Océ-ade


Wenn es ein europäisches Landmark gibt, das fachgerecht fürs Cold Opening einer fast nicht in Kurzfassung erklärbaren Trip-Prämisse herhalten kann, dann wohl das berühmte Atomium in Brüssel, der Hauptstadt von Belgien.  Fünf Jahre lang hat das direkt nebenan liegende Plauschbad Océade nämlich immer wieder Aufschub erhalten, was seine drohende Schliessung anbelangt. Nun wurde im Sommer dieses Jahres aber bekannt, dass der 30. September 2018 definitiv der letzte Betriebstag sein wird und man das Gelände mitsamt ein paar der umliegenden Attraktionen zu Wohn- und Shoppingflächen umnutzen wird. Da das Océade für mich eins der wenigen Plauschbäder ist (oder inzwischen wohl leider: war), das aufgrund seiner enorm einzigartigen Rutschen vor so einem letzten Glockenschlag unbedingt noch in seiner ursprünglichen Form erlebt werden wollte, entstand eben die Notwendigkeit einen Kurztrip nach Brüssel zu spinnen.

Apropos spinnen: Mein lieber Schwan, kann einen die Trip-Planung nach Brüssel in den Wahnsinn treiben! Hotel- und v.a. Anreisepreise mit jedweden Verkehrsmitteln schwanken je nach Datum wie die berühmte Aufwärtsrampe des ursprünglichen Rattlers in San Antonio! Ich hab wirklich so ziemlich alle Daten und Varianten durchprobiert und -gerechnet, die mir aufgrund der Arbeit, der Kurse, der Öffnungszeiten der anvisierten Ziele und der Terminberücksichtigung allfälliger Mitreisender möglich waren, kam aber weder auf einen grünen Zweig vom Zeitlichen her, noch auf etwas für mich Bezahlbares. Schlussendlich blieb nach langem Abwägen nur noch die bekloppteste aller Varianten übrig: selber von der Schweiz aus da hoch zu fahren. Zwar sind die so zu absolvierenden fast 700 km pro Weg wahrlich nicht von Pappe – besonders angesichts der Tatsache, dass man dabei direkt (und das ist wirklich unmittelbar zu verstehen!) an einem auch seit langem auf der To-Do-Liste stehenden, nachsaisonsbedingt unter der Woche jedoch geschlossenen Parkziel vorbeifährt: Walygator Parc. Schlussendlich erlaubte dies aber die nötige Flexibilität, so einiges am Rande mitzunehmen, was mit anderen Verkehrsmitteln nicht möglich gewesen wäre. Und auch die nur drei möglichen Freitage von der Arbeit sowie die schlussendlich doch nicht gekonnt habenden potentiellen Mitstreiter liessen dann nicht mehr viel anderes zu.

Lange Rede, kurzer Sinn: Entstanden ist auf diese Art ein dreitägiger Ego-Roadtrip nach Brüssel, auf welchem die Piscine Olympique d’Amnéville, Walibi Belgium und eben das zum Ende verdammte Océade mitgenommen wurden.

Nach dem Walibi Besuch ging es auf fast direktem Wege (Vielen Dank auch erneut, belgische Nicht-in-Spur-Lasser!) zurück auf die Autobahn in Richtung Brüssel. Nur zwei nervenauftreibende Bouchon-Situationen und damit etwa 40 Minuten später (Wie halten die Brüsseler das nur jeden Tag aus?) war ich in der Nähe des berühmten Atomiums und ehemaligen Expo-Geländes angekommen, wo auch das zweite und eigentliche Hauptziel für heute liegt: das Océade.

Die Anfahrtstipps auf der Website empfehlen die offiziellen Parkplätze der Métrostation Heysel für 6€ Tagesgebühr, aber es gab zu der Tageszeit noch unzählige freie Strassenparkplätze in unmittelbarer Nähe, wo man an den Parkuhren per Tastatur sein Nummernschild und die Abfahrtszeit eingeben und den so um einiges geringeren Betrag sogar mit Kreditkarte bezahlen konnte – prima!

Entsprechend war es nur noch ein kurzer Fussmarsch über das Bruparck heissende Gelände, auf dem sich eben das Atomium, ein Miniaturland namens Mini-Europe mit Wahrzeichensrepliken vom gesamten Kontinent, verschiedene Imax-Kinos und diverse andere Freizeit- und Vergnügungseinrichtungen zusammengruppieren.

Und wenig später bin ich am Eingang des eigentlichen Reisegrunds angelangt. Durch die Verkehrsüberlastungen habe ich halt einiges der für das Bad einberaumten knappen Zeit verloren, so dass ich an der Kasse nochmals darauf aufmerksam gemacht wurde, dass man bereits um 18.00 Uhr schliessen würde. Dennoch bezahlte ich den Vier-Stunden-Tarif von 20€ und stand schon wenig später fertig zum Wasserspass umgezogen in der grossen Halle.

Positiv hervorzuheben: Da sich das Bad im flämischen Teil der Stadt und des Landes befindet (oder befand, muss man inzwischen ja leider schreiben) sind eng anliegende Badeshorts wie im Aqualibi nicht vorgeschrieben. Eher negativ hervorzuheben: die Umkleidebereiche. Zwar sind sie dank einem Kabinensystem mit zwei Türen, wo man auf der einen Seite in Strassenkleidung rein und auf der anderen in Badekleidung umgezogen wieder raus geht sehr sauber und auch grosszügig angelegt. Allerdings zeigte sich hier wieder dasselbe Problem wie damals im Aquaboulevard in Paris: Schafft man es im französischen Sprachraum denn echt nicht, leicht anwinkelbare Türen bei sowas einzubauen, damit von aussen klar ersichtlich ist, welche Kabinen besetzt sind und welche nicht? Die jetzigen Installationen haben nämlich zur Folge, dass impertinente Bälgier™ johlend jede einzelne Tür laut anstossen und wieder zuknallen lassen. Den ganzen Umziehvorgang über ist man so von einer unglaublich nervtötenden und hektischen Geräuschkulisse umgeben.

Nun ja, einmal kurz angenetzt und vom Vampire-Bügelgeschmier gesäubert muss man nur noch einen Satz Treppen überwinden und schon steht man in der grossen Haupthalle. Sieht durch die karibische Gestaltung mit Piratenthema wirklich einladend aus und erinnert, wie von Tuberides auch festgestellt, v.a. durch das Glasdach mit den geschwungenen Holzbanken ein bisschen an den Aquaparc Le Bouveret. Disclaimer: Die Fotos wurden wieder einmal heimlich und in aller Hast gemacht, da eigentlich streng verboten – also bitte ich die verwackelte Qualität zu entschuldigen.

Hier am Wellenbecken werden alle 20 Minuten relativ seichte Wogen auf den flach auslaufenden Brandungsstrand losgelassen. Für richtigen Spass sorgen sie allerdings anderswo: Auf der in Blickrichtung gegen die Wellenmaschine linken Bassinseite zweigt ein enger Kanal ab, wo die Wellen in „konzentrierterer“ Form dann nur so durchpeitschen! Ausserdem gibt es neben Hangelseilen dort auch eine Art Bucht, wo die Wellen bei Betrieb anschlagen und man zum Hochspringen gezwungen wird – macht Spass! Und bei abgeschaltetem Wellenbetrieb gibt es im tieferen Bereich ein Affenschwanz-Seil zum Hochklettern sowie zwei parallele gelbe Kinderrutschen im Brandungsbereich. Oberhalb der Wellenmaschine und auf der rechten Beckenseite gibt es zusätzlich noch zwei warme Whirlpools, die merkwürdig gelb und grün schimmern, obgleich keine entsprechenden Lichtstrahler darin zu erkennen sind.

Der erwähnte Kanal ist direkt mit einem kleinen Indoor-Erlebnisbecken verbunden, wo sich diverse Sprudelattraktionen und auch der Übergang zum Freiluft-Teil befindet. Auf diesem ganz kurz vor Betriebsschluss gemachten Foto ist der mit dem üblichen durchsichtigen Plastikvorhang versehene Durchgang allerdings bereits mit einer weissen Store verschlossen. Lustig: Die vom Wellenbecken herkommenden Wogen brechen weder im Kanal noch hier sonderlich zu einer kleineren Erscheinungsform runter, so dass sie bei Wellenbetrieb immer gegen den Plastikvorhang knallen und sogar ins Aussenbecken weiterrollen. Ist man also draussen und hört den langen Jingle nicht, der den Beginn des Wellenbetriebs jeweils ankündigt, merkt man also irgendwann dennoch, dass in der Halle die Wellen laufen. Ähm, LOL? Sowas hab ich echt noch nie gesehen!

Im Aussenteil des Bassins gibt es einen kleinen Strömungskreisel (gerade mit Wellen vom Wellenbad gespiesen noch zusätzlich witzig) sowie einige Massagedüsen und einen Wasserpilz. Die sich durch die gesamte Anlage ziehende Konzentration an Fällen von „Okay, so kurz vor der endgültigen Schliessung wird hier wohl einfach nichts mehr gemacht“ war hier leider am augenscheinlichsten. Abgesprungene Platten und Fliesen, rostige Stangen, abgenutzte Wände, Treppenstufen mit gefährlich abgesplitterten Bodenplattenkanten, verschmierte Dekorationen und Pflanzenkübel…

Und zudem gerade hier draussen irgendwie recht trübes Wasser. Keine Ahnung, ob das durch die Befliesung des Bassins im Tageslicht einfach so wirkt, und bei einem Naturbad hätte ich dafür ja auch Verständnis, aber bei einem grundsätzlichen Chlorwasser-Bad bin ich da dann doch eher heikel und möchte das Untertauchen gern auf ein Minimum beschränken. Auch nicht wirklich geholfen hat die Tatsache, dass sich hier draussen eine im Eintrittspreis enthaltene Textilsauna befindet, wo man des öfteren Badegäste ohne Tuch zum Unterlegen reingehen sah und wo nebenan auch keine Dusche oder etwas derartiges zum hinterher Abspülen zu sehen war. Und man dahingehend annehmen muss, dass die Abkühlung nach erfolgtem Ausschwitzen eben direkt wieder im Becken erfolgt. Irgendwie schon eher beruhigend, dass ich mein Reisekit an Wattestäbchen zum Schwimmzeug mit eingepackt hatte. Da hab ich noch ein gewisses Trauma von einem auch sehr trüben Pool im (damaligen) Sheraton neben dem berühmten Atlantis auf den Bahamas…

Allerdings sind wir hier auch an einem guten Überleitungsstichwort angelangt: Direkt hinter besagtem Saunahäuschen befindet sich nämlich die Aufgangstreppe zum Outdoor-Rutschenturm – und dafür sind wir doch eigentlich hergekommen. Lustigerweise waren diese Rutschen auch stets im Winter in Betrieb: Sowohl Tuberides als auch verschiedene Tripadvisor-Reviews bestätigen, dass die Rutschen ab 5°C Aussentemperatur wahrhaftig liefen! Da fühlt sich der Alpamare-gewöhnte Schweizer ja schon fast wieder heimisch. Allerdings ist der Weg über die dann wohl eiskalten Treppen wohl doch die grössere Überwindung als die paar Outdoor-Abschnitte auf viereinhalb der elf Rutschen in Pfäffikon. Das brachte mich nämlich ehrlich gesagt auch bei den bei meinem Besuch vorherrschenden 15°C schon ein bisschen ans Limit.

Bala de Cañón

Bei der Doppelanlage Bala de Cañón handelt es sich um sogenannte Cannonball-Rutschen, die nur aus einer Schussfahrt bestehen und ein gutes Stück über dem Auffangbassin einfach aufhören. Wie auf dem obigen Foto auch gut zu erkennen führt das unmittelbare Röhrenstück nach der Schussfahrt sogar noch ein klitzekleines Stückchen aufwärts, so dass man auch einen schön weiten Schanzensprung hinlegt! Sehr lustig und gründsätzlich zu x-fachen Wiederholungsfahrten anstachelnd, aber bei den Temperaturen wirklich nur für die Hartgesottenen und guten Schwimmer zu empfehlen.

Salto Angel

Diese eine Etage über den Balas de Cañón startende Anlage ist eine sogenannte Multipiste-Rutsche, wo man sich auf vier parallelen Spuren ein Wettrennen über zwei Schussfahrten liefern kann. Durch die engen Wechsel zwischen flachen und steilen Abschnitten, das stechende kühle Spritzwasser und die sehr abrupte Abbremsung im Auslaufbereich langte mir hier eine Pflichtfahrt. Aber unbedingt erwähnenswert: Wie von Tuberides und vom oben angefügten Foto ansatzweise dokumentiert, kann man auf der ganz linken türkisen Spur die Wassermassen auf den Gehweg neben dem Bad rüberprasseln lassen und so unwissende Passanten soaken! Yee-haw!

Die vier rutschenmässigen Sahnestücke des Bads – die eigentlichen Trip-Durchführ-Gründe – starten von einem engen und am höchsten Punkt 18 Meter hohen Rutschenturm aus. Vom zweitobersten Deck startet die nachträglich angebaute Anaconda, eine Van-Egdom-Rutsche mit Magic-Eye-Profil. Und ganz zuoberst haben L’Ouragan, Caméléon und Barracuda ihren Start. Bei diesen dreien handelt es sich um Anlagen, die ursprünglich von der legendären holländischen Rutschenschmiede PPK Promoplast designt wurden – berüchtigt für ihre heftigen 90er-Jahre-Layouts und z.B. auch für den Blauen Wal (Typhoon) oder den originalen Grünen Hai (Blizzard) im Miramar Weinheim verantwortlich. 2010 resp. 2012 wurden die Anlagen hier von Van Egdom mit 1:1 beibehaltenem Layout erneuert. Wodurch also ein historisch wertvolles Stück Rutschen-Brutalitätsgeschichte für die 2010er-Jahre konserviert wurde, könnte man sagen.

Zu den Rutschenstarts führt eine enge Wendeltreppe den Turm hinauf – und Mann, hat die irgendwann ihren Tribut gefordert! Durch die sättigende Mitraillette und den kohlensäurehaltigen Eistee intus, durchs Hochgetrieben-Werden von ungeduldigen drängelnden Kinderscharen, durch den konstanten Treppenstufenverlauf ohne Pausierplattformen zwischendurch, durch die hochzuschleppenden Reifen im Arm und selbstredend auch durch den enorm hohen Suchtfaktor der hier vorhandenen Weltklasse-Rutschen ging mir mehr als nur einmal komplett die Puste aus. Hier musste ich wirklich lernen, an den Starts erst einmal tief Luft zu holen und den Atemrhythmus wieder zu normalisieren, dafür gegebenenfalls auch mal jemanden vorzulassen. Denn besonders die Bodyslides haben mehr als nur einen Nasenspül-Moment in petto, die man zwar irgendwann durch die zwischenzeitlich gelernten Layouts vorausahnen, aber nur mit genügend Luft in der Lunge ohne Probleme überstehen kann! So oder so bescherte mir diese Treppe noch einen tagelang spürbaren Muskelkater, aber DAAAMN, war der das auch wert!

Zeitweise wird der Einlass zum Turm von den Lifeguards geregelt. Die meiste Zeit während meines Besuchs über war vor dem Aufgang eine Wand aus Plastikbarrieren und Reifenstapeln aufgebaut, so dass man immer erst über den rund ums Landebassin von Barracuda rumführenden Steg laufen musste, um dort einen Reifen zu schnappen oder eben von den Bademeistern noch kurz zurück gehalten zu werden. In der letzten Betriebsstunde des Tages wurde da aber alles weggeräumt, da dann allgemein weniger Andrang im Turm herrschte.

Anaconda

Die 132 Meter lange Anaconda ist eine Magic-Eye-Rutsche, oder „Oval Slide“ im Van-Egdom-Sprech. Gerutscht werden darf hier mit Einer-, Zweier- und solchen dreieckigen Dreierreifen in denen man mit dem Rücken zueinander „nach aussen zeigend“ sitzt. Sogar als Bodyslide darf sie genutzt werden, wovon ich aber eher abraten würde, denn die Fugen spürt man dabei so zwickig und unsanft  im Rücken wie wenn man z.B. auf der Cresta Canyon im Alpamare den Reifen verliert. Eine Abstand anzeigende Ampel gibt es zwar und die Hinweistafel untersagt eigentlich Kettenbildungen, aber trotzdem haben sich die zahlreichen übermütigen Kids natürlich genau dies nicht nehmen lassen – gerne auch zu abstrusen Haufen aus Ringen und kleinen Körpern zusammengewürfelt, die sich unterwegs dann halt auflösten. Aber was will das Personal denn gross machen? Hausverbot erteilen?

Der Rutschenverlauf an sich ist, wie bei solchen Magic Eyes meistens, eher unspektakulär. Er beginnt mit einer Doppelhelix, die in der zweiten Hälfte gefühlt ein wenig den Radius variiert und einen dabei ab und an doch ordentlich zum Schaukeln bringt oder an der Wand kleben lässt. Danach folgen noch einige weitere Kurven und sogar zwei Jumps, die etwas Abwechslung ins Layout bringen. Dies alles ergibt mit dem stetigen Wechsel zwischen Daylight-Ringen, kleinen Lichtfensterchen oder aber dunklen Abschnitten mit Lichteffekten ein durchaus solides Machwerk, das gerade auch durch die zugelassene Bandbreite an Rutschweisen zu vielen Wiederholungsfahrten anstachelt. Und natürlich die Tatsache, dass man die olle Turmtreppe hierfür nicht ganz bis nach oben bezwingen muss.

L’Ouragan

Dabei handelt es sich um eine bei 18 Metern Starthöhe bloss 80 Meter lange pinke Turborutsche – entsprechend wird man sich denken können, dass es hier relativ heftig zur Sache geht. Die Strecke beschreibt einen für den ursprünglichen Hersteller und offenbar auch für die Benelux-Länder ganz allgemein typischen Steilhelix-Verlauf, der im unteren Teil zwar erheblich den Radius erweitert, den Neigungsgrad dabei aber immer beibehält. Dahingehend erreichen die Rutscher hier locker 40 Sachen und werden mit unerbittlichen Positiv-Gs hart in die Rutschwand gepresst.

Ich mag diesen Rutschentypus per se ja nicht so, bin hier aber doch einige Male runter, da der Ouragan schlicht und ergreifend eine der „erträglicheren“ Ausgaben dieses Typs ist und sogar für mich einfach nur ein Riesengaudi war. Ich kann ganz besonders hier aber wirklich nur raten: unbedingt richtig verschnaufen und tief Luft holen bevor es los geht. Nicht nur zwingen einen die gnadenlosen G-Kräfte zu einer Art Pressatmung, sondern man kriegt trotz der Tatsache, dass man eigentlich die ganze Zeit über neben dem Wasserfilm rutscht, badewannenweise Gischt direkt in die Nase katapultiert. Sofern man die Körperspannung beibehält ist auch die Landung relativ sanft, obwohl man eine Kollision mit der linken Wand des Auffangbereichs eigentlich nicht vermeiden kann. Dennoch: der absolute Wahnsinn!

Caméléon

Kommen wir nun zum absoluten Pièce de Résistance des Bads, dem Caméléon! Dabei handelt es sich um eine 140 Meter lange White-Hole-Rutsche, die ihrem Namen alle Ehre macht, da man am Start zwischen gesamthaft acht verschiedenen Lichteffekt-Programmen im Innern auswählen kann. Sie hat 2012 die Cyclone-Rutsche gleichen Verlaufs ersetzt und ist wie die PPK-Vorgängerin (und auch die Nachbarin daneben, nebenbei bemerkt) im breiten Reifenrutschen-Durchmesser von 140 Zentimetern ausgeführt – darf aber ausschliesslich als Bodyslide benutzt werden! Wer den Blauen Wal (oder inzwischen eben Typhoon) im Miramar kennt, der weiss was das heisst: schaukeln, schaukeln, schaukeln!

Gleich zu Beginn holt man auf einer gut drei Meter hohen Schussfahrt schon ordentlich Schwung und prescht damit durch eine enge Rechtshelix, die einen so weit an die Ränder aufschwingen lässt, dass man – egal was man tut – den gesamten Fliesswasserbestand auf die nach oben zeigende Körperhälfte drauf befördert. Immer und immer wieder! Ein irrsinniger Spass, der aber unabdingbar die richtige Atemtechnik voraussetzt! Gerade mit den je nach Programm total vom Layout ablenkenden Lichteffekten kann das fatal sein – hier musste sich wirklich ein Lernprozess einstellen, um die Stelle bei Wiederholungsfahrten ohne Chlorinjektion heil zu überstehen. Im Anschluss überfliegt man airtimeschwanger einen kleinen Jump und flitzt mit dem gewonnenen Speed nun parallel zur Nachbarin – ganz typisch für doppelte PPK-Anlagen – durch eine weite Linkshelix. Auch hier gehört das erste Aufschaukeln mit zum Heftigsten was man auf einer Bodyslide erleben kann, ganz ohne Übertreibung.

Nach und nach ein wenig auspendelnd, aber nie sein enormes Tempo verlierend rauscht man nach der um insgesamt 540° wendenden Spirale nun über eine flache Abwärtsrampe, wo man noch mehr Geschwindigkeit rausholt. Der daraufhin folgende Richtungswechsel in eine enge Rechtshelix ist schlicht und ergreifend der komplette Irrsinn – man hat den Eindruck im 140-Zentimeter-Rohr einen Overbanked-Turn-Winkel zu erreichen und kriegt richtig Bammel vor den Auswirkungen des Zurückschwingens! Einfach grandios! Mit der nun erreichten Kombi aus Speedrush und Schaukelmayhem hat man keine Chance, den letzten Jump irgendwie gerade und ohne Abheben zu absolvieren. Ganz ähnlich wie auf der Cobra im Alpamare hebt man in den allermeisten Fällen in brachialer RMC-Manier ab – also mit Airtime in einem vollen 90°-Winkel – leitet dennoch irgendwie einen halbwegs begradigenden Sturzflug ein und donnert schliesslich hart und heftig in der Landezone auf. Wo man nur noch einen Wunsch hat: nochmaaal!!! Und das so lange, bis man alle Lichteffekt-Szenarien durchprobiert hat!

Holy hell, ist das eine geile Wasserrutsche! Der gewohnt heftige PPK-Promoplast-Verlauf, die unerreicht jenseitigen Ausschwingmomente im 140-Zentimeter-Durchmesser, die richtig brutalen Jumps, die zu unzähligen Wiederholungsdurchgängen anstachelnden Lichteffekte (allein schon deshalb, weil der Tastendruck am Panel wohl nicht jedes Mal richtig anhängt) und einfach die allgemein enorm gewaltsame Natur dieser Rutsche machen sie zu einem absoluten Knüller und neben der linken Twister-Spur in der West Edmonton Mall auch zu einer meiner besten je gerutschten Bodyslides. Zwar spürt man an einigen Stellen die Fugen doch etwas unangenehm im Rücken, aber das fällt wohl leider auch in die Kategorie „Da machen wir jetzt nichts mehr“, und es gibt in der Hinsicht immer noch weitaus schlimmere Kandidaten. Viele Badegäste sind deswegen auch mit Einzel- und sogar Doppelreifen die Rutsche runter, obwohl der Startbereich nur bedingt dafür geeignet ist. Aber wie gesagt: Was soll das Personal gross machen?

In jedem Falle eins der absoluten Rutschhighlights wo gab und eigentlich im Alleingang schon ein triftiger Rechtfertigungsgrund für die völlig bekloppte Anreise. Ganz besonders bei diesem Exemplar würde es mir wirklich das Herz brechen, wenn es nicht an einen anderen Standort versetzt wird. Randnotiz zu den Lichtprogrammen: Wie erwähnt bleibt der Tastenbefehl am Start wohl oft nicht so richtig hängen, so dass man schlussendlich gar nicht sicher ist, ob nun das ausgewählte Szenario abgespielt wird. Positiv im Gedächtnis geblieben und sich merklich von den anderen unterscheidend ist Flashlight (mit verschiedenfarbigen Stroboskopblitzen), markant langweilig dagegen Green Halloween, da die Röhre dann statisch grün ausgeleuchtet bleibt.

Barracuda

Als letzte im Verbunde bleibt dann noch Barracuda übrig, die 146 Meter lange benachbarte Spur zu Caméléon, die 2012 die PPK-Vorgängerin Bounty Raft an gleicher Stelle 1:1 ersetzt hat. Hier darf ihrer Spurbreiten-Natur gemäss eigentlich nur in Einzelreifen gerutscht werden, aber man hat hier auch oft Doppelreifen oder die Körpernutzung beobachten können. Hat mich ehrlich gesagt erstaunt, das so geregelt anzutreffen, denn ich war mir fast sicher, irgendwo einmal gelesen zu haben, dass diese Rutsche als erste Doppelreifen-Rutsche Belgiens promotet wurde, und sowohl auf älteren Fotos als auch im oben verlinkten Video ist auf der Rutschanleitung am Start, so meine ich zumindest, ein Piktogramm für die Nutzung in Doppelbobs zu erkennen…

Wie auch immer: Auch hier wird über den ordentlich steilen Initialsturz erst einmal zünftig Geschwindigkeit aufgebaut, bevor es dann parallel zur Nachbarin verlaufend demgemäss zuerst durch die weite Rechts- und danach durch die enge Linkshelix geht; dabei stets zwischen transluzenten, dunklen und Daylight-Abschnitten abwechselnd. Im Reifen sitzend wirkt das Aufschaukeln in den Richtungswechseln natürlich etwas weniger intensiv als auf dem Rücken liegend, gleichwohl ist man schlicht fassungslos darüber, was hier für Schräglagen erreicht werden können! Wenn man mit dem Kopf zur Strecke mitwippt, muss man wirklich aufpassen, ihn nicht an der Röhrenwand anzuhauen.

Im Prinzip folgt hierauf spiegelverkehrt ein ähnlicher Verlauf wie auf dem Caméléon, anstatt einer flachen Rampe hier jedoch mit einem markanten Jump ausgestattet. Es folgt also ein sehr abrupter Richtungswechsel in eine enge Linksspirale – und hier interessanterweise mit einem kurz hellblauen Röhrensegment. Das wurde der Vorgängerin Bounty Raft nämlich bereits vor dem Neubau von Van Egdom eingesetzt und in der Replik der Gesamtanlage dann einfach übernommen – hier gut zu erkennen. In jedem Falle ist auch dieses Aufschaukeln wieder jenseits von gut und böse und sorgt für eine konstante Pendelbewegung durch die ganze Resthelix und auch über die daraufhin absolvierte Abschlussrampe, die per Plumpsauslauf schliesslich in ein klassisches Schwimmbecken mündet. Und nach der sechsten Fahrt oder so hat man auch die optimale Gewichtsverlagerung drauf, mit der man hier hübsch übers Wasser bis zur Haltestange am Bassinrand schlittern kann und nicht aus dem Reifen kugelt.

Auch Barracuda ist ein gigantisches Feuerwerk an schaukeligem Rutschenspass! Die enorm abrupten Richtungswechsel, der abwechslungsreiche Verlauf, die flickwerkartige Variation der Röhrenausführung und nicht zuletzt auch der Plumpsauslauf – immer witzig bei einer Reifenrutsche und heute nur noch sehr selten anzutreffen – machen auch diese Rutsche zu einem absoluten Highlight. Ich würde sogar sagen, dass es sich dabei um eine der besten Raftingrutschen handelt, die ich je bezwungen hab. Auch hier ein klares Thumbs up!

Leuchtet sicherlich von selbst ein, dass hier mit kurzen Beinschon-Pausen zum Wellenbetrieb und in den Whirlpools sehr rasch 18.00 Uhr war. Kurz vorm Umziehen hab ich dann doch noch rasch die Kamera aus dem Spind geholt, um ein paar letzte Innenaufnahmen dieses schon drei Tage später für immer schliessenden Bads zu machen.

Hat es sich nun gelohnt, die elendig lange Strecke von Zürich hierher zu fahren, um die zum Tode geweihte Anlage noch ein letztes Mal erleben zu können und den Aufenthalt in Walibi Belgium extra deswegen auch etwas kurz zu halten? Ja. Aber sowas von. Jedoch muss man auch ganz klar betonen: nur wegen den Rutschen. Gerade die PPK-Nachbauten von Van Egdom sind absolut Weltklasse und es würde mich wirklich traurig stimmen, wenn sie nicht an einem anderen Standort ein neues Zuhause finden würden. So alt sind sie ja noch gar nicht. Das Bad selbst hat seine Glanzzeiten aber schon eher hinter sich. Gerade die inzwischen ziemlich überall feststellbaren Baumängel und die eklig wirkende Wasserqualität im Aussenbassin-Teil hinterliessen bei dem doch eher auf stolzem Niveau angesiedelten Eintrittspreis einen schon ziemlich schalen Eindruck. Die Stadt Brüssel hält weiterhin am Projekt Neo fest, so dass das Bad in nächster Zeit also definitiv plattgemacht wird, um neuem Wohnraum und Einkaufsflächen zu weichen. Vielleicht ist das auch ganz gut so. Vor vielen Jahren wurde zwar mal ein Neubau an anderem Standort in der Stadt diskutiert, aber die Pläne verliefen glaube ich zwischenzeitlich im Sande – pun intended. Bleibt nur zu hoffen, dass sich ein anderes Bad der grandiosen Rutschen annimmt oder dass der in Belgien definitiv Zugkraft geniessenden Marke Océade vielleicht doch in anderer Form irgendwie wieder Leben eingehaucht wird.

Vorderhand „duschte“ ich mich unter einem erbärmlichen Rinnsal (nie wieder werde ich mich über die Aqua-Clic-Spardüsen meines sekundären Stamm-Schwimmbads beschweren) und zog mich unter wiederum lauter Türenknall-Geräuschkulisse um. Mit einem letzten, und eben wirklich allerletzten Blick zurück ging es danach zum Auto und durch zwei Stausituationen erst einmal heim nach Vilvoorde, um dort richtig zu duschen und mir dann noch einen schönen Abend mit belgischem Detailhandels-Scouting, Pizzaholen und einem Tee aus dem Wasserkocher gegen die heute leider eingeholte Erkältung zu machen.

Das belgische Supermarkt-Original Colruyt war mir zwar grundsätzlich von den Grosseltern her ein Begriff, da es die Kette in Frankreich ja auch gibt, aber grundsätzlich muss man sie in vielerlei Hinsicht doch in ihrer „Urform“ hier in Belgien zu Gemüte führen.

Der ganze Laden kommt im wesentlichen ohne Lagerfläche aus. Die Vorräte werden direkt über den Verkaufsregalen gelagert und bei Bedarf runtergeholt und ins Regal gestellt – ganz ähnlich wie das die französische Atac in gewissen Filialen früher auch gemacht hat. Und ohne brauchbares Foto, aber ohne Zweifel die grösste Attraktion: ein begehbarer Riesen-Kühlraum, wo die ganzen Frischesortimente auf normalen Regalen bereitliegen und auch die Obst- und Gemüseabteilung drin ist! Statt der einzelnen Regale wird einfach die ganze Parzelle gekühlt!

Die Kassenzone kommt dann komplett ohne Laufbänder oder sonstige Kassenmöbel aus. Das Bedienpersonal steht an einer Art „Zapfsäule“ und kassiert per Handscanner den gesamten Einkauf in den leeren Einkaufswagen des vorherigen Kunden ab. Danach wird eine Quittung ausgespuckt, die man dann an einer separaten Zahlstelle, die sich drei oder vier Einscann-Stationen miteinander teilen, wieder einliest und schliesslich auch dort bezahlt. Auch zum No-Frills-Konzept passend werden halt keine Kreditkarten akzeptiert. Was ich aber schon im Vornherein wusste und daher 5 von ganzen 20 Euro, die ich auf der gesamten Reise überhaupt bar bezahlt hab, hier zum Einsatz brachte.

Tags darauf wurde nach einem wiederum sehr guten Frühstück zusammengepackt und ausgecheckt, danach begab ich mich auf die lange Heimreise. Nach zwei Abschieds-Bouchons auf dem Brüsseler Autobahnring dann aufs Gesamte gesehen extrem flüssig und mit nur noch kurzen Zwischenstopps bei Ikea Arlon (Verschnaufen und Wifi), Cora Foetz in Luxembourg (Tanken und Sandwich) und Auchan Illkirch-Graffenstaden (Lieblings-Duschmittel-Bunkern und Wifi). Selbst durch Basel war ich an diesem Freitagnachmittag erstaunlich reibungslos gekommen, so dass die Heimat trotz der drei Pausen in siebeneinhalb Stunden von Tür zu Tür wieder erreicht war.

Würde ich es wieder so machen? Für so geniale Rutschen wie die im nun seligen Océade müsste die Antwort unter den gegebenen Rahmenbedingungen auch bei einem zweiten Mal ja lauten. Und auch am „Rande“, was man gerade von Walibi Belgium hier ja leider so schreiben muss, konnte so einiges mitgenommen werden. Trotz aller Anstrengungen wurde der persönliche Erfahrungsschatz und der Horizont wieder einmal um ein ganz entscheidendes Stückchen erweitert, so dass ich die Nacherzählungen zum buchstäblich letzten Weg an den Standort einiger der verrücktesten Kult-Wasserrutschen unserer Zeit wieder einmal mit einer herzhaften Freaknote würzen kann.

Spaß auf Tiki-Waka


Nach diesem furchtbar anstrengenden Schlauch von Anreise sah die Welt nach einem erholsamen tiefen Schlaf und einem wirklich sehr guten Frühstück tags darauf dann zum Glück wieder etwas rosiger aus, so dass ich nach dem Frischmachen nun das erste Ziel für heute und den ersten Hauptgegenstand des Berichts ansteuerte: Walibi Belgium.

Die Fahrt dahin war von Vilvoorde aus zwar nicht mehr sehr lang, aber für einen ortsunkundigen Touristen dennoch eine kleine Herausforderung. Auf dem Papier sieht die zu fahrende Strecke absolut machbar aus, beinhaltet aber zwei Manöver, wo man auf der Ringautobahn innert kurzer Distanz über mehrere Spuren nach links wechseln muss – wobei aber zu jeder Tages- und Nachtzeit ein krasser Kontrast zwischen den rechten und linken zwei Spuren herrscht, da auf der einen Seite praktisch alles still steht und auf der anderen mit 120 bedrohlich gedrängelt wird. Wundert mich echt, dass da überhaupt die Höchstgeschwindigkeit zugelassen ist – solche Stellen wären in unserem Sprachraum eher auf 100 oder gar 80 reguliert.

Und selbst wenn man es dann mal rüber geschafft hat, war es furchtbar unangenehm, am letztmöglichen Punkt praktisch im Stillstand mit Blinker nach links zu stehen und zu hoffen, dass sich irgendein Fahrer da mal erbarmt und einen reinlässt, während mit beängstigendem Tempo sich von hinten nähernde Nachkommer hupten und superknapp rechts an einem vorbeidüsten – nur um dann noch weiter vorn dasselbe wie ich zu machen, aber schon weit über die gestrichelte Linie hinaus. Da hab ich leider wahrlich kein gutes Bild von Belgien mitgenommen – das Anwenden des Reissverschluss-Verfahrens oder eine gewisse Toleranz gegenüber offensichtlichen Touristen mit ausländischem Nummernschild war irgendwie in der ganzen Stadt Fehlanzeige. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass im Grossraum Brüssel immer und überall irgendwo Verkehrsüberlastung und Stau vorherrscht, so dass die Fahrer entweder stehen oder dann dadurch verlorene Zeit rasend wieder aufholen, wenn sich die Lage etwas lichtet. Aufs Gesamte betrachtet sollte man sich entweder nach ÖV-Alternativen umsehen oder dann ein dickes Nervenkostüm für die grauenhaft hektische Fahrweise der Bälgier™ (Patent auf den Begriff beantragt 😉) mitbringen.

Irgendwann war dann endlich der Ort des Geschehens erreicht, wo sich trotz zeitiger Ankunft vor der Öffnung um 10.00 Uhr bereits eine beachtliche Menschen- und Fahrzeugmenge auf dem Parkplatz eingefunden hatte. Anlässlich des Feiertags der französischen Gemeinschaft Belgiens war der Park ausnahmsweise mal an einem Donnerstag geöffnet, wo man ansonsten bereits zu Weekend-only-Operations übergegangen war. Klar wollten dies viele Wallonier nicht ungenutzt lassen – trotz noch kühlen 12°C herrschte ja allerschönstes Sonnenscheinwetter vor.

Da ich mein Ticket vorab bereits online gekauft und aufs Smartphone geladen hatte, brauchte ich dies am Eingang nur noch zu zücken und abzuscannen – und schon stand ich in der einladenden Mainstreet des Parks.

An deren Ende wurde man bis punkt 10.00 Uhr noch zurück gehalten, dann wurde das Tor aufgesperrt und die aufgestaute Meute in den Park gelassen. Disclaimer vorab: Da das ebenfalls noch am gleichen Tag zu absolvierende Océade bloss bis 18.00 Uhr geöffnet hatte, konnte ich dem Park nicht die Zeit einräumen, die er eigentlich verdienen und angesichts der heutigen Fülle schlicht auch benötigen würde. Ich hatte mich im Vorfeld darauf eingestellt, nach dem Tor erst einmal nach links zu marschieren und den Park entgegen des gemeinhin üblichen Kundenstroms also im Uhrzeigersinn um den See herum zu erkundigen und zu sehen, was sich auf diese Weise alles schaffen lässt. Zwischen 14.30 und 15.00 Uhr musste ich spätestens weiter, um noch rechtzeitig beim Océade zu sein – daher rechnete ich mit maximal einer Fahrt auf den sieben Coastern und notfalls noch mit erkauften Bonus-Fahrten, da der Park für 15€ eine recht faire Light-Speedy-Pass-Variante anbietet, die viermaliges Vordrängeln erlaubt. Diese etwas gehetzte Besuchsweise mit Tendenz zum Abfrühstücken wird sich im Bericht leider zwangsläufig ein bisschen widerspiegeln. Seid euch aber bewusst, dass das von der Planung her einfach nicht anders ging und ich angesichts des vorgestellten Masterplans für die nächsten paar Jahre eh in Bälde vorhabe, für eine ausführlichere Visite zurück zu kehren.

Nach dem Aufsperren der Tore ging es also schnurstracks nach links, an den Rutschen des dem Park zugehörigen Plauschbads Aqualibi und der Seefront vorbei. Dann landet man als erstes beim Vekoma Boomerang Cobra, der als Tageseinstieg komplett schlangenlos – kicher! – mitgenommen werden durfte.

Zur ausreichend bekannten Fahrt eines Boomerangs muss glaube ich nicht mehr viel geschrieben werden. Wenn so ein Ding ohne Wartezeit mitgenommen werden kann und es darüber hinaus noch ein so smoothes Exemplar wie das hiesige ist, dann machen mir die Dinger unglaublich viel Spass! Besonders der immer wieder unterschätze Druck im Looping während der Rückwärtsrunde machte nach so langer Pause – den letzten richtigen Boomerang bin ich meine ich vor zwei Jahren in Darien Lake gefahren – so richtig Laune!

Randnotiz: Obwohl gleich zwei Ride-OPs während der Bügelkontrolle nichts beanstandet haben, wies mich ein offenbar zu einem kurzen Check vorbeigekommener und am Ausgang der Bahn stehender Parkaufseher an, ich solle meine Sonnenbrille absetzen und während der Fahrt in die Hand nehmen. Wieder mal helvetisch paraphrasiert: Der hat wohl auch nur was gesagt, damit er heute auch tatsächlich was zu sagen hatte.

Als nächstes an der Reihe war eine sehr geschichtsträchtige Bahn mit Seltenheitswert! Der heute als Psyké Underground auftretende Schwarzkopf Shuttle Loop wurde 1982 quasi als Hand-me-down von einem seine Bestellung storniert habenden japanischen Park gekauft und eröffnete als Sirocco hier im Park. Spätestens 1997 hat sich die Anlage ins öffentliche Gedächtnis, öhm, katapultiert, da ein Zusammenspiel von Faktoren mit sehr unwahrscheinlicher Auftretungswahrscheinlichkeit tatsächlich dafür sorgte, dass der Zug präzise im Scheitelpunkt des Loopings stecken blieb. Um den Imageschaden in Grenzen zu halten, wurde der Looping zwei Jahre später eingehaust und die Anlage fortan Turbine genannt – und so wird sie wohl den meisten RCT-Fans und Onridern nicht zuletzt auch aufgrund eines prominenten hiernach benannten Forenmitglieds in erster Linie bekannt sein.

In der Saison 2008 häuften sich die Probleme mit der Bahn, so dass zuletzt nur noch alle fünf Minuten ein Zug abgeschossen werden konnte und daraufhin schliesslich die Reissleine gezogen wurde. Fast vier Jahre lang stand die Bahn still, bevor in Zusammenarbeit mit Gerstlauer das Launchsystem von Flywheel auf LIM umgerüstet wurde und die Anlage mit neuen Schwarzkopf-Replik-Zügen gleichen Hauses, nunmehr beidseitig eingehausten Spikes zur Lärmreduzierung für die Anwohner und natürlich neuem Thema 2013 eben als Psyké Underground neu eröffnete.

Die Thematisierung der Bahn ist heute im 2011 ge-revampten oder hier vielleicht passender ausgedrückt relaunchten Walibi-Comic-Universum angesiedelt und dreht sich um eine Stadt im Untergrund, „wo die Musik noch frei ist“… Ähm, ja. Ich muss mich da ganz ehrlich gesagt zur Fraktion zählen, die das alte knuffige Walibi vermissen und die neuen etwas älter gewordenen 3D-Figuren und insbesondere das ganze Band-Battle-Gedöhns einfach nur blöd findet. Aber das ist wohl der Geschmack der Zeit. Die Aufwertung und Umthematisierung begrüße ich zwar, kann mich mit dem Konzept aber nicht 100%ig anfreunden.

Gewiss zähle ich natürlich überhaupt nicht zur anvisierten Zielgruppe und habe auch nicht den Vergleich zu vorher, da der im Bericht geschilderte ja mein Erstbesuch in einem Walibi-Park überhaupt war. Man muss aber zweifellos – wie obig ja auch zitiert – anerkennen, dass der mit dem Rebranding einhergehende Investitionsschub den Walibi-Parks ganz allgemein wohl sehr gut getan hat, und man den Shuttle Loop ohne diesen womöglich gar nicht fahren könnte in der heutigen Form.

Trotz inzwischen jahrzehntelanger Coaster-Nachpilgerei und v.a. vollkommen massloser Anwendung dieses Coastertypus in der RCT-Franchise – gerne auch mit Interlocking Loops um noch mehr Geld zu scheffeln – war dies tatsächlich mein allererster Shuttle Loop! Und er hat definitiv alles gehalten, was ich mir davon versprochen habe. In der verschiedenfarbig ausgeleuchteten Station gab es erst einmal ein Wiedersehen mit den mir schon aus Hershey von Sooperdooperlooper her bekannten Gerstlauer-Repliken der alten Schwarzkopf-Züge mit den super-bequemen Sitzen und Bügeln, die auch rasch durchkontrolliert sind.

Nachdem die Psyké Tante auf den Screens mit dem Vorlauf-Jingle ihr Tantrum von wegen das System endlich zu starten beendet hat, rollt man ein kleines Stück weit in Schritttempo aus der Station in den Launchtunnel hinein. Erst dort wird nach einem weiteren kurzen Countdown dann der eigentliche Hauptschub eingeleitet. Damit hab ich ganz ehrlich gar nicht gerechnet – von der alten Turbine hatte ich noch Videos im Hinterkopf, wonach man dort aus dem Stillstand in der Station direkt voll beschleunigt wurde; und ich hab wohl einfach ohne mich grossartig vorab über Psyké Underground zu informieren angenommen, dass das auch bei der Umrüstung so gehandhabt wird. Aber rein grundsätzlich ist das ja gar nichts Schlechtes, da der Launch auf diese Art womöglich sogar etwas knackiger ist, da das gleiche Tempo innert kürzerer Distanz erreicht werden muss? Vielleicht ist das halt eine Frage des Erstkontakts, da man doch von einigen Stimmen liest, die den alten Schwungrad-Abschuss etwas thrilliger fanden. Aber da ich persönlich den Vergleich hierzu halt nicht habe, kann ich nur sagen: Bombensache und ein überaus hübsches Trittchen, dieser Launch!

Danach rast man in völliger Dunkelheit durch den gewohnt druckvollen, kreisrunden Schwarzkopf-Looping – wobei man durch den konstanten Pressdruck ganz Flight-of-Fear-mässig nicht so recht weiss, wo oben und unten ist. Anschliessend pendelt man auf dem bis zu 42 Meter Höhe erreichenden Vorwärtsspike aus und absolviert mit dem so gewonnenen Tempo dies Plaisirchen von Loop nun bekanntlich noch einmal rückwärts – einfach klasse! In der Station greifen dann einige ziemlich entschleunigende Bremsen zu, so dass man auf dem hinteren Turm nicht ansatzweise die Höhe gewinnt wie in der Vorwärtsrichtung. Aber da ist die auch so richtig tolle und geniale kurze Fahrt eh schon bald zu Ende.

Was für ein Ritt! Meine Shuttle-Loop-Premiere hat jedenfalls nicht enttäuscht und bei einem leeren Park wäre ich hier wohl kaum mehr wegzukriegen gewesen. Gerstlauer hat hier wirklich eine tolle Leistung erbracht, das alte Goldstück erfolgreich für die 2010er- und hoffentlich auch noch viele weitere Jahre wieder fahrtüchtig zu machen. Alle Daumen rauf!

Sorry, liebes Belgien, für unseren EDM-Export Quentin Mosimann. Aber warum entscheidet ihr euch als Land von Bonzaï und mehreren jonesigen Wiedergeburten denn ausgerechnet für ein Romandie-Outsourcing aus grausamem Elternhause?

Nun war der See in der Parkmitte zur Hälfte umrundet und die nächste Station daher der Exoten-Themenbereich, wo sich die Neuheit dieses Jahres befindet: der Gerstlauer Bobsled Tiki-Waka. Der Themenbereich und die Anlage selbst machen einiges her, erinnern durch die Gestaltungselemente tatsächlich ein wenig an die Busch Gardens Tampa Bay und werden vom Publikum auch sehr gut angenommen. Also nichts wie rein in die zu dieser Uhrzeit noch überschaubar aussehende Schlange!

Leider hatte ich hier so richtig Pech. Die Schlange reichte zu meinem Eintreffen ein kleines Stück über die Tiki-Statue mit den drehbaren Gesichtsteilen im letzten Drittel der Schlange hinaus. Ich hätte geschätzt, dass man ab da bei Normalbetrieb noch allerhöchstens 20-25 Minuten steht. Unglücklicherweise gab es ganz kurz nach meinem Eintreffen etwa einen zehnminütigen Komplettstillstand. Da ging absolut gar nichts mehr, alle fünf Wagen standen in der Station und den Bremsbereichen. Nachdem wahrscheinlich dann irgendwann die Techniker kamen und die Bahn irgendwie wieder kurzzeitig zum Laufen brachten – reine Vermutung von mir, da ich zu dieser Zeit ja an einer Stelle weit unterhalb stand, wo man nicht sieht, was in der Station gerade passiert – fanden dann vier oder fünf Fahrten mit Passagieren statt und kurz danach gab es wieder etwa fünf bis sieben Minuten Stillstand. Nach den daraufhin folgenden Leerfahrten schien dann alles wieder klar zu sein und die Wagen konnten wieder normal Passagiere aufnehmen.

Bis ich dann Platz nehmen konnte dauerte es dennoch etwas – insgesamt habe ich mit allen Pannen einberechnet eine Dreiviertelstunde gewartet. Vom oberen Deck beim Einsteigebereich sah man, dass sich die Warteschlange aufgrund der Downtimes nun einmal quer über den ganzen Vorplatz erstreckte und dann vom Personal auch der letzte Zickzack-Abschnitt der Queue geöffnet wurde. Nach absolvierter Fahrt war die Wartezeit auf den Bildschirmen im Park konstant mit 65-75 Min. beziffert.

Was halt auch nicht half: Speedy-Pass-Inhaber wurden beim Einteilen seeehr bevorzugt behandelt (ich meine, es sassen in jedem zweiten Wagen vier Speedy-Pass-Inhaber) und ironischerweise eben auch beim Einlass an sich mit nicht zu verachtendem zusätzlichem Zeitaufwand. Da aufgrund des Novitätsfaktors und der im Vergleich mit anderen Anlagen im Park schon eher niedrigen Kapazität von 600 pph beim Unlimited Pass nur eine Fahrt mit Tiki-Waka inklusive ist, wird dieser mit so einer Schaffner-mässigen Kontrollzange abgeknipst. Und bei der Variante mit 4x Vordrängeln wo man nach dem Kauf einfach vier Zettelchen erhält, die man an den entsprechenden Zugängen dem Personal aushändigen muss, müsste theoretisch auch ein gesamter allfälliger Restbestand noch abgeknipst werden, um sicherzustellen, dass die Inhaber während ihres Parkbesuchs auch wirklich nur einmal mit Tiki-Waka fahren. Dass das dauert versteht sich ja von selbst. Kurios erscheint zudem auch, dass immer nur ein Viererwagen beladen wird, während zwei mit noch geschlossenen Bügeln dahinter warten. Gerade bei diesem Bahnentypus mit so einer langen Station und Fastpass-Handling verwundert es doch sehr, dass man nicht einen separaten Aussteigebereich einrichtet oder zwei Wagen simultan belädt…

Nunja, einmal drin ist die Fahrt an sich dann aber wirklich spassig! Besonders die kleine Slalomstrecke direkt nach dem First Drop sieht so nach nichts aus, kommt aber unverhofft richtig gut! Und auch der Rest der mit guter Laufruhe, dezenter Airtime und geschmeidger Kurvenfahr-Dynamik daherkommenden Strecke weiss wirklich zu gefallen – die Bahn füllt gekonnt die Lücke zwischen den Kinderbahnen und den grösseren Thrillrides im Park. Passt absolut super hierhin, ist liebevoll thematisiert und wird vom Publikum wie ja zu sehen auch sehr gut angenommen. Die sich zuvor hier befunden habende Marienkäferbahn ist zurzeit noch eingelagert und kommt erst 2019 auf den alten Standort des Riesenrads vor Loup-Garou.

Bautechnisches Gimmick: Die Strecke kommt nach dem Lifthill bis auf einzelne Ausnahmen in Blockbremsen und Tälern grossteils mit Dreipunkt-Schienen daher und wechselt kurz vor der dritten Blockbremse dann komplett zu einem flachen Profil. Also voll anti-Galaxy-Orbiter in der West Edmonton Mall.

Zwischenzeitlich am Westernbereich angekommen war es nun an der Zeit für eine weitere Vekoma-Perle: Calamity Mine. Angeschrieben waren hier noch überschaubare 35 Minuten Wartezeit, effektiv waren es dann aber knappe 20 oder so. Flotter Dreizugbetrieb sorgt auf solchen Minetrains für eine Mordskapazität. Absolut herrlich ist die dezente Verschiebung im Höflichkeitsgrad auf einem Hinweisschild in der Warteschlange. Auf Französisch in etwa: Ayez l’amabilité de ne pas polluer l’environnement de notre parc.Haben Sie bitte die Freundlichkeit, unsere Parkanlagen nicht zu verschmutzen. Und auf Englisch: Don’t throw trash into the scenery. Hahaha!

Ich fand es auf Videos der Bahn schon immer toll, dass sich die Züge hier bei den parallelen Lifthills und noch zwei weitere Male auf der Strecke begegnen – das ist frei nach RCT der Erregungsrate ja leidlich zuträglich. Allerdings sieht man hier auch wieder die Auswirkungen eines höchst französischen Problems, das der enge Aufbau der Station mit sich bringt: Auch bei einer gut halbstündigen Warteschlange schaffen es die Parkgäste nicht, sich gleichmässig an alle verfügbaren Gates zu verteilen, so dass etliche Plätze und ganze Zweierreihen in den insgesamt 26 Personen fassenden Zügen einfach leer blieben. Aber nun ja, so direkt auf Tiki-Waka ist das nun wirklich Jammern auf sehr hohem Niveau. Genauso wie das Klagelied meines linken Ohrs, das sich in der Station angelangt direkt im Einzugsfeld einer laut schreienden Ride-Opse befand, welche die Fahrwilligen (oft leider vergeblich) auf die noch freien Plätze aufmerksam machte.

Ist einfach eine Augenweide, diese Anlage! Mit den Felsen, den Holztunnels, dem See, dem Wasserfall und hunderten liebevoll platzierter Details schlicht ein Paradebeispiel dafür, dass auch ein später mehrfach repliziertes Standardlayout echt toll thematisiert werden kann. Ein richtiger „Sehr hoch, Hoch, Mittel“-Minetrain eben. Zwar hat es mich bei dieser Aufnahme zuerst gewurmt, dass ich etwas zu spät abgedrückt hab, um die Fontäne die der vorbeirasselnde Zug auslöst noch rechtzeitig einzufangen. Als ich dann aber erkannt hab, dass ich dadurch unverhofft einen Gischt-Regenbogen festhielt, hab ich es trotzdem nicht aussortiert.

Zur Fahrt an sich kann ich auch nur in den Grundtenor mit einstimmen: einfach schick und spassig zu fahren. Und zudem genau richtig für das Hauptpublikum an diesem Tag – im Gegensatz zu Tiki-Waka aber mit anständigem Throughput.

Mit etwas nervösem Blick auf die Uhr, die Wartezeitanzeigen und den mir unablässig vom Eingang her immer noch entgegen kommenden Kundenstrom wurde der Fall leider klar: Wenn ich die grossen Attraktionen und das Océade – den eigentlichen Hauptaufhänger der ganzen Reise – noch schaffen will, dann muss unglücklicherweise eine Drängelhilfe her. Was aber grundsätzlich nicht am Park lag – mit Ausnahme von Tiki-Waka vielleicht wurde überall das absolute Optimum aus den Operations rausgeholt – sondern einfach an der schieren Fülle an diesem ausnahmsweise geöffneten Feiertag und dem leider nur kurzen Zeitfenster, das ich dem Park einberaumen konnte. Alle grösseren Bahnen hatten zu dem Zeitpunkt bereits über 50 Minuten Wartezeit angeschrieben, einzige Ausnahme war eigentlich nur Pulsar mit stetig 35 Minuten. Daher ging ich also in einen Souvenirshop in der Mainstreet und kaufte neben dem sowieso noch zu erstehenden Parkplatz-Ticket eben auch einen 4x Speedy Pass für 15€, der viermaliges Vordrängeln erlaubte. Ich fühlte mich zwar schon wie Daria, die für den Kaffeetreff der Schule keine Schokoriegel mehr an Menschen verkaufen wollte, denen sie offensichtlich nicht gut tun („the bad kind of dirty.“), aber zum Glück bloss viermal.

Die erste der beim Kauf ausgehändigten Quittungen wurde kurz darauf beim Vekoma SLC Vampire eingelöst, der mit seiner beeindruckenden Erscheinung ein eigenes kleines Parkeck samt da hinüberführender Brücke spendiert bekommen hat.

Durch den Ausgang also rein in den Bahnhof und sofort durfte ich zum Auffüllen in Reihe vier Platz nehmen, wo nur eine Single Riderin sass – prima, so fühlte ich mich ein Stück weniger schuldig. Sie fragte mich, ob ich schon mal mit der Bahn gefahren sei. Ich verneinte, merkte aber an, dass ich schon mehrfach auf ähnlichen Anlagen war und über dieses Exemplar hier eigentlich nur Gutes gehört habe. Ich war froh als es dann endlich losging und dass der Plan für die zweite Tageshälfte den Besuch eines Plauschbads samt vorangehendem Abduschen vorsah – die „Ohrenschoner“ an den SLC-typischen Kappenbügeln haben auf meinem Platz zumindest so gestunken, dass mir fast das Frühstück hochgekommen wär. Und tatsächlich hab ich den zwangsweise so nah am Kopf auftretenden Gestank irgendwie noch eine Stunde nach der Fahrt nicht mehr aus der Nase gekriegt.

Aber davon ab: Einmal den First Drop runtergedüst war ich trotz aller positiven Vorwarnungen komplett baff darüber, wie sanft sich dieser SLC gefahren ist. An der Spitze des Rollovers angelangt dachte ich mir so: „Der Mind Eraser in den Elitch Gardens war bis hierhin auch smooth – abwarten!“ Nach Vollstreckung des Sidewinders schoss es mir in den Sinn: „Infusion in Blackpool fuhr bis zu diesem Punkt im Layout ebenfalls sanft – da kommt doch sicher noch was!“ Aber es kam – man höre und staune – schlicht und ergreifend nichts Gravierendes mehr. Es war wirklich kaum zu glauben – bis zur kompletten Vollendung der ja hinreichend bekannten Strecke wartete dieseser SLC wahrhaftig mit einer „schon rein grundsätzlich“ geschmeidigeren Fahrdynamik auf als sämtliche andere von mir getestete Exemplare. Da war absolut kein übermässiges Mit- und Gegenarbeiten nötig. Teufel, man hätte sich sogar gemäss Anleitung in die Kopfstütze zurücklehnen können und die Fahrt wäre immer noch absolut erträglich gewesen!

Nicht falsch verstehen: Selbstredend ist man hier immer noch ein respektables Stück davon entfernt, von einer butterweichen Fahrt sprechen zu können. Aber so rein im gattungsinternen Vergleich nimmt dieser SLC fahrkomfortmässig einen absoluten Spitzenplatz ein. Vampire ist quasi der Tennessee Tornado unter den SLCs. Die geographische Nähe zum Fertigungswerk scheint allen Vekoma-Anlagen im Park richtig gut zu tun. Auf die Art ergab lernt man das eigentlich ja ganz lustige Layout wieder zu schätzen und kommt zum Schluss: Hier würde man sich bei einem Wiederholungsbesuch in der Tat gerne wieder hineinsetzen. Mais oui!

Als nächstes war der zweite Fabelwesen-Coaster gleich nebenan an der Reihe: der Vekoma-Woodie Loup-Garou!

Ich muss zugeben, dass diese mit Seltenheitswert beschenkte Anlage mit ausschlaggebend dafür war, Walibi Belgium unbedingt auch noch in die Tour mit einzubauen. Aufgrund der reduzierten Spätsaisons-Öffnungszeiten, der in frühen Planungsstadien noch nicht definitiv bestätigten Freitagen auf der Arbeit sowie der Tatsache, dass man Walibi Belgium notfalls immer noch nachholen könnte, Océade aber nicht, spielte ich durchaus mit dem Gedanken, ihn ganz zu kippen und allenfalls eine reine Rutschentour aus dem Reisli zu machen. Loup-Garous Zukunft im jetzigen Erscheinungsbild steht allerdings auf wackeligen Beinen, da die Bahn laut erwähntem Masterplan auf die Saison 2021 hin ein „neues Thema“ erhalten soll. Was wohl heisst, dass die Bahn im Rahmen der angedachten Umgestaltung einen neuen Namen, neue Deko und neue Züge erhalten wird. Da die originalen Woodie-Züge der Firma auf den anderen beiden Vekoma-Woodies bereits Geschichte sind, ist es also allerhöchste Zeit, sich hiervon unbedingt noch ein eigenes Bild zu machen, solange es noch geht.

Und gerade von den Zügen war ich aufs Positivste überrascht, als ich via separierten Speedy-Pass-Aufgang dann mit einem tapferen jungen Single Rider in die Backrow zugeteilt wurde und einen ersten genaueren Blick darauf werfen konnte. Rein von der weichen Kunstleder-Polsterung und dem Sitztrenner her erinnerte das Design grundsätzlich an eine Mixtur aus Millennium Flyern (auch durch die durchgehenden Stangen hinter den Sitzbankwänden) und PTC-Zügen, allerdings mit gewissen Gerstlauer-Woodie-Zug-Elementen aufgemotzt, wie z.B. den Gitterfronten vorn an allen Sechserwaggons.

Die allergrösste Überraschung waren dann aber die mir super-komfortabel aufliegenden Hydraulik-T-Bügel. Ich habe zwar schon einmal Fotos und Filmaufnahmen davon gesehen, konnte mir anhand dessen aber schlicht nicht vorstellen, wie sowas überhaupt ansatzweise praktisch oder schmerzfrei sein kann. Allerdings hat auf dieser Erstvisierung der Winkel total getäuscht. Nur der untere Teil der „ovalen Bügelelipse“ (aus Ermangelung eines treffenderen Begriffs) dient nämlich der Fahrgastsicherung – der vordere steht leicht nach oben gewinkelt hervor und ist als Haltestange gedacht. So simpel, genial und bequem. In einer Chat-Schilderung meiner Reiseerlebnisse hab ich Sitze und Bügel als „wie PTCs, wenn sich PTC mal an T-Bügeln oder Hydraulik versuchen würde“ geschildert – und nach den positiven Erfahrungen auf Loup-Garou damit hätte ich wirklich nichts dagegen, wenn PTC oder andere Hersteller sich hier mal was abschauen. Bleibt eigentlich fast nur zu hoffen, dass sich meine Theorie nicht bewahrheitet und uns die tollen Züge mit der Umthematisierung doch erhalten bleiben.

Die Wiese vor der Bahn, auf der sich früher das Riesenrad befand, ist in dieser Saison eine Loungezone, bevor zur nächsten dann die Marienkäferbahn hierher kommt. Ohne die Aussichten aus dem Riesenrad ist das schöne Holzungetüm mitunter etwas schwierig vor die Linse zu kriegen.

Einmal den gemächlich seinen Dienst tuenden Lifthill hochgekraxelt und aus den so erreichten 28 Höhenmetern wieder runter gedonnert, entfährt mir im ersten Tal tatsächlich ein „Auweia!“ – wenn der Rest der Strecke so polterig absolviert wird wie hier, dann gute Nacht. Allerdings stellte sich diese eine rappelige Stelle voll als Megafobia-Syndrom heraus: Bereits in der folgenden hochgelagerten Kehre stellt sich eine Woodie-Fahrdynamik ein, die einfach genau richtig ist und für den gesamten Rest der aufregenden Strecke auch erhalten bleibt.

Und die weiss schlicht zu begeistern! Tolle Kurven und Kehren, ein paar besonders im hinteren Zugteil richtig grandiose Airtime-Momente, schniek zu fahrende charakteristische S-Kurven-Schwenker, fantastische Near-Misses mit dem massiv verbauten Stützwerk… Ein total fulminantes Action-Feuerwerk, das irgendwie gar nicht mehr aufhören will und mein absolutes Highlight im Park! Auch hier hatte ich im Vorfeld ja eigentlich nur Gutes gehört, war dann aber doch überrascht darüber, wie geil und spassig diese interessante und seltene Holzachterbahn fährt. Meine Lieblingsstelle ist die kleine Mini-Kuppe nach dem relativ sanft überquerten Double Down, die so darauf zurasend irgendwie nach nichts aussieht, aber besonders in den hinteren Sitzreihen nochmals einen richtig knackigen Zusatzhüpfer generiert. :mrgrin: Wenn ich mir das jetzt im Nachhinein auf POVs so ansehe, könnte man da glatt von einem Quasi-Double-Up sprechen – auf jeden Fall bereitet sie dem Woodie-Fan immense Freude.

Der Werwolf hat nicht nur alles gehalten, was ich mir davon versprochen habe, sondern hat auch noch mit ein paar tollen Zusatz-Gimmicks aufgewartet, die diesen schönen Vekoma-Woodie im Ranking nun auf einen Platz weit oben in den persönlichen Holzcharts gehievt haben! Interessant fand ich ja herauszufinden, dass die Stand Company hier irgendwie im Designprozess involviert war – ihres Zeichens auch treibende Kraft hinter Bahnen wie dem Dania Beach Hurricane, den zwei japanischen Intamin-Woodies Regina und White Cyclone (RIP), Vekoma-Kollege Robin Hood in Walibi Holland und auch dem grandiosen Cyclone-Klon Viper in Six Flags Great America. Im Hinblick auf gewisse verbaute Streckenparts und eine Vorliebe für Sechserwaggons im ursprünglichen Auftritt war das voll das Aha-Erlebnis.

In jedem Falle glänzt Loup-Garou mit einer richtig schicken langen Strecke, einer vom ersten Tal mal abgesehen durchgehend leckeren Woodie-Fahrweise, schmissiger Airtime, tollen Zügen und einem einfach genialen Gesamterlebnis mit Seltenheitswert. Für mich die beste Bahn im Park – wohl absolut nicht verwunderlich, dass ich mein noch übriges Vordrängelticket dann für eine zweite Fahrt hierauf verwendet hab. Hoffentlich werden sich die 2021 kommenden Veränderungen am einmaligen Spirit dieser beachtlichen Holzachterbahn orientieren.

Das Madhouse Palais du Génie hab ich zwischendurch auch noch rasch mitgenommen, da dies an dem Tag eine der wenigen Attraktionen im Park war, die nicht 45 Minuten und mehr Wartezeit angeschrieben hatten. Die Pre-Show ist irgendwie schräg, da sie bilingue abgehalten wird und zweimal hintereinander eigentlich das Gleiche gesagt wird. Übersetzungs-Szene in der Synchronfassung vom Urteil von Nürnberg ahoi? Auch irgendwie gruselig waren die Augen des den Flaschengeist spielenden Schauspielers – da kamen sofort gewisse Stummfilm-Schmink-Traumata vom Bachelor-Studium wieder hoch. Das Madhouse an sich war dann wie gewohnt sehr verwirrend und witzig – einfach ein toller Attraktionstypus, den ich nach Möglichkeit immer gern mitnehme.

Trotz den immer noch etwas frischen 14°C hab ich mich dann doch dazu entschlossen, eine Fahrt mit dem Mack Power Splash Pulsar zu wagen.

Die Drehplattform ist wirklich ein kleines Wunder an Ingenieurskunst und eine Ausgeburt an Erfindergeist – da hab ich mich fast nicht dran sattsehen können! Im Prinzip kann man sich dabei ein veritables Karussell vorstellen, wo in einer Hälfte jeweils ein Boot drauf steht. Ist das eine fertig beladen und hat das andere den Schaukelparcours im Halfpipe-Teil auf dem See vollendet, dreht sich das Ganze einfach um 180°. Dann ist das zurückgekehrte Boot zum Entladen in der Station bereit, während sich auf der anderen Seite des Karussells die Schienensegmente wo das zweite Boot drauf steht mit den denjenigen des zu absolvierenden Kurses vereinen – und schon gehts los! Marvellous!

Kurios: Auf dieser Aufnahme vom frühen Morgen sieht man noch zwei Fahrgäste in der Frontrow sitzen. Bei allen im weiteren Tagesverlauf beobachteten Fahrten und auf allen anderen geschossenen Fotos erkennbar wurde die erste Reihe danach wohl nicht mehr beladen – die war immer leer. Da man das auf den Fotos in Ingos Bericht vom letzten Herbst auch immer so sieht, handelt es sich dabei wohl um eine Herbstmassnahme. Die frühmorgens bei noch kühleren Temperaturen als am Nachmittag wohl einfach noch keine Anwendung fand.

Auch hier nutzte ich ein Speedy-Pass-Ticket. Die Wartezeit war zwar mit durchgängig 35 Minuten angegeben und auch mit der überschaubar aussehenden Single Rider Line hätte man wohl eine Fahrt ohne grosse Wartezeit schaffen können, aber da der Abfahrtszeitpunkt gen Océade immer näher rückte, wollte ich dann doch lieber nichts riskieren. Zugeteilt wurde ich auf dem Aussensitz von Reihe 3 und war auch hier wieder sehr von den Bügeln angetan. Solche hab ich auf einer Mack-Bahn glaube ich noch nie gesehen. Im Prinzip kann man sich dabei einen normalen U-Bügel vorstellen, dessen Seitenstangen aber leicht „nach oben geschwungen“ angebracht sind und damit überhaupt nicht an den Beinen scheuern, da sie gar nicht mit ihnen in Kontakt kommen. Wunderbar, und dank Hydraulik auch wieder äusserst komfortabel aufliegend.

Auf los geht es also los und man wird über die Drehplattform also in den Parcours hinein rotiert. Aus dem Stillstand beschleunigt man zunächst gemächlich rückwärts, überquert dabei den flachen Hump, durchsaust das noch leere Schleusenbecken und pendelt am hinteren Spike aus. Mit dem neu gewonnenen Schwung durch die senkrechte Schussfahrt absolviert man das Ganze nun noch einmal vorwärts, wird unmittelbar vor dem Hügelchen aber noch einmal merklich beschleunigt. Dieser Zusatzkick sorgt für unerwartet schnittige Schwebezeit über die flache Kuppe hinweg – da man von aussen zusehend überhaupt nicht mit sowas rechnet, geht einem mit grossen Augen unweigerlich ein Bugs-Bunny-mässiges „Meiner Treu!“ durch den Kopf. Oder in Counter-Lingo vielleicht näher an der Originalaussprache des Englischen: Miner Troy.

Nunmehr am vorderen Senkrechtturm angelangt erreicht man dort eine stattliche Höhe und pendelt auch da mit herrlichem Druck gegens Bügelchen wieder thrillig aus. Jetzt wird der Hump zum dritten Mal überflogen – rückwärts und nun auch mit einem Maximum an Schmackes und Airtime. Anschliessend durchflitzt man erneut den Schleusenbereich und erklimmt den hinteren Spike zum zweiten Mal. Auch in den vorderen Reihen kriegt man die Auswirkungen des „Knicks nach hinten“ ganz oben recht deutlich zu spüren und kann auch erkennen, dass sich das Bassin am Fusse der Schussfahrt nun mit Seewasser flutet. Schliesslich donnert man auch hier airtimereich talwärts und schlittert endlich ins Wasser wo dann eine gigantische Fontäne ausgelöst wird, die sämtliche Passagiere anständig nass macht. War für mich bei der Temperatur schon eher an der Grenze, ging aber gerade noch so – ein Riesenspass! Mit nun zwangsläufig gedrosseltem Tempo überrollt man ein letztes Mal den flachen Hügel, kommt im Tal dahinter zu stehen und dreht dann übers Karussell wieder in die Station zurück.

Was für ein Technikwunder, was für eine Konstruktion, was für ein genialer Einfall und was für ein Spass! Pulsar passt absolut hervorragend nach Walibi Belgium, setzt ganz neue Thrill-Massstäbe was Wasserrides angeht und auch das per Drehplattform gelöste und Zweizugbetrieb erlaubende Shuttle-Prinzip ist einfach nur brutal genial. Ich hoffe sehr, dass solche Dinger noch in vielen anderen Parks zum Stehen kommen – hoffentlich auch in welchem mit dafür geeignetem Klima. Absolut top!

Tja, und da ab hier nur noch die zweite Fahrt auf Loup-Garou absolviert und noch eine höchst belgische Spezialität zum Lunch ausprobiert wurde, bevor es dann weiter in Richtung Zweit-Tagesziel ging.

Weil jede Reise in ein unbekanntes Land sein Poutine braucht: la Mitraillette. Ein Baguette-Sandwich mit wahlweise zwei kleinen Hacksteaks, einer Frikandel oder einer Art Chili-Schweinsbratwurst, echten belgischen Fritten im Brot und einem dicken Spritzer Ketchup, Mayo oder Sauce Andalouse obendrauf.

Walibi Belgium wäre zwar grundsätzlich ein sehr toller und lohnenswerter Freizeitpark, aber wie man aus dem Bericht ja rauslesen kann, konnte ich ihm einfach nicht die Zeit und Aufmerksamkeit widmen, die er eigentlich verdient und angesichts des Füllegrads an dem Tag ja auch gebraucht hätte. Aufgrund der zeitlichen Knappheit musste ich etliche Must-Dos wie z.B. die potentiell ja sehr tollen Wasserbahnen auslassen und schaffte nur mit Speedy-Pass-Hilfe gerade so die grossen Coaster. Aber grundsätzlich hab ich das im Voraus eigentlich schon so erwartet und trug da wegen der ab einem gewissen Punkt halt nicht mehr flexiblen Reiseplanung ja selber eine Mitschuld – denn an den Operations im Park gab es wie gesagt nicht viel auszusetzen und viele der Attraktionen hier haben halt von Natur aus einen eingeschränkten stündlichen Throughput. Dennoch war ich froh, den Park auch im etwas gehetzten Schnelldurchlaufverfahren mal kennengelernt zu haben und bin schon gespannt darauf, wie sich die Lage durch den vielversprechenden Masterplan in den nächsten Jahren hier so entwickeln wird. Schon alleine um den während meines Besuchs geschlossenen Challenge of Tutankhamon mal nachzuholen und des interessanten Mega-Coaster-Projekts wegen ist eine baldige Rückkehr wohl schon in naher Zeit mal vorgesehen.