Freier Fall in der Champagne


Als ich das letzte Mal den Freizeitpark der Familie Gélis besuchte war der Sky Fly Air Meeting gerade einmal einen Tag alt und sorgte für reichlich Wirbel und Begeisterung bei den Parkbesuchern. Darüber hinaus sind mir die riesigen blauen Flecken auf den Schultern im Gedächtnis geblieben – aber das ist Garnichts gegenüber den Erlebnissen des Users Bends auf onride.de. Tja, Jan und ich haben damals die Anlage gesuchtet, bei 96 Überschlägen lag damals mein Rekord. Mittlerweile gibt es viele Schwesteranlagen, einige davon sind sogar stark gedrosselt. Der Markt scheint gesättigt, doch sollte man sich noch auf eine Fahrt auf dem Air Meeting freuen? Hell yeah, you should!

Und damit begrüße ich euch am vierten Tag der Tron-Tron-Trône Tour. Wir sind mal wieder im Nigloland und haben hier einige Neuheiten vor uns. Die markanteste und wohl auch bekannteste dieser ist die Achterbahn Alpina-Blitz. Darüber hinaus lassen wir uns auf dem Freifallturm Donjon de l‘Extrême aus gut 100m Höhe fallen und schauen uns die Baustellen von Les Zabeilles und Eden Palais, sowie die Überreste der Achterbahn Bobsleigh an. Klingt gut, n’est-ce pas?

Bevor wir uns jedoch nun etwas Neues anschauen, werfen wir erst einmal ein Blick auf etwas Altes. Jeder der das Nigloland bereits besucht hat weiß, dass der Park einige überaus charmante Themenfahrten vorweisen kann, ebenfalls fallen einem die zahlreichen wunderbar in Szene gesetzten Fahrgeschäfte ein – doch hat jemand von euch schon einmal die Niglo Show angesehen? Tja, dachte ich mir.

Seit dem Jahr 1992, also seit der fünften Saison des Freizeitparks, gibt es diese aufwändige Animatronikshow im Nigloland. Angelegt an das Country Bear Jamboree ausgewählter Disney Parks präsentiert hier das Parkmaskottchen Niglo eine Art Hitparade. Recht zügig driftet die Show mit dem Auftritt von Hans und Frieda aus Bayern in eine sehr komödiantische und leicht befremdliche Richtung ab. Herrlich! Nach rund 15 Minuten ist die Show dann auch wieder vorbei. Verbunden mit dem Kultstatus im Park und dem Umstand, dass es die einzige Show dieser Art in Frankreich ist, ist diese wirklich sehenswert.

Ebenso sehenswert ist der Westernbereich, in dem sich das Theater befindet. Aber das wisst ihr ja schon. Nach einer Runde auf dem Gold Mine Train, sowie der Wildwasserbahn Revière Canadienne und dem Disk’o Grizzli kann es also weiter gehen. Nach einigen Wegmetern erreichen wir eine Burganlage, in deren Innenhof sich die beiden Freifalltürme Donjon de l’Extrême und Tour des Petits Fantômes befinden.

Die Eingänge zu den Warteschlangen beider Attraktionen befinden sich jeweils zu einer Seite des Burgtors. Also reinkommen, staunen, umdrehen und dann entsprechend anstellen. Die Warteschlangen folgen dann dem Verlauf der Burgmauern, ehe diese an einem Drehkreuz enden. Theoretisch wird man nun in einen Bereich vorgelassen, wo man dann seine Taschen verstauen kann; immer Grüppchenweise versteht sich. Auf diese Art und Weise können beide Anlagen eine sehr hohe Kapazität aufweisen. Da am Besuchstag jedoch nur ein Angestellter das Vergnügen hatte beide Anlagen im Wechsel und bei genügend Andrang zu bedienen, zog sich die Wartezeit hier doch sehr in die Länge. Verständlicherweise natürlich, immerhin hat besagter Ride-Op ja auch eine Aufsichtspflicht zu erfüllen. So dauerte es fast 10 Minuten bis ich zum ersten Mal in der Gondel des großen Freifallturms saß. Der wirklich gut gemachte Film mit Sicherheitsbelehrung und Storyline konnte ein wenig die Wartezeit verkürzen.

Der knapp 100m hohe Turm bietet seinen Fahrgästen ein Fallvergnügen aus 92m Höhe. Damit ist dieser höher als der Gyro Drop Tower Scream aus dem Heide Park bei Soltau, was auch bei mir einen leichten Höhenschwindel auslöst. Irgendwie ist das komisch, wenn man ab einen bestimmten Punkt sagen kann, dass der Turm nun höher als der Turm in der Lüneburger Heide ist. Höchstwahrscheinlich ist es jedoch auch nur die Macht der Gewohnheit, die einen aufhorchen lässt, sobald es dann doch etwas anders ist. Bislang ist mir das auch erst bei drei Türmen passiert, ein Zeichen für die Qualität des anschließenden Falls ist das jedoch nicht. Immerhin und das muss man den neuen Rückhaltesystem der Funtimetürme lassen, wird das Gefühl durch die Schulterfreiheit noch verstärkt.

Der freie Fall selbst gliedert sich hervorragend denen anderer Anlagen des Herstellers ein. Das macht schon Laune. Die recht freie Sitzposition unterstützt insgesamt die Fahrt, ist jedoch kein Must-have im Vergleich zu konventionellen Rückhaltesystemen. Was mich persönlich etwas stört ist, dass man den Gondelträger zu schnell rotieren lässt und man daher gleich zwei Runden den gesamten Park betrachten kann. Da fehlt mir irgendwie der Spannungsaufbau. Insgesamt gesehen ist der Donjon de l’Extrême ein hervorragender Freifallturm in einem wunderschönen Setting mit einem echt guten Fallvergnügen, bei dem man immer wieder gerne einsteigt.

In Summe hat man also alles richtig gemacht. Grundsätzlich würde nun auch eine Review zum Tour de Petits Fantômes, dem Zierer Familienfreifallturm direkt nebenan, erfolgen. Hier war mir jedoch die Wartezeit zu hoch, zumal zu einem späteren Zeitpunkt ja auch deutlich mehr Andrang als zuvor am Donjon de l’Extrême vorhanden war und sich somit die Wartezeit um ein Vielfaches in die Länge zog. Ich stand jedoch an, so ist es ja nicht. Irgendwann wurde mir die Wartezeit jedoch zu lang, weswegen ich mich lieber beim nahen Manoir Hanté, der grandiosen Selbstbaugeisterbahn mit Karussellfeeling, angestellt habe. Huiiiiii!

Kommen wir nun zur größten Achterbahn des Parks, dem Mack Mega Coaster Alpina Blitz. Als im Jahr 2009 der derzeitige Geschäftsführer Rudolphe Gélis mit seinem Onkel und seinem Vater eine Runde auf dem damals noch neuen Riesenrad drehten fiel Ihnen eine sehr große Grünfläche auf, auf der man idealerweise eine große Achterbahn stellen könnte. In der Ideenfindungsphase war noch alles offen, hier war eine Wasserachterbahn noch genauso denkbar wie ein Spinning Coaster oder eine Holzachterbahn ähnlich Tripsdrills Mammut. Doch dann kam Piraten. Das Layout des kompakten Mega Lite Coasters aus dem Djurs Sommerland konnte die Familie Gélis auf Anhieb überzeugen; doch der Zug passte der Familie nicht. Man wollte eher Sitze wie bei der Achterbahn Bluefire haben, statt campingstuhlähnlichen Sitzschalen mit Beckenbügel. Intamin war von ihrer damaligen Zuggeneration überzeugt, in Konsequenz dessen fragte man bei der Firma Mack an.

Einmal in den bequemen Sitzen Platz genommen kann es auch schon losgehen. Via Kettenlift wird man nun recht zügig auf eine Höhe von 33m befördert. Kaum oben angekommen donnert man auch schon ins Tal, wo man dann in einer bodennahen Kurve mit 4,3G über mehrere Sekunden belastet wird. Dabei drückt sich auch blöderweise der Bügel sehr weit zu. In Folge dessen ist man als Fahrgast nun zwischen Bügel und Sitz gepresst, was den nun folgenden Elementen leider keinesfalls zu Gute kommt.

Mit Schmackes schießt man nun einen Hügel empor, auf dessen Kuppe man sogleich die Richtung ändert. Mit toller Geschwindigkeit passiert man nun ein weiteres Tal, bevor sich ein klassischer Airtimehügel anschließt. Eigentlich ein Moment vollkommener Freude durchlebt man hier eine Qual sondergleichen, immerhin versucht einem der Zug durchaus kraftvoll abzuwerfen – ohne Spiel jedoch macht dieses einfach keinen Spaß. In der anschließenden bodennahen Kurve kann man kurz verschnaufen, ehe sich eine Reihe von Umschwüngen anschließt. Diese verlaufen im Vergleich zu den Mega Lite Achterbahnen jedoch etwas gemäßigter, was dem allgemeinen Fahrkomfort (bedingt durch den Schließungsstand der Bügel) sehr entgegen kommt. Nach einer weiteren bodennahen Kurve folgen gleich drei klassische Bunny Hops aufeinander. Auch diese sind zumindest in der Theorie äußerst spaßig. Den Abschluss bildet eine wunderschöne Linkskurve mit bayernkurvenähnlichen Schwenk nach oben ehe die Bremsstrecke erreicht wird.

Der obligatorische Vergleich der beiden Mega Coaster Variationen fällt bei mir leicht aus: Intamin wins. In der Hinsicht gibt es eigentlich keinen Raum für großartige Diskussionen, Kawasemi und der spätere Piraten sind die besseren Achterbahnen. Natürlich wäre es verkehrt den Alpina Blitz kleiner zu reden, als er ist. Die Anlage kann durchaus sehr viel, doch dafür sollte der Bügel der Belastung der ersten Kurve widerstehen. Auch denke ich nicht, dass das die Norm an dieser Anlage ist, doch zum diesjährigen Saisonstart war es auf jeden Platz genauso. Ich beließ es daher bei nur wenigen Fahrten und setzte mich zum Dauerfahren lieber in die Spatiale Experience, der grandiosen Indoorachterbahn des Parks.

Das Nigloland kann auch weiterhin überzeugen. Der Park ist sympathisch und bietet ein außerordentlich gut aufeinander abgestimmtes Portfolio. Auch wenn ich nicht von der Achterbahn Alpina Blitz schwärmen kann, so bietet der Park genug andere Attraktionen, bei denen ich dieses, ohne großartig übertreiben zu müssen, gerne mache. Die diesjährigen Neuheiten schaue ich mir beim nächsten Besuch dann genauer an, bis dahin bleibe ich gespannt darauf, was man sich in der Champagne noch alles in den Park stellt.

Blitzmarathon durch die Alpen


Was unternimmt man, wenn man zweimal hintereinander relativ kurzfristig Ferien aufgebrummt bekommt, einen wieder einmal die Coaster-Sehnsucht packt und man aufgrund erwähnter Kurzfristigkeit auf die Schnelle keine achterbahnsüchtigen Mitreisenden findet? Zwei Ego-Trips ins schöne Paris! Obwohl meine Grosseltern in Frankreich wohnen und ich entsprechend nicht unvertraut mit der Grande Nation bin, hatte ich es nach Paris bislang noch nie geschafft. Aus einem optimal eingesetzten Jokertag-Bezug, einer preislich wie routentechnisch unfassbar günstigen TGV-Verbindung ab Zürich sowie einem ideal beim Gare de Lyon gelegenen und vom elterlichen Ferienclub punktemässig fast hinterhergeworfenen kleinen Studio ergaben sich im letzten September daher dreieinhalb Tage Erstkontakt mit der französischen Hauptstadt.

Obwohl ich in diesen knappen Zeitraum ein alles andere als erholsames Pflichtprogramm reinquetschen musste – Disney, Eiffelturm, Versailles, Louvre, Sacré-Cœur, Montmartre, Champs-Élysées, Tuileries, Triumphbogen, Tour Montparnasse und unzählige obligatorische Aussichts- und Fotopunkte, um wirklich nur gerade die wichtigsten zu nennen – habe ich mich auf Anhieb in diese Stadt verliebt. Die vielfältige Architektur, die Prunkbauten, das ÖV-System, die Freizeiteinrichtungen, die Parkanlagen, das Essen, die grenzenlosen Einkaufsmöglichkeiten und sogar die Franzosen haben mich absolut verzaubert. Die Tatsache alleine zu reisen hat sich nach anfänglicher Skepsis sogar oft als Vorteil für eine derartige Reise entpuppt: Bei Disney konnte man natürlich die Single Rider Lines nutzen, aber auch sonst allerlei Schlangen und Menschenansammlungen bei anderen Touristenattraktionen umgehen und überspringen. Die Platzsuche in den ÖV-Stosszeiten verlief natürlich ebenfalls unproblematischer, Aspekte wie Ticketkäufe, Mahlzeiten, Toilettenpausen, Fotografier-Stopps und dergleichen mehr genauso. Wenn nur die Bedürfnisse einer Person zu berücksichtigen sind, kann man das eigene Tempo selbstredend so bestimmen, wie es einem halt in dem Kram passt. Auf diese Art und Weise konnte ich in diesen ersten dreieinhalb Tagen schon ein beachtliches Sightseeing-Programm durchziehen, aber zweifellos war nach so einer kurzen Stippvisite natürlich klar: je reviendrai. Aus purer Liebe zu dieser schillernden Stadt, sans doute, aber selbstverständlich auch aufgrund des Umstands, dass nicht annähernd alles von meiner To-Do-Liste abgehakt war – weil sie im Verlaufe des Aufenthalts natürlich auch angewachsen ist.

Womit wir dann bei der eigentlichen Einleitung zum nun folgenden Bericht wären. Vor ein paar Wochen bin ich also zum zweiten Mal ins schöne Paris gereist – diesmal aber etwas ami-styliger als im Herbst zuvor. Kurz gesagt war es der in diesem Jahr neu eröffnete Alpina-Blitz, der mich überhaupt auf die Idee brachte, Paris mal roadtripmässig mit dem Auto anzusteuern – das Nigloland liegt wirklich voll im Nirgendwo und ist mit Öffis so gut wie nicht zu erreichen. Ein geeigneter Reisezeitraum war aufgrund des erwähnten Zwangsbeziehens meiner Ferientage und der ungnädigen Öffnungszeiten vom ebenfalls auf dem Programm stehenden Parc Astérix schnell ausgemacht. Eine mich an meine USA-Roadtrips erinnernde Rechereche- und Planungssession später hatte ich dann den Markennamen gefunden, der in Frankreich die sprichwörtliche Wonne fürs Übernachtungsbudget eines Alleinreisenden ist: Première Classe. Die Billig-Sparte der Louvre Hotels bietet mit ihren Mini-Zimmerchen eine saubere, zweckmässige Unterkunft und hat durch ihre Ableger in Buchères und Torcy im Osten von Paris den ersten Teil meiner diesjährigen Ferienreise praktisch mit ein paar Mausklicks von heute auf morgen ermöglicht. Und so fuhr ich eines schönen Sonntags dann in viereinhalb entspannten Fahrstunden von Zürich nach Buchères im Süden von Troyes, von wo aus es nicht mehr weit ist bis zum Nigloland – wovon der erste Erfahrungsbericht meiner diesjährigen Serie auch handeln soll.

Ich musste irgendwie loskichern beim Anblick meines Mini-Kämmerchens im Première Classe Buchères – alles ist auf gefühlten acht Quadratmetern untergebracht, aber doch ist für eine kurze Übernachtung alles da, was man braucht. Wie gesagt war das Zimmer tadellos sauber, es gab genügend Steckdosen für sämtliche wichtigen Elektrogeräte, das Doppelbett hat einen guten Schlaf ermöglicht und WLAN hat auch prima funktioniert, so dass ich den Daheimgebliebenen die traditionellen Verbleibszeilen hinterlassen konnte. Das Duschen wird für einen 182 Zentimeter hoch gewachsenen Mann im noch kleiner als bei Ibis geratenen Nasszellen-Fertig-Bauteil zwar gelinde gesagt zur Herausforderung, aber für eine Nacht war das gut auszuhalten. Bemerkenswert natürlich auch die Platznutzung in diesem Mini-Badezimmerchen: Der Klopapier-Spender ist z.B. dermassen unter dem Lavabo installiert, dass er gleichzeitig auch als Handtuchspender durchgeht (was aber auch heisst, dass er das Klopapier nur «blattweise» hergibt). Dasselbe Spiel mit dem Seifenspender, der an der einzigen freien Stelle an der Wand schon wieder so nah am Duscheckchen angebracht ist, dass er gleichermassen als Duschgel-Spender herhalten kann. Und um die verhältnismässig grosse Spiegelfläche ebenfalls noch gewinnbringend auszulasten, prangt darauf ein überdeutlicher Sticker, der Werbung für das separat bezahlbare morgendliche Continental Breakfast macht.

Zufrieden und erleichtert habe ich also erst einmal meine Sachen abgeladen und danach ausgesprochen gut im direkt nebenan liegenden Campanile-Restaurant zu Abend gegessen. Hierbei ist zu erwähnen, dass die Campanile-Hotels und -Restaurants ebenfalls zur Louvre Groupe gehören und sich die Première Classe-Motels oft gleich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. Bei den beiden auf dieser Reise besuchten Ablegern war das der Fall und auch bei meiner Vorrecherche habe ich herausgefunden, dass die in einem sehr grossen Teil der Fälle gleich beieinanderliegen. Die raketenschnelle Zubereitung meines Gerichts und die wirklich zuckersüsse und geradezu amilandmässig freundliche Bedienung haben nach einigen nicht so schmeichelhaften Erlebnissen im Wohnort meiner Grosseltern den Glauben an die französische Gastronomie- und Servicekultur im Nu wieder hergestellt und mich wohl gesättigt in mein Mini-Zellchen zurückkehren lassen. Tags darauf habe ich dann in der klitzekleinen Mini-Lobby das erwähnte Frühstücksangebot in Anspruch genommen und mich dabei an der auf einer Gepäckablage direkt neben der Reception schlummernden Kartäuser-Katze erfreut, die sich weder durch die laut laufenden Radiosender noch durch die mampfenden und quasselnden Hotelgäste stören liess. Trop énorme, wie es drüben so schön heisst! Unterm Strich: absolut zu empfehlen und eine gute Wahl für alle Nigloland-Interessierten. Beide Daumen rauf.

Ausgeschlafen und gestärkt steuerte ich nach dem Auschecken dann auf einer landschaftlich umwerfenden Route durch das schöne Naturschutzgebiet Forêt d’Orient das Nigloland an, wo ich eine knappe Dreiviertelstunde später dann auch auf einem der vorderen Parkplätze eintraf. Zunächst sah es nach einem eher vollen Tag aus, aber insgesamt gesehen waren Andrang und Wartezeiten erträglich – in Anbetracht der Tatsache, dass in einigen Départements von Frankreich ja Frühlingsferien waren. Kurios: Bei den Ticketstellen gibt es eine Art Schnellkasse – ein Schild weist darauf hin, dass dort nur Einzeltransaktionen durchgeführt werden. Trotzdem hat sich die dortige Schlange am langsamsten fortbewegt, da die zahlreichen Familien und Gruppen, die dort anstanden, per definitionem jedes Billet einzeln bezahlen mussten.

Kurze Zeit später stand ich dann also am Ende der kleinen Mainstreet, wo man noch bis 10.30 Uhr zurückgehalten wurde. Dabei konnte ich schon einmal einen ersten Eindruck davon gewinnen, was für ein schmucker, hübsch angelegter Park das Nigloland ist! Auf der Parkkarte waren vier Themenbereiche auszumachen: Kanada, USA/Rock ’n‘ Roll, Schweiz (wo sich auch der Alpina-Blitz befindet) und Wunderland. Laut Beschilderung würde der Alpina-Blitz erst etwas später als die anderen Attraktionen, um 11.00 Uhr nämlich, aufmachen.

Nachdem sich die Schranken geöffnet hatten, steuerte ich gemäss sämtlicher Coasterfreak-Erfahrung also zuerst die Kapazitätsgurken an. Der Auftakt in die Coaster-Saison 2014 sollte demnach auf der gespiegelten Mack-Maus Schlitt’Express erfolgen!

Als einer der ersten Fahrgäste eingetroffen, ohne Wartezeit Platz genommen und ab ging die wilde Fahrt! Tatsächlich sind die Wagen hier wie im Vorfeld recherchiert nahezu kontakt- und geräuschlos über die Schienen geschwebt. Auch etwas, was eine Standard-Maus mal zu etwas ganz Besonderem machen kann. Leider haben hier einige der Bremsen etwas gar stark gegriffen, so dass man vor allem in einigen Kurven im unteren Teil etwas Lateral-G-Vergnügen vermisste. Allerdings wurde das durch irgendwie ungewöhnlich knappe Headchopper im Stützgerüst wieder wettgemacht – im klein bemessenen Rahmen nach dem ersten grossen Drop habe ich die Hände unweigerlich wieder einziehen müssen. Insgesamt also ganz nett und ein schöner Auftakt in den ersten Coastertag des Jahres!

Auch hier konnte ich ohne Wartezeit noch auf einen leeren Sitzplatz in einem der Bobs hopsen, dann brachte der Spirallift die Fahrzeuge auch schon geräuschvoll auf die Starthöhe. In einer rasanten und herrlich durch eine Höhle führenden Schussfahrt holt man äusserst schicken Schwung und mit dem gewonnen Tempo absolviert man danach einen kurvigen Parcours um den Spirallift, durch Tunnel und immer relativ knapp an Felsen, Tannen, Wänden und Zäunen vorbei, dabei stets auch mit leckerem, anständigem Druck auf die Fahrgäste. Durch die auch nach all den Dienstjahren immer noch katalogfrische Smoothness und die offene Sitzposition in den Bobchaisen wäre das Ganze ja ausgesprochen vielversprechend, aber leider kann ich meinen Vorberichtern nur zustimmen: sobald ein Richtungswechsel erfolgt, wird einem die offene Sitzposition im Bob nämlich in der Form zum Verhängnis, als dass man ziemlich schmerzhaft in die recht harten Seitenpolster der Fahrzeuge gepfeffert wird. Obwohl sämtliche Täler und Kurvenlagen im gewohnten Schwarzkopf’schen Sanftheitsgrad ausgeführt werden, sind die Richtungswechsel hier leider echt nicht schön und sogar ziemlich schmerzhaft. Schade, denn so verliert dieses eigentliche Raritäten-Schmuckstück einiges an Punkten im Gesamtklassement. Trotzdem bereitet die Fahrt natürlich Freude und bleibt ein Must-Do im Nigloland.

Gut zwei Jahre nach meinem Besuch im Nickelodeon Universe in Minneapolis sollte ich nun endlich das nachholen können, was mir aufgrund früher Sonntags-Schliesszeit und entsprechendem Vorzug des «Musik-Express with a twist» Brain Surge verwehrt blieb: eine Fahrt auf einem Gerstlauer Sky Fly! Also verlassen wir die Schweiz und marschieren in den USA/Rock ’n‘ Roll-Bereich, wo das hiesige als Flugschau thematisierte Exemplar Air Meeting schon auf Fahrgäste wartet!

Nach zwei Durchgängen konnte ich auf einem der Pilotsitze Platz nehmen, staunte über die ulkige wie einfach gehaltene Flügelbewegungs-Apparatur und wurde mit dem schon von Eurofightern her bekannten und mir sehr bequem anliegenden Gerstlauer Schulterbügel-Modell gesichert. Nach eingehender Kontrolle ziehen sich die Ride-OPs zurück, der Fahrgondelarm erhebt sich daraufhin langsam in die Höhe und jetzt schon in extremer Schräglage steigt die Vorfreude der Insassen auf den Schwung, den man sich mit gezielten Bewegungen der Flügel jetzt dann bald holen kann. Dachte ich zumindest. Denn bei der ersten Fahrt gelang es mir zwar, meine Gondel jeweils etwa drei- bis viermal hintereinander zu überschlagen, aber die richtige Technik für den endlosen Drehwurm habe ich offensichtlich noch nicht gemeistert. Auch bei einer gleich anschliessenden zweiten Fahrt mit sogar etwas weniger Wartezeit war dies jeweils das Maximum, das ich da rausholen konnte. Irgendwie habe ich im Vorfeld gedacht, dass man das als Passagier bestimmt «spüren» wird, wie man die Flügel ausrichten muss, um dies zu bewerkstelligen. War dann aber doch nicht so einfach.

Aber auch ohne Drehwurm-Meisterung ist das Air Meeting natürlich eine absolute Top-Attraktion und wahrlich einer der genialsten interaktiven Flatrides der jüngeren Zeitgeschichte. Die frische Frühlingsluft um einen herum, die bizarren Blickwinkel, unmögliche Verweilpositionen an krassen Stellen im Fahrzyklus, damit einhergehender Mega-Druck gegen die komfortablen Schulterbügel und die schlichte Kontrolle über den Thrillgrad, auf den man am jeweiligen Besuchstag gerade Lust hat, machen diese Anlage zu einem absoluten Knüller! Zuschauer und Fahrgäste haben ganz offensichtlich einen Heidenspass an dem Teil und es scheint hier in der schönen Aube einen absolut geeigneten Spitzen-Standort gefunden zu haben. Es war eine wahre Freude zu sehen, wie das Teil von den Franzosen angenommen wird und wie sich selbst zuschauende Omas kichernd und staunend über diejenigen zwei Passagiere in jedem Fahrzyklus amüsiert haben, die den Drehwurm profimässig raushatten. Absolut top und hoffentlich bald einmal mit fachkundiger Begleitung erlebbar, welche mir die Drehwurm-Anleitung besser erläutern kann.

Zwischenzeitlich ist es 11.00 Uhr geworden und alle haben nur noch ein Ziel: die Neuheit dieses Jahres, den Mack Megacoaster Alpina-Blitz! Auch bekannt als «Blue Fire meets Piraten».

Tatsächlich musste ich mir im Vorfeld meines Besuchs die beiden Onride-Videos nebeneinander angucken, um den Unterschied im Layout überhaupt zu erkennen, da ich während der Bauphase nie ein Bild aus der Totalen entdeckt habe. Plusminus ist der gesamte «zurückführende» Streckenpart bei Alpina-Blitz spiegelverkehrt. Die grosse Kehrtwende nach dem zweiten Airtime-Hügel verläuft also nach rechts statt nach links wie bei Piraten, die beiden gekurvten Hügel danach verlaufen ebenfalls andersrum und die zweite grosse Umkehr unter dem First Drop und dem ersten Airtime-Hügel verläuft entsprechend nach links statt nach rechts. Ab da mündet die Strecke dann in die finalen Bunnyhops und die abschliessende Linkskurve – und ist damit wieder gleich wie beim dänischen Vorbild.

Hier herrschte während meiner gesamten Besuchszeit Einzugbetrieb vor, etwas anderes habe ich beim vorhandenen Andrang aber auch nicht wirklich erwartet. Dank des in der Bauphase ja schon vielbeachteten «Stegs» in der Station kann die Bahn tatsächlich nur von einem Ride-OP alleine betrieben werden. Für diesen Kleinpark sicher eine gute Lösung, aber trotzdem hat es vor allem aufgrund des Publikums etwas Geduld gebraucht hier. Das Drehkreuz am Warteschlangenende lässt nach der Freigabe exakt 16 Passagiere an die Gates, was der Sitzanzahl im Zug entspricht. Die Anzahl der noch verbleibenden Plätze wird auf einem Countdown-Bildschirm und auf dem Drehkreuz selbst angezeigt. Und genau da liegt der Knackpunkt: Sind z.B. noch fünf Sitzplätze frei und die nächsten im Bunde sind eine Sechsergruppe, befiehlt der Gruppenführer dem vordersten Gruppenmitglied einfach auf den nächsten Durchgang zu warten. Auch wenn direkt hinter der Sechsergruppe ein Pärchen und eine Dreiergruppe warten, welche die Sitzplätze genau passend füllen könnten und man dahingehend rasch vorlassen könnte. Und leider eben auch dann wenn die Schlange inzwischen auf eine gute halbe Stunde angewachsen ist und sich die Sechsergruppe am lautesten darüber beschwert. Mich deucht, Franzosen sind im Gegensatz zum US-amerikanischen Parkpublikum zwar durchaus in der Lage, die Problematik zu erkennen, aber gehemmt oder nicht gewillt ihr entgegen zu wirken. In der Tat wurden Personen, die in Fällen wie den oben beschriebenen um Vorlass baten, meistens leicht angeschnauzt und auch sonst nur sehr widerwillig vorgelassen, à la «Könnt ihr denn nicht warten?». Ich persönlich habe bei der ersten Fahrt auf diese Art einen noch leeren Sitzplatz füllen und damit den gesamten Schlangenschwenker in der Station umgehen können, bei der zweiten habe ich mich regulär mit einer Dreiergruppe verpartnert. Hat beides gut und «unauffällig» geklappt, aber alleine vom Beobachten anderer Besucherreaktionen auf diesen «Beladeprozesses in Selbstverwaltung» hatte ich danach echt genug und wollte mein bisheriges Glück nicht noch mehr herausfordern – so blieb es leider bei zwei Fahrten, aber ausgesprochen genialen!

Die schon von Blue Fire her bekannten, ausserordentlich stylischen und bequemen Züge empfangen die neue Passagierladung. Die vorherigen Fahrgäste begehen unterdessen den wirklich seltsamen Ausgangsparcours: zuerst eine Treppe rauf, da oben angekommen raus aus dem Stationsgebäude und Überquerung des Gleises auf einem Balkon, dann wieder ins Gebäude rein und eine weitere Treppe parallel zur Warteschlange runter. Dort kann man dann auf der anderen Seite der Staufächer hinter den Gates seine Wertsachen zu sich nehmen, und als Abschluss gibt es noch einmal eine Treppe, die unter den am Drehkreuz Wartenden vorbeiführt und einen schliesslich ins Freie entlässt. Ist der Zug nach der Bügelkontrolle auf beiden Seiten des Zugs abfahrbereit (was manchmal eine kleine Ewigkeit dauern kann), erklingt ein Horn und der überraschend schnell laufende Lifthill setzt sich in Gang!

Viel Zeit bleibt einem gar nicht, die sanfte Beförderung auf 33 Höhenmeter richtig zu geniessen, denn schon sehr bald wird man abrupt aus den Sitzen gehoben und donnert über den recht steil geratenen First Drop ins Tal. Dort wird man ordentlich in die bequemen Sitzschalen gedrückt, während man die bodennahe 270°-Kurve passiert, die dann direkt in den gekurvten Airtime-Hügel unter dem Lift führt. Da wird man gleichzeitig aus den Sitzen gehoben während man nach links abknickt, erneut erreicht man daraufhin von schönem Druck begleitet ein weiteres Tal. Gleich im Anschluss folgt ein klassischer und beidseitig sehr steiler Airtime-Hügel, auf deren Spitze man ein für Mack recht aussergewöhnlich starkes Airtime-Momentchen geniessen kann. Ein absoluter Hochgenuss und gerade im hinteren Teil des Zugs ein wahres Freudenfest! Es folgt der anders als auf dem Piraten-Layout verlaufende, recht heftige Umschwung, daraufhin werden die beiden getwisteten Hügel in Richtung Lifthill überquert, die in ihrer Intensität irgendwo über Cheetah Hunt, aber natürlich hinter Maverick und Konsorten einzuordnen sind. Auf der ersten dieser beiden Kuppen erlebt man die meines Erachtens beste Airtimestelle der Bahn: abrupt und sehr bestimmt wird man gegen den tollen Beckenbügel gedrückt, wechselt gleichzeitig auch sehr elegant die Schräglage. Keine Ahnung, ob es am winterlichen Entzug gelegen hat, aber diese Passage ist mir wirklich eingefahren und hat bei beiden Fahrten enorm grossen Spass bereitet! Daraufhin kehrt man am Fusse von Lifthill und erstem Airtimehügel erneut recht druckreich wieder in Richtung Station und überquert danach drei wunderbare kleine Bunnyhops! Hier war die Airtime jetzt weniger Intamin-mässig, aber für Mack-Verhältnisse dennoch erstaunlich stark – gerade in den hinteren Sitzreihen. Abschliessend durchflitzt man noch die grosse Abschlusskurve, dann ist die geniale Fahrt leider schon zu Ende.

Merveilleux! Piraten im Blue Fire-Gewand war eins meiner absoluten Attraktionen-Highlights auf dieser Reise und ist auch aus Parksicht ein absoluter Volltreffer! Fährt sich butterweich, sieht unverschämt fotogen aus, ist für alle coasterfahrenden Altersklassen ein riesiges Vergnügen, bietet dank Blue Fire-Zügen und komfortablen Beckenbügeln enorme Freiheit und ist für Mack-Verhältnisse sogar überraschend wild geraten – besonders im hinteren Zugteil. Wenn ich mir Onride-Videos von den Vorbildern so anschaue, habe ich zwar den Eindruck dass der Alpina-Blitz natürlich nicht so rasant und ein wenig familienfreundlicher unterwegs ist, aber bis ich so ein Megalite mal in persona gefahren bin, juckt mich das selbstredend herzlich wenig! Mit dieser Installation haben der Park und Mack jedenfalls alles richtig gemacht und sich schlagartig eine Top-Position bei meinen Steelie-Favoriten gesichert. Ein Jammer, dass die Abfertigung momentan noch etwas gar harzig läuft, aber möglicherweise sind das noch Kinderkrankheiten, die ein Qualitäts-Familienpark wie Nigloland sicherlich rasch in den Griff bekommen kann. In jedem Fall kann nur ein Ratschlag für alle durch die schöne Aube reisenden Coaster-Connaisseure gelten: kommt vorbei und setzt euch da rein! Grosses Kino und absolut top!

Als nächstes war der kleine Bruder von Eurosat an der Reihe: Spatiale Expérience!

Der Zugang zur Attraktion liegt etwas abseits vom eigentlichen Gebäude, in dem die Bahn untergebracht ist. Nach ersten Zickzacks führt der Wartebereich von hier aus ins Freie und dann über mehrere recht enge Rampen in die die Bahn beherbergende Halle.

Beim Anblick der Station werden natürlich sofort Erinnerungen ans Ruster Vorbild wach. Zwar war auch hier Einzugbetrieb angesagt, aber als Single Rider wurde ich sehr grosszügig nach vorn gebeten, damit eine grössere Gruppe zusammen fahren konnte – und zwar in die Frontrow! Chouette! Auf diese Weise sass ich also schon nach einem Durchgang abfahrbereit in der vordersten Reihe und war gespannt wie ein Regenschirm auf die finstere Fahrt durchs Weltall! Der zweite Spiralenlift an diesem Tag bringt die Passagiere in pechschwarzer Nacht auf eine stolze Anfangshöhe und nach einem ersten kleineren Schwungholen donnert man bald einmal ein etwas stolzeres Stück in die Tiefe. Es folgt wie bei Eurosat eine verwirrende und durch die Dunkelheit natürlich zusätzlich intensive Strecke mit wilden Kurven, Schussfahrten und Spiralen. Insgesamt ist es ein wenig dunkler als in der Eurosat, gleichwohl peppen natürlich zahlreiche schöne Lichteffekte und ein schmissiger Drum ’n‘ Bass-Soundtrack das ohnehin schon geile Fahrerlebnis noch mehr auf. Nach einer recht stolzen Fahrzeit ist dann irgendwann die Schlussbremse erreicht, die gottlob etwas sanfter als im Europa-Park greift – was jedoch selbstredend auch nicht besonders schwierig hinzukriegen ist.

Eine leckere kleine Bahn – das Eurosat-Geschwisterchen kann was! Zwar ist die Fahrt rein durch die geringeren Höhen- und Geschwindigkeitsdimensionen natürlich etwas gemächlicher als in Rust, aber dennoch überraschend gut und durch die tolle Ambiance mindestens so spektakulär. Magnifique!

Als nächstes bin ich in den kanadischen Themenbereich marschiert, der total verwaist war. Fast alle Parkbesucher haben sich aufgrund der grossen Coasterdichte vorrangig in der Schweiz aufgehalten. Eine Kopie der Tiroler Wildwasserbahn, hier des Themeings wegen natürlich als La Rivière Canadienne bekannt, begrüsst die Besucher im vorderen Bereich.

Ein bisschen in einer Sackgasse versteckt wartet ein durchaus Laune machender Disk’O-Coaster mit Zwischenhügel namens Le Grizzli auf Fahrgäste. Hier habe ich gleich zwei vergnügliche Fahrten hintereinander mit Sitzenbleiben unternommen, bevor dann eine grössere Besuchergruppe die Bahn entdeckt und für sich beansprucht hat.

In der Nähe bietet sich ein kleiner Rundkurs mit einem Mississippi-Dampfer auf einem recht grossen See an, entlang verschiedener Animatronics und sonstiger Szenerien. Aus Coasterfreak-Sicht gibt es natürlich noch einen weiteren Grund, sich hier genauer umzuschauen: den Mack Powered Coaster Le Train de la Mine.

Wie so oft werden pro Zyklus zwei Runden absolviert, und das auch noch erstaunlich flott! Ähnlich wie in Rust gibt es ein paar durchaus nette Spiralen an der frischen Luft, anschliessend durchquert man auch hier eine Mine und bleibt in der letzten Kurve vor Schluss etwas unangenehm seitlich hängen. Durch die abgelegene Lage im Park und dadurch null Wartezeit haben die wenigen Besucher, die sich hierhin verirrt hatten, einen richtigen Fahrmarathon aus der Anlage rausgeholt. Schmunzeln musste ich über ein Grosselternpaar mit seinen beiden Enkeln, die sichtlich Spass daran hatten, hier immer und immer wieder leere Sitzreihen im Zug zu füllen und eine Runde nach der anderen zu drehen. Die Grossmutter und ihre Enkelin waren sich vor jedem Fahrtbeginn voll darüber einig, dass sie in der Höhle dann «crier à fond», also lauthals schreien werden. Auch ich habe ein paar Wiederholungsfahrten getätigt, hatte dann aber nach drei Malen auch genug – schon aus Liebe zu meinem Gehör.

Nach knappen dreieinhalb Stunden hatte ich das Wichtigste dann durch, ab da wurde es auch noch einmal merklich voller im Park. Ich tätigte also noch eine abschliessende Fahrt mit dem Riesenrad sowie Fotorundgänge durch diesen wirklich schön angelegten Park, bevor es dann auch schon langsam weiter Richtung Paris ging.

Mein Besuch im sympathischen Nigloland hat wirklich Spass gemacht und im Alleingang quasi den Roadtrip-Teil der diesjährigen Ferien gerechtfertigt. Die ganze Anlage ist ausserordentlich liebevoll und detailverliebt angelegt, tiptop gepflegt, beherbergt unzählige familienfreundliche Attraktionen und schaut sich die Highlights ein Stück weit irgendwie alle vom Europa-Park ab. Alpina-Blitz ist eine wahre Wucht und lohnt trotz zäher Abfertigung eigentlich jeden Fahrkilometer durch die zauberhaft schöne Aube, um dieses Kleinod von Familienpark überhaupt zu finden. Ich bin jedenfalls ungeheuer froh, den Abstecher so geplant und auch gemacht zu haben, und kann für Thrillfans und Liebhaber von tollen Kleinparks gleichermassen eine volle Empfehlung aussprechen.

Ich habe nicht den direktesten Weg zurück zur Autobahn genommen, sondern habe noch einen kleinen Schwenker durch den schon bei der Hinfahrt teilweise durchquerten Forêt d’Orient gemacht. An der Strasse zwischen den beiden grossen Hauptseen Lac d’Orient und Lac d’Auzon-Temple gibt es eine kleine Raststätte, von wo aus man einen kurzen Fussmarsch durch den Wald zum Seeufer unternehmen kann. Dort steht ein etwa zehn Meter hoher Vogelbeobachtungsposten mit steiler Treppe, der das obige friedliche Panorama auf den Lac d’Orient freigibt.

Hierauf ging es dank einer Baustellenumleitung zwar mit etwas Verzögerung, sonst aber auf direktem Wege wieder zurück auf die Autobahn Richtung Paris. Die schon am Vorabend erlebte, schnurgerade über grosse Hügel führende und damit ein Stück weit an gewisse Fahretappen in Pennsylvania erinnernde Streckenfolge setzte sich hier nahtlos fort und brachte meinen alten Honda ganz schön ins Schnaufen.

– Eigenartig I: Bei grossen Anstiegen des Trassees zweigt, wie von zu Hause auch gewohnt, rechts eine Spur für langsamere Fahrzeuge und Lastwagen ab. Oben auf dem Berg wird ebendiese Spur dann aber zu einer normalen, da sich oben dann die mittlere und die linke vereinen. Wieder was gelernt!

– Eigenartig II: Lassen Fahrzeuglenker in dieser Gegend Frankreichs immer den linken Blinker drin bei Überholmanövern? Erst hielt ich es für Zufall, aber wenn man das Spektakel etwa ein Dutzend Mal in Folge beobachten kann, fragt man sich ja unweigerlich, ob das hier die Norm ist? Der linke Blinker wird im blinkenden Zustand gelassen (oft sehr lange), bis man das Überholmanöver vollendet und beim Zurückfädeln nach rechts schliesslich den rechten Blinker betätigt. Und das wurde auch im letzten grossen Abschnitt vor Paris so gehandhabt, wo die Autobahn dreispurig wurde. Auch wenn jemand nur die mittlere Spur zum Überholen nutzte – der Blinker blieb drin, und signalisiert damit nach Schweizer Verständnis ein Wechseln auf die ganz linke Spur, was dann aber nie stattgefunden hat. Wie gesagt: eigenartig. Scheint aber eine regionale Besonderheit zu sein – im Elsass und auf den Fahrten zu meinen Grosseltern im Burgund ist mir das nie aufgefallen.

– Eigenartig III: Franzosen nehmen es mit ihrem Tempolimit nicht wirklich genau. Selbst wenn man im Strom 140 km/h fährt wird man bergaufwärts noch munter von einem vollbeladenen VW-Bus überholt. Oha!

Im Vorort Torcy östlich von Paris angekommen, schlug ich noch etwas Zeit im riesigen Carrefour Collégien tot und bezog daraufhin mein gleich dahinter liegendes zweites Première Classe-Kämmerchen dieser Reise – dieses Mal in der Variante mit zwei Einzelbetten und auch hier wieder mit optimaler Platzausnutzung im Nasszellchen. Nach einem leckeren Abendessen legte ich mich schon bald schlafen, da ich am nächsten Tag früh zu meinem nächsten Parkziel aufbrechen wollte: Parc Astérix.