Der Ba-a-a Express in der Harbo(u)r Street


Eigentlich war der irische Themenbereich bereits die Neuheit des letzten Jahres und sicherlich wäre es nun interessanter über die Neuheit dieses Jahres zu sprechen; doch wie auch das umgestaltete Kinderland wird auch der neuartige Flugsimulator Voletarium erst zur Hauptsaison eröffnen. Einerseits ist es wie immer schade, wenn eine Neuheit nicht zum Saisonbeginn eröffnet, andererseits ist es der Europa Park – da kommt man eh schnell wieder hin – Selbstbeweihräucherung als bester Freizeitpark der Welt hin oder her, den negativen Touch dieser angeberischen Werbeaktion interessieren doch eh nur die Köpfe hinter der Werbung; der Rest weiß eh, dass man es mit dem Europa Park mit einem der besten Freizeitparks zu tun hat.

Im Gegensatz zu anderen Freizeitparks weltweit ist man in Rust jedoch erstaunlich bodenständig, was die Gestaltung des Kinderbereichs angeht. Man ist sogar überraschend eigenständig und vertraut nicht auf Kleinkinderserienlizenzen, wie sie z.B. die englische Bevölkerung in Massen in diese Bereiche (egal ob nun im Paultons Park, Alton Towers oder Drayton Manor) lockt, sondern vertraut seinem eigenen Konzept und gönnt der ehemaligen Welt der Kinder eine flächendeckende Themenbereichsgestaltung mit viel Witz und Humo(u)r. St. Patrick zumindest kann zufrieden sein, der irische Themenbereich ist nämlich echt nett.

Hauptbesuchsgrund an diesem Ostersonntag war eine Fahrt auf dem Ba-a-a Express, der neuesten Achterbahn des Parks. Konzipiert und erbaut von der ART Engineering GmbH, wobei die Schienen selbst bei Mack Rides gebogen wurden, unterhält diese kleine Anlage vorrangig das jüngere Publikum des Parks; deren Einstieg in die Achterbahnfahrerkarriere zuvor sonst nur auf Pegasus oder den Alpenexpress, ggbfs. auch auf der Wilden Maus Matterhornblitz oder der Schweizer Bobbahn, erfolgen konnte.  

Das kompakte Layout ist dabei schnell wiedergegeben und ebenso durchfahren. Nachdem man in einer mit Reibrädern bestückten Rechtskurve einige Höhenmeter gewonnen hat, geht es auf einer gemächlichen Geraden hinab. Diese mündet auch sogleich in einer Linkskurve, wobei sich ebenso schnell ein Richtungswechsel anschließt und man die hintere Wendekurve vollzieht. Daraufhin schließt sich eine kurze S-Kurve an, wonach man die Station erreicht. Alle guten Dinge sind zwei und so durchquert man den Streckenparcours ein weiteres Mal, ehe man dann schlussendlich zum Stopp kommt.

Der Ba-a-a Express ist eine nette Kinderachterbahn mit einem überraschend komfortablen Zug und einer zugegebenermaßen sehr interessanten Technik; immerhin wird der Boden der Station zu beiden Seiten abgesenkt, ehe der Zug diese verlassen kann, aber die Geländer an den Stationsenden nicht weggeklappt. Das habe ich nicht ganz verstanden, jedoch vermute ich wartungstechnische Gründe dafür, denn sicherheitsrelevant scheint es mir tatsächlich nicht zu sein. Nun ja, für die Zielgruppe ist die Achterbahn mehr als recht und auch die Eltern haben während der Fahrt sicherlich ihren Spaß. Zudem ist die Gestaltung der Anlage wirklich sehr flauschig. 

Französische Lobbyarbeit im Europa Park


Es ist schon interessant zu sehen, dass in einem Jahr, in dem tatsächlich jeder große Freizeitpark in Deutschland eine Neuheit vorweisen kann, ausgerechnet der Europa Park im Medienrummel an hinterster Stelle steht. Anders sah es für den Park glücklicher Weise in Frankreich aus, so dass man wenigstens hier ordentlich das Interesse an Arthur – the Ride geweckt hat. Etwas anderes wäre dort natürlich auch kaum denkbar, denn die Animationsfilmreihe von Luc Besson war dort stets sehr erfolgreich, während Arthur und das Königreich der Minimoys in Deutschland eigentlich nur durch die Synchronsprechrolle des Tokio Hotel Singers Bill Kaulitz medienwirksam war.

Da eigentlich niemand in Deutschland tatsächlich die Filme kennt ist es sehr unverständlich warum man sich dann doch für diese Lizenzen eingesetzt hat, denn auch ohne den Filmbezug und ohne dem eher bescheidenen Name des eigentlichen Fahrgeschäfts könnte die Bahn funktionieren. Andererseits besuchen sehr viele Franzosen den Park und wie sich bereits allzu oft in englischen Freizeitparks gezeigt hat braucht man Themenbereiche auf Lizenz bekannter Kinderserien um heutzutage noch erfolgreich die Massen anzuziehen.

Französische Lobbyarbeit – the Ride befindet sich mit einigen Rutschen, einem schön gestalteten Zamperla Jump Around und einem Zierer Familienfreifallturm, im Themenbereich ‚Königreich der Minimoys‘, einer sehr kompakt ausgefallen Halle, ähnlich dem Themenbereich ‚Wuze Town‘ im Phantasialand. Der Verlauf der Achterbahn an der Decke der Halle entlang ist dort aber eigentlich bereits das Highlight des öffentlich einsehbaren Bereichs.

Da die Anlage in diesem Jahr noch mit dem Prädikat ‚neu‘ versehen ist sollte man hier bereits zu Beginn des Tages aufschlagen, auch wenn technische Kinderkrankheiten eine Öffnung um einige Minuten nach hinten schieben kann. Dafür steht man im Verlauf des Tages nicht so lange und kann sich gleich bei Arthur anstellen. Da die Single Rider Line erst sichtbar ist wenn man das Eingangsportal zu der Anlage passiert hat kann es sich auch lohnen zumindest dort vorbeizuschauen und sich nicht von der regulären Warteschlange ablenken zu lassen.  

Nachdem man den, zumindest im Inneren, schön angelegten Wartebereich passiert hat nimmt man in den passend gestalteten Wagen Platz, welcher im Laufbandverfahren abgefertigt wird. Eine Drehung und gleichzeitige Filmsequenz später findet man sich geschrumpft im Reich der Minimoys wieder und wird zugleich mit einem Novum im Europa Park konfrontiert, dazu aber später mehr.

Überraschend rasant geht es dann die Strecke empor, bevor man im richtigen Tempo an einigen Darkrideszenen vorbeifährt. Kurz darauf folgt der erste wirkliche Achterbahnpart, bei welchen man kurz die Halle verlässt. Eine Kurve später und wieder im Inneren der Halle zeigt sich die ‚Paradise Alley‘ von ihrer besten Seite, ein zugegebenermaßen sehr originell gestaltetes Szenenbild. Ein paar Schienenmeter später flüchtet man dann vor einer Ratte und findet sich unter der Dachkonstruktion der Halle wieder, woraufhin es in der nächsten Szene zum Bosskampf kommt. Hier demonstriert die Firma Mack allmögliche Features an ihrem Wagen und so kommt auch der anfangs noch unsinnig erschienene Knopf auf dem Bügel zu Einsatz. Es folgt der zweite Achterbahnteil der Anlage, bei dem auf einer kurzen abwärtsführenden Kurvenkombination etwas Tempo geboten wird, jedoch in der folgenden Aufwärtshelix wieder massiv gedrosselt wird, woraufhin sich die Fahrt auch ihrem Ende nähert.

Die Verabschiedung der, aus dem Film bekannten oder unbekannten Protagonisten, zeigt eine gewisse  Konsequenz die man bei vielen anderen Themenfahrten im Europa Park bislang vermissen musste, auch fehlt Arthur die typisch überladenen Szenen. Es ist daher kein Wunder, dass Arthur – the Ride, welche ich zuvor, mehr als scherzhaft, als französische Lobbyarbeit abgestempelt hatte, als Themenfahrt überzeugen kann, denn diese ist handwerklich gut gemacht und weist eine gewisse Symbiose aus handwerklich gut gestalteten Szenen und beinahe schon altmodischen Animatroniks auf, während auf moderne Gestaltungsmittel und einer gewissen, jedoch glücklicherweise dezenten, Interaktion nicht verzichtet wird.

Als Achterbahn jedoch ist Arthur nur ein Prototyp bei dessen Nachfolgern noch vieles verbessert werden kann, so ist unter anderem die allgemeine Laufruhe nicht wirklich berauschend und auch mit den Drehungen der Gondeln kann man mehr spielen. Dennoch steckt viel Potential in diesem System, so dass es wahrscheinlich in den nächsten Jahren weitere Exemplare geben wird.

Viel wichtiger als die eigentliche Attraktion selbst ist jedoch ihre Lage, denn von ihr profitiert, der zumindest zuvor eher minderbesuchte Märchenwald, massiv und dieser ist tatsächlich sehr anschaulich geraten.