspricht. Die Anzahl der noch verbleibenden Plätze wird auf einem Countdown-Bildschirm und auf dem Drehkreuz selbst angezeigt. Und genau da liegt der Knackpunkt: Sind z.B. noch fünf Sitzplätze frei und die nächsten im Bunde sind eine Sechsergruppe, befiehlt der Gruppenführer dem vordersten Gruppenmitglied einfach auf den nächsten Durchgang zu warten. Auch wenn direkt hinter der Sechsergruppe ein Pärchen und eine Dreiergruppe warten, welche die Sitzplätze genau passend füllen könnten und man dahingehend rasch vorlassen könnte. Und leider eben auch dann wenn die Schlange inzwischen auf eine gute halbe Stunde angewachsen ist und sich die Sechsergruppe am lautesten darüber beschwert. Mich deucht, Franzosen sind im Gegensatz zum US-amerikanischen Parkpublikum zwar durchaus in der Lage, die Problematik zu erkennen, aber gehemmt oder nicht gewillt ihr entgegen zu wirken. In der Tat wurden Personen, die in Fällen wie den oben beschriebenen um Vorlass baten, meistens leicht angeschnauzt und auch sonst nur sehr widerwillig vorgelassen, à la «Könnt ihr denn nicht warten?». Ich persönlich habe bei der ersten Fahrt auf diese Art einen noch leeren Sitzplatz füllen und damit den gesamten Schlangenschwenker in der Station umgehen können, bei der zweiten habe ich mich regulär mit einer Dreiergruppe verpartnert. Hat beides gut und «unauffällig» geklappt, aber alleine vom Beobachten anderer Besucherreaktionen auf diesen «Beladeprozesses in Selbstverwaltung» hatte ich danach echt genug und wollte mein bisheriges Glück nicht noch mehr herausfordern – so blieb es leider bei zwei Fahrten, aber ausgesprochen genialen!

Die schon von Blue Fire her bekannten, ausserordentlich stylischen und bequemen Züge empfangen die neue Passagierladung. Die vorherigen Fahrgäste begehen unterdessen den wirklich seltsamen Ausgangsparcours: zuerst eine Treppe rauf, da oben angekommen raus aus dem Stationsgebäude und Überquerung des Gleises auf einem Balkon, dann wieder ins Gebäude rein und eine weitere Treppe parallel zur Warteschlange runter. Dort kann man dann auf der anderen Seite der Staufächer hinter den Gates seine Wertsachen zu sich nehmen, und als Abschluss gibt es noch einmal eine Treppe, die unter den am Drehkreuz Wartenden vorbeiführt und einen schliesslich ins Freie entlässt. Ist der Zug nach der Bügelkontrolle auf beiden Seiten des Zugs abfahrbereit (was manchmal eine kleine Ewigkeit dauern kann), erklingt ein Horn und der überraschend schnell laufende Lifthill setzt sich in Gang!

Viel Zeit bleibt einem gar nicht, die sanfte Beförderung auf 33 Höhenmeter richtig zu geniessen, denn schon sehr bald wird man abrupt aus den Sitzen gehoben und donnert über den recht steil geratenen First Drop ins Tal. Dort wird man ordentlich in die bequemen Sitzschalen gedrückt, während man die bodennahe 270°-Kurve passiert, die dann direkt in den gekurvten Airtime-Hügel unter dem Lift führt. Da wird man gleichzeitig aus den Sitzen gehoben während man nach links abknickt, erneut erreicht man daraufhin von schönem Druck begleitet ein weiteres Tal. Gleich im Anschluss folgt ein klassischer und beidseitig sehr steiler Airtime-Hügel, auf deren Spitze man ein für Mack recht aussergewöhnlich starkes Airtime-Momentchen geniessen kann. Ein absoluter Hochgenuss und gerade im hinteren Teil des Zugs ein wahres Freudenfest! Es folgt der anders als auf dem Piraten-Layout verlaufende, recht heftige Umschwung, daraufhin werden die beiden getwisteten Hügel in Richtung Lifthill überquert, die in ihrer Intensität irgendwo über Cheetah Hunt, aber natürlich hinter Maverick und Konsorten einzuordnen sind. Auf der ersten dieser beiden Kuppen erlebt man die meines Erachtens beste Airtimestelle der Bahn: abrupt und sehr bestimmt wird man gegen den tollen Beckenbügel gedrückt, wechselt gleichzeitig auch sehr elegant die Schräglage. Keine Ahnung, ob es am winterlichen Entzug gelegen hat, aber diese Passage ist mir wirklich eingefahren und hat bei beiden Fahrten enorm grossen Spass bereitet! Daraufhin kehrt man am Fusse von Lifthill und erstem Airtimehügel erneut recht druckreich wieder in Richtung Station und überquert danach drei wunderbare kleine Bunnyhops! Hier war die Airtime jetzt weniger Intamin-mässig, aber für Mack-Verhältnisse dennoch erstaunlich stark – gerade in den hinteren Sitzreihen. Abschliessend durchflitzt man noch die grosse Abschlusskurve, dann ist die geniale Fahrt leider schon zu Ende.

Merveilleux! Piraten im Blue Fire-Gewand war eins meiner absoluten Attraktionen-Highlights auf dieser Reise und ist auch aus Parksicht ein absoluter Volltreffer! Fährt sich butterweich, sieht unverschämt fotogen aus, ist für alle coasterfahrenden Altersklassen ein riesiges Vergnügen, bietet dank Blue Fire-Zügen und komfortablen Beckenbügeln enorme Freiheit und ist für Mack-Verhältnisse sogar überraschend wild geraten – besonders im hinteren Zugteil. Wenn ich mir Onride-Videos von den Vorbildern so anschaue, habe ich zwar den Eindruck dass der Alpina-Blitz natürlich nicht so rasant und ein wenig familienfreundlicher unterwegs ist, aber bis ich so ein Megalite mal in persona gefahren bin, juckt mich das selbstredend herzlich wenig! Mit dieser Installation haben der Park und Mack jedenfalls alles richtig gemacht und sich schlagartig eine Top-Position bei meinen Steelie-Favoriten gesichert. Ein Jammer, dass die Abfertigung momentan noch etwas gar harzig läuft, aber möglicherweise sind das noch Kinderkrankheiten, die ein Qualitäts-Familienpark wie Nigloland sicherlich rasch in den Griff bekommen kann. In jedem Fall kann nur ein Ratschlag für alle durch die schöne Aube reisenden Coaster-Connaisseure gelten: kommt vorbei und setzt euch da rein! Grosses Kino und absolut top!

Als nächstes war der kleine Bruder von Eurosat an der Reihe: Spatiale Expérience!

Der Zugang zur Attraktion liegt etwas abseits vom eigentlichen Gebäude, in dem die Bahn untergebracht ist. Nach ersten Zickzacks führt der Wartebereich von hier aus ins Freie und dann über mehrere recht enge Rampen in die die Bahn beherbergende Halle.

Beim Anblick der Station werden natürlich sofort Erinnerungen ans Ruster Vorbild wach. Zwar war auch hier Einzugbetrieb angesagt, aber als Single Rider wurde ich sehr grosszügig nach vorn gebeten, damit eine grössere Gruppe zusammen fahren konnte – und zwar in die Frontrow! Chouette! Auf diese Weise sass ich also schon nach einem Durchgang abfahrbereit in der vordersten Reihe und war gespannt wie ein Regenschirm auf die finstere Fahrt durchs Weltall! Der zweite Spiralenlift an diesem Tag bringt die Passagiere in pechschwarzer Nacht auf eine stolze Anfangshöhe und nach einem ersten kleineren Schwungholen donnert man bald einmal ein etwas stolzeres Stück in die Tiefe. Es folgt wie bei Eurosat eine verwirrende und durch die Dunkelheit natürlich zusätzlich intensive Strecke mit wilden Kurven, Schussfahrten und Spiralen. Insgesamt ist es ein wenig dunkler als in der Eurosat, gleichwohl peppen natürlich zahlreiche schöne Lichteffekte und ein schmissiger Drum ’n‘ Bass-Soundtrack das ohnehin schon geile Fahrerlebnis noch mehr auf. Nach einer recht stolzen Fahrzeit ist dann irgendwann die Schlussbremse erreicht, die gottlob etwas sanfter als im Europa-Park greift – was jedoch selbstredend auch nicht besonders schwierig hinzukriegen ist.

Eine leckere kleine Bahn – das Eurosat-Geschwisterchen kann was! Zwar ist die Fahrt rein durch die geringeren Höhen- und Geschwindigkeitsdimensionen natürlich etwas gemächlicher als in Rust, aber dennoch überraschend gut und durch die tolle Ambiance mindestens so spektakulär. Magnifique!

Als nächstes bin ich in den kanadischen Themenbereich marschiert, der total verwaist war. Fast alle Parkbesucher haben sich aufgrund der grossen Coasterdichte vorrangig in der Schweiz aufgehalten. Eine Kopie der Tiroler Wildwasserbahn, hier des Themeings wegen natürlich als La Rivière Canadienne bekannt, begrüsst die Besucher im vorderen Bereich.

Ein bisschen in einer Sackgasse versteckt wartet ein durchaus Laune machender Disk’O-Coaster mit Zwischenhügel namens Le Grizzli auf Fahrgäste. Hier habe ich gleich zwei vergnügliche Fahrten hintereinander mit Sitzenbleiben unternommen, bevor dann eine grössere Besuchergruppe die Bahn entdeckt und für sich beansprucht hat.

In der Nähe bietet sich ein kleiner Rundkurs mit einem Mississippi-Dampfer auf einem recht grossen See an, entlang verschiedener Animatronics und sonstiger Szenerien. Aus Coasterfreak-Sicht gibt es natürlich noch einen weiteren Grund, sich hier genauer umzuschauen: den Mack Powered Coaster Le Train de la Mine.

Wie so oft werden pro Zyklus zwei Runden absolviert, und das auch noch erstaunlich flott! Ähnlich wie in Rust gibt es ein paar durchaus nette Spiralen an der frischen Luft, anschliessend durchquert man auch hier eine Mine und bleibt in der letzten Kurve vor Schluss etwas unangenehm seitlich hängen. Durch die abgelegene Lage im Park und dadurch null Wartezeit haben die wenigen Besucher, die sich hierhin verirrt hatten, einen richtigen Fahrmarathon aus der Anlage rausgeholt. Schmunzeln musste ich über ein Grosselternpaar mit seinen beiden Enkeln, die sichtlich Spass daran hatten, hier immer und immer wieder leere Sitzreihen im Zug zu füllen und eine Runde nach der anderen zu drehen. Die Grossmutter und ihre Enkelin waren sich vor jedem Fahrtbeginn voll darüber einig, dass sie in der Höhle dann «crier à fond», also lauthals schreien werden. Auch ich habe ein paar Wiederholungsfahrten getätigt, hatte dann aber nach drei Malen auch genug – schon aus Liebe zu meinem Gehör.

Nach knappen dreieinhalb Stunden hatte ich das Wichtigste dann durch, ab da wurde es auch noch einmal merklich voller im Park. Ich tätigte also noch eine abschliessende Fahrt mit dem Riesenrad sowie Fotorundgänge durch diesen wirklich schön angelegten Park, bevor es dann auch schon langsam weiter Richtung Paris ging.

Mein Besuch im sympathischen Nigloland hat wirklich Spass gemacht und im Alleingang quasi den Roadtrip-Teil der diesjährigen Ferien gerechtfertigt. Die ganze Anlage ist ausserordentlich liebevoll und detailverliebt angelegt, tiptop gepflegt, beherbergt unzählige familienfreundliche Attraktionen und schaut sich die Highlights ein Stück weit irgendwie alle vom Europa-Park ab. Alpina-Blitz ist eine wahre Wucht und lohnt trotz zäher Abfertigung eigentlich jeden Fahrkilometer durch die zauberhaft schöne Aube, um dieses Kleinod von Familienpark überhaupt zu finden. Ich bin jedenfalls ungeheuer froh, den Abstecher so geplant und auch gemacht zu haben, und kann für Thrillfans und Liebhaber von tollen Kleinparks gleichermassen eine volle Empfehlung aussprechen.

Ich habe nicht den direktesten Weg zurück zur Autobahn genommen, sondern habe noch einen kleinen Schwenker durch den schon bei der Hinfahrt teilweise durchquerten Forêt d’Orient gemacht. An der Strasse zwischen den beiden grossen Hauptseen Lac d’Orient und Lac d’Auzon-Temple gibt es eine kleine Raststätte, von wo aus man einen kurzen Fussmarsch durch den Wald zum Seeufer unternehmen kann. Dort steht ein etwa zehn Meter hoher Vogelbeobachtungsposten mit steiler Treppe, der das obige friedliche Panorama auf den Lac d’Orient freigibt.

Hierauf ging es dank einer Baustellenumleitung zwar mit etwas Verzögerung, sonst aber auf direktem Wege wieder zurück auf die Autobahn Richtung Paris. Die schon am Vorabend erlebte, schnurgerade über grosse Hügel führende und damit ein Stück weit an gewisse Fahretappen in Pennsylvania erinnernde Streckenfolge setzte sich hier nahtlos fort und brachte meinen alten Honda ganz schön ins Schnaufen.

– Eigenartig I: Bei grossen Anstiegen des Trassees zweigt, wie von zu Hause auch gewohnt, rechts eine Spur für langsamere Fahrzeuge und Lastwagen ab. Oben auf dem Berg wird ebendiese Spur dann aber zu einer normalen, da sich oben dann die mittlere und die linke vereinen. Wieder was gelernt!

– Eigenartig II: Lassen Fahrzeuglenker in dieser Gegend Frankreichs immer den linken Blinker drin bei Überholmanövern? Erst hielt ich es für Zufall, aber wenn man das Spektakel etwa ein Dutzend Mal in Folge beobachten kann, fragt man sich ja unweigerlich, ob das hier die Norm ist? Der linke Blinker wird im blinkenden Zustand gelassen (oft sehr lange), bis man das Überholmanöver vollendet und beim Zurückfädeln nach rechts schliesslich den rechten Blinker betätigt. Und das wurde auch im letzten grossen Abschnitt vor Paris so gehandhabt, wo die Autobahn dreispurig wurde. Auch wenn jemand nur die mittlere Spur zum Überholen nutzte – der Blinker blieb drin, und signalisiert damit nach Schweizer Verständnis ein Wechseln auf die ganz linke Spur, was dann aber nie stattgefunden hat. Wie gesagt: eigenartig. Scheint aber eine regionale Besonderheit zu sein – im Elsass und auf den Fahrten zu meinen Grosseltern im Burgund ist mir das nie aufgefallen.

– Eigenartig III: Franzosen nehmen es mit ihrem Tempolimit nicht wirklich genau. Selbst wenn man im Strom 140 km/h fährt wird man bergaufwärts noch munter von einem vollbeladenen VW-Bus überholt. Oha!

Im Vorort Torcy östlich von Paris angekommen, schlug ich noch etwas Zeit im riesigen Carrefour Collégien tot und bezog daraufhin mein gleich dahinter liegendes zweites Première Classe-Kämmerchen dieser Reise – dieses Mal in der Variante mit zwei Einzelbetten und auch hier wieder mit optimaler Platzausnutzung im Nasszellchen. Nach einem leckeren Abendessen legte ich mich schon bald schlafen, da ich am nächsten Tag früh zu meinem nächsten Parkziel aufbrechen wollte: Parc Astérix.

Ein Treffen in der Luft sorgt für reichlich Wirbel


Seit dem Jahre 1987 liegt am Rande der französischen Ortschaft Dolancourt, der von den Schaustellerbrüdern Gélis, nach Vorbild des Europa-Parks in Rust, gegründete Freizeitpark Nigloland. Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Park, wie kein anderer französischer Freizeitpark von einem regionalen zu einem nationalen Ausflugsziel mitten in der wunderschönen Region der Champagne.

Wer nun auf Grund des schaustellerischen Hintergrunds der Parkgründer einen Park wie den Walygator bei Maizière-lès-Metz erwartet, der wird wahrscheinlich positiv überrascht sein. Nach Betreten des Parks fallen die ersten Blicke auf die wunderschön gestaltete Parklandschaft nieder, die für französische Verhältnisse schlichtweg überragend ist.

In diesem Bereich finden sich vorwiegend gemächlichere Fahrten wieder, sei es nun die Oldtimerfahrt, die Dschungelfloßfahrt oder die Monzapiste, welche einer gewissen Anlage aus dem sauerländischen Fort-Fun Abenteuerland verblüffend ähnlich sieht.

Geht man nun nach links gelangt man in den kanadischen Bereich des Parks, welcher leider einen Sackgasse entspricht. Hier findet man neben einer schönen Koggenfahrt aus dem Hause Mack, eine Wildwasserbahn und einen Powered Coaster aus gleichem Hause. 

Die Wildwasserbahn ist wie so oft in Frankreich mit nur einer Schussfahrt bestückt, dafür ist das Layout wunderbar in die Umgebung integriert und dank des streckenweise über die Anlage erbauten Train de la Mine entsteht ein schönes Zusammenspiel beider Anlagen. Auch wenn der Nässegrad nicht sonderlich hoch war, so kann die Anlage allein durch ihren guten Zustand und der hervorragenden Dekoration überzeugen.

Um zum angetriebenen Minenzug zu gelangen muss man erstmal die schön gestaltete Warteschlange hinter sich lassen und in die Tiefe der Mine steigen. Die Fahrt an sich ist ziemlich überraschend und kann so einige lustige Richtungswechsel vorweisen. Die zu Tage gelegte Geschwindigkeit des Zuges ist dabei konstant hoch, auch wenn die letzte Kurve während der letzten Runde eine grenzwertige Erfahrung mit sich bringt.

Etwas versteckter in diesem Bereich finden sich der Zamperla Disk’o Coaster Grizzli, sowie die Station der Mississippibootstour wieder. Während die zweite Anlage erst später öffnete, erfreute sich Grizzli zahlreicher zufriedener Mitfahrer. Wie auch die Cobra aus dem englischen Chessington World of Adventures kann man hier nicht nur mit der Fahrt, sondern auch der Gestaltung zu trumpfen.

Vorbei an der Schiffschaukel des Parks geht es nun in den rechten Teil des Parks. Auf dieser Wegstrecke kommen einen meist sehr viele Personen entgegen, so dass man denken könnte dieser Bereich sei recht leer, was er natürlich nicht ist. Das erste Highlight in diesem Bereich ist das etwas am Wegerand liegende alte Manoir.

Durch einen Kellerzugang erreicht man das innere des Herrenhauses, wo die Geister schon auf einem warten. In der selbstgebauten Anlage nimmt man in eigentümlichen Wagen bei, die sich durch die Neigung der Fahrstrecke in die gewünschte Richtung mehr oder weniger drehen. Die Fahrt verläuft dabei unerwartet harmonisch, sowohl was die Drehung, als auch die Szenen angeht, die wirklich versuchen eine Storyline zu erzählen und nicht mit allem möglichen Kram gnadenlos zugestopft wurden wie beim Geisterschloß im Europa-Park. Neben der vergleichbaren Version aus dem Disneyland definitiv einer der besseren Anlagen dieser Art.

Wieder am Tageslicht wartet schon das nächste Highlight in direkter Sichtweite auf einem. Die Neuheit aus dem Jahre 2012 wurde im Prospekt noch so schön unter dem Namen Sky Fly beworben, welcher nun in Air Meeting umgeändert wurde, ein Name der nicht unbedingt einen Sinn ergibt. Nichts desto trotz ist die Prototypanlage aus dem Hause Gerstlauer etwas ganz besonderes, was am besten so in einer ähnlichen Form in jeden Freizeitpark stehen sollte. Neben der absolut positiven Resonanz beim Publikum, welches voller Erstaunen gen Himmel guckt und sich wundert wie man so einen Überschlag so schnell hinbekommen kann, haben auch die Operator sichtbar ihren Spaß dabei dem fluglustigen Publikum Tipps zur perfekten Fahrt zu geben.

Das diese Tipps meist mit einem Verweis auf so manch einen Piloten gegeben wurden fand zumindest Ich als eine Ehre, immerhin war das Personal selbst erstaunt was manche am zweiten Tag der Anlage so alles rausgeholt haben. Während meiner ersten Fahrt war ich recht erstaunt wie schnell man einen Überschlag schaffen konnte, während der gut 90 sekündigen Fahrzeit gesellten sich noch 39 weitere dazu, was im etwa die normale Anzahl der Überschläge war. Das man das ganze noch auf die Spitze bringen kann zeigte sich dann der zweiten Fahrt, wo selbst die Fliehkraft so stark wurde das meine Brille den stätigen Drang hatte nach außen gedrückt zu werden und sich langsam davon zu machen. Selbst nachdem ich einen Flügen deswegen losließ, wurde die Drehung nicht geringer. Das man während der 80-90 Überschläge nur noch Kreise sieht unterstreicht die Extreme des Fahrgeschäftes, wenn man es denn so will.

Im weiteren Verlauf des Tages herrschte stetig der Drang der Anlage einen Besuch nach dem anderen abzustatten und den französischen Publikum des Parks zu zeigen wie es wirklich geht. Kaum ein anderes Fahrgeschäft in diesem Park nahm uns so in seinem Bann wie es Air Meeting tat, auch wenn sich das am späten Abend an den Schultern revanchierte. An Gerstlauer kann man nur hochachtungsvoll alles Gute für die weitere Vermarktung dieses Hochfahrgeschäftes wünschen, denn es ist in vielerlei Hinsicht einfach Perfekt und bedient dabei eine so große Spannweite an Parkgästen, wie Ich sie bislang an nur sehr wenigen Fahrgeschäften gesehen habe.

Eines der stimmigsten Fahrgeschäfte sieht man in direkter Nähe zum Lufttreffen seine Kreise ziehen. Passend im 50er Jahre Stil und mit einem sehr tollen Soundtrack unterlegt zeigt sich eines der wohl schönster Monster, die Juke-Box. Leider taugt die Fahrt nicht sehr viel und auch ein sporten der Anlage ist durch die Zwischenpolster nicht wirklich möglich, aber das Gesamtpaket kann überzeugen.

Ein intergalaktisches Reisebüro in der Häuserzeile neben der Juke-Box weißt einen den Weg in die Tiefen unseres Universums. Das Schiff welches dabei auf seine Passagiere wartet entspricht dem der Dukelachterbahn Eurosat aus dem Europa-Park in Rust und so wundert es einen nur wenig, dass auch der Antrieb dem des Ruster Vorbilds entspricht. Die darauf folgende Fahrt wird oftmals als ziemlich brachial geschildert, auch von Fehlberechnungen der Firma Mack ist die Rede, dass diese Anlage dabei aber eher an die Dunkelachterbahn Vogel Rok aus dem niederländischen Efteling erinnert war recht verblüffend.

Der Trip durch die Galaxis weißt sehr geniale Wechselspiele aus Rechts- und Linkskurven auf und bietet dabei eine Laufruhe, die man Aufgrund des Vorbilds nicht erwartet. Die Gestaltung während der Fahrt ist minimalistisch, aber effektiv und der Soundtrack zur Anlage ist einfach nur toll. Die Geschwindigkeit mit der man durch die Anlage rast ist konstant hoch, wobei die auftretenden Kräfte jedoch genau richtig sind, selbst die Bremsung verläuft hier weitestgehend harmlos.

Vorbei an der Neuheit des letzten Jahres, dem Apfelflug aus dem Hause Zierer, welcher sich wie alle neuen Wellenflieger irgendwie langsam fährt, geht es zu einer Attraktion bei der Ich vor drei Jahren bei Gerstlauer beteiligt war und daher gewissermaßen beruhigt war sie noch stehen zu sehen. Die Rede dabei ist vom Riesenrad, welches trotz seiner transportablen Bauweise recht gut in den Park passt.

Neben an dreht die bis dato neueste Achterbahn Schlitt’Express ihre Runden. Wie auch bei den anderen Achterbahnen des Parks wurde auf eine stimmige Präsentation wert gelegt. Die Achterbahn selbst entspricht glücklicher Weise dem Standard-Layout einer wilden Maus, nur mit geringfügigen Änderungen, wie man es zum Beispiel am anderen Ende sehen kann. Die Wagen sind der neuesten Norm von Mack angepasst, was mit sehr bequemen Sitzen und tollen Bügeln belohnt wird, jedoch die Möglichkeit massiv einschränkt sich gegenseitig in den Kurven zu zerquetschen und somit den Fahrspaß etwas trübt.

Im kleinen Kinderbereich findet man die kleinste Achterbahn des Parks wieder, die gegen dem Nachmittag hin sogar recht viel Zuspruch gefunden hat. Die Rede ist hierbei von der Wacky Worm Achterbahn Chenille, welche sogar einen ausgewachsenen Apfel vorweisen kann. Der Umstand das der Mitarbeiter als einziger bemerkt hatte das ich meine Gerstlauer Fleece Jacke, immerhin war es trotz der ständig präsenten Sonne nicht der wärmste Tag, trug fand ich recht amüsant, machte die Fahrt aber nicht besser als sie ist.

Mit dem Dinosaures Aventure bietet der Park eine kleine Walktrough-Attraktion an, welche durch eine PreShow immens aufgewertet wird, versteht man die französische Sprache ist diese sogar recht interessant zu verfolgen. Die nachfolgenden Dinos hingegen hat man schon allesamt irgendwo mal gesehen, sei es nun in der Queue zu Rasti-Lands toller Raftinganlage, im Dinosaurierpark Münchehagen oder in diversen deutschen Klein- und Kleinstparks. Für einen solchen Park habe ich zumindest mehr erwartet.

Der versteckteste Eingang im ganzen Park findet sich an der Bobsleigh genannten City Jet Anlage von Schwarzkopf wieder. Hier überrascht es schon etwas das die Queue im Grunde oberhalb einer Hälfte der Achterbahn verläuft, dabei aber wie für den Park typisch geschmackvoll eingerichtet daher kommt. Die Beladestation ist ohne Einteiler etwas blöd gelöst, da viele der Parkgäste einfach so im Weg rumstehen und die Züge mit stellenweise freien Sitzplätzen losfahren.

Hat man es dann nach einiger Zeit in die sehr geräumigen und bequemen Wagen geschafft kann es auch schon aufwärts gehen. Für den Fahrgeschäfttyp typisch in einer Aufwärtsspirale mit Stromschienen. Oben angekommen geht es auch gleich so abrupt nach unten das sich im hinteren Teil des Zuges Airtime bildet. Die darauf folgenden Kurven werden dann so brachial durchfahren das man froh ist zwischendurch immer kleinere Erholungsphasen zu haben. Die Bremsen am Ende der Bahn sind typisch für den Hersteller, weshalb man sich am besten gut festhalten sollte.

Das Nigloland hat mich im Verlaufe des Tages sehr zufrieden gestellt. Selbst als ich zwischenzeitlich mein Portemonnaie verloren habe konnte ich, dank Hilfe des sehr kompetenten Personals, es schnell wieder im Empfang nehmen, ohne das irgendetwas fehlte, im Hansa-Park hingegen wäre es für immer verschollen gewesen. Der Park selbst ist charismatisch und nicht so abgehoben wie manch anderer familiengeführter Park. Es herrscht eine gute Atmosphäre im Park, welches vor allem durch das Familienpublikum erzeugt wird, welches sich sehr zu benehmen weiß. Der günstige Preis ist für das Gebotene schlichtweg überragend, auch wenn es bei der Gastronomie deutlich Verbessungspotential gibt.