Ein Tag in der bunten Zuckerwelt


Am 31.07.2010 stand frühes Erwachen auf den Programm, da es Hauke abzuholen galt um mit ihm die Fähre von Puttgarden nach Rodby zu nehmen. Blöderweise fuhr uns das erste Schiff vor der Nase fort, daher wurde erst das nächste Schiff mit uns beladen (glücklicher Weise fahren die Fähren hier jedoch im Halbe-Stunde-Takt). Auf der anderen Seite angekommen fuhren wir ohne Plan welche Abfahrt denn zum Park führt drauf los; ein fataler Umstand, denn Sehenswürdigkeiten sind in Dänemark meist nur kurz vorher ausgeschrieben und auf den Autobahnen wird meist nur das erste Dorf der Umgebung erwähnt. Ein Anruf von Hauke hat dann aber gereicht und schon konnten wir im letzten Moment die richtige Abfahrt noch nehmen. Der Weg führte uns in BonBon-Land, wo wir auf den Parkplatz sofort bemerkten, dass es heute ein voller Tag ist.

Gleiches Bild ergab sich dann logischerweise an den Kassen. Da wir aber unsere Tickets bereits online gekauft haben, ging es hier im Vergleich noch schnell. Von Außen konnte man schon die Neuheit des Jahres 2010 sehen und im Inneren bemerkten wir das auch hier „Sammy großes Abenteuer“ im 4D-Kino gezeigt wurde.

Positiv zu sehen war, dass sich im Park alles relativ gleichmäßig verteilt hat. Zu Beginn des Tages war es von der Fülle her ausreichend noch nicht mit den vollen Kapazitäten zu fahren, gegen Nachmittag wurden dann alle verfügbaren Fahrutensilien auf die Strecken gesetzt.

Unseren Anfang machten wir mit Albatrossen, einer Zamperla Disk’o. Im Gegensatz zu den Discocoastern macht die Fahrt deutlich mehr Laune. Auch der Richtungswechsel war hervorragend um ein zu monotones Rumgedrehe zu vermeiden.

Nebenan fuhr der Eurofighter Prototyp Vildswinet seine Runden. Unerwartet sanft ging es den Parcours wie ein Wildschwein abgerast. Besonders hervorzuheben ist dabei die, nach dem Drop mit 97° Gefälle folgende,  Steilkurve welche in einem Looping mündet, jedoch verliert die Anlage nach der Blockbremse an Spannung, wodurch dieser Teil die Anlage nur komplementiert, nicht aber erneut hervorhebt. Die passende Gestaltung zum dänischen Raser ist nicht nur passend sondern schlichtweg überzeugend.

Nach kurzem Begutachten der Warteschlange wurde die Neuheit des Jahres 2010 namens Svend Svingsarm unsicher gemacht. Da ich bisweilen nur die HUSS Version der großen Parkfrisbees kenne habe ich ehrlich gesagt nichts erwartet, was hier jedoch auf mich zu kam verdient nur ein Wort: Genial! Sitz man zwischen zwei Rasten, so hat man enorme Airtime. Der Ausschwung erreicht insgesamt einen sehr großen Radius und die Bahn wechselt während der Fahrt auch gerne mal die Drehgeschwindigkeit der Gondel und  deren Fahrtrichtung. Endlich mal ein Zamperla Gerät, welches sich lohnt so oft wie nur möglich zu kopieren. Nur ist die Abfertigung hier für eine Person zu langsam und die Bahn nicht dem BonBon-Land entsprechend thematisiert.

Für Hauke wartete noch eine neue Achterbahn auf ihn und für mich den längsten Tivoli-Coaster aus dem Hause Zierer den ich je gefahren bin. Nachdem man bei Victor Vandorm ungewöhnlich hoch startet baut man durch den lustigen first Drop ordentlich Geschwindigkeit auf. Darauf folgt ein von außen nach einer Wasserung aussehender Part, langgezogene Geraden und Kurven bis man irgendwann wieder in der Station ist und dort unnötiger Weise zu einer zweiten Runde aufbricht. Die Kapazität ist aller Erwartungen statt eines Personenschluckers unter aller Sau, so dass es nicht verwundert wenn man hier die zweit längste Warteschlange hat. Die Gestaltung wirkt seltsam, da man leider bemerkt das die Anlage früher mal woanders gestanden haben musste; in diesem Fall im Panorama Park, Kirchhudern, NRW.

In der nähe des Tivolis mit der seltsamen Strecke und teilweise darüber befindet sich die Schlauchbootbahn Rejen mit Fotoanlage. Einige Meter daneben kann man die Raftinganlage des Parks auffinden. Das Bieberrafting hat einen schönen, uneinsichtigen Streckenverlauf mit, im Vergleich zu anderen europäischen Anlagen, hohen Nässegrad. Die Gestaltung der Anlage ist gelungen und kann mehr überzeugen als die meisten deutschen Anlagen.

Da eine Wartezeit von über einer halben Stunde für Sammys großes Abenteuer deutlich zu viel ist wurde die in der Nähe liegende Hundeprut Achterbahn genauer unter die Lupe genommen. Der Streckenverlauf entspricht einem Zierer Force One, jedoch wurde die Anlage hier aufwendig verkleidet und einfallsreich gestaltet. Der Furzgag beim Vorbeifahren des Zuges entspricht gänzlich dem dänischen Humor.

Leider nicht mehr vorhanden ist der gesamte Heegekatalog des Parks und auch der Scheibenwischer. Auch kann man in den Fällen immer noch einige Überreste entdecken. Weiter abseits gelegen ist die von Metallbau Emmeln erbaute Schiffschaukel Klaptorsken.

Als letzte Achterbahn erwartete uns der Gerstlauer Spinning Coaster Hankatten, welcher zwar nicht an die Spinningcoastergottheit Dragon’s Fury des Herstellers von Maurer Söhne herankommt, dennoch als spaßigeres Exemplar in meiner Erinnerung bleiben wird. Die nach Innen gerichtete Sitzposition macht die von Gerstlauer erbaute Anlage aus, was sie auch zum größten Teil von den anderen Herstellern unterscheidet. Die Strecke selbst ist rasant und weißt einige Helices und lustige Drops auf, jedoch fehlt ein Immelmann-Turn um die Bahn perfekt zu machen. Die Gestaltung der Anlage ist auch hier gut gelungen, auch wenn sie größtenteils nur aus den Resten des HUSS Condors besteht. Darüber hinaus sind die Musikeinspieler eine Klasse für sch.

Auch eine Erwähnung wert sind wie immer Fabbri Türmchen, welche als Besonderheit einen Abschuss nach unten aufweisen. Cobratarnet ist leider im Vergleich zu anderen Anlagen dieses Types in der Abbremsung zu weich, jedoch wartet man oben glücklicher Weise keine Ewigkeit wie bei der Anlage im Zoo- Safari- und Hollywoodpark Stukenbrock.

Auch der Seelöwe wollte von uns geritten werden. Hierbei handelt es sich bei um eine Themenfahrt durch die verschiedene Kontinente unserer Welt. So kitschig und überzeugend die Gestaltung doch ist, so fehlt leider etwas was die meisten kitschigen Weltreiseattraktionen beinhalten, ein furchtbar kitschiger Song. So fällt der Søløven recht positiv aus, könnte aber noch besser sein.

Des weiteren gibt es noch eine kleine Wildwasserbahn in Kanalrattenthematisierung mit einer leider trockenen Fahrt, ein hervorragender Wellenflieger in Schildkrötenoptik, eine Zierer Berg- und Talbahn mit den bekannten Drachenzug und vieles weiteres mehr. Das Portfolio des Parks ist dabei gut gewählt und kann in der Gestaltung der Anlagen sehr gut  überzeugen. Schade ist nur das die Abfertigung stellenweise zu langsam ist und die begrenzten Anstehschlangen zu kurz sind, so dass man zwangsläufig den anderen Passanten den Weg blockiert.

Das BonBon-Land ist ein sehr skurriler Freizeitpark, welcher sicherlich bei geringeren Andrang sehr viel Spaß machen kann. Die Kapazitäten sind begrenzt, überall bestehen Lücken alter Fahrgeschäfte und irgendwie scheint alles ein wenig konzeptlos platziert worden zu sein; was wiederum sehr gut zur eigentlichen Gestaltung des Parks passt – denn das Bonbon-Land ist genauso wie das Portfolio des Zuckerbäckers nebenan, die ja auch den Park gegründet hatten.