Der Wasserpark aus dem Französischbuch


Der Tag nach meinem Ausflug zum Schloss Fontainebleau und in den Carrefour Villiers-en-Bière war der 1. Mai – und irgendwie war schon im Voraus abzusehen, dass da selbst in einer Stadt wie Paris nicht sonderlich viel zu wollen ist. Musée d’Orsay: zu. Arc de Triomphe: ebenfalls. Ladenöffnungszeitenmässig wars ein Sonntag – drum war auch weiteres Hypermarché-Scouting oder eine noch ausstehende Besichtigung der Galeries Lafayette keine Option. Auf dem Weg zu einer der wenigen geöffneten Attraktionen – dem Jardin d’Acclimatation – fing es wie aus Kübeln an zu giessen und leider blieb das auch für den Rest des Tages so. Dummerweise habe ich natürlich Regenjacke und Schirm im Hotel gelassen, da ich bei strahlendem Sonnenschein losgezogen bin. Aus dem Gedanken, mir irgendwo einen preiswerten Kompaktschirm zu kaufen und damit dann nochmals zum Jardin zurückzukehren wurde schliesslich eine kleine Odyssee durch halb Paris. Auf der Flucht vor dem Regen und der Suche nach irgendeinem offenen Krämer mit bezahlbaren Schirmen bin ich irgendwie in eine Métro-Linie nach der anderen gehüpft und hab schliesslich den halben Tag einfach mit Zugfahren und Stationserkunden zugebracht – weil das ja ein trockenes und in meinem «Paris Visite»-Billet vollumfänglich inkludiertes Vergnügen ist.

In der Nähe vom Eiffelturm angelangt habe ich mich zum Glück noch an einen inzwischen etwas aufgeweichten Notizzettel mit einem konkreten Souvenirwunsch für einen Kollegen erinnern können. Da das Geschäft, wo es den gewünschten Artikel zu kaufen gibt, auch sonntags geöffnet ist und damit auch an diesem 1. Mai offen hatte, konnte ich wenigstens das mal abhaken. Nur Schirme hat man dort leider auch keine verkauft – immerhin hat man mir aber zwei Blatt Haushaltspapier offeriert, um die zwischenzeitlich schon triefend nassen Haare etwas zu trocknen. Wie lieb! Daraufhin hab ich den Jardin-Besuch für heute abgeschrieben, hab mich pitschnass in die RER gerettet und bin daraufhin per Linie 6 durch die südlichen Arrondissements nach Hause gefahren. Dort ist die Métro abschnittweise auch als abenteuerliche Hochbahn ausgeführt – und die Wagen beginnen bei Regen auf eine äusserst eigenartige Weise ganz intensiv nach Pfeffer zu duften!  Zu Hause angekommen, hatte sich der Regen verflüchtigt, so dass ich in den angenehm trockenen feinen Zwirn schlüpfte und einen etwas gehobeneren Restauranttipp von einer ehemaligen Arbeitskollegin in einer der Nachbargemeinden beherzigte – der zumindest für ein frühes Abendessen auch noch geöffnet hatte. Und etwas später ging es die durch das ausgezeichnete Mahl angefressenen Kalorien dann noch in meinem Stamm-Hallenbad abstrampeln. Rein programmmässig irgendwie ein verlorener Ferientag – obwohl ich streng genommen nur zwei Nebenpöstchen meiner To-Do-Liste abhaken konnte, hätte ich ihn trotzdem nicht verpassen wollen.

Ganz beabsichtigterweise im Zeichen des nassen Elements stand dagegen der Programmpunkt des nächsten Tages und Hauptgegenstand des nun folgenden Berichts! Nach weiteren Wandertouren durch drei ganz besonders ausgefallene Hypermarchés im Pariser Umland ging es abends dann ins berühmte Plauschbad Aquaboulevard, im Südwesten von Paris im Quartier Balard und verkehrsgünstig in der Nähe verschiedener ÖV-Stationen sowie der Ringautobahn gelegen. Dieses Bad war mir seit jeher ein Begriff – und zwar nicht nur durch meine generelle Begeisterung für Rutschen und Schwimmbäder, sondern auch durch mein Französischbuch in der ersten Klasse der Oberstufe! Die alle im Quartier Balard wohnhaften Protagonisten bemerken, dass Neuzuzügerin Aurélie in derselben Strasse wohnt wie Frédéric, der von Anfang an scharf auf sie ist – und irgendwann werden sie eben zusammen im Aquaboulevard entdeckt. Good times!

Der grosse Komplex beherbergt neben dem Wasserpark auch ein Multiplex-Kino sowie einen separat Eintritt verlangenden Fitness- und Wellnessbereich der in Frankreich ja recht namhaften Forest Hill-Kette. Soweit erkennbar ist sie seit einigen Jahren auch Besitzer- und Betreibergesellschaft vom Aquaboulevard. Alle neuen grünen Rutschen im Aussenbereich sind meines Wissens erst unter ihr hinzugekommen, so dass das Bad mittlerweile stolze elf Stück aufweisen kann. Weiterhin finden sich im Komplex noch mehrere Restaurants sowie ein für die meisten männlichen Touristen taktisch ausgesprochen günstig gelegenes Décathlon-Geschäft. Durch Tuberides und Konsorten wusste ich zum Glück bereits im Voraus, dass klassische Badeshorts in fast sämtlichen Schwimm- und Spassbädern Frankreichs für die Herren der Schöpfung verboten sind – aus Hygienegründen sind nur eng anliegende Speedos erlaubt. Da ich im Vorfeld meiner Ferien eh mein Stamm-Hallenbad zum abendlichen Training nach meinen Erkundungstouren ausgemacht hatte (wo sogar Badekappen Pflicht sind!), habe ich mich bereits zu Hause mit einem günstigen und unspektakulären Modell eingedeckt – frei nach dem Kriterium, was am wenigsten peinlich aussieht, aber was tut man als eingefleischte Wasserratte nicht alles?

Die Spannung steigt! Sieht doch schon einmal ganz anständig aus!

Über eine Rolltreppe gelangt man schliesslich zum Hauptzugang in den Wasserpark, wo man dann aber über recht provisorisch aussehende Gänge zu einem draussen liegenden Kassen- und Empfangsbereich geführt wird. Soweit ich das nachrecherchiert habe, sind dies die «Sommerkassen» – am ganzjährig zugänglichen Haupteingang wurde offenbar gerade gewerkelt. Die Preispolitik hat mich im Voraus schon etwas stutzig gemacht, aber da kam man leider nicht drum herum: Es wird ein Tageseintrittspreis von mittlerweile 28 € erhoben und zwar egal, wie lange man bleibt. Stundentarife, Abendvergünstigungen, Kombiangebote mit anderen Touristenattraktionen oder sonstige ähnliche Standard-Rabatte für Plauschbäder – Fehlanzeige. Ich bin gegen 18.45 Uhr oder so eingetroffen und habe wegen der Kombination aus Ferien- und Brückentag mit etwas grösserem Andrang gerechnet. Da das Bad immer bis 23.00 Uhr offen hat und freitags und samstags sogar bis Mitternacht geöffnet ist, dachte ich mir, dass ich da stundenmässig durchaus was rausholen kann und sicher alle Rutschen gut schaffen würde.

Personal und Schilder machen die Herren noch einmal eindringlich auf den Dresscode aufmerksam – auch mit ganz tollen Übersetzungen. «That’s okay, we’ll just swim butt naked.»

Kurz darauf gelangt man in den sauberen und ansprechend eingerichteten, für ein Bad dieser Grössenordnung aber ziemlich unterdimensionierten, Umkleidebereich. Im 90°-Winkel zu meinem Standort gibt es noch einmal eine identische Reihe mit Einzelkabinen – and that’s it. 20 Stück für mehrere tausend Badegäste pro Tag. Und dann sind sie nicht einmal abschliessbar! Wie von anderen Plauschbädern her auch bekannt, handelt es sich hier um Modelle, wo man durch die eine Tür reingeht und, sobald umgezogen, durch eine zweite auf der anderen Seite dann in den Barfussbereich tritt. Normalerweise gibt es ja meistens Schlösser bei beiden Türen oder dann ein System mit im offenen Zustand leicht angewinkelten Türwänden und einer runterklappbaren Bank, die die Türen dann auch fest und sichtbar verriegelt. Dies alles ist hier nicht der Fall. Obwohl durch den geringen Andrang sicherlich nicht alle Kabinen besetzt sein können, scheinen alle Türen verschlossen zu sein und man kann nur raten, welche Kabinen frei und besetzt sind. Ernsthaft! Wenn man die sich umziehenden Badegäste nicht mit versuchsweisem Tür-Anstossen oder yoyeurmässigem Untendurchgucken belästigen will, bleibt einem gar nichts anderes übrig als zu warten, bis sich jemand fertig umgezogen hat und die Kabine gegen den Ausgang hin verlässt. Da bei meinem Besuch ja nicht viel los war, ging es ja noch, aber man kann das an vollen Tagen hier entstehende und sicherlich sehr unangenehme Komplettchaos nur erahnen.

Endlich eine freie Kabine erschnappt, beeile ich mich natürlich mit dem Umziehen und lasse die Sporttasche zur einen und die Schuhe zur anderen Seite leicht unter den Türen durch rausragen, um allfälligen Anwärtern auf meine Kabine… Öhm… Besatzung zu signalisieren? Der erste Eindruck ist durch dieses Erlebnis jedenfalls ein wenig getrübt – unfassbar, wie die Garderobeninfrastruktur in einem so renommierten Bad derartig scheisse sein kann! Letzten Endes hab ich es dann aber doch noch geschafft, mich umzuziehen und habe die Wertsachen in einem der zahlreichen und recht grosszügigen Spinde auf der anderen Seite verstaut, die übrigens eine 2-Euro-Münze als Pfand benötigen. Schliesslich hab ich mich wieder mal ein bisschen mit dem schon vom Stamm-Hallenbad her bekannten, aber extrem anspruchsvoll anzulegenden französischen Standard-Armband-Modell abgemüht. Egal, wie man würgt und drückt, die Löcher passen nie auf die vom Band hochragenden «Einrast-Pünktchen», der Schlüssel lässt sich nicht in die vermeintliche Schutzhülle stecken und das breite Ende des Bands lässt sich beim besten Willen nicht durch die Schlaufen fädeln. Keine Ahnung mehr wie ich das all die Male einigermassen hingekriegt habe – vielleicht hat einer der frankreicherfahrenen Rutschspezialisten hierzu ja eine gute Anleitung für mich? Im Hallenbad spielte das nebenbei bemerkt ja auch keine so grosse Rolle, aber hier war ich doch etwas besorgter um die korrekte Befestigung, da ein loser Schlüssel ja durchaus auch Rutschflächen aufkratzen kann. Auf Nachfrage bei zwei Bademeistern erntete ich bloss ein desinteressiertes «Je sais pas, euh?» und marschiere dann halt mit frei baumelndem Spindschlüssel endlich in den Badebereich. Duschen ist natürlich Pflicht, aber wahlweise kann man zum Handtuch-Deponieren auch durch ein Tretbecken direkt zum Hauptbecken gelangen. VORSICHT, da regnet es ab und zu auf die Durchmarschierenden runter! Für den zu Grunde liegenden Hygienegedanken förderlich, für vorzugsweise trocken zu bleibende Handtücher oder andere Wertgegenstände eher weniger. Als mitunter doch vielerorts rumgekommene Wasserratte frage ich mich langsam wirklich, was für – pardonnez moi – hirnverbrannte Vollidioten diese Garderoben- und Sanitärbereiche designt haben. Un cauchemar!

Schreitet man also den vorgegebenen Pfad entlang, landet man dann zwangsläufig am grossen Hauptbecken mit flachem Auslauf, wo jede Stunde Wellen erzeugt werden. Das Ambiente in der grossen lichtdurchfluteten Halle ist klasse und lässt richtig Ferienstimmung aufkommen! Hier wurde dann auch klar, dass die Sorgen um grossen Andrang heute Abend völlig unbegründet waren – überall hatte man genügend Platz und bei allen Rutschen war Walk-on angesagt.

Auch bei diesem Bericht bitte ich darum, die Qualität der wenigen gemachten Fotos zu entschuldigen. Entweder wurden sie durch die fast schon milchig trübe Panoramascheibe beim Eingangsbereich oder dann in aller Hast gemacht – Fotografieren ist wie in vielen Bädern natürlich verboten, aber doch wollte ich den Daheimgebliebenen ja einen groben Eindruck mitbringen können. Seid auch also bewusst, dass keine Zeit für eine gute Ausrichtung blieb und sämtliche Schnappschüsse aus Angst vor dem Personal blitzschnell gemacht werden mussten. Beiwerk sind die Bilder aber sowieso, da ich bei diesem Bericht praktischerweise ja die Youtube-Einbettung nutzen und die Rutscherlebnisse mit Onslide-Videos von Xtremerides.nl illustrieren kann.

Jetzt aber endlich zu dem, wozu wir ja da sind – zu den Wasserrutschen! Elf sind es an der Zahl, drei in der Halle selbst und weitere acht, die von einem grossen angebauten Rutschenturm aus starten. Alle haben ein «Aqua» im Namen, wodurch man sie natürlich ungeheuer leicht auseinanderhalten kann. An meinem Besuchstag herrschten draussen die üblichen 12°C auf dieser Reise vor und alle Rutschen waren geöffnet, womit ich offenbar riesiges Glück gehabt habe, wenn man sich das aus anderen Erfahrungsberichten so zusammen liest. Ein paar der Rutschen führen nämlich nach draussen und obwohl die meisten in der Halle enden, haben drei auch ihr Landebecken im Aussenbereich. Obwohl dadurch bei ganz kalten Temperaturen schlagartig ein stolzer Teil der Rutschen geschlossen werden muss, gibt es keinen «Wintertarif» beim Eintrittspreis oder irgendeine Art von Vorwarnung am Eingang, welche Rutschen jetzt in Betrieb sind oder nicht. Auch steht nichts darüber, wie lange man rutschen kann – da das Bad ja stets bis spätabends offen ist, kann ich mir vorstellen, dass die Aussenrutschen bei Dunkelheit und kühleren Temperaturen ebenfalls zumachen. Und einem Bericht in der Rutscherlebnis-Community zufolge wird je nach Tag und eingesetztem Personal auch völlig willkürlich gehandelt. In dem besagten Fall waren zwei Aussenrutschen offen, bei denen man je etwa 100 Meter Fussweg durch den Aussenbereich zurücklegen muss um wieder nach drinnen zu gelangen; eine andere, welche die Schlusswanne zwar auch draussen aber unmittelbar vor der Hallentür hat, dagegen nicht. Muss man das verstehen?

Unterm Strich ist das Ganze hier also eine reichlich kuriose Lotterie. Kundenservicetechnisch wirklich nicht gerade der Bringer bei dem Eintrittspreis. Ich kann nur sagen: bei mir wars ein Freitagabend in der Ferienzeit, 12°C herrschten vor, ich bin bis ca. 21.15 Uhr geblieben – und solange war auch alles offen.

Wir starten die Reviews zunächst mit den Innenrutschen.

Aqua Jonas

Eine typische, unspektakuläre Wellenbadseiten-Rutsche, wie man sie z.B. auch im Säntispark in der Schweiz findet. Das eigentliche Highlight: der Start befindet sich direkt im über dem Bassin aufgehängten Wal. Die Beleuchtung da drin ist wunderschön und auch die «Innereien» des Wals wurden überraschend detailliert nachgebildet. Die eigentliche Rutschpartie ist dann aber nichts sonderlich Aufregendes – eine kontinuierliche flache Rampe, die durch einige S-Kurven unterbrochen wird und an einer Stelle noch durch einen kleinen Wasservorhang führt. In der Schlusswanne sollte man auf den Kopf aufpassen – gleich zwei in die Rutsche reinragende Schutzwälle machen den Bereich zum Aufstehen etwas gar eng.  Als Einstieg aber sicher ganz nett!

Aquarium

Hierbei handelt es sich um eine Bodyslide in der Halle selbst, die sich einen geschätzt etwa 12 Meter hohen Turm mit der benachbarten Aqua Glisse teilt und mehr oder weniger direkt vor der Besuchergalerie im Eingangsbereich durchführt. Was hier zum ersten Mal auffällt und sich bei fast allen Bodyslides im Park so fortsetzt: der «Startblock», von dem man sich sitzend in die Rutsche schwingen kann, ist einen guten halben Meter hoch – und kann damit fast schon als zusätzliche Schussfahrt durchgehen! Astrein! Die Fahrt an sich bereitet grosses Vergnügen und führt in einigen leckeren Stürzchen, Kurven und Kreiseln über einen durchaus rasanten und schaukeligen Parcours ins Tal. Würde man von aussen her betrachtet gar nicht erwarten – besonders der Jump vor den zwei finalen Kurven hat es wirklich in sich! Falls kleine Kinder vor einem anstehen, rate ich hier dazu, zwei Ampelschaltungen abzuwarten. Den sauer dreinblickenden Vater eines im Schlussbecken eingeholten Kinds konnte ich mit entschuldigendem, liebem Gebrabbel à la «Vraiment désolé, monsieur. C’était vert. Ça va, petit mec?» usw. gerade noch so besänftigen.

Aqua Glisse

Diese vom selben Punkt wie Aquarium aus startende Reifenrutsche wird ausschliesslich mit weissen Einzelringen berutscht und weist eine überraschend breite Fahrrinne auf. Der Aufstieg steht im kompletten Kontrast dazu: es ist eine kleine Herausforderung, die Reifen über die steilen und engen Treppen da hinauf zu schleppen – manchmal muss man sie über dem Kopf tragen, um nirgends anzustossen. Gleich zu Beginn holt man über zwei kleine Jumps mit Airtime-Garantie gänzlich unverhofft sehr schicken Schwung – würde man von aussen her gesehen gar nicht erwarten, viele Rutscher haben bereits hier ihren Reifen verloren. Im Anschluss schlingert man durch einen schönen grossen Kreisel, wo man in schaukelnder Manier das hohe Tempo gut beibehalten kann. Und dann folgt eine ziemlich eng ausgeführte Linkskurve, die im Verlaufe der Zeit verdientermassen mit einem zweiten Schutzwall ausgestattet werden musste! Wie man hier hochschwingt ist einfach unbeschreiblich geil – keine Ahnung, wie man das auf dem Video so unspektakulär aussehen lassen kann. Absolut top und einer der besten Rutschmomente im ganzen Aquaboulevard!

Als Finale folgt dann ein wahrlich aussergewöhnlicher Endbereich! Im Prinzip kann man sich dabei einen als sehr weite Kurve ausgeführten «Sofa-Auslauf» vorstellen, der einen nach und nach seitlich ins Becken daneben gleiten lässt. Sofern die zu zweit in einem Einzelring rutschenden Balgen vor einem die Fläche nicht blockieren und man auf der rauen Unterlage mit den Händen abbremsen muss, um eine Kollision zu vermeiden. Trotzdem: einzigartig und cool! Und auch im Gesamten eine ausgesprochen tolle Wasserrutsche!

Nun marschieren wir wieder in die Nähe von Aqua Jonas, wo sich der Aufgang in den Rutschenturm befindet, ganz links im obigen Bild mit blauen Neonröhren beleuchtet zu erkennen. Die Treppen sind mit dunklem, gerilltem Holz ausgekleidet! Ob das in so einem Spassbad pflegetechnisch eine gute Idee ist? Wie auch immer: Auf ganz grob geschätzten zwölf Metern Höhe teilt sich das Treppenhaus dann auf. Nach links geht es zum Startpunkt von fünf Rutschen, und nach rechts kann man über ein paar weitere Stufen den Einstieg zu drei weiteren Bahnen erreichen. Wir beginnen mit denjenigen auf der rechten Seite.

Aqua Rafting

Dies ist eine vollständig draussen verlaufende und breite Wasserrutsche, auf der man in kleinen runden Rafting-Booten für zwei bis drei Personen rutscht. Erinnert stark an die gelbe Nesquik-Rutsche im Aquaparc Le Bouveret. Der Start ist auch ganz ähnlich: man positioniert sich mit seinem Bötchen auf einem Rollband und wenn die Ampel auf grün springt, drückt man rechts auf einen Buzzer, der das Band in Gang setzt – dadurch wird man dann ziemlich holperig in die eigentliche Rutsche befördert. Bei meinem Besuch herrschten ja eher kühle Temperaturen vor, so dass das Warten auf den Start eine ziemliche Kälteprobe war. Den im Video erkennbaren Plastikvorhang hat man entweder bereits für die Sommermonate demontiert oder es gibt ihn schlicht nicht mehr – wodurch es in diesem ganzen Teil des Turms doch ziemlich frisch und zügig wurde. Ich als winterlicher Alpamare-Fan und eingefleischte Wasserratte bin da ja weiss Gott nicht zimperlich, aber hier ist das schrankenlose Loch nach draussen dermassen gross, dass man wirklich ins Schlottern kam. Nun ja, einmal Fahrt aufgenommen rauscht man dann durch einige schöne Kurven und Spiralen, wobei man durch aktive Mitarbeit natürlich versucht, möglichst viel Spritzwasserwellen zum Aufwärmen zu erzeugen. Die stolze Länge, die tolle Aussicht auf diesen Teil von Paris, ein kurzer wärmender Tunnel, die windige Kälte, der trotz bloss einer Person im Boot beachtliche Spinning-Grad und vor allem die überraschend leckeren Abschlusskurven im unteren Teil machen auch diese Rutschbahn, trotz aller «Hindernisse», zu einem kleinen Bijou! Einfach toll.

Aqua Tube

Die Aqua Tube ist eine transluzente grüne Röhrenrutsche, die mit Doppelreifen bezwungen wird. Im Video sieht man ganz deutlich das, was bei mir bei allen Fahrten der Fall war: Wegen des engen Übergangs von der Startwanne in die Röhre wird durch die breiten Reifen das ganze Wasser zurück gestaut, wodurch man nur ein kleines Rinnsal vor und gleichzeitig einen deftigen Wasserschub hinter sich hat! Das Resultat der ganzen Geschichte ist ein überaus leckerer und überraschend flotter Ritt durch das eigentlich recht unspektakuläre Röhrenlayout, das auf diese Weise aber zu einem richtigen Knüller wird! Insbesondere in den letzten paar Kurven macht das so gewonnene Tempo richtig Laune und wenn man sich im Reifen schön flach nach hinten lehnt geniesst man sogar recht anständige positive Gs!

Ein absolutes Hammer-Teil! Hier bin ich oft gerutscht, auch wenn der Schlussbereich wieder mal etwas gar doof konzipiert ist. Im Wesentlichen kann man nämlich nur direkt durch die Endwanne vom Aqua Rafting wieder raus. Ich will mir nicht vorstellen, wie gefährlich das bei viel Andrang wird, wenn – wie im Video gezeigt – die nächsten Rutscher auf Boote und Ringe dort warten müssen.

Aqua Mikaze

Die mit Abstand mit dem lustigsten Namen versehene Rutsche im Aquaboulevard! Ganz grosses Kino! Sie startet etwas versteckt mehr oder weniger direkt über der Aqua Tube. Während meines Besuchs hat ein zurückgelassenes Rafting-Boot fürs Aqua Rafting den Zugang dahin versperrt, so dass ich an diesem Abend wahrscheinlich einer der einzigen Rutscher hier war. Der Fahrverlauf ist rasch erklärt: es handelt sich dabei nämlich um eine Freefall-Rutsche! Über einen kleinen Jump holt man Schwung, dann geht es in einem Tunnel ein kurzes Stück geradeaus und sobald dieser zu Ende ist donnert man in einem 60°-Winkel auf dem kürzesten möglichen Weg talwärts! Das Freifallgefühl und der Druck, den man beim Wieder-Geradelegen verspürt, sind gerade bei diesem Temperaturen ein wahnsinniger Rush und auch das bei solchen Rutschen sonst eher schmerzhafte Abbremsen fällt hier überraschend geschmeidig aus. Normalerweise hiesse das für mich: gleich nochmal und dann so oft wie lange dus aushältst! Hier wird dann aber der gut 100 Meter lange Weg zurück in die Halle bei ungemein frischen 12°C zu einem gänsehautverursachenden Gegenargument für Wiederholungsfahrten – in den jetzt plötzlich sehr engen und durch das Bremsmanöver widerspenstig hochgerollten Frenchie-Badehosen noch zusätzlich unangenehm. So ist es dann bei einer fulminanten Fahrt geblieben.

Aqua Plouf & Aqua Splash

Diese zwei fast identischen, parallel zueinander verlaufenden und sich eigentlich nur je durch eine anders verlaufende Helix unterscheidenden Röhrenrutschen waren meine absoluten Lieblinge im Bad! Der Durchmesser beträgt hier bei beiden Spuren 140 Zentimeter, was eigentlich das Standardmass für Reifenrutschen ist. Wenn solche aber wie hier als reine Bodyslides genutzt werden, entsteht – wie ihr euch ja sicher vorstellen könnt – ungemein viel Spielraum zum Schaukeln, Schaukeln, Schaukeln! Teilweise liegt man hier so hoch in Schräglage, dass man vorm Zurückschwingen richtig Schiss bekommen kann und man sich beinahe überschlägt – einfach grandios geil und ein Riesengaudi! Schon von Anfang an hat man auch hier durch die völlig überdimensionierten Startblöcke so viel Schwung, dass es eine wahre Freude ist! Die rechte der beiden Spuren – ich könnte jetzt beim besten Willen nicht mehr sagen, ob das die Plouf oder die Splash ist – hat mir ein klein wenig besser gefallen, da sie dasselbe Kurvenfinale zurück ins Halleninnere hat, aber durch die Lage bedingt einfach viel enger als die Nachbarin. Mit den eingebauten Jumps und dem genialen hohen Plumpsauslauf (wo gibt es solche heute überhaupt noch?) wird das Ganze zu einem airtimereichen und ausgesprochen einfahrenden Nervenkitzel! Mit einem breiten Grinsen taucht man auf und hat nur noch einen Wunsch: encore une fois! Et une fois de plus! Und bis zum Abwinken! Absolute Hammer-Teile – da macht es auch nichts, dass die Röhrenfarbe inzwischen so weit abgeblättert ist, dass aus den ursprünglichen Black Holes inzwischen gammel-themeing-mässig schimmernde lichtdurchlässige Röhren geworden sind.

Aqua Turbo

Die Aqua Turbo startet direkt zwischen den oben vorgestellten Bodyslides auf einem separaten Podest und ist, wie der Name es bereits vermuten lässt, eine Turborutsche mit entsprechend engem 80-Zentimeter-Durchmesser. Ich bin zwar kein Klaustrophobiker, aber solche Rutschen haben mir noch nie richtig zugesagt – obwohl sie natürlich ein Wahnsinnsthrill sind, ist mir in solchen Röhren einfach nicht wohl. Die Aqua Turbo bildet da keine Ausnahme. In einer geschätzt 45° steilen Schussfahrt flitzt man die gesamten Höhenmeter des Rutschenturms runter und wird auf ein geradezu unmenschliches Tempo beschleunigt – und mit diesem wird man dann durch eine ungeheuer abrupte S-Kurve nur so durchgeprügelt, bevor man dann mit einer deftigen Nasenspülung per Plumpsauslauf (!) in einem recht kleinen Becken landet. Je nach Rutschposition schlittern hier einige Badegäste so unglücklich über die Wasseroberfläche, dass an der Beckenfront nicht ohne Grund ein weiches Fangkissen installiert werden musste. Ein ungeheurer Adrenalinschub – aufgrund persönlicher Abneigung gegen diesen Rutschentyp für mich jedoch nur Pflichtprogramm.

Aqua Looping

Auch die abwechselnd als Aqua Looping oder Aqua Loop bezeichnete Rutsche auf der anderen Seite des Turmdecks ist eine Turbo. Sie führt in einer grossen abfallenden Helix direkt ins Tal und wartet in deren unteren Teil zudem noch mit einer absurden und ungesunden Kombination aus zusätzlichem Jump und Kurvenverengung auf. Das Ganze rutscht sich genauso wie es sich anhört: man wird immer schneller werdend unfassbar stark in die enge Röhre gepresst, bis man sich in diesem einen richtig kuriosen Abschnitt fast überwirft und in dieser zwangsweise eingenommenen Schräglage dann ins Auffangbecken neben einem der Aussenbecken schiesst. Auch hier lautet mein Urteil: ein Adrenalinschub par excellence, aber einfach nichts für mich. Obwohl auch diese Rutsche draussen endet ist der Weg zurück in die warme Halle oder ins gleich nebenan liegende Aussenbecken nur paar Schritte weit.

Aqua Piste

Und die letzte Rutschanlage im Bunde: die Aqua Piste, eine sechsspurige Racing-Wellenrutsche, die man durch eine absolut unscheinbar aussehende kleine Tür neben den anderen Rutschen erreichen kann. Ich machs hier so kurz wie die Rutschpartie an sich ist: Aua. Hier können die Masochisten unter uns ausprobieren, wie es ist, wenn man einen Proslide Mattenracer ohne Matte rutscht. Sämtliche Fugen zwicken einen auf unsanfteste Art und Weise in den Rücken, das dünne Wasserfilmchen verursacht bei 12°C geradezu stechende Gischt und Airtime gab es auch keine – allerdings bin ich mir auch nicht sicher, ob ich die Landung auf so einer Rutsche überhaupt hätte erleben wollen. Da sie gleich neben der Aqua Mikaze endet, kommt auch noch der frostige Rückweg in die warme Halle hinzu.

Was kann man sonst noch so machen im Aquaboulevard? Nun, nebst dem schon vorgestellten Wellenbecken mit seinen zahlreichen Nebenbuchten und Kanalecken gibt es noch ein dahinter liegendes separates Erlebnisbassin mit allerlei Wasserfällen, Sprudlern, Grotten und so weiter, sowie das schon abgebildete Aussenbecken neben dem Aqua Looping. Im Sommer steht draussen noch ein grosses Outdoor-Wellenbad samt Liegewiese zur Verfügung, das war bei meinem Besuch selbstredend verwaist, da man es ja nur knapp auf den Aussenrutschen ausgehalten hat. Vom Balkon über der Wellenmaschine konnte man sich bei ausgeschalteten Wellen auch per Liane in die Fluten schwingen, was eine sehr beliebte Attraktion war.

Was die Temperaturen in all diesen Becken anbelangt: obwohl ich als regelmässiger Schwimmer diesbezüglich nun wirklich nicht empfindlich bin, fand ich das Wasser sowohl drinnen als auch draussen deutlich zu frisch für einen längeren Aufenthalt. Das waren vielleicht knappe 25-26°C – für solche Becken wären deren 28 aber sicherlich ein angenehmerer Standard, denn hier kam man ziemlich bald schon ein wenig ins Frösteln. Gerade im Vergleich zur deutlich wärmeren Hallenluft oder wenn man von den Aussen-Ankunftsbecken wieder reingekommen ist, hat man doch recht deutlich gemerkt, dass da von warmem Wasser nicht die Rede sein kann. Entsprechend überlaufen waren die drei grossen Whirlpools (zwei innen, einer draussen), die aber auch nur geschätzte 28-29°C oder so hatten. Regelwidrig haben sich auch zahlreiche Kinder darin getummelt, aber selbst die Bademeister hatten da wohl Erbarmen.

Ein Thema, das unbedingt auch erwähnt werden muss, ist die furchtbare Bodenbeschaffenheit im ganzen Bad. Der durchgängig sehr raue weisse Boden in der ganzen Halle, die profilbehafteten Metalltreppen auf den Innen-Rutschaufgängen, die wie ein Brotschneidebrett wirkenden Treppenstufen im grossen Rutschenturm sowie natürlich die kalten Steinwege in die Halle zurück ziehen die Latschen hier ganz schön in Mitleidenschaft. Bei meinem Rutschmarathon hab ich mir so grausam alles aufgeschürft, dass ich am Schluss echt das Gefühl hatte, nur noch auf den blossen Knochen zu laufen. Wie gut es tat, als ich gegen 21.15 Uhr dann langsam wieder aufgebrochen bin und nach dem Duschen und Umziehen endlich wieder in meine Bata-Ledersneaker schlüpfen konnte, die wie eine zweite Haut sitzen! Eigentlich wären hier wohl Sandalen oder Flip-Flops angebracht gewesen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die aufgrund Verlustgefahr wohl zumindest auf den Bodyslides verboten sind.

In den extremst funktional mit weissen Industriekacheln verkleideten und wirklich Gefängnisduschen-mässig wirkenden Unisex-Bereichen habe ich dann also in Badehosen geduscht. Auch so eine französische Eigenheit – im Stamm-Hallenbad gab es ebenfalls nur offene Duschen für beide Geschlechter. Im Anschluss hab ich noch ein eigentlich recht gutes Feature im Bad entdeckt: eine «zone de séchage», also ein Raum, wo man mit auf verschiedenen Höhen angebrachten Blowdryern die Füsse und die Haare trocknen soll, bevor es zurück in den Spindbereich geht. Die Idee an sich ist ja gut, nur sind die meisten Badegäste hier einfach durchgelatscht, so dass der Spindbereich trotzdem feucht, sumpfig und rutschig war – und zum Trocknen langer Haare sind die hier vorhandenen Handtrockner-Modelle halt auch eher nur bedingt geeignet, so dass viele der Pfützen vor den Spinden sicherlich auch durch triefende Haare entstehen. Ein zweites Mal also ab durch die idiotische Umziehkabinen-Wand – wiederum mit dem bewährten Okkupations-Signalisier-System – und nach knappen zweieinhalb Stunden verlasse ich das Bad auch schon wieder, um noch ein richtiges touristisches Highlight nachzuholen, für das auf der ersten Reise leider auch die Zeit gefehlt hat.

Ein irgendwie positives Gesamturteil über dieses Bad zu fällen ist wahrlich nicht leicht. Die völlig beknackten Garderoben- und Sanitäranlagen sind für einen dermassen bekannten Wasserpark so unpraktisch und kleindimensioniert eingerichtet, dass man nur noch den Kopf schütteln kann. Recht frische Wassertemperaturen, unangenehme Laufwege, Unsicherheit darüber welche Freiluft-Attraktionen offen sind… Keine Discounts bei geschlossenen Attraktionen, überhaupt eine ausserordentlich seltsame Eintrittspreis-Politik. Die meisten Rutschen haben zwar durchaus was getaugt und haben enorm grossen Spass bereitet, aber ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich die 28 € jetzt noch einmal bloss dafür investieren würde. Denn das ganze Drumherum, auch die restlichen Wasserangebote, kann einfach nicht so recht überzeugen. Ein Besuch hier ist bei mir zwar Pflicht gewesen und hat völlig zurecht auf der To-Do-Liste gestanden – wie gesagt schon aufgrund der Erwähnung im Franzbuch und meiner allgemeinen Begeisterung für solche Anlagen. Einmal hat aber ehrlich gesagt dann auch gereicht. In Paris kann man für meinen Geschmack einfach viel zu viel andere lustige Sachen unternehmen. Unterm Strich: nur für wirklich eingefleischte Wasserratten und hartgesottene Rutschen-Cracks zu empfehlen – für den Normal-Badegast wohl einfach zu teuer und in vielen Aspekten verbesserungswürdig.